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Fotos von Mani Froh, wenn nicht anders angegeben

"Nazi solltest du keiner sein" – Das Sub ist Wiens neuer Underground-Club

Benji Agostini

Benji Agostini

Das Sub steht für Super Unusual Beings und ist genau für solche Leute gemacht.

Fotos von Mani Froh, wenn nicht anders angegeben

"Wir waren jetzt schon fast underground-rebellisch stolz drauf, dass ihr uns nicht bemerkt habt", schreibt David, einer der Betreiber des Sub, auf meine Interview-Anfrage. Schon seit Anfang August hat Wien – genauer Margareten – einen neuen Club und im Internet findet man bisher nur eine fancy Homepage, die Facebook-Seite und stattfindende Events. Die interessantesten Facts, die man derzeit rausfinden kann: Sub steht für Super Unusual Beings und der Club ist in der Storkgasse im 5. Bezirk zuhause. Ziemlich wenig Informationen für einen neuen Club im ewig jammernden Wien. Zeit, das zu ändern.

Beim Fortgehen frage ich ein paar Freunde, ob sie schon davon gehört haben und wie es dort ist. Die wissen davon, im Club selbst waren auch schon ein paar. Es sei ungefähr so wie das Celeste mit einer besseren Anlage. Wie es aber wirklich ist und ob es ein ernstzunehmender Club ist, können sie mir irgendwie nicht beantworten.

Also habe ich mich mit David, der vorher schon Veranstalter im AU im 16. Bezirk war, am Naschmarkt zusammengesetzt und mit ihm über seinen Club gesprochen, wie viel ein Bier dort kostet, welche Musik man bei ihnen hören kann und ob der Celeste-Vergleich hinkommt.

David ist einer der Betreiber des Sub. Foto vom Autor

Noisey: Warum hab ich erst jetzt von euch erfahren? Ihr habt ja schon seit Anfang August offen.
David: Wir haben hauptsächlich auf Facebook und mit Mundpropaganda angefangen, Werbung zu machen. Jetzt im Oktober fangen wir auch an, Flyer zu verteilen. Ich komm zwar selten aus dem Lokal raus, aber ich hab mir jetzt öfter ein paar Stunden freigeschaufelt, um selber zu verteilen. So krieg ich dann auch mit, was woanders passiert.

Aber ihr seid kein weiterer Popup-Club oder?
Nein, nicht wie das Horst. Langfristig geplant wäre, nach etwas Größerem zu suchen, wenn es wirklich gut läuft. Aber die nächsten zwei Jahre sind wir mal hier. Es sind ja auch viele Leute froh, dass hier im Grätzel was passiert.

Betreibst du den Club allein?
Nein, das harte Business machen Paul, der für die Gastro und das Bürokratische zuständig ist, und ich. Ich kümmere mich um das Booking und die Werbung. Jonny Sifkovits hat sich um die Homepage gekümmert. Insgesamt sind aber so fünf bis sechs Leute aktiv.

Welche Musik hört man denn bei euch?
Wir versuchen, nicht nur eine Schiene zu fahren. Ich würde es prinzipiell als Undergroundmusik beschreiben. Wir haben arge Techno-Leute genau so wie Tropical und Cumbia.

Mit welchen Veranstaltern arbeitet ihr so zusammen?
Wir veranstalten zwar selber auch, aber der Andrang von Veranstaltern ist ziemlich groß. Es veranstalten zum Beispiel die Leute von Tingel Tangel viel bei uns, B. Ranks von BLVZE wird bald bei uns etwas in Richtung Bass machen, Nino Sebelic macht klassischen Techno, Recordshack macht Soul- und Funk-Sachen.

Kann man auch als ganz frischer Veranstalter bei euch veranstalten?
Wir sind zwar schon so ausgebucht, dass es schwierig wird, aber ab Februar werden wir auch wieder mit ein paar jüngeren Crews zusammenarbeiten. Es haben sich sehr viele Crews, sehr schnell, einen Platz sichern wollen.

Was war eigentlich vor euch im Lokal?
Davor war da jedes Jahr etwas anderes drinnen. Vor uns war hier das Halligalli. Das war ein bisschen so wie ein Würstelstand, bei dem es keine Würstel gibt, wo man nur zum Saufen hingeht und wo alle paar Monate eine Austropopband über eine ziemlich madige Anlage spielt.

Also habt ihr wahrscheinlich viel umbauen müssen.
Ja schon, aber eher optische Dinge. Wir haben einen neuen Boden verlegt, alles schwarz ausgemalt und eine Million Spiegel runtergerissen. Aber auch neue Schalldämmung verbaut. Was wir gelassen haben, ist die Bar, die im 90er-Jahre Lederlook daherkommt und die Sitzgarnituren. Es hat ein bisschen was vom alten Roxy auch. Unser Club hat auch eine wichtige visuelle Komponente. Die kommt von Ironica Los Culos. Eine fixe Installation, die immer wieder geändert wird. Man kann sagen, dass wir am meisten in Sound und Visuals investiert haben und dass wir viel Wert darauf gelegt haben, dass auch die DJs ein gutes Monitoring im Booth haben.

Ich war ja selbst noch nicht dort, aber Leute haben es mir als Celeste mit weniger Anlageneinschränkungen beschrieben. Kommt das hin?
Von der Größe her kommt es hin. Mit 200 Leuten ist es gut voll. Es ist nur anders angeordnet. Bar und Tanzfläche sind nicht so wirklich abgetrennt, nur manchmal haben wir einen Vorhang dazwischen. Und ohne angeben zu wollen: Der Sound ist bei uns besser. Bis jetzt zwar noch ohne Subwoofer, wobei der jetzt wahrscheinlich bald kommt. Den setzen wir dann bei Specials ein, wenn wir ihn brauchen.

Aber vorsichtig müsst ihr wegen Anrainern trotzdem sein?
Da sind wir vorsichtig, ja. Aber wir haben eigentlich kaum Anrainerprobleme. Anfangs hatten wir welche, weil die Leute auf der Straße zu laut waren und einer der Veranstalter vors Lokal gebrunzt hat. Aber das hat sich jetzt eingependelt. Für die großen Geschichten werden wir dann auch einen externen Türsteher anstellen müssen. Bis jetzt war das immer jemand von der Crew.

Habt ihr also auch keine Türpolitik?
Eigentlich nicht. Nazi solltest du keiner sein. Wobei das auch schwer zu erkennen ist, weil sich Hipster manchmal wie Skins anziehen und eigentlich ur links sind.

Wie lange habt ihr offen?
Offiziell bis 04:00 Uhr. Wir suchen aber jetzt für eine 06:00-Uhr-Sperrstunde an. Das dauert aber noch. Es kommt auch darauf an, ob die Leute im Haus damit einverstanden sind. Es gibt halt einen Nachbarn, der öfter bei mir anruft während der Partys.

Ihr schreibt auf eurer FB-Seite, dass ihr kein Ort für Sexismus, Rassismus, Homophobie und anderes toxisches Verhalten seid. Wie geht ihr konkret dagegen vor?
Bis jetzt machen wir das noch selber. Letztens hatten wir einen Besoffenen, der zu touchy wurde, bei uns. Den haben wir dann recht freundlich hinausbegleitet. Aber da wünsch ich mir dann doch Securitys, die sich schneller darum kümmern.


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Gibt's bei euch ausschließlich Auflegereien oder veranstaltet ihr auch Konzerte oder Ähnliches?
Wir haben jetzt zum Beispiel Blockhead von Ninjatune da, Otto von Schirach auf den ich mich sehr freue und Lukas König wird im Dezember was machen. Gonjasufi kommt am 9. November zu uns. Nach den Konzerten sind dann oft Auflegereien.

Wichtige Frage: Was kostet ein Bier bei euch?
Das günstigste ist ein 0,5 Schremser in der Flasche um 3,50 Euro. Wir haben aber auch Craft Biere aus zum Beispiel Hawaii für Leute, die auf so etwas stehen.

Abschlussfrage: Wen wählt man im Sub?
Bei dieser Wahl auf jeden Fall links. Manche von uns wahrscheinlich KPÖ oder irgendsowas. Ich weiß halt nicht, ob ich zur Schadensbegrenzung die Roten wählen soll. Ich geh auf jeden Fall wählen und tu mein Bestes.

Die nächsten größeren Termine im Sub sind:

Blockhead (Ninjatune) – 16. Oktober
Pacou (Tresor, Berlin) – 21. Oktober
Otto von Schirach – 26. Oktober
Gonjasufi – 9. November

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