Zehn Dinge, die ich an der Wiener Clubkultur liebe

Gut vernetzte Crews, zentral gelegene Clubs, schneller Erfolg mit dem richtigen Konzept: Was ich an der Wiener Clubkultur sonst noch richtig gut finde.

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16 April 2014, 10:15am

Dalia lieben wir zum Beispiel.

Max Zeller ist nicht nur ein guter Freund von uns, sondern seit Ewigkeiten in Wien unterwegs. Als DJ, Veranstalter und einfacher Gast. Wir haben ihn gebeten, zehn Dinge zu nennen, die er an der Wiener Clubkultur liebt. Morgen wird hier dann jemand anderes mitteilen, was er an der Wiener Clubkultur hasst.

1. Veranstalter, Crews, DJs und Producer sind gut vernetzt

In Wien kennt man sich. Diesen Satz kann man auch—was die Clubkultur betrifft—so stehen lassen. Wien ist zwar so etwas wie eine Metropole, aber die Szenen sind dennoch überschaubar und die Protagonisten untereinander gut vernetzt. Kollegen sind hier meistens auch Freunde oder zumindest gute Bekannte. Das hilft nicht nur was die Außenwirkung einer Clubkultur betrifft, es vermeidet oftmals auch Terminkollisionen, Doppel-Bookings und anderes Beschissenes für Veranstalter und Publikum.

2. Wien hat spannende Clubfestivals

Auch wenn sich gute Festivals wie Run Vie gerade eine Pause gönnen, kann man in Wien wirklich nicht klagen wenn es um Clubfestivals geht. Beispiele gefällig?! Ein Dankeschön geht raus an Sound:frame, Waves Vienna, Step Forward Festival, Prater Unser, Bliss, Popfest Wien und all die anderen Festivals, die uns das Clubjahr versüßen.

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3. Wenn Wiener Clubs Probleme mit Anrainern oder Behörden haben, werfen sie nicht kampflos das Handtuch

Probleme mit Anrainer und Behörden sind erstmal ein herber Dämpfer für jeden Club. In Wien gibt es diese immer wieder, selbst renommierte Clubinstitutionen wie die Pratersauna kämpften eine Zeit lang damit. Manche Clubs fallen diesen Troubles in letzter Instanz sogar zum Opfer. Dennoch kämpfen Clubbetreiber hier für ihr Recht oder wissen rechtzeitig zu handeln. Mit der Video-Kampagne „Ursula Stressned“ wurde ein lautstarkes Zeichen gesetzt. Ihr erinnert euch, weil man an Ursula gerade nicht vorbeikommt.

4. Das Veranstaltungsangebot wird nicht von ein paar wenigen Promotern diktiert

Die Zeiten in denen einzelne machthungrige Promoter bestimmten was in Wien gespielt wird und was den Leuten zu gefallen hat, ist irgendwie vorbei. Es gibt diese Strukturen zwar teilweise noch, aber sie verlieren zusehends an Relevanz. Und noch wichtiger: Sie diktieren nicht mehr alleine was party- und sound-technisch funktioniert und was nicht. Die Fülle an unabhängigen und vor allem ambitionierten Veranstaltern und Crews war noch nie so groß wie heute.

5. Es gibt in Wien eine halbwegs liberale Türpolitik

Im Vergleich zu anderen Städten muss man in Wien kaum fürchten wegen seiner Kleidung, seiner Begleitung oder wegen nicht vorhandener Coolness an der Tür abzublitzen. Ja, es gibt solche Geschichten auch in der österreichischen Hauptstadt, aber diese sind nicht wirklich repräsentativ.

6. Junge Producer und Crews drängen ins Geschäft und machen die alten Hasen nervös

Die besagten alten Hasen werden jetzt sicher aufschreien und sagen: „Ach, wir freuen uns darüber, dass junge Crews und Producer nachrücken. Uns macht niemand so schnell nervös.“ Aber sind wir uns ehrlich, ein bisschen bangen sie sicher um ihr Territorium. Aktuell ist die Dichte der jungen Protagonisten beachtlich und diese wirbeln ordentlich Staub auf und halten sie Szene vital. Das ist gut so.

7. Wiener Clubs liegen halbwegs zentral und nicht in der städtischen Peripherie

Seit die U-Bahn an den Wochenenden und vor Feiertagen 24 Stunden in Betrieb ist, kann man in Wien eigentlich fast jeden Club zu jeder Uhrzeit spielend öffentlich erreichen. Selbst Taxifahrten kosten fast immer unter 15 Euro.

8. In Wien kommt man mit den richtigen Moves schnell zum Zug

In der Stadt an der Donau muss man sich nicht zwangläufig erstmal Club-Sporen verdienen und lange im Nachleben gedient haben um relevante und vor allem fette Partys zu schmeißen. Veranstaltungen von Crews wie Vihanna, Ham oder Sexy Deutsch sind das beste Beispiel dafür.

9. Wien hat einen florierenden Undergound

Neben den großen kommerziell-orientierten Events und den dazugehörigen Clubs blüht Wiens Underground ungebrochen. Gerade im Konzertbereich brodelt es. Institutionen wie Dendritic Shows, Eternal Laser, Siluh, Seayou, Rhiz, Transformer oder Reich & Föhn sind dafür verantwortlich. Aber auch clubmusikalisch passiert Spannendes unter der Flagge von Tingel Tangel, Celeste, Salon 2000, Rhinoplasty, Sweet Heat, Paradiso und vielen anderen.

10. Wien hat sich vom „Berlin-Sein-Wollen“ emanzipiert

Jahrelang wurde man als Wiener von unzähligen Medien mit dem ewiggleichen lähmenden Berlin-Vergleich geplagt. Irgendwie gehörte das früher zum guten Ton. Diese Zeiten sind so gut wie überstanden. Seit sich Clubs wie Pratersauna, Fluc, Flex oder Grelle Forelle ständig in den Jahres-End-Listen von Groove und De:Bug wieder finden und man hier sein eigenes Tempo und seinen Charme entdeckt hat, traut man sich auch mal selbstbewusst von einer eigenständigen Szene zu sprechen. Die Uhren ticken hier halt doch ein bisschen anders als in der Techno-Hauptstadt Europas, und das ist okay so.

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