Alle Fotos: Pascal Kerouche

Mit Gzuz und Bonez MC in L.A. – Die ganze Geschichte hinter dem Videodreh zu "Warum"

"Kurz darauf qualmt die ganze Straße. Es dauert nicht lange, bis die Polizei mit Blaulicht und Sirene angerast kommt." – 187 Strassenbande-Fotograf Pascal Kerouche berichtet exklusiv für Noisey vom L.A.-Trip.

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Mai 17 2018, 10:00am

Alle Fotos: Pascal Kerouche


Pascal Kerouche wurde 1983 in Bremervörde geboren und lebt in Hamburg. Seit 2004 macht er hauptberuflich Bilder und reist als Lieblingsfotograf deutscher und internationaler Rapper und anderer Musiker um die Welt. Seinen ersten Bildband
Snapshot Stories hat er 2017 veröffentlicht. Für Noisey gewährt er exklusive Einblicke in sein neues Buch Zwei Null Eins Sieben, das 2018 erscheinen wird.

Derzeit ist Pascal vor allem mit der 187 Strassenbande unterwegs. Für das aktuelle Gzuz-Video zu "Warum" ging es nach Los Angeles.


Wir schreiben den 31. März 2018. Bonez, Gzuz, Maxwell, Sa4, LX und Frost stehen vor 13.000 Menschen auf der Bühne der ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg. Die Mitglieder der 187 Strassenbande sind dem Publikum abgewandt, die Halle bebt, alles schaut in meine Richtung. Ich schieße gerade das obligatorische Gruppenfoto. Das letzte der Tour. Ganze 31 Tage waren wir nun unterwegs. Viel Zeit für Ruhe bleibt nicht, Gzuz' zweites Soloalbum Wolke 7 erscheint demnächst, wir sind mitten in der Promo-Phase.

Eine Auszeit wäre dennoch ganz gut, zumindest ein wenig Sonne. Seit Bonez 2017 nach Ewigkeiten wieder in L.A. war, ist er in das Flair der Stadt verliebt. Sonne, breite Straßen, geiles Essen und legales Weed – was will man mehr? Gzuz war dagegen noch nie in den Staaten, hat aber unglaublich Bock drauf, vor allem auf New York. Da ist es allerdings gerade superkalt. Ich selbst bin Dauergast in den Staaten. Das letzte Mal war ich dort, um DJ Khaled zu fotografieren. Also beschließen wir, die Promo-Phase nach Los Angeles zu verlegen und das dritte Video zum Album dort zu drehen. Nach der WorldStarHipHop-Aktion müssen wir schließlich auch nachlegen.

Doch bevor wir losziehen können, steht noch ein Dreh zu "Drück Drück" auf dem Plan. Das Video zur zweiten Singleauskopplung haben wir zum Teil auf Tour gedreht, zwischen Tür und Angel, einen Teil in Mannheim, einen weiteren in Berlin. Den finalen Part drehen wir in zwei Tagen nach dem Abschluss der Tour in Hamburg. Am Morgen darauf geht es Business Class über London nach Los Angeles. Falls ihr mal das "Vergnügen" habt, mit Gzuz und Bonez zu fliegen, empfehle ich: nicht in die Mitte setzen. Und nein, man kann keinen Gin Tonic auf der Trennwand zwischen den Sitzen balancieren. Auch nicht, wenn man Bonez heißt.

In L.A. müssen wir uns erst mal um die Fertigstellung des "Drück Drück"-Videos kümmern. Die ersten paar Tage verbringen wir also mit schneiden. Währenddessen haben wir noch keine richtige Unterkunft und hustlen von Hotel zu Hotel, bis wir endlich ein passendes Airbnb gefunden haben. Kaum haben wir uns dort einquartiert, geht schon der Dreh zu "Warum" los.

Alles dauert in Los Angeles ein wenig länger, gerade wenn man auf andere angewiesen ist. Zum einen ist immer gutes Wetter, also haben die Leute Bock, einfach zu chillen und nichts zu tun, zum anderen sind die Entfernungen so groß, dass man inklusive Verkehr selbst für Kleinigkeiten ewig braucht. Du schaffst im Grunde maximal zwei verschiedene Dinge, dann ist der Tag vorbei. Dazu kommt, dass es immer ab 18:30 Uhr dunkel wird. Uns Deutschen, die es gewohnt sind, dass es im Sommer gerne mal bis 21 oder 22 Uhr noch hell ist, kommt das komisch vor. Man fühlt sich wie 23 Uhr, aber in Wirklichkeit ist es grade mal 20 Uhr. Strange, ist aber so.

Bonez ist Riesenfan von Flohmärkten und Vintage-Shirts. Ein empfehlenswerter Markt ist der Melrose Trading Post, jeden Sonntag an der Ecke Fairfax und Melrose Avenue. In der Nähe dieser Kreuzung gibt es alle Läden, die man im Leben braucht, also bleiben wir nach dem Flohmarkt noch in der Gegend. Und da passiert es: Gzuz wird tatsächlich auf der Straße erkannt! Von einem Amerikaner! Aufgrund des "Was Hast Du Gedacht"-Videos. Kurz darauf passiert es noch ein zweites Mal.


Noisey-Video: "Willkommen in Chiraq (Folge 1)"


Wer die Insta-Storys verfolgt hat, könnte meinen, wir waren zwei Wochen im Stripclub und ab und zu auch mal in der Stadt unterwegs. Der erste Club, in den wir gehen, ist eine altbekannte Anlaufstelle: Sam's Hofbrau. Gzuz schafft es am ersten Tag, mehr als 2.000 Dollar zu verbraten, und ist damit der König des Clubs. Irgendwie bringt er den DJ betrunken dazu, "Was Hast Du Gedacht" zu spielen, Gzuz geht auf die Bühne und performt zwischen den Poledance-Stangen seinen Song. In der einen Hand hält er das Mikrofon, mit der anderen wirft er mit Geldscheinen um sich, um ihn herum ein Haufen Mädels – was ein Anblick. Gzuz ist angekommen!

In den folgenden Tagen checken wir noch das Ace of Diamonds aus (sehr zu empfehlen an einem Montag). Dort finden wir dann auch Ocean. Das ist die nette Dame, die im "Warum"-Video in der Dusche tanzt. Dann ist da noch das Crazy Girls, das fanden wir alle nicht so spannend. Wir waren noch in einem anderen Club, aber der war so schrecklich, dass ich den Namen schon wieder verdrängt habe. Nach all den Stripclubs waren wir uns einig: Sam's it is!

Als wir Sam’s das zweite Mal besuchen, erkennen sie uns schon beim Einparken: "Ah, you that crazy German from last time." Jap, das war Gzuz. Am Eingang stehen neue Türsteher und siehe da, sie kennen Gzuz auch: "Ay! You that guy from WorldStar?! You are the hardest ni**a in town!" Das ist doch mal 'ne Begrüßung. An dem Abend stellt sich raus, dass der halbe Club das Video zu "Was Hast Du Gedacht" kennt und feiert, inklusive der Club-Managerin – unsere Eintrittskarte. Kurz bevor wir gehen, frage ich, ob wir bei Bedarf Szenen für das neue Video dort drehen können. "We love him! Do whatever you want!" Danke an dieser Stelle noch mal an Aeriana und allen Tänzerinnen bei Sam’s!

Bevor wir im Club drehen, treffen wir uns mit ein paar Freunden. Snoopy, einer der Jungs, ist bekannt für seinen Car Club "Fast Lyfe" in Los Angeles und der Bay Area. Jeden Sonntag treffen sie sich irgendwo in Los Angeles und driften, was das Zeug hält, irgendwann kommt die Polizei und sie fahren zum nächsten Spot. An dem Abend taucht er mit sechs Freunden auf, kurz darauf qualmt die ganze Straße. Es dauert nicht lange, bis die Polizei mit Blaulicht und Sirene angerast kommt. In Windeseile parkt Snoopy seinen Wagen und springt raus, die Polizisten schnappen ihn sich. Ich versuche, die Situation zu entschärfen, indem ich sage, wir würden nur für einen deutschen Künstler ein Musikvideo drehen, aber keine Chance. Einer der Polizisten schreit nur, dass ich mich entfernen soll.

Snoopy steht in Handschellen neben dem Polizeiwagen und diskutiert mit den Beamten. Nach gut 20 Minuten kommt einer der Polizisten auf mich zu und fragt, ob ich die Aufnahmen zeigen könne. Ich beobachte Snoopy, er schüttelt kaum merklich den Kopf, aber dann zeige ich trotzdem die Aufnahme. Snoopy weiß ja nicht, dass ich schon die Speicherkarte gewechselt habe. Man sieht einfach nur, wie Snoopy festgenommen wird. Ich sage den Polizisten, wir hätten noch gar nichts gedreht – wir hätten gleich anfangen wollen, aber dann hätten sie uns ja einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach weiteren 20 Minuten Diskussion ist Snoopy wieder ein freier Mann.

Kurz darauf wollen wir im Sam’s drehen. Das Problem: Wir waren so klug und haben die Burnout-Szenen direkt vor dem Laden gemacht – das war einfach eine geile Kulisse. Die Club-Managerin, die an diesem Tag im Sam's Dienst hat, ist eine andere als die, die uns die Dreherlaubnis gegeben hat. Die Polizei hat sich die Überwachungsbänder vom Parkplatz geben lassen, um zu sehen, ob eins der beteiligten Autos zuvor bei Sam's auf dem Parkplatz war. Logischerweise mögen die Betreiber keine Aufmerksamkeit von der Polizei. Der Türsteher meint, wir dürften deswegen nicht mehr drehen. Ich frage, ob ich die Managerin kurz sprechen könne, und sie willigen ein. Währenddessen steht neben mir Mac Lucci. Ich kenne Mac Lucci seit mehr als 10 Jahren, er ist einer von Snoop Doggs Künstlern auf Doggy Style Records. Ich war damals dabei, als Snoop ihn unter Vertrag nahm. Als die Managerin aus dem Laden rauskommt, überrascht sie mich mit einem: "Hey Lucci, how are you?" Stellt sich raus, dass die beiden sich seit einer Ewigkeit kennen. Schon ist alles cool und wir dürfen doch drehen. Glück gehabt.

Wir spulen zurück. Die Idee war es, den ersten Part des Videos tagsüber zu drehen, der zweite sollte komplett bei Nacht stattfinden. Den Tageslicht-Teil drehen wir in Compton, South Central und einen kleinen Teil bei der Slauson Mall. In Compton sind wir in der 129th Street, Ecke San Pedro. Ganggebiet. Wie man in der Einleitung des Videos sieht, wurde das komplette Haus auch schon bei einem Drive-by-Shooting zerschossen.

Witzigerweise flashen die Jungs aus dem Video komplett auf Boote. Im Garten des Hauses stehen zwei Boote und immer wieder fahren Leute mit Booten vor, die sie sich gerade besorgt haben. Sie wollen uns die ganze Zeit überreden, doch einfach einen Teil auf dem Boot zu drehen, oder zumindest am Wasser. Dann hat Bonez die Idee, wirklich einen Teil auf dem Boot drehen – aber nicht auf dem Wasser, sondern wir fahren damit einfach durch die Hood. Gesagt, getan. Übrigens steht direkt um die Ecke unseres Drehorts das erste Haus von N.W.A, wo sie ihre frühen Aufnahmen machten.

Den Teil in South Central drehen wir mit Snoopy zusammen in seiner Nachbarschaft, wo man uns sehr herzlich aufnimmt. Blood Territory. Bevor wir loslegen, chillen wir wie immer zuerst für mehrere Stunden, trinken und tauschen Geschichten aus. Während wir im Vorgarten drehen, taucht natürlich wieder die Polizei auf. Einen von uns fragen sie direkt: "When did you get out?" Man kennt sich, und damit sind auch die jeweiligen Vorstrafen kein Geheimnis. Aber wir chillen auf Privatgelände und machen nichts Illegales. Eigentlich können sie uns nichts. Dennoch muss die Polizei natürlich Probleme machen. Die Cops picken sich die ersten beiden raus und durchsuchen sie nach Waffen. Auf die Frage, was das solle, heißt es nur, das sei eine Routine-Kontrolle und man werde noch alle checken. Aber keiner von uns Weißen wird durchsucht.

Zu vielen Sachen sind wir in Amerika gar nicht gekommen. Neben den Dreharbeiten waren wir noch auf dem Videodreh von Mozzy und lernten Too $hort kennen. Eigentlich wollten wir sogar noch ins Studio und an Songs arbeiten. Aber es hat einfach ein wenig gedauert, bis wir "angekommen"waren. Gerade, als es anfing Spaß zu bringen, mussten wir schon wieder zurück. Schließlich wartete man in Deutschland schon auf uns. Direkt am Frankfurter Flughafen wurden die Jungs von Zivilpolizisten empfangen und mussten ihre Handys abgeben. Thank you, L.A. – we will be back!

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Wolke 7 von Gzuz erscheint am 25. Mai 2018.

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