Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Pascal Kerouche

Raf auf Tour, GZUZ vor der Linse, Desiigner auf dem splash! – Pascal Kerouches 2017

Bald erscheint 'Zwei Null Eins Sieben', der neue Fotoband des Fotografen Pascal Kerouche. In Teil 2 seiner Noisey-Fotokolumne gibt er euch exklusiv weitere Einblicke.

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17 Januar 2018, 3:17pm

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Pascal Kerouche

Pascal Kerouche wurde 1983 in Bremervörde geboren und lebt in Hamburg. Seit 2004 macht er hauptberuflich Bilder und reist als Lieblingsfotograf deutscher und internationaler Rapper und anderer Musiker um die Welt. Sein erster Bildband Snapshot Stories ist 2017 erschienen. Für Noisey gewährt er exklusive Einblicke in sein neues Buch Zwei Null Eins Sieben , das im Frühjahr 2018 erscheinen wird.


Raf Camora

Das letzte Mal verabschiedete ich mich damit, dass es nächste Woche auf Tour mit Raf Camora geht und bis dahin die Bildauswahl zu meinem neuen Buch Zwei Null Eins Sieben stehen muss. Und: Die Bildauswahl steht! Knapp 500 Bilder, eigentlich viel zu viel (zum Vergleich, bei Snapshot Stories waren es um die 130 Bilder). Ich hoffe einfach, dass noch ein paar Bilder rausfallen, während ich die Texte schreibe. Die schreibe ich im Tourbus, denn heute geht es los. Zuerst ein Doppeldate in Hamburg (also noch einmal zu Hause schlafen), danach Frankfurt, Luxemburg, Köln, ... Bis zum 28. Januar, wo wir das Ganze in Stuttgart beenden.

So wie ich Raf kennengelernt habe, wird es eh eine sehr produktive Tour: überall das mobile Studio dabei und immer am Machen und Aufnehmen. Darum passt diese Kombi von 187 und Raf Camora auch so gut. Beide sind unglaublich fleißige Teams und eigentlich durchgängig am Kreieren.

GZUZ
Meine Aufgabe auf Tour ist es, das Ganze dann in Fotos festzuhalten (Überraschung). Gleichzeitig fange ich den Abend noch in einminütigen Clips ein – für Instagram. Direkt nach der Show ziehe ich mich kurz komplett raus und verschwinde im Schnitt. Eine Stunde danach sind sie meist auch schon fertig und online.

Desiigner x Snapshot Stories

Welche Gedanken ich mir zur Sortierung von Zwei Null Eins Sieben gemacht habe, habe ich ja letztes Mal schon geschrieben. Ich habe es jetzt so gelöst, dass ich die Bilder in Themengebiete einteile, die abarbeite und danach oft fließend in die nächste Story übergehe. Nach Estikay geht es zum Beispiel mit Adesse weiter, der ja ein guter Freund von Esti ist und den ich auch über ihn kennengelernt habe. Ein Abschnitt wird auch das splash! Festival sein: Ich erzähle, wie ich es geschafft habe, mich ins Festival reinzuschleichen, mir die Bändchen zu er-hustlen und zu einem gern gesehenen Gast zu werden.

Eins der Bilder, die ich beim letzten splash! geschossen habe, ist das von Desiigner. Amerikanische Künstler haben immer einen besonderen Status beim splash!, weil sie sehr selten offen rumlaufen und sich eher zurückziehen. Außerdem kommen sie mit eigener Security, und sind nicht gerade die Freundlichsten. Dank meiner Zeit in den USA weiß ich sehr gut, wie ich mit diesen Menschen umgehen und reden muss. Dazu kommt, dass ich immer mindestens eine Person in deren Umfeld kenne. So war es auch bei Designer. Ich hatte Bock, ihn zu fotografieren und hab einem Homie von mir aus Amerika angeschrieben, ob er was klären kann. Ein paar Minuten später hieß es auch schon, dass es kein Problem sei und ich einfach zum Pressebereich gehen soll. Da gebe er gerade Interviews, seine Managerin kümmere sich dann direkt um mich, es wüssten alle Bescheid. Perfekt!

Als ich ankam, war er gerade in einem Interview und ich wurde direkt von seiner Managerin begrüßt mit einem freundlichen: "Ah, you are Pascal!". Was ich nicht wusste, war, dass Desiigner einen komplett vollen Terminplan hatte und noch mehrere Interviews geben sollte. Dank mir wurde alles Weitere abgesagt, ich bin voll reingegrätscht (sorry, Backspin).

Desiigner x splash!

Desiigner meinte, er hat auf alles Bock, egal was ich will, er ist dabei. OK, ich wollte gerne auf einen Kran klettern, direkt neben dem Backstage steht auch der perfekte. Nach ewigem Hin und Her mit dem splash!-Team bekamen wir die Genehmigung, auf einen Kran zu klettern. Leider nur nicht auf den beim Backstage. Wir wurden von einer jungen Dame zum richtigen Ziel begleitet, liefen ihr hinterher und auf einmal verließ sie den Backstage-Bereich und lief durch das Publikum. Wir blieben vor dem Bauzaun stehen, der Künstlerbereich und Publikum trennt. Irgendwann merkte sie, dass wir ihr nicht mehr hinterherlaufen und kam zurück. Wie zur Hölle sollte Desiigner durchs Publikum beim splash! laufen? Das geht vielleicht zehn Schritte gut, dann wird er erkannt und ein Riesenschwarm Panda-Fans läuft ihm hinterher und bedrängt ihn. No Chance. Nach einer kleineren Diskussion (sie verstand das Problem nicht) führte sie uns final zu einem anderen Kran. Leider durften wir nicht besonders weit nach oben und die Fotos sind so ... Na ja ...

Desiigner x Desiigner-Freunde

Ich fotografierte daraufhin noch seine Show und ärgerte mich den Rest des Tages über das Foto auf dem Kran. Backstage wäre tatsächlich die viel einfachere und bessere Lösung gewesen, da gab es ein paar Neonlichter, wo man easy was hätte machen können. Zufällig ging ich gerade Backstage, um irgendjemanden zu suchen, als Desiigner mir entgegenkam, er war grade auf dem Weg ins Hotel. Ich hielt ihn kurz auf, und meinte, ich bin nicht so happy mit den Bildern vom Kran, ob wir noch eins machen könnten. Er hatte Bock und ich fotografierte ihn noch einmal vor einem der Neonlichter im Backstage. Tag gerettet.

Jamaika

Im März 2017 ging es nach Jamaika um Usain Bolt zu fotografieren. Die Anreise hatte ein paar Hindernisse, und zwar sind wir nach Kingston geflogen. Die Flüge gab es vorher ans komplette Team per Email. Einen Tag vor Abreise gab es noch in letzter Minute ein paar Änderungen und einen neuen Flug, allerdings einen Tag später. Lukas und ich waren verwirrt, aber das kommt manchmal vor. Vor Ort haben wir dann erfahren, dass es ein Kingston in Kanada gibt und alle Flüge aus Versehen dahin gebucht wurden. Zum Glück hat irgendjemand vor Abflug das Ganze gecheckt und nochmal geändert. Puh.

Lukas

Lukas ist übrigens mein Assistent. Er kümmert sich darum, dass alles glatt läuft und ich immer alles habe, was ich brauche. Und Lukas ist ein großer Fan von Gaffer-Tape. Vor ein paar Tagen bin ich mit Lukas verreist und er meinte, dass er das Wetter in London gecheckt habe und es ja mega kalt sei ... Ja, mag sein, aber was interessiert mich London? Da stellte sich raus, dass er bis zur letzten Minute dachte, dass wir nach London fliegen – und nicht nach Jamaika. Seine Freude war um so größer und das Gepäck um so leichter. Bei der Einreise kam dann die nächste große Hürde. Einen Monat vorher ging nämlich mein Reisepass in San Francisco kaputt, er hat sich in drei Teile geteilt. Der Umschlag, der eigentliche Ausweis und das Heft, in dem die ganzen Stempel sind. Die Folge: Ich dürfte Amerika nicht verlassen, bevor ich einen neuen Ausweis habe, hieß es. Das hätte bedeutet, dass ich mindestens vier Tage feststecke. Da ich kein Mensch von Traurigkeit bin, suchte ich den kompletten Flughafen nach einem Nähset ab (dank der neuen Sicherheitsbestimmungen gar nicht easy) und nähte meinen Reisepass wieder zusammen. Delta Airlines feierte die Aktion so sehr, dass sich mein Fall bis in die lokale Chefetage hochspielte, der Chef meinte schließlich: "Es fällt nicht auf, der Typ hat es verdient zu fliegen."

Mittlerweile fiel er aber wieder fast auseinander. Bei der Einreise in Jamaika wurde ich direkt rausgezogen und kam in ein gesondertes Büro. Witzigerweise haben die Beamten sich Null abgesprochen und wurden anscheinend nicht informiert, warum ich da saß. Dem Typen dort fiel der zerflederte Ausweis nicht auf, er meinte nur: „Hä? Warum sitzt du hier? Ist doch alles gut.“ Puh. Endlich in Jamaika!

Usain Bolt

Lukas schloss die Reise ab mit den Worten: "Das erste Mal in Jamaika, das erste Mal eine scharfe Waffe in der Hand und das erste Mal in nem Stripclub. Alles in drei Tagen, das bringt schon Spaß mit dir." Oder so ähnlich ... beste Leben!

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Bis "Zwei Null Eins Sieben" erscheint, dauert es noch eine Weile. Seid gespannt und freut euch bis dahin auf den nächsten Teil unserer Fotokolumne von Pascal Kerouche!

Folgt Pascal bei Instagram, Facebook und besucht seine Website pascalkerouche.com.

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