Welche Musik hören eigentlich Pfarrer?

Wir haben uns mit Pfarrern über ihren Musikgeschmack unterhalten und sie fahren nicht nur auf die Orgel ab.

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09 Februar 2017, 11:07am

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Die Religion und die Musik gehen seit jeher zusammen Hand in Hand. Seit es Menschen und den Glauben gibt, wird in musikalischer Form Gott gehuldigt. Mit melodischen Gebeten, Lobgesängen oder dem christlichen Dienstagabendchor deiner frommen Tante dritten Grades. Seit der Erfindung des ICF tritt kirchliche Musik nicht mehr nur in frommer Form auf klassischen Instrumenten auf, sondern auch im Metal, Rock oder Rap. Aber welche Musik hören jene, die am Sonntag Lieder von der Kanzel trällern? Wir haben mit Pfarrern über ihren Musikgeschmack, heilige Alben und ihre grössten Musiksünden gesprochen.

Nicolas Betticher, (55) aus Bern

Nicolas Betticher ist Pfarrer der katholischen Kirche "Bruder Klaus" in Bern

Noisey: Welches ist ihr Lieblingslied?
Nicolas Betticher: Ich bin ein Fribourger und spreche den Greyerzer Patois Dialekt. Darum ist für mich das schönste Lied, das es überhaupt gibt das Muttergotteslied "Nouthra Dona di Mârtsè" von Abbé Bovet komponiert.

Welches Album ist Ihnen heilig?
Das letzte Taize-Album. Das ist eine ökumenische Klostergemeinschaft, welche in Frankreich ein Haus bewohnt. Diese Taize-Musik ist wunderbar.

Welche Musik ist so gut, dass Sie im Himmel gespielt werden sollte?
Zum Beispiel dieses eine Lied von DJ Ötzi. Das Bekannte, bei dem alle mitsingen. Das ist so etwas Verbindendes.

"Der Anton aus Tirol"?
Nein, irgendetwas mit Sternen. Das ist das Bekannteste von ihm.

"Ein Stern"?
Ja, genau das! Wenn ich sehe, wie die Leute zusammen feiern, tanzen und lachen, dann finde ich das etwas Wunderbares. Als es noch das Musikantenstadl gab, war das wunderbar zu sehen, wie die Menschen zusammen Freude haben. Das macht mir auch Freude.

Welche Musik ist nicht mit Gott vereinbar?
Musik, die mich aufregt und mich innerlich nicht ruhig stimmt. Diese Metal- oder Gothic-Musik. Zum Beispiel ACDC. Also wirklich die schlimmste und lauteste Musik. Ausserdem heissen ACDC ja auch Knechte des Satans.

Was hörten Sie gerne in der Jugend?
In meiner Jugend habe ich vor allem Musik aus dem Welschland gehört, wie beispielsweise Claude Francois. Und die ganzen Disco-Charts. Früher, in den 80ern, war ich jedes Wochenende in der Disco.

Welchen Star würden Sie gerne in ihrer Kirche auftreten sehen?
Da gibt es mehrere. Helene Fischer würde ich zum Beispiel gerne bei uns auftreten lassen und wünsche mir, dass sie uns über ihren Glauben erzählt. Auf ihrer Weihnachts-CD singt sie zwar vor allem kulturbedingte Weihnachtslieder, aber auch christliche Lieder. Natürlich macht sie damit Geld, aber irgendwie hat sie damit auch ihre Identität im christlichen Rahmen gefestigt.

Tobias Winkler, (39) aus Davos

Tobias Winkler ist Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Davos Altein

Noisey: Welches ist Ihr Lieblingslied?
Tobias Winkler:
Oh, das sind ganz viele. Zum Beispiel "Tears in Heaven" von Eric Clapton. Das macht Mut, mit Trauererfahrungen im Leben umzugehen und Hoffnung zu bewahren.

Welches Album ist Ihnen heilig?
Das sind verschiedene. Eigentlich Bob-Dylan- und Eric-Clapton-Alben. Bob Dylan schreibt so tiefgründige, sozialkritische Texte und hat immer wieder christliche Anspielungen in seinen Texten – auf das menschliche Miteinander und Zusammenleben der Welt.

Welches Lied hören Sie, wenn Sie schlecht gelaunt sind?
"Mensch" von Herbert Grönemeyer, weil das wieder Schwung gibt und einen ermutigt, wieder mit dem Tag fortzufahren.

Welche Musik lief an der letzten Party, welche Sie besucht haben?
Da war viel Latin-Musik, was mir auch sehr gut gefällt. Samba und Salsa, solche Sachen.

Welche Musik ist nicht mit Gott vereinbar?
Das kommt immer auf den Anlass an. Bei einer Beerdigung würde ich zum Beispiel nicht "Highway to Hell" spielen lassen. Das wäre nicht mit unserem christlichen Glauben vereinbar. Oder wenn es gewaltverherrlichend ist, wie beispielsweise Gangsterrap.

Was hörten Sie gerne in der Jugend?
Da habe ich gerne Guns'n'Roses, Dire Straits oder die Beatles gehört.

Kann Spotify die Orgel ersetzen?
Nein, das finde ich nicht. Die Orgelmusik gibt mir ganz viel und sie ist sehr kraftvoll.
Aber ich möchte eine Anlage installieren, damit wir YouTube und alles projizieren können.

Samuel Hertner, (33) aus Zürich

Samuel Hertner ist Pfarrer der reformierten Kirche Steinmaur-Neerach im Kanton Zürich

Noisey: Welche Lied hören Sie gerade rauf und runter?
Samuel Hertner:Oh, schwierige Frage. Eine Band, welche ich in letzter Zeit viel höre, ist Excelsis. Das ist Folk-Metal und Mittelalter-Rock.

Welches Album ist Ihnen heilig?
Ich habe da keinen speziellen Favouriten. Aber das Album der Worship Band Bethel Music mit We will not be shaken spricht mich persönlich sehr an.

Welches Lied hören Sie, wenn Sie schlecht gelaunt sind.
Ich habe so viel gute Musik auf meinem Handy. Je nach Situation ist das individuell. Zum Beispiel die Band David Crow Brand Collective. Je nachdem auch mal etwas Härteres Richtung Metal, um die Wut auszulassen.

Was war das letzte Konzert, das Sie besucht haben?
Das ist schon lange her. Ich habe kleine Kinder. Aber das letzte Konzert für mich selbst, das war Trinity aus den Niederlanden. Vor unseren Kindern bin ich mit meiner Frau zusammen öfters an Konzerte der Bands Schandmaul und Flogging Molly gegangen.

Welchen Star würden Sie gerne in ihrer Kirche auftreten sehen?
Rein von der Lebensgeschichte her würde ich gerne den Schlagzeuger und den Bassisten von Korn einladen. Sie haben an einem gewissen Punkt in ihrem Leben auf einer ganz persönlichen Ebene zum Glauben gefunden. Trotzdem sind sie der Band treu geblieben und bewegen sich weiterhin in diesem Umfeld.

Welche Musik ist nicht mit Gott vereinbar?
Was nicht geht, sind Messages, welche lebensverachtend und menschenverachtend sind, oder einen runterziehen, depressiv machen, sowie zur Gewalt aufrufen.

Was war Ihre grösste Musiksünde?
Als junger Teenager habe ich in der Bibliothek manchmal Alben der Kelly Family ausgeliehen.

Mussten Sie diese beichten?
Ich bin reformiert, wir beichten nicht. (lacht)

Was hörten Sie gerne in der Jugend?
Mir sind mal alle CDs geklaut worden. Ich habe immer die Chartsalben gekauft und die Bravo Hits. Jay Z habe ich auch sehr gerne gehört.

Dagmar Doll, (43) aus Glarus

Dagmar Doll ist Pfarrerin der Evangelisch-Reformierten Kirche Glaurs, Riedern

Noisey: Welches ist Ihr Lieblingssong?
Dagmar Doll: Mein Lieblingslied ist "40" von U2. Als ich knapp 20 Jahre alt war, habe ich eigentlich alles von U2 rauf und runter gehört. Das ist bis heute so geblieben, nur die neuen Sachen gefallen mir nicht mehr so.

Welches Album ist Ihnen heilig?
Heilig ist mir Elias von Mendelssohn Bartholdy. Das höre ich, wenn es mir gut geht und wenn es mir schlecht geht.

Was war das letzte Konzert, das Sie besucht haben?
Herbert Grönemeyer.

Und was lief auf ihrer letzten Party?

Ich habe Silvester gefeiert. Ganz kräftig. Da hatte jemand eine Handorgel mit und hatte selber gesungen. Sonst muss ich schon einmal mit meinen Konfirmanden Party feiern. Da läuft dann das, was sie in ihren "Böxlis" haben, aber das gefällt mir nicht unbedingt.

Welche Musik ist nicht mit Gott vereinbar?
Jetzt wollen Sie wahrscheinliche Heavy Metal hören. Aber ich bin dieser Musik gar nicht so abgeneigt. Natürlich gibt es Sachen, bei denen auch von Satan die Rede ist. Das würde ich jetzt beispielsweise nicht hören. Aber solange die Menschen deswegen nicht komisch tun, ist mir das eigentlich egal. Ich kenne niemanden, der deswegen von Gott abgefallen wäre oder Satan huldigt. Das ist einfach coole Mucke, die einige gerne hören. Manchmal finde ich, dass es Songs auf kirchlicher Seite gibt, welche nicht mit Gott vereinbar sind. Das finde ich viel schlimmer. Zum Beispiel Worship-Songs aus freikirchlichen Gemeinden.

Was war ihre grösste Musiksünde?
Pop der 80er-Jahre. Dan Harrow beispielsweise hing in meinem Kinderzimmer als Bravo-Poster.

Was hörten Sie gerne in der Jugend?
U2 natürlich, Depeche Mode habe ich auch gerne gehört, Guns'n'Roses, Nirvana und Grunge allgemein.

Florian Piller, (53) aus Rheinfelden



Florian Piller ist Pfarrer der römisch-katholischen Pfarrei Rheinfelden-Magden-Olsberg

Noisey: Welches Lied hören Sie gerade rauf und runter?
Florian Piller: Das ist eigentlich kein Lied. Momentan höre ich gerne Instrumentalmusik. Hang und Didgeridoo. Weltmusik, die ich beim Laufen gerne viel höre.

Welches Album ist Ihnen heilig?
Da müsste man zuerst diskutieren, was heilig ist. Was ich aber sehr gerne höre, sind die Alben von Annett Louisan.

Welches Lied hören Sie, wenn Sie schlecht gelaunt sind.
Also wenn ich schlecht gelaunt bin, dann sicher etwas zum Beruhigen. Ich bin ein grosser Fan von Musicals, zum Beispiel Billy Elliot, West Side Story, Cors Line oder das neueste Kinomusical La la Land.

Auch Jesus Christ Superstar?
Nein, das gefällt mir nicht. ‎Andrew Lloyd Webber ist nicht mein Favorit.

Was war das letzte Konzert, das Sie besucht haben?
Das war ein rhythmisches Konzert von Stomp. Ein Kollektiv, welches auf Kesseln, Tonnen und Waschbecken musiziert. Rhythmik ist für mich etwas ganz Wesentliches.

Welche Musik ist so gut, dass Sie im Himmel gespielt werden sollte?

Oh, da gäbe es so viel. Irische Musik zum Beispiel. Die verbindet für mich Himmel und Erde. Es gibt auch ein Zitat des Kirchenlehrers Augustinus, welches besagt "Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nicht, was mit dir anzufangen."

Welche Musik ist nicht mit Gott vereinbar?
Alles, was die Menschenwürde missachtet. Pnos-Konzerte, die nationalsozialistische Sachen vermitteln, oder Musik, welche andere Menschen schmäht. Sonst ist alles, was einen bewegt durchaus mit Gott vereinbar. Sei es Techno, House oder Rap.

Was war Ihre grösste Musiksünde?
Musik kann gar keine Sünde sein. Das ist immer etwas aus dem Himmel. Denn Musik ist Kunst.

Was hörten Sie gerne in der Jugend?
Oh vielleicht ist das eine Sünde: In der Kindheit habe ich gerne "Huddigäggeler-Musik" (Ländlermusik) gehört und das Trio Eugster.

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