Wir haben Après-Ski-DJs gefragt: Wieso?

"Wenn dir jemand sagt, er macht es nicht des Geldes wegen, dann lügt er dich an. Aber es ist sicher nicht der einzige und primäre Grund."

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06 Februar 2018, 5:12pm

Impressionen: Foto zvg von der Kuh Bar Arosa 

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Züricher Redaktion.

Dass es im Winter Schnee gibt, ist so überraschend wie die Information, dass die SVP frauenfeindlich ist. Für die einen ist das weiße Pulver (nein, nicht Koks) die lang ersehnte Erlösung nach dem Sommer, für die anderen nur ein weiterer Störfaktor neben nass und kalt. Auch dass ein Winter in der Stadt nicht gerade das A und O ist, wissen wir, da dort meist kein Schnee existiert, sondern nur Matsch. Deshalb flüchtet ein Großteil der Bevölkerung in die Berge. Mit verschiedenen Absichten, wie sich versteht. Einige wollen wellnessen, andere snowboarden und skifahren und dann gibt es noch eine dritte Kategorie: die Leute, die nur zum Saufen in die Berge gehen.

Doch man trifft sich nicht einfach in einer Spelunke im Dorf und betrinkt sich, da gehört schon mehr dazu. Der Treffpunkt am Nachmittag ist eine Hütte auf der Skipiste, dort dröhnt laute Musik und Alkohol fließt in Strömen. Genau, wir sprechen von Après-Ski. Was für die einen die Hölle ist, wird von den anderen als Paradies empfunden. Doch was neben Alkohol Après-Ski wirklich ausmacht, ist die Musik. Party-, Schlager- und Ballermannhits werden dort Nachmittage lang gespielt. Was sich die Gäste meistens nur ein paar Tage im Jahr geben, wird von anderen die ganze Saison gehört. Diese anderen sind die Après-Ski-DJs. Sie sind das Herz der Party und bringen die Leute in Stimmung. Dementsprechend haben sie den ganzen Tag nur mit Betrunkenen zu tun, während "Hölle, Hölle, Hölle" in ihre Ohren dröhnt. Da sei doch die Frage erlaubt: Wieso? Wir haben uns umgehört, was die DJs an ihrem Beruf derart reizt.

DJ PASCY

Foto: Facebook

Noisey: Wieso bist du Après-Ski-DJ?
DJ PASCY: Die Leute genießen ihren freien Tag, die wunderbaren Skipisten, die Sonne, den Schnee und dann lassen sie sich beim Après-Ski durch den guten Sound mitreißen und feiern. Genau dieses Gefühl spüre ich als DJ hinter den Playern auch.

Was gefällt dir daran?
Das Partyvolk genau dann zu sehen. Wie sie Freude an deiner Arbeit haben, ist für mich pure Energie und ein unbeschreibliches Gefühl.

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
[Lacht] Im Vergleich zu den Partys im Sommer, ist beim Après-Ski für mich immer wieder ein großes Highlight, Gäste in Skischuhen beim Tanzen zu beobachten.

Gibt es auch Dinge, die du nicht magst?
Ich bin ein Gegner von Gewalt. Leider fließt beim Après-Ski auch immer viel Alkohol. Ich mag Gäste überhaupt nicht, die durch ihren oft zu hohen Alkoholkonsum anderen Leuten schaden.

Was sind die krassesten Sachen, die dir als Après-Ski DJ passiert sind?
Da gibt es viele verschiedene Anekdoten. Ein unvergesslicher Moment war, als mir ein Gast für seinen außergewöhnlichen Liederwunsch einen Striptease auf der Bar anbot.

DJ TROJA

Foto: Facebook

Noisey: Wieso bist du Après-Ski-DJ?
DJ TROJA: Es spielt eigentlich keine Rolle, ob es eine Après-Ski- oder Mallorca-Party ist. Die Musik ist ziemlich gleich. Da ich vier bis fünf mal im Jahr auf Mallorca bin, ist der Bezug zu dieser Party-Musik natürlich groß und somit passt es, Après-Ski-DJ zu sein.

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
Wenn ich die Musik ganz zurückdrehe und der ganze Club den Refrain des Liedes auch ohne Musik weitersingt.

Gibt es auch Dinge, die du nicht magst?
Je später der Abend, desto mühsamer kann es werden, weil dann viele Wünsche kommen, die nicht passen. Manchmal wird das gleiche Lied auch mehrmals gewünscht mit der Aussage: "Sorry, ich habe es gerade nicht gehört, da ich auf der Toilette oder draußen beim Rauchen war. Spiel es doch noch einmal."

DJ Stefan

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Noisey: Wieso bist du Après-Ski-DJ?
DJ Stefan: Wenn dir jemand sagt, er macht es nicht des Geldes wegen, dann lügt er dich an. Aber es ist sicher nicht der einzige und primäre Grund. Ich selbst mache das jetzt seit 18 Jahren. Die ersten acht Jahre machte ich es aus Spaß an der Musik und wegen der Verbindung von Feiern und Geld verdienen. Dazu kam immer noch, dass man der "Star" im Club ist. Gratis saufen bis zum Umfallen und alle Frauen schauen zu einem auf. Dann nach acht Jahren merkte ich, dass die Partys immer lascher wurden. Auf die Frage nach dem Warum kam immer die gleiche Antwort: "Ich muss morgen arbeiten, kann darum nicht feiern gehen." Von da an änderte sich auch meine Motivation. Nicht, dass ich weniger motiviert war, sondern noch mehr. Von da an – und das ist auch heute noch so – mache ich das unter dem Motto: "Wir müssen aufhören, weniger zu feiern." Denn feiern ist wichtig. Die Menschen müssen am Wochenende die Arbeit vergessen, aber das ist in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht einfach. Die Menschen sind immer noch in ihrer gewohnten Umgebung, treffen gewollt oder ungewollt ihre Arbeitskollegen neben ihren Freunden. Und dann darf man auf keinen Fall peinlich sein. In einem Skigebiet an einer Après-Ski-Bar ist das etwas einfacher. Die Menschen sind schon raus aus dem Alltag. Da kann man auch mal so richtig abfeiern. Da ist dann die Motivation, den Menschen ein kleines Gefühl von "Freiheit" zu geben.

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
Als Après-Ski-DJ immer dann, wenn die Menschen mit Skischuhen auf den Bänken und Tischen tanzen oder mir ein Getränk nach dem anderen bezahlt wird.

Gibt es auch Dinge, die du nicht magst?
Dazu eine Liste von Dingen, die kein DJ mag:

  1. "Ich habe hier was auf dem Handy, das musst du unbedingt spielen."
  2. "Ich habe letztens auch mal den DJ gegeben, soll ich mal weitermachen?"
  3. "Kannst du die Songs nicht mal in voller Länge ausspielen?"
  4. "Kannst du mal was Cooles spielen?"
  5. "Darf ich mal nachschauen, was du so dabei hast?"

Dann sind da noch die Besoffenen, die sich nicht im Griff haben, und solche, die am Feierabend betteln kommen: "Bitte nur noch ein Lied."

Was sind die krassesten Sachen, die dir als Après-Ski-DJ passiert sind?
Was heißt krass? Es gibt gute Erinnerungen und weniger gute. Was ich eher bedenklich finde, ist wenn 17- bis 19-jährige Mädchen kommen und mir ihre Nummer geben oder direkt fragen, ob sie mir unter dem Pult einen blasen dürfen. Oder Leute, die denken, dass man nur zum DJ muss, wenn man Koks will.

Matty Valentino

zvg

Wieso bist du Après-Ski-DJ?
Matty: Ich bin da zufällig reingerutscht. Ich habe früher ganz andere Musik gemacht und bin darauf gekommen, dass die Atmosphäre beim Après-Ski für mich einfach viel bedeutsamer ist. Es kommt so viel Energie von den Leuten zurück und man ist viel mehr ins Geschehen involviert! Einfach nur schön!

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
Erlebnisse gibt es viele, jeder Einsatz an der Front ist immer wieder anders und was ganz Spezielles! Aber der Moment, in dem man vor einer feierwütigen Menge steht, die meine eigenen Songs genauso lautstark mitsingt wie die Klassiker, jagt mir immer wieder einen Schauer über den Rücken.

Was sind die krassesten Sachen, die dir als Après-Ski-DJ passiert sind?
Nach so vielen Jahren Après-Ski denke ich, dass mich so leicht nichts mehr schockieren kann [Zwinker].

DJ Tommy

Foto: Facebook

Noisey: Wieso bist du Après-Ski-DJ?
DJ Tommy: Après-Ski-DJ ist man, weil man da eigentlich immer ein super Partypublikum hat. Die Leute kommen von einem geilen Skitag zu dir und wollen einfach nur so richtig abfeiern. Ein weiterer Punkt, warum ich gerne Après-Ski-DJ bin, ist, dass man auch mal zu einer christlichen Zeit nach Hause gehen und den Abend genießen kann. Außer man hat am Abend noch ein Booking, dann ist man auch mal 11 bis 14 Stunden am Auflegen.

Was gefällt dir daran?
Mir gefallen die coolen Leute, die man als Gäste bei Après-Ski hat, denn alle haben Urlaub und genießen einen geilen Tag in einem schönen Skigebiet. Was ebenfalls cool ist, ist der Mix der Gäste beim Après-Ski, von Jung bis Alt ist alles dabei. Somit kannst du als DJ auch mal ganz tief in die Plattenkiste greifen und richtige Highlights der Musikgeschichte rausziehen und spielen. Bei mir besteht der Après-Ski aus einer guten Musikmischung, so spiele ich Schlager, Oldies, Deep-House bis hin zu Rock und Charts alles. Es kommt natürlich auch noch drauf an, was für Nationalitäten vertreten sind. Es ist wichtig, dass man sich anpassen kann und flexibel mit dem Sound ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man besonders geniale Leute kennenlernt, die super drauf sind.

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
Zu meinen Après-Ski-Gästen gehörten immer wieder Mitglieder von verschiedenen Königshäusern, Stars und Sternchen aus der ganzen Welt, wie zum Beispiel Prinz Harry aus England. Auch ein wenig stolz bin ich, dass DJ ÖTZI damals mit einem seiner allerersten Auftritte und seiner ersten Hitsingle "Anton aus Tirol" bei mir war, dazu lernt man immer wieder neue Künstler kennen.

Gibt es auch Dinge, die du nicht magst?
Ja, da gibt es viele Sachen, die man aufzählen könnte, das ist ein Fass ohne Boden. Aber ich würde sagen, das ist in jedem Job so. Absolut stressig ist es, wenn Gäste betrunken neben mir stehen und ständig in mein Equipment greifen, oder sich denselben Song zum hundertsten Mal wünschen.

DJ Lady Eliza

zvg

Wieso bist du Après-Ski-DJ?
DJ Lady Eliza: Ich liebe die Musik und die Berge. Dass ich bei Après-Ski-Events der DJ bin, ist mein Traumjob.

Was gefällt dir daran?
Mir gefällt der fröhliche Vibe, den die Leute bei Après-Ski-Partys haben. Es macht immer Spaß und jeder ist dort, um eine gute Zeit zu haben.

Gibt es ein Erlebnis, das diesen Aspekt besonders gut zum Ausdruck bringt?
Vor ein paar Wochen legte ich bei Le Tremplin in Morzine auf und ungefähr eine Stunde vor dem Ende des Sets kamen sechs Männer als Superman verkleidet zur Hütte. Sie fuhren auf ihren Skis zur Bar und feierten dann die letzte Stunde. Es war toll, sie alle tanzen zu sehen und wie sie auch andere Leute auf die Tanzfläche brachten. Es war toll, ein Teil davon zu sein.

Gibt es auch Dinge, die du nicht magst?
Es kann ziemlich kalt werden, aber jetzt bin ich weiser geworden und trage immer zusätzliche Kleiderschichten!

Was sind die krassesten Sachen, die dir als Après-Ski-DJ passiert sind?
Bei einigen Anlässen wurde ich schon inmitten einer Schneeballschlacht gefangen gehalten. Die machten zwar Spaß, aber trotzdem sorgte ich mich ein wenig um mein Equipment.

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