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Die Leute hinter dem Erfolg österreichischer Musiker: Zebo Adam, Bilderbuch

Trefft den Mann, der dafür verantwortlich ist, dass Bilderbuch sexy klingt und österreichische Musik wieder ernst genommen wird.

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Apr. 29 2016, 8:10am

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In der Serie Die Leute hinter dem Erfolg stellen wir Musiker und Produzenten vor, die hinter den Kulissen für das Florieren der heimischen Szene verantwortlich sind. Eine Szene wird immer durch ihre unbeugsamen Künstler am Leben gehalten, welche auch im Angesicht aller Widrigkeiten einfach weitermachen und immer wieder neues Material veröffentlichen und sich bedingungslos in den Dienst der Kunst stellen. Zuletzt stellten wir Daniel Fellner von Seiler und Speer und Wanda-Produzent Paul Gallister vor. Heute treffen wir Sebastian "Zebo" Adam, Produzent von Bilderbuch, Francis International Airport, Steaming Satellites und gefühlt tausend anderen Bands.

Der Legende nach hat Zebo Bilderbuch zum ersten Mal gehört, als sie Support seiner damaligen Band waren. Er gab ihnen einen Song, um sein Vorurteil zu bestätigen, dass es sich eh wieder nur um eine beschissene Indie-Band handelt. "Nach 30 Sekunden war mir klar, dass das etwas anders war. Ich bin nach dem Konzert zu Maurice gegangen und sagte ihm: 'Du kennst mich nicht, ich kenne dich nicht. Bitte komm in mein Studio nach Wien.' So fing das an", sagt mir Zebo. Drei Alben und eine EP später haben sich Bilderbuch als eine der wichtigsten österreichischen Bands der letzten Jahre etabliert. Jeder Ton, den sie dabei produzierten, ging durch Zebos Hände. Anerkennung kam ein bisschen spät, aber doch. Für Schick Schock wurde Zebo gemeinsam mit Alex "Fire" Tomann und Martin Scheer beim diesjährigen Amadeus mit dem Tonstudiopreis ausgezeichnet. Kurz zuvor durfte er sich sein erstes Platin für Schick Schock aufhängen. Druck lässt er sich aber nicht anmerken: "Jede CD ist die wichtigste CD auf der ganzen Welt. Auf der einen Seite ist das das Wichtigste, auf der anderen Seite dreht sich die Welt auch weiter."

Ich treffe Zebo an der Meidlinger Hauptstraße und begleite ihn zu seiner Wohnung irgendwo mitten im Zwölften. Schon am Weg erklärt er mir, wie wichtig er es findet, dass auch Produzenten und alle Leute, die am Erfolg von Bands beteiligt sind und vielleicht nicht so viel Rampenlicht abkriegen, vorgestellt werden. Man merkt, wie viele Gedanken er sich zu diesem Thema schon gemacht hat. Dabei geht es ihm nicht um seinen Fame, sondern darum, dass die österreichische Musikszene endlich ernst genommen wird. Leute, die sich nicht mit Musik beschäftigen, müssen erst erkennen, dass eine Band aus mehr als nur den Bandmitgliedern besteht und alle Beteiligten mit einer Ernsthaftigkeit an die Sache gehen, die lange Zeit in Österreich gefehlt hat. Er wünscht sich auch, dass man die Ernsthaftigkeit aus seinem Sound heraus hört. Daran arbeitet er seit er 14 ist und seinen ersten Vierspurrekorder bekommen hat. Bis er sich selber Produzent nennen konnte, brauchte es viel Zeit und noch mehr Erfahrung.

Wir kommen in Zebos Wohnung an und setzen uns an einen kleinen Küchentisch. Die Vorhänge sind zugezogen. Den Heizofen hat er schon am Morgen angemacht, er wusste nicht, ob es kalt werden würde. Im kleinen Wohnzimmer ist es deswegen ein bisschen zu warm. Neben dem Tisch steht ein Plattenspieler auf einem Ikea-Expedit-Regal. Viele der dort eingeschlichteten Platten hat Zebo selbst produziert. Neben Bilderbuch, Beatsteaks und den Steaming Satellites steht die neue Iggy Pop. Ich frage, was er von ihr hält und bekomme eine sehr ausführliche Antwort, warum er das Album mag und dass er mit seiner Meinung ein bisschen alleine ist. Er ist aber vor allem froh, dass Josh Homme beteiligt war. Der versichert eine Soundqualität, die Zebo bei den alten Stooges Sachen sehr vermisst. Steht er selber als Produzent im Studio, sieht sich Zebo als jemand, der außerhalb der Künstlerblase steht und dadurch etwas auslösen kann, das ohne ihn vielleicht nicht passiert wäre. Dabei genügt es oft schon einfach zu sagen, welche Sachen gut und welche schlecht sind. "Meine Philosophie ist, dass die Bands schon alles haben, was sie brauchen. Ich stelle nur die Scheinwerfer so ein, damit sie im bestmöglichen Licht dastehen. Man muss Dinge in ihrer Globalität sehen. Jede Produktion ist ein Mikrokosmos, da habe ich Verantwortung darüber", sagt Zebo.

Seine Arbeit fängt aber nicht im Studio an, sondern gemeinsam mit den Bands bei der Pre-Production im Proberaum. Dort feilen sie so lange an den Songs, bis sie bereit fürs Studio sind. "Je nach Bedarf bin ich dann involviert und ich sag sehr wohl, wenn eine Strophe oder ein Refrain nicht funktioniert", sagt mir Zebo, während er sich eine Zigarette anzündet. Manchmal genügt es auch einfach im richtigen Moment zu sagen, dass der Song jetzt passt. Diese Passivität hat sich Zebo erst anlernen müssen und wird im Alter auch immer prominenter. Talent bringen die Bands mit, Zebo kümmert sich darum, das Beste aus ihnen herauszuholen. Dass er so weit gekommen ist und sich aussuchen kann, mit wem er zusammenarbeitet, dauerte einige Jahre. Das funktionierte aus zwei Gründen:

Erstens ist Zebo ein Arbeitstier. Er fängt früh an und hört spät auf. Zwölf-Stunden Tage, sechsmal die Woche sind für ihn Routine. "Ich versuche seit Jahren die magische Formel herauszufinden, wieso es tolle und beschissene Produktionen gibt. Hab ich natürlich nie gefunden, aber wenn es eine Schnittmenge unter den leiwanden Produzenten gibt, die alle gemeinsam haben, dann ist das arbeiten, arbeiten, arbeiten." Musik ist für Zebo ein Liebhaber und Partner, der extrem fordernd ist, dafür aber etwas zurückgeben kann, dass man sonst von niemandem kriegen kann.

Zweitens schreibt Zebo seinen Erfolg der Freundschaft mit dem Tontechniker Alex "Fire" Tomann zu. Gemeinsam hatten sie genug davon, als Österreicher in der internationalen Musikszene nicht ernst genommen zu werden. "Ich kriege jedes Mal einen Grant, wenn ich die Tageszeitung aufschlage. Die Fußballer und Skifahrer haben aus Prinzip jeden Tag mindestens 4 Seiten in der Zeitung, egal was sie machen. Warum haben wir Musiker das nicht im Land der Musik?", sagt Zebo. Irgendwann hat er beschlossen etwas daran ändern zu wollen. Dass das jetzt so funktioniert verdanken sie aber nicht den großen Plattenlabels. Ohne einen Hannes Tschürtz von Ink Music oder Bernhard Kern von Siluh würde Österreich noch nicht so weit sein, wie es jetzt ist. Dem ehemaligen Universal Chef Hannes Eder möchte er auch etwas ausrichten: "Der Mensch hat es bis heute nicht geschafft, mal nachzufragen, was wir im Studio eigentlich machen. Du bist der Chef der größten Plattenfirma in Österreich und weißt nicht mal, dass es uns gibt."

Es wird Zeit, dass die Musikindustrie und allen voran Ö3 erkennt, an welchem Punkt österreichische Musik angekommen ist und wessen Verdienst das ist. Aber Zebo sieht zuversichtlich in die Zukunft: "Der Erfolg, den österreichische Bands jetzt haben, das ist ein hausgemachter. Das ist ein Produkt von jahrelanger harter Arbeit. Darum wird das auch nicht so schnell weggehen."

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Benji produziert Tweets unter @lazy_reviews