Fotos zur Verfügung gestellt von Gerard

"Der Struggle hört nie auf, er verlagert sich nur" – Gerard im Interview

Gerards neues Album 'AAA' ist endlich da und deswegen hat er uns verraten, wie es um sein neues Label steht und was man braucht, um im Musikbusiness zu überleben.

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Juni 27 2017, 12:52pm

Fotos zur Verfügung gestellt von Gerard

Nach zwei Jahren Durststrecke, macht uns Gerard mit zwölf musikalischen Einzelstücken sehr glücklich, die auf einen Rohling gebrannt wurden – also mit einem sogenannten Album. Wir haben den oberösterreichischen Rapper sehr kurzfristig interviewen dürfen, persönlich treffen war uns leider nicht möglich, weil er gerarde (hihi) in Berlin auf Interviewmarathon ist. Die moderne Technik hat es uns dennoch möglich gemacht, mit ihm zu sprechen, s/o an Skype dafür. Getan hat sich bei Gerard zwischen seinen beiden, letzten Albumreleases eine ganze Menge.

Denn inzwischen hat er sein eigenes Label gegründet und ist damit nicht mehr nur für seinen eigenen Output verantwortlich. Mit AAA bringt Gerard sein sechstes Studioalbum auf den Markt und diesmal eben unter dem Namen des Labels (Futuresfuture) mit der wahrscheinlich besten Webdomain Österreichs – futsfut.com. Wir haben ihn mit Fragen durchlöchert

Noisey: Was war deine schlimmste/lustigste Interviewerfahrung, die du bisher so erlebt hast?
Gerard: Ein Interviewer hat mich mal nach einem sehr oberflächlichen Interview gefragt: "Und du rappst auf Deutsch, oder?". Das war schon sehr hart, ist aber jetzt auch länger her zum Glück.

Die Beats auf deinem Album haben fast alle eine sehr elektronischen Einschlag, kannst du mit Sample-Beats nichts anfangen oder woher kommt das?
Ich hab ja die ersten beiden Alben, als ich so 18 Jahre alt war, eigentlich nur auf Sample Beats von Fid Mella, Mainloop und Brenk Sinatra gerappt. Aber auf Samplebeats lässt sich auch einfach nicht so viel verändern, weil das Sample den Beat eigentlich komplett vereinnahmt und viel Spielraum zum Herumexperimentieren ist da dann nicht gegeben. Und was natürlich auch noch dazukommt, ist, dass sobald man sich einen gewissen Namen gemacht hat und ein gewissen Größe erreicht hat, samplen risikoreicher wird, weil du aufgrund von Copyright verklagt werden kannst. Samples zu clearen, ist zu viel Aufwand und kostet schlicht zu viel. Abgesehen davon, dass es teilweise unmöglich ist, es clearen zu lassen – es lohnt sich nicht.

Ich hab gestern das Video von dir und Matthias Schweighöfer gesehen und hab sehr lachen müssen.
Haha, ich war auch sehr stolz, muss ich sagen.

...was ist denn deiner Meinung nach der schlimmste Schweighöfer-Film?
Boah, ich find alle, die ich gesehen hab, geil, muss ich sagen. Lieblingsfilm kann ich dir dafür auch nicht nennen, aber ich hab eine andere lustige Geschichte parat, die ich erzählen kann: Auf meinem zweiten Album (Blur), da hab ich, um die Samplethematik nochmal aufzugreifen, eine recht lange Szene aus einem seiner Filme als Adlip in das Outro von "Einatmen/Ausatmen" gepackt. Gekannt haben wir uns da noch nicht.

Weiß er inzwischen davon?
Jaja, auf jeden Fall. Er hat das dann auch irgendwie als lustigen Zufall empfunden, obwohl, es gibt ja keine Zufälle. Eher eine lustige Fügung.

Wie kommt es denn zu dem Titelnamen "Moonbootica Mond", lässt sich das tatsächlich auf das Moonbootica Album Moonlight Welfare zurückführen?
Genau, das Setting beschreibt ja, wie man sich im Club befindet und wie ich im Club gestanden bin, hat's Moonbootica "Der Mond" gespielt und ich hab dann irgendwie gleichzeitig auch noch an "Bye Bye, Junimond" denken müssen, es ist also eine gemeinsame Referenz zu den beiden.

Auf "Frösche" hast du die Jungs von I Salute featuren lassen, wie ist denn dazu gekommen?
Die hab ich gestern bei einem Konzert in Berlin gesehen und war vollkommen überwältigt, bin auch richtig stolz, dass die bei mir mit auf dem Album sind. Ich hab irgendwann mal ein Video von denen auf YouTube gesehen, hab's sehr gefeiert und bin denen dann auf Instagram gefollowt. Da kam dann schon die Nachricht "Ey, ich hab Blausicht rauf und runter gehört" und wir haben uns echt gut verstanden. Wir haben zusammen mal in Wien gechillt. Das Feature hatte da noch keiner im Kopf, es war eher so eine gemeinsame Listening-Session von den Sachen, die wir in letzter Zeit so produziert haben und dann ist das Feature doch entstanden.

Das Album hat ja eher einen melancholischen Einschlag, hätte sich da nicht ein Maeckes-Feature angeboten?
Er war ja schon am letzten Album und man kann ja nicht bei jedem Album die gleichen Moves bringen. Wir machen sicher noch irgendwann einen Song gemeinsam. Wir waren auch gestern Eis essen, also es ist immer ein reger Austausch da. Wir sind ja auch sehr gut befreundet, aber weißt du, ich mach Features nie aus dem Grund heraus, dass ich den und den oben haben will. Das passiert eher aus dem Entstehungsprozess der Tracks selbst, wenn der Song eine bestimmte Person verlangt. Wie beim letzten Album, da hab ich mir auch gedacht: "Da würd Maeckes gut draufpassen", in solchen Fällen frag ich ihn, aber im Vorhinein das Feature nur des Features Willen zu machen, ist nicht meine Art.

Was ist deine Lieblingszeile am neuen Album?
Auf dem Song "Konichiwa" die Zeile: "Ich geb alles, was ich hab, nehm mir dafür alles, was ich will". Eigentlich sehr treffend für meine Lebenseinstellung. Wenn du viel Energie und Herzblut in ein Projekt steckst, dann steht dir meiner Meinung nach auch zu, dass du viel verlangen kannst. Oder weniger verlangen als das, was du einfach karmamäßig auch einfach zurückbekommst, wenn du dich für etwas einsetzt.

Wie war's eigentlich, mit deinen Fans zu den Amadeus Awards zu gehen?
Das war ziemlich geil. Man wusste natürlich nicht, was für Menschen da auf einen zukommen, hätte ja auch sein können, dass die den Abend dann total verhauen, aber das waren wirklich liebe Menschen, mit denen wir echt eine gute Zeit hatten. Ich denke auch, dass das dann immer so laufen wird, um ehrlich zu sein.


Die Verlosung war ja im Rahmen deiner Albumbox, die deine Zweithandynummer und einen Backstagepass enthält, um das schonmal vorab auszuprobieren. Erwartest du, dass das in Zukunft in gleicher Manier wie bei den Awards weitergeht?
Ja schon, der Gedanke kam ja daher, dass ich auf Tour schon immer gemerkt habe, dass ich echt durch die Bank nur liebe und interessante Fans habe. Nach dem Konzert, wenn man dann beim Merch-Stand steht, hat man nicht genug Zeit, um mit denen lange abzuhängen. Aber so kann man das ganz gut lösen. Wenn ich in einer anderen Stadt bin und paar Stunden nichts zu tun habe, kann ich zukünftig einfach in die Whatsapp-Gruppe schreiben: "Hey, bin in Hamburg, wer will Eis essen gehen ?" Mann muss einfach neue Dinge ausprobieren, die unabhängig von Facebook-Reichweiten stattfinden, weil mit dem Projekt kann ich direkt jeden erreichen, den ich direkt erreichen will.

An sich hast du ja gesagt, du bist nicht so ein Namedropping-Feature Typ, aber, wenn du dir für dein Album drei Wunsch-Features hättest holen können, welche wären es geworden?
Wenn ich's mir aussuchen könnte, dann Mike Skinner zum Beispiel, den hätt ich gern gehabt. Und Kanye natürlich. Vielleicht, dass er produziert oder den Refrain rappt. Hmm, die Band Miike Snow vielleicht noch, aber auch eher im Producing-Bereich. Ich find englischsprachige Features immer komisch, wenn man deutsch singt.


Gerard hat mit Ilias Dahimène erst vor kurzem das Label Futuresfuture gegründet:


Obwohl du ja mit I Salute auch Leute hast, die Englisch singen?
Ja, aber der rappt auf Deutsch und da ist das Englische ein kleines Gimmick.

Gibt es irgendwelche Releases, auf die du dich in nächster Zeit freust?
Mein Augenmerk liegt auf den Futuresfuture-Releases, also den Sachen von unserem eigenen Label. Edwin hat jetzt eine richtig starke EP geliefert, Jugo Ürdens hat auch letztens eine neue EP releast.

Stimmt, die Releaseparty dafür war ja erst vor kurzem im Prime. Hast du dich von Wiens neuester Clubperle schon selbst überzeugen können?
Ich war ja bei Jugos Releaseparty und wir haben dort ein paar Videoszenen für das "Moonbootica Mond"-Musikvideo gedreht, aber so privat vom normalen Clubbetrieb hab ich mich jetzt noch nicht überzeugen können. Ich bin ehrlich gesagt auch nicht so der Clubgänger, also werd ich das wahrscheinlich nie erfahren.

Wir sind inmitten der Festivalsaison, hast du gerade Zeit für Festivals und was war eigentlich dein allererstes Festival, auf dem du warst?
Ne, also diesen Sommer hab ich das alles irgendwie ein bisschen ausgelassen, weil ich gerade noch an anderen Sachen bastle. Wenn ich nicht selber auf Festivals spiele, dann geh ich da auch nicht als Gast hin, weil du eh schon so oft selber dieses Setting hast und jede Band, die du live mal sehen willst, wird früher oder später auf dem gleichen Festival wie du auftreten. Deswegen bin ich privat eigentlich gar nicht mehr auf Festivals unterwegs. Auch auf Konzerte geh ich jetzt nicht mehr wirklich, außer wenn Freunde spielen. Mein erstes Festival wird glaub ich tatsächlich so mit jungen 16 Jahren das Splash-Festival gewesen sein, so 2005 oder 2006.


Noisey-Doku: Hanuschplatzflow


Bei deinem letzten Interview hast du gemeint, du würdest Kanye West schon zum Präsidenten wählen. Würdest du ihn immer noch wählen?
Schlimmer als Trump kann er's nicht machen.

Du hast mit dem Album ein weiteres Etappenziel hinter dir, natürlich soll dir Pause vergönnt sein, aber gibt es schon irgendwelche neuen Ziele, die du dir auf die Agenda geschrieben hast?
Ja schon, aber darüber mag ich noch nichts sagen, weil da noch nichts wirklich fix ist. Aber ich bin die ganze Zeit weiter am Machen und Schaffen. Die Albumtour ist ja auch im Dezember, das ist das Nächste, was feststeht und auf die freu ich mich. Wir haben so acht, neun Dates geplant, aber vielleicht machen wir auch noch einen zweiten Teil. Das ist eben von den ganzen Sachen abhängig, die bis jetzt noch in der Schwebe sind.

Du hast mit Futuresfuture dein eigenes Label mitbegründet, gibt es diesbezüglich etwas, was unterschätzt wurde?
An sich läuft es bis jetzt, aber es ist zu früh, um da eine repräsentative Bilanz zu ziehen. Das kann man dann in ein, zwei Jahren viel besser beantworten. Bis jetzt ist es echt alles geil. Die Künstler arbeiten alle an ihren Projekten und das mag vielleicht blöd klingen, aber ich bemüh mich darum, eine gewisse Vorbildfunktion zu sein, auch in Sachen Arbeitsmoral.

"Der Struggle hört nie auf, er verlagert sich nur auf andere Ebenen, egal, an welchem Punkt deiner Karriere du stehst."

Welche Eigenschaft ist Voraussetzung, um im österreichischen Musikbusiness zu bestehen?
Ausdauer. Das wird auf jeden Fall verlangt und halt wirklich, wie gerade gesagt, eine gute Arbeitsmoral. Was mir auch bei den jungen Futuresfuture-Künstlern aufgefallen ist, ist, dass sie teilweise glauben, dass das Ganze viel mit Glück zu tun hat oder mit Faktoren, die man selbst nicht kontrollieren kann. Meiner Erfahrung und auch der Erfahrung anderer nach, die schon länger in dem Business unterwegs sind, ist das halt wirklich Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Das stellen sich manche Leute sicher anders vor.
Ja, das klingt wahrscheinlich nicht so romantisch, wie sich das viele wünschen, aber man ist nicht 90 Prozent der Zeit Rockstar und erlebt die ärgsten Partys, schreibt einmal einen Hit und hat's dann geschafft. Du musst dich rund um die Uhr bemühen, neuen, geilen Content zu kreieren und den dann gekonnt über alle Social-Media Plattformen zu vertreiben. Es muss ein in sich stimmiges, rundes Paket sein und das bedeutet eine Menge Arbeit und Zeitaufwand, aber wenn du da täglich viele Stunde reinsteckst, dann wirst du nach einer Zeit davon leben können. Im Endeffekt kann es echt jeder packen, mit seiner Musik einen gewissen Erfolg zu erreichen, wenn er einfach dranbleibt an dem Ganzen. Und Probleme gibt es sowieso immer, selbst wenn du jetzt finanziell besser dastehst, kommen vielleicht bürokratische oder logistische Probleme auf dich zu. Der Struggle hört nie auf, er verlagert sich nur auf andere Ebenen, egal, an welchem Punkt deiner Karriere du stehst.

Abschließend: Was sagt deine Familie zu deinem neuen Album?
Sie haben's tatsächlich noch nicht gehört.

Was würdest du für eine Reaktion von ihnen bekommen, wenn sie es hören?
Naja, sie werden mich schon nicht dissen, haha.

Vielen Dank für dein Zeit Gerard, du bist 1 Süßiboi.

Das Album AAA ist seit Freitag im Handel erhältlich. Das sind die Tourstops im Dezember 2017:

03.12.2017 Hamburg, Prinzenbar
04.12.2017 Berlin, Musik & Frieden
05.12.2017 Köln, Yuca
06.12.2017 Stuttgart, Schräglage
11.12.2017 München, Ampere
13.12.2017 Graz, PPC
14.12.2017 Zürich, Exil
15.12.2017 Wien, WUK

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