Das erste Date mit ... Jugo Ürdens

Unsere Autorin war mit Jugo Ürdens eislaufen und hat versucht, ihn mit liebreizenden Fragen zu wärmen.

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02 Januar 2017, 11:40am

Header und Fotos von Daniel Gschwendner

In unserer Reihe "Das erste Date mit …" gehen wir mit Musikern auf ein erstes Date, um ihnen unangenehme Fragen zu stellen, die man bei einem ersten Date so abfrühstückt, und ihnen eine Chance zu geben, sich möglichst von der besten Seite zu zeigen—genau wie bei einem ersten Date.

Jugo Ürdens ist mir seit seinem Track "Schwarzes Gold" ein (wichtiger) Begriff. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich verstanden gefühlt. Es gibt außer mir also noch weitere Menschen, die das zuckersüße Getränk zelebrieren und grenzenlos und ehrenhaft lieben—ganz ohne Schamgefühl. Grund genug für mich, meinen Cola-Seelenverwandten kennenzulernen. Also datete ich ihn—wir waren eislaufen (Cola auf Eis, duh)—es war also ein ziemlich cooles Date.

Ich hab ihm fünf Gummi-Cola-Flascherl gekauft, aber eines schon gegessen, bevor ich sie ihm geschenkt habe.

Noisey: Ziemlich kalt hier.
Jugo Ürdens: Ich hab mir extra eine lange Unterhose besorgt. Hab aber darunter trotzdem noch eine an—sonst wärs komisch.

Stimmt. Wäre wie, wenn wir Mädels mit einer Leggings, aber ohne Unterwäsche losziehen würden—ob Männer eigentlich jemals einfach so Leggings tragen werden?
Tun sie doch eh! Aber sie ziehen dann so coole Shorts drüber, beim Training. Um das ganze zu tarnen. Aber ich muss sagen, sie sind echt angenehm … Hast du da etwa einen Notenschlüssel tätowiert? [Und zeigt auf mein rechtes Handgelenk, wo diese kleine "Jugendsünde" es gut ersichtlich ziert].
Drück mal drauf! [Als er es macht, gebe ich mein hohes C zum Besten] Es macht Musik!

Hattest du schon mal so eiskalte Dates?
Ist schon mal vorgekommen. Also nicht Eislaufen, aber so gar nicht miteinander warm werden und so.

Wenn du möchtest, können wir ja Eistanzpartner werden?
Das hört sich gut an, aber auch anstrengend.

Alles, was gut aussieht, war vermutlich mal anstrengend. Da steckt Arbeit dahinter—siehe unsere Eltern und wie sie uns gemacht haben.
Kann ich nur bestätigen. Meine Eltern sind hart arbeitende Menschen.

 

Hattest du eigentlich je so eine Yung Hurn-"Gemeindebauliebe" zu deiner Gegend im 16.?
Nein, wir haben davor im 13. gelebt, in so einem Kabinett. Kurz, paar Monate. Dann sind wir meinem Vater hinterhergezogen, in so eine Zwei-Zimmer Wohnung. Danach waren wir im 14. Das war dann so eine Art Gemeinde-Ding und danach in den 16. Bezirk.

Ich bin im 22. Bezirk aufgewachsen—da war schon ein bisschen diese "Ghetto"-Dynamik. Die hattest du dann quasi gar nicht?
Ich war eh auch ewig lange oft im 22. Bezirk—in Großenzersdorf. Ein Kumpel von mir hat in den Genossenschaftsplattenbauten nähe Kagran gewohnt, bei diesen ganzen Blocks dort. Bis auf das, dass die Wohnungen scheiße sind, gibt es da jetzt gar nicht so den argen Unterschied [zum 16. Bezirk]. Ich glaube, es gibt echt schlimmere Orte, um aufzuwachsen, als ein Gemeindebau im 22. Bezirk. [Aus den Boxen erklingt "Broken Strings"] Geil, den Song hab ich schon lange nicht mehr gehört.

An was erinnert dich dieses Lied?
Keine Ahnung, das war voll der Hit damals. Ich weiß ja nicht mal, wie der Typ da heißt, der das singt.

Aber du feelst es ur!
Ich feele die meisten Balladen.

Total ungewöhnlich für Männer, auf Balladen zu stehen.
Ich steh voll auf Pathos—die ganzen jugoslawischen Lieder, die sind so megahart pathetisch alle und so geladen und Herzschmerz [er ist da gerade voll in seinem Element] und da noch—einfach so überladen und übertrieben. Richtig geil!

OK, wir waren dem Cola mit einem Punsch untreu.

Und abgesehen davon, was hörst du sonst noch gern?
Eh auch viel HipHop und alles quer durch die Bank. Viel HipHop und … so Sachen halt.

Arg, ich hör auch gern Sachen!
Ja, was ich nicht kann, ist so diese Pop-Rock-Scheiße. Aber ich glaub auch, dass es nicht wirklich viele Menschen gibt, die das gerne hören. Diese Zeit ist eh schon vorbei, wir hören jetzt eh alle nur mehr HipHop.

"Mainstream" ist jetzt auch nicht so meines, aber ich bin ein Britney-Fan, ich geb´s zu.
Sind wir das nicht alle? Das ist übrigens mein Lieblingsspruch, den bring ich immer, wenn der so halbwegs passt. Den kannst du nämlich immer bringen. Magische Phrase.

Naja, außer man sagt es bei ur unpassenden Sachen—Dinge, die wirklich keiner sein will. Aber das wär dann wieder etwas lustig. Du bringst ihn, wenns passt und ich bringe ihn, wenns überhaupt nicht passt.
Das ist gut, das können wir machen.

Und hier waren wir dem Cola schon wieder Untreu. Diesmal: Ein Bier.

Und du trinkst Coca Cola echt gerne?
Nämlich tatsächlich. Jetzt auf dem Weg hier her erst eins getrunken.

Ich bin nämlich auch der ur Cola-Junkie! Habs auch früh kennengelernt, im Baby-Flascherl noch. Ich liebe es.
Ich liebe es auch.

Ich versuche zwar ab und zu anderen Cola-Sorten die Chance zu geben, aber nein …
Es ist zwar rassistisch, aber nur Coca Cola is das wahre—auch kein Zero, kein Light, kein Life.

Finde ich gut, dass du es wirklich so magst.
Naja, sonst könnte ich ja so einen Song nicht machen.

Aber in so einem Song kann man ja extrem viel hineininterpretieren.
Genau, sehr gesellschaftskritisch … Aber der Typ, der mich Jugo Ürdens getauft hat: Monatelang nach dem Aufstehen, das Erste, was er macht—er geht nicht Zähneputzen, nicht aufs Klo—man hat dann immer nur das Zischen einer Dose und glucksende Geräusche, sowie das anschließende "Uuugh" gehört.

Ja ... das hab ich heute früh auch so gemacht—Dose oder Flasche?
Dose … Nein, Blödsinn ... Glasflasche! Ich hab vom Dreh noch immer zwei von vier Kisten übrig.

Hast du gewusst, dass sie in Amerika eigentlich gar kein Zucker verwenden sondern Maissirup?
Wusste ich nicht!

Wie stehst du zu Coke Vanilla?
Das ist geil für zwischendurch—zu besonderen Anlässen. Der feine Tropfen.

Ich hab da einen Geheimtipp: Du kannst auch ganz normale Vanille-Essenz, die man fürs Backen verwendet, nehmen und dir dein Coke Vanilla selber basteln.
Uuuh. Vergleichbar?

Absolut vergleichbar!

 

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