Dieser Typ will 6 Millionen Dollar sammeln, um das neue Wu-Tang-Album zu zerstören

„Momentan ziehe ich Verflüssigung in Erwägung.“

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Juni 12 2014, 10:55am

Es gibt Fans, die will man einfach nicht verärgern. Belieber zum Beispiel. Sie verteidigen wirklich jede Aktion von JB und schicken jeder Frau Todesdrohungen, die ihm näher als drei Meter kommt. Dann gibt es noch Anhänger von Subkulturen. Menschen, die sich in ihrem Schlafzimmer einschließen und sich über jeden lustig machen, bis man sie mal ein wenig herausfordert, was dazu führt, dass sie eine solche Hasstirade ablassen, die man von normalen Menschen eher in Bezug auf Kinderpornographie oder Christian Wulff zu hören bekommt. HipHopper sind die empfindlichsten von allen. Sie strafen jeden mit Missachtung, der schlecht über DOOM redet oder—noch schlimmer—seinen Namen immer noch nicht in Großbuchstaben schreibt. Viele Rapkünstler haben wirklich irre Fans, aber die Fanbase des Wu-Tang Clan übertrifft sie alle.

Man sollte meinen, dass die Wus es besser wissen sollten, als ihrer Legion treuer Fans einen Streich zu spielen. Aber genau das haben sie getan, indem sie eine Auktion für die einzige Kopie ihres neuen Silber- und Nickelgeprägten Doppelalbums The Wu – One Upon A Time In Shaolin gestartet haben. Das Album wird zuerst die Runde durch Galerien und Festivals machen, bevor es in den Handel kommt und der gemeine Kunde es sich für 50 Dollar das Stück anhören kann. Um sich gegen diesen Marketingkniff zu wehren, haben sich Wu-Fans zusammengetan und eine Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen, um so viel Geld zu sammeln, dass sie das höchste Gebot für das Album abgeben und es im Namen der kulturellen Demokratie verteilen können, anstatt es einem reichen Sack zu überlassen.

Chris Everhart—einer der verrücktesten Wu-Tang-Fans—hat die Sache selbst in die Hand genommen. Er hat keine Mühen gescheut und seine eigene Kickstarter-Kampagne gestartet, um 6 Millionen Dollar zusammenzubekommen. Mit dem Geld möchte er das Album kaufen und dann „auf künstlerische und bombastische Art“ aufwändig zerstören. Der offizielle Wu-Kickstarter ist gestern mit ungefähr 15.400 Dollar und fast 700 Unterstützern zu Ende gegangen, während Everharts Kampagne mit etwas über 10.300 Dollar und nur 25 Unterstützern gar nicht so weit abgeschlagen ist—ihr bleiben allerdings noch 48 Tage.

Noisey: Glaubst du ernsthaft, dass du die 6 Millionen Dollar zusammenbekommen wirst?
Chris Everhart: Das glaube ich tatsächlich. Ich glaube an mein Anliegen. Wenn ich Menschen auf der ganzen Welt erreichen kann, glaube ich, dass es genügend Leute gibt, die zu gerne mitmachen. Ich habe allerdings eher wenig Hoffnung, dass das Geld in den 60 Tagen zusammenkommt, die einem Kickstarter zur Verfügung stellt. Falls das Ziel aber nicht erreicht werden sollte, habe ich noch einen Plan B. Ich will damit nicht nur einen Standpunkt klarmachen, ich will das Album.

Wie sieht dieser Plan B aus?
Ich werde eine neue Kampagne starten, die mir nicht nur 60 Tage gibt, um das Geld zusammenzubekommen, und ich werde allen, die Geld für die Kickstarter-Kampagne gespendet haben, ihre Kohle zurückgeben.

Das ist aber nett. Du hast gesagt, dass du die Zerstörung live übertragen wirst. Außerdem hast du sie als „Ritual“ angekündigt. Was hast du genau vor?
Das ist immer noch im Entstehungsprozess. Zu diesem Zeitpunkt lautet die Antwort auf diese Frage leider noch: „es kommt darauf an“. Angenommen die Beschaffung des Albums wird das ganze Geld der Kampagne aufbrauchen, dann habe ich wenig für die Zerstörungsperformance übrig. Wenn mir aber genug bleibt, um etwas aufzuziehen, dann wird es auf jeden Fall recht geschmackvoll sein—so viel kann ich schon verraten. Um schon mal eine Ahnung von der potentiellen Richtung zu bekommen, ich liebäugle gerade mit Verflüssigung und/oder der Rückführung des Werkes an die Erde. Das wird keine schnelle Verbrennung.

Mit welcher Form von Ritualen würdest du es vergleichen?
Jesus’ Kreuzigung oder vielleicht der Hidschra. Ich kenne mich nicht wirklich mit der Five-Percent-Nation aus, aber soweit ich weiß, stehen die Wus darauf. Vielleicht werde ich also auf respektvolle Weise eine ihrer Traditionen nachahmen.

Cool. Was willst du damit, das Album auf so aufwändige Art zu zerstören, eigentlich beweisen?
Ich will gar nichts beweisen. Dadurch, dass ich (mit meiner Performance) ein Kunstwerk erschaffe, möchte ich nur dies, nämlich Kunst erschaffen. Der Kunstbegriff kann ja sowohl sehr eng als auch sehr weit gefasst werden. Das hängt ganz vom Kontext und dem Motiv der Person ab, die sie macht. Für mich persönlich ist Kunst einfach etwas, das passiert. Erschaffung und Zerstörung können gleichermaßen zu Kunst werden. Wenn man exakt ist, müsste man meine Performancekunst als Protestkunst beschreiben—ich protestiere damit gegen die Entscheidung, ein Kunstwerk nur der Bourgeoise zur Verfügung zu stellen, um damit Geld zu machen. Ich gehöre zum Proletariat und werde mich damit nicht zufrieden geben.

Du hast dem Wu-Tang vorgeworfen, „selbstgerecht“ zu sein, aber ist das, was du machst, nicht so ähnlich? Oder geht es genau darum?
Für mich ist dieser Schachzug des Wu-Tang Clans auf viele Arten „selbstgerecht“. Eine davon ist, ihre eigene Überheblichkeit anzunehmen, dass ihr Kunstwerk den Preis auf dem Schild auch wirklich wert ist. Das ist von Grund auf egoistisch. Traurigerweise werden sie sich darin bestätigt fühlen, falls wirklich jemand mehrere Millionen Dollar für das Album zahlt. Das wird sich noch zeigen.

RZA hat dieses Werk mit dem von Mozart verglichen. Das ist Blasphemie, wenn es von einem Musiker kommt. Mozarts Werk hat sich über zwei Jahrhunderte bewiesen. Mir ist scheißegal, wie überzeugt du von dir selbst bist. Ey RZA, ich habe mir The W und dein „Gravel Pit“ angehört. Diese Scheiße war echt für die Tonne. Mir ist auch nicht bekannt, dass Mozart irgendein Stück geschrieben hat, um Werbung für Premium-Malzlikör von St. Ides zu machen. Lass dich doch lieber von anderen mit Mozart vergleichen. Nicht mit deinem eigenen vorlauten Maul. Das stinkt ganz gewaltig nach Kanye West.

Warum willst du dir das Album denn nicht mal anhören?
Aus zwei Gründen: Um gegen die politisch und finanziell motivierte Aktion zu protestieren und ganz einfach weil die letzten beiden Alben des Clans es nicht wert waren, gehört zu werden. Die Welt wird ganz gut ohne einen weiteren Staubfänger in meinem Wohnzimmer (oder dem eines Milliardärs) auskommen.

Was wirst du also tun, um deine Kampagne zu verbreiten/das Geld zu sammeln?
Nichts. Ich glaube, dass man mit dem richtigen Grund die Massen auch ohne Werbung erreicht. Ich bin Optimist, der (vielleicht naiv) daran glaubt, dass das Böse untergehen und das Gerechte siegen wird.

Sorry Chris, wir haben kein Geld, um dich zu unterstützen. Du hast außerdem gesagt, dass jede Art von Kunst mit der Welt geteilt werden sollte—wie unterscheidet sich das denn nun von den ganzen Songs, die man nur über iTunes kaufen kann?
Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt haben Zugang zu iTunes und du kannst dir die Songs dort für ein paar Cent kaufen. Außerdem kann mein Kumpel sie sich runterladen und sie gehören ihm anschließend, sodass er sie so oft er will und mit wem er will hören kann. Wenn diese Arschlöcher meinen, dass ihre Kacke Gold wert ist, würden sie dann nicht Haufen machen und sie unter den Armen verteilen? Nein, wie es ausschaut, machen sie einen Haufen und schließen ihn im Badezimmer irgendeines reichen Schnösels ein, der ihnen genug Geld dafür gibt.

Was würdest du tun, wenn dir RZA oder irgendein anderer aus dem Wu-Tang Clan auf der Straße über den Weg läuft?
Bei dieser Frage gilt es, verschiedene Maßstäbe zu beachten. U-God, Deck, ‘Kwon, Ghost, Method Man: Bei denen würde ich gar nichts sagen. Wenn Wu sich wie Voltron zusammenbaut, dann sind diese Typen die Schienenbeine und die Ellenbogen und so. OK, bis auf Method Man, der wäre der Goldzahn.

Ich bin mir nicht sicher, was Raekwon davon hält, als Ellenbogen bezeichnet zu werden. Irgendwelche letzten Worte?
Ich bin Wu-Tang-Fan. Ich weiß noch, wie ich aus der Schule kam, auf mein Fahrrad gesprungen und zum Plattenladen gerast bin, um mir Wu-Tang Forever zu kaufen. Die Typen sind jetzt Millionäre und denken, dass sie über all ihren Fans stehen. Newsflash: Das ist nicht der Fall. Die Fans haben euch zu dem gemacht, was ihr seid. Ich kann euch die Millionen nicht wieder wegnehmen, die ihr durch die Unterstützung eurer Fans gemacht habt. Aber ich kann sagen, dass es so nicht weitergeht. Ich würde meinem Sohn gerne sagen können: Hey Kleiner, du musst dieses Jahr nicht in die Sommerschule, nimm dir einfach die Wu-Tang-CD und du wirst die ganze Bildung bekommen, die du für das Jahr brauchst—aber das kann ich nicht, weil irgendein reicher Wichser das Teil mit Track drei auf Repeat in seinem CD-Wechsler hat.

Wu-Tang is NOT here forever M&%f$#s!

OK, danke Chris. Viel Glück mit deiner Mission.

Folgt Lev bei Twitter—@LevHarris1

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