Schnulzen-Alarm: Wer hat's gesagt, Rapper oder Schlagerstar?

Bausas "Was du Liebe nennst" reißt gerade alles ab. Vielleicht auch, weil es an ein anderes, sehr erfolgreiches deutsches Musikgenre erinnert?

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27 Oktober 2017, 1:22pm

Bausa reißt momentan mit seinem Song "Was du Liebe nennst" alles ab, was zwischen Platz eins der Single-Charts und diversen Spotify-Rekorden noch so möglich ist. Schlug der aus Bietigheim stammende Musiker mit der Reibeisenstimme auf seinem von Fans und Kollegen äußerst wohlwollend zur Kenntnis genommenen Debütalbum Dreifarbenhaus noch etwas düstere und weniger radiotaugliche Töne an, ist ihm nun ein astreiner Mainstream-Hit gelungen. Das dürfte nicht zuletzt auch an dem sehr sweeten, sagen wir einfach mal "Schlager-esquen" Text liegen. Und wir lieben es!

Hieß es auf der ultimaten Hymne seines Albums, dem Track "Tropfen", aber noch: "Feiert jede Nacht auf Koks im Hotel / Ihre Teller sind so groß wie die Welt", heißt es nun "Baby, gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst / Auch wenn es keine Liebe ist, ich liebe es / Hilf mir zu vergessen, was war / Ich park' mein Herz bei dir heute Nacht". Wer sich beim Lesen dieser Zeilen nicht vorstellen kann, wie sexy Andrea Berg den Text auf ihrem goldenen Mikro im Musikantenstadl schmettert, der leugnet auch so grausame Rap/Schlager-Verbrechen an der Menschheit wie das Xavas-Album. Und das ist kein Vorwurf, sondern eine Tatsachenfeststellung. Denn dass der Song gut ins Ohr geht, ist so unstrittig wie Bausas musikalische Fähigkeiten.


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Auch andere Rapper, die sich gerne verrucht und Kippe rauchend zwischen willigen Minderjährigen sehen möchten, langen textlich gerne mal in die Poesiealbum-Kiste. Ja Rin, wir meinen dich. Aber auch andere Kollegen der Zunft haben längst kein Problem mehr damit, sich textlich dem ZDF-Nachmittagsprogramm zu nähern. Wo für Sido noch ein Sturm losbrach ("Steine", never forget), weht heute kaum noch ein laues Lüftchen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht hier nicht darum, dass Rapper immer den harten Kerl vor der Tankstelle mimen müssen, der grade seine Pittbulls Gassi führt und eine 38er im Gürtel stecken hat. Und auch Schlager kann toll sein. Aber bei harmloseren Texten fällt es nun mal sehr viel schneller auf, wenn man sich einfallsloser oder peinlicher Bilder bedient. Das ist der Fluch der Popmusik. Da Deutschrap derzeit immer melodischer und poppiger wird, ist es nur eine logische Konsequenz, dass man sich auch textlich immer wieder mal anpasst. Und den Leuten scheint es ja auch zu gefallen. Also spielen wir heute das lustige Spiel "Who said it? Deutschrap oder Musikantenstadl?" Licht aus, Spot an!

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