Die erste Lektion als Musikerin: Du musst kämpfen (wollen)

Ivorrie hat als Newcomerin noch viel vor. Um das zu erreichen, lässt sie sich nicht von Heuchlern und Neidern ablenken und zieht ihr Ding durch.

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März 7 2018, 11:15pm

Foto: zvg

Heute ist Weltfrauentag. Noisey überlässt aus diesem Anlass Frauen aus der Musik- und Nightlife-Szene das Wort. Ivorrie macht eine Mischung aus R&B und Trap und veröffentlichte 2017 ihr Debütalbum 'The Wave Is Never Slowing (TWINS)'.

Ich bin eine von vielen weiblichen Musikerinnen da draussen. Ich mache eine Mischung aus R&B, HipHop und Trap-Soul. Ein sehr kleines Genre hier in der Schweiz, vor allem für eine Frau. Ich versuche meine Heimat zu repräsentieren, überall. Aber vor allem versuche ich, uns Frauen zu unterstützen und zu inspirieren.

Auch ich habe nämlich gewisse Erfahrungen in diesem Business gemacht, welche mich zu den folgenden Aussagen führen. Wenn du neu in der Musikszene bist, musst du lernen, dich durchzusetzen. Du musst kämpfen, um akzeptiert zu werden. Ganz am Anfang habe ich meine Musik an verschiedene Leute geschickt. Ob sie dabei positiv oder negativ ankommt, hängt davon ab, wie du dich präsentierst – und natürlich vom Talent. Ich glaube, viele sind erstaunt oder neugierig, wenn ein noch unbekanntes "little Girl" eine Ansage macht und dazu noch einen tollen Track liefert.

Es ist gleichzeitig auch unglaublich, wie schnell du begreifen musst, dass viele nur von deinen Fähigkeiten profitieren wollen – welche Fähigkeit sie auch immer meinen. Deshalb habe ich mir schnell gesagt: Ich scheiss drauf, wie dick jemand im Musikgeschäft ist. Mir ist egal, was für heftige Kontakte jemand hat. Fehlt diese gewisse zwischenmenschliche Verbindung, funktioniert es nicht. Und auf keinen Fall werde ich jemandem seine Wünsche erfüllen, um mein Ziel zu erreichen. Wenn mir jemand so kommt, kann ich meinen Mund nicht halten. Ich sage sowieso immer, was ich will. Es gibt so viele Heuchler da draussen. Ausnutzen wollen dich viele. Aber genau dann merkst du, dass du es richtig machst. Jede Musikerin kennt das. Du hast plötzlich jede Menge Fake-Freunde, du wirst überall hin eingeladen, Leute wollen Fotos mit dir, die dich eigentlich nicht mögen.

Es werden auch Menschen kommen, um dir die ganze Sache auszureden. Oder sie werden dir sagen, wie du deinen Weg gehen sollst. Ein Typ meinte mal: "Du bist ein kleines Mädchen in einem Business, wo du Gehirn und einen grossen Schwanz haben musst." Ich meine, was zur Hölle denkt sich jemand bei so einer Aussage? Ich habe genug Gehirn, um zu wissen, wo ich hingehöre und was ich erreichen kann. Zum Teufel mit solchen Typen. Es gibt aber auch die, welche plötzlich zu dir zurückrennen und dich nach Tipps und Features fragen. Und wenn du dann genervt bist und Nein sagst, hörst du nicht selten Sprüche wie: "Wow, du bist eine arrogante Frau geworden seit diesem Musikding." Viele von den Typen, die dich nicht ernst nehmen, kriechen zurück in deinen hübschen Popo, sobald du etwas Geiles am Start hast. Und genau dann gibst du ihnen den Finger.

Lass dich nicht beeinflussen von dieser lächerlichen Scheisse. Ja, Frauen haben mit viel zu dealen. In jedem Musikbereich. Du musst eine dicke Haut haben und viel Mut. Es geht um Talent, Passion und Selbstbewusstsein. Und da wird immer jemand sein, der dich unten sehen will. Aber am Ende ist es dein Traum. Dein Leben. Nicht das von ihnen.

Und das Wichtigste: Du musst dran bleiben und dir immer treu bleiben. Dadurch und durch den Support von Freunden und Familie kannst du so viel erreichen. Ich durfte mit Jason Derulo arbeiten und Los Angeles kennenlernen. Ich habe ein top Team an meiner Seite mit derselben Vision. Wer weiss, was als nächstes kommt.

Deshalb solltest du auch wissen. Ich bin da für dich. Ich versuche etwas zu erschaffen, das Mut und Motivation macht. Ich möchte inspirieren und mich von anderen inspirieren lassen. Du kannst mir sogar schreiben. Egal, was für Musik du machst. Egal, von wo du kommst. Wir haben viele Talente da draussen, die wir verbinden müssen. Es müssen sich mehr von uns aus dem Schatten trauen und zeigen, dass wir da sind. Lasst uns etwas verändern. Lasst uns, vor allem in dieser männerdominierten Szene zeigen, dass wir diese Scheisse genauso kreieren können wie unsere Jungs. Lasst uns die ganze Szene aufmischen und ein Gleichgewicht herstellen. Ich will uns alle an den Festivals sehen, in Club-Shows und am Cypher. Das ist ein Grund, warum ich Musik mache.

Zeig dich, und zieh dein Ding durch!



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