Noiseyhttps://noisey.vice.com/deRSS feed for https://noisey.vice.comdeWed, 12 Dec 2018 11:16:35 +0000<![CDATA[Feuer, Einbruch, Taser, Knast – Cannibal-Corpse-Gitarrist wütet durch sein Kaff]]>https://noisey.vice.com/de/article/bjep94/cannibal-corpse-gitarrist-pat-obrien-verhaftet-florida-northdale-explosive-munition-kaution-drogentestWed, 12 Dec 2018 11:16:35 +0000Am Montag wurde Cannibal-Corpse-Gitarrist Pat O'Brien wegen Einbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verhaftet. Wie es zur Verhaftung kam, ist wohl das Aufregendste, was in O'Briens Wohnort Northdale in Florida seit IMMER passiert ist.

In der Nacht auf Dienstag wurde die Feuerwehr zum brennenden Haus von Pat O'Brien gerufen. Das Feuer zu löschen, stellte sich für die Einsatzkräfte jedoch als Herausforderung heraus, denn im Haus explodierte haufenweise Munition. Vom Besitzer fehlte jede Spur, bis bei der Polizei ein Anruf wegen eines Einbruchs in ein nah gelegenes Haus einging.

Der mutmaßliche Täter stellte sich als der Cannibal-Corpse-Gitarrist heraus. O'Brien soll sich Zugang zum Haus verschafft und es auf Bitten der dort lebenden Familie nicht verlassen haben. Die örtliche Polizei berichtet im Einsatzprotokoll, dass O'Brien eine Bewohnerin umgeschubst haben soll und dann in den Hinterhof geflüchtet sei.

Die Polizisten fanden den 53-Jährigen schließlich versteckt hinter einem Zaun in der Nähe seines Hauses. Doch statt sich zu stellen, soll sich O'Brien mit einem gezogenen Messer gegen die Verhaftung gewehrt haben. Er wurde schließlich mit einem Taser auser Gefecht gesetzt.

O'Brien trat am Dienstag in einem sogenannten Anti-Selbstmord-Kittel (anti-suicide smock) vor den Kautionsrichter. Dieser verhängte eine Kaution von 50.000 US-Dollar, sofern er einen Drogentest bestehe.

Der Fall schaffte es natürlich auch ins US-News-TV:

Für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte liegt das höchste Strafmaß in Florida bei bis zu 30 Jahren Haft, für Einbruch in ein bewohntes Haus mit Angriff kann man sogar lebenslänglich eingebuchtet werden.

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<![CDATA[Was dein Lieblingsalbum 2018 über dich aussagt]]>https://noisey.vice.com/de/article/nep94g/was-dein-lieblings-album-song-2018-aussagt-bedeutung-analyse-jahrescharts-kuechen-psychologieTue, 11 Dec 2018 15:33:37 +0000Das Jahr 2018 ist so gut wie vorbei, was wir vor allem an den Insta-Storys unserer Freunde merken. Da werden liebevoll Cover-Collagen der liebsten Alben des Jahres zusammengestellt, inklusive vieler Feuer-Emojis. Und auch Spotify hat uns daran erinnert, was wir dieses Jahr alles durch unsere Gehörgänge gejagt haben, nebst freundlichen Hinweisen, das doch ebenfalls auf Instagram zu teilen. Vergesst es.

Schließlich verrät man mit einem öffentlich herausposaunten Lieblingsalbum des Jahres mehr, als einem vielleicht lieb ist. Glaubt uns ruhig. Wir wissen nämlich genau, was eure Lieblingsplatten über euren Charakter, Geschmack und Fetisch aussagen.

Hier kommt euer musikalisches Jahreshoroskop, professionell erstellt von den Noisey-Redaktionen Deutschland, Österreich und Schweiz. Gern geschehen.

Raf Camora & Bonez MC – Palmen aus Plastik 2

Deine Welt ist geordnet. Solider Job, schickes Auto und die gleichen Freunde seit der Grundschule. Jedes Wochenende stehst du auf dem Fußballplatz, Kreisklasse. Abends dann ab in die Disko, Vodka-Energie. Und dann wieder von vorn, Alltag. Doch solange am Rückspiegel der Pina-Colada-Duftbaum baumelt und dir Raf Camorra und Bonez mit tiefer Stimme den Rücken massieren, bleibt es: beste Leben.

Eunique – Gift

Du hast Glück gehabt. In einem anderen Universum hätte deine Vorliebe für Selbstoptimierung, Disziplin und natürlich nicht zuletzt Rap einen Kollegah-Fan aus dir machen können. Ein bisschen wie Harry Potter damals, der fast nach Slytherin und nicht Gryffindor geschickt worden wäre. Auch bei dir hat die gute Seite gesiegt. Du wurdest Eunique-Fan. Schlangen findest du aber trotzdem ziemlich nice.


Thump-Video: "Einmal Gabber, immer Gabber"



Capital Bra –
Berlin Lebt

Du bist diese Jugend mit ihren verdammten Skateboards, den viel zu tief sitzenden Hosen und der verblödeten Musik, über die die Leute jenseits der 25 schimpfend die Faust in die Luft recken. Gut, bei uns waren es noch Skateboards und tief sitzende Hosen. Bei euch wurden die durch Hoverboards und Design-Jogginghosen mit viel zu vielen Reißverschlüssen ersetzt – oder? Wir wissen es nicht, sind ja nicht mehr jung.

Aber wenigstens die Dummheit ist unseren beiden Generationen als gemeinsamer Nenner geblieben. Unsererseits, weil wir denselben Fehler wie die Generation vor uns begehen und Künstler und ganze Bewegungen als verblödet abtun, nur weil wir am Rande stehen und niemand uns den Ball zuwerfen möchte. Und eurerseits, weil ihr nun mal jung seid. Und junge Leuten werden immer von den Älteren belächelt – auch wenn deren Ende naht. Lasst uns wenigstens diesen einen Bonus!

Drangsal – Zores

Du bist Sternzeichen "hervorquellende Halsschlagader". Wenn andere im Kino, auf Konzerten oder im Meeting laut auflachen, verziehst du genervt den Mund. Nicht, weil du die Gags nicht witzig findest, sondern weil dich diese gefolgsame Fröhlichkeit anwidert. Reicht ein inneres Nicken, muss man doch bitte nicht wie ein Vollidiot losgackern. Genickt hast du auch, als die erste Single von Drangsals neuem Album rauskam. Klang wie etwas von Die Ärzte. Gut so. Dann erschien Zores, klang aber nicht wie Die Ärzte. Gut so. Statt Blödeltexten eben geballte Faust und Melancholie, das ging dir rein wie eine Salzlakritzstange.

Cardi B – Invasion of Privacy

Du bist diese Frau:

Oder diese Frau:

Und dein Typ sollte verdammt nochmal aufpassen, was er sagt, tut, oder wo er hinschaut. Time's up.

Casper & Marteria – 1982

Du hättest eigentlich lieber ein Solo-Album der beiden gehabt. Statt Songs, die deine Insta-Bio neu definieren, hörst du trotzdem diese leicht verdauliche Kumpelplatte mit den vielen nostalgischen Verweisen auf die graue Vorzeit rauf und runter. War wohl nicht so einfach alles damals, aber heute ist bei denen dank Weißwein und Weed alles paletti in ü30-Hausen. Das nimmt dir ein bisschen die Angst vorm Älterwerden. Umso mehr freust du dich darauf, nächstes Jahr bei deiner Abifeier triumphierend zu "Champion Sound" in den Saal zu schreiten – inklusive Becker-Faust

Tommy Genesis – Tommy Genesis

Ihr seid schon seit ein paar Jahren ein Paar und das ist euer neuer Soundtrack im Schlafzimmer. Deswegen hört ihr das Album auch nirgendwo anders, weil euch spätestens der Track "Daddy" komplett fahrig macht.

Vanessa Mai – Schlager

Niemand weiß es, aber bei diesem Song mit Olexesh fandest du Vanessa Mai viel besser. So. Viel. Besser. Deswegen hast du auch mal in ihr Album reingehört und bist seitdem innerlich zerrissen. Gerne würdest du deinen Freunden erzählen, wie sehr du Songs wie "Stärker" oder "Zauberland" liebst, traust dich aber noch nicht. Die schimpfen ja so endlos, dass Olexesh mit dem Feature seine Wurzeln verraten hätte. Und dann tritt der auch noch bei diesem Schlagerfest auf, nachdem die dusseligen Moderatoren sich mit HipHop-Gesten über ihn lustig gemacht hatten! Du lästerst zum Schein mit, rollst aber in unbeobachteten Momenten mit den Augen. Scheiß auf die! Wahre Freunde erkennt man daran, dass sie in schweren Zeiten zu einem halten. So wie der Privatmodus bei Spotify.

Vein – Errorzone

Veins Debütalbum war nicht nur dein Lieblingsalbum, auch deine Bandkollegen haben den dystopischen Hardcore-Sound komplett gefeiert. Ihr seid mit Converge, Deftones und Slipknot aufgewachsen, kein Wunder, dass euch Errorzone so weggebombt hat. Wäre trotzdem schön, wenn ihr jetzt nicht zur xten Band mutiert, deren Sound man faul als irgendwas zwischen Code Orange, Harm's Way und eben Vein beschreiben kann.

XXXTentacion – ?

Wow, bist du gut darin, zwischen Künstler und Privatperson zu trennen! Wenn dich nicht mal die geleakte Audioaufnahme davon abbringt, begeistert zu "Sad!" zu nicken, dann wird in der Kathedrale deines Herzens eben immer eine Kerze für X brennen.

Bushido – Mythos

Du bist bei Ersguterjunge gesignt.

Eminem – Kamikaze

Wie oft hast du Kamikaze gehört? Nun ja, einmal durchlaufen lassen und dann "Fall" in deine ImTheRealStanShady-Playlist geschoben. Reicht aber trotzdem, um die Platte vehement als Album des Jahres zu verteidigen. Weil alles, was Eminem macht, für dich automatisch das Beste ist. HipHop liegt doch im Koma, ganz allein Em sorgt für ein gleichmäßiges Piepen im EKG. Den Disstrack von Machine Gun Kelly mochtest du aber trotzdem ein bisschen zu sehr und hast dir aus Strafe nach jedem Hören die Hände gebügelt.

Isolation Berlin – Vergifte dich

Man, bist du anstrengend. Während deine Freunde in der Bar auf Sesseln quatschen, lachen und sich gegenseitig auf den Rücken klopfen, stierst du nur in dein Glas. Dort drüben am Tresen, während sich andere genervt an dir vorbei zum Barmann lehnen, um im überfüllten Laden ein bisschen Flüssiggold zu ergattern. Viel zu schnell bist du voll, taumelst zu deinen Leuten, machst verletzende Witze und haust einfach ab. Zuhause angekommen lieber mal ein Näschen nehmen, vielleicht auch zwei und dazu die Flasche Wein deiner Mitbewohnerin aus dem Kühlschrank vernichten. Ekelhafter Grauburgunder, aber bio. Viel zu laut Mucke hören und das Stakkato-Geklopfe der Nachbarn an den Wänden ignorieren. Mit Klamotten ins Bett fallen, mit dem vertrauten, warmen Pochen im Kopf. War wieder ein schöner Abend.

6ix9ine – Dummy Boy

Was sollen wir sagen, merkste ja selbst.

Prezident – Du hast mich schon verstanden

Du solltest dringend diesen Text lesen und aufhören, so viel Zeit auf dubiosen YouTube-Channels zu verbringen. Es ist noch nicht zu spät, Kind. Komm zurück nach Hause. Kriegst 'ne warme Gulaschsuppe und eine herzliche Umarmung und dann siehst du schon ein, dass Mama Recht hatte, als sie sagte, deine neuen Freunde seien nicht gut für dich.

Drake – Scorpion

Du hast bei der "In My Feelings"-Challenge mitgemacht. Hat deine 150 Instagram-Follower leider kein bisschen interessiert.

Die Nerven – FAKE

Dein Lieblingsalbum ist nicht wirklich von Die Nerven, aber das kannst du deinen Kollegen doch nicht sagen. Du arbeitest schließlich in der Redaktion der Visions. Und deren liebste Beschäftigung ist es, sich am Kaffeeautomaten gegenseitig zu versichern, dass gute Rockmusik dank Bands wie Die Nerven zurückkommen wird. HipHop ist doch wirklich am Ende, jetzt, wo schon so lange nicht mal mehr über soziale Brennpunktthemen gerappt wird. Diese Cloud-Rapper: alle total fake. Oh wie gut, dass keiner von denen weiß, dass dein Lieblingsalbum Dummy Boy heißt.

Parkway Drive – Reverence

Du hast dich dieses Jahr beachtlich im Debattieren geschult. Unfreiwillig. Zu oft musstest du dich vor deinen Freunden rechtfertigen, warum Parkway Drive trotz des Stadionmetal-Sounds immer noch deine Metalcore-Lieblinge sind. Und warum du ihre ersten Alben zwar magst, die doch aber nicht an die neuen Sachen heranreichen. Weil sich die Band doch bitte weiterentwickeln darf!? Hier, du hast mal eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet, um die stundenlange Diskussion ein wenig abzukürzen und deine Argumente in einem 12-Punkte-Vortrag darzulegen.

Seitdem darfst du bei der gemeinsamen Autofahrt zu Konzerten nicht mehr ans Aux-Kabel. Drauf geschissen. Beim nächsten Parkway-Drive-Konzert werden deine Leute doch eh wieder mit feuchten Augen und erhobener Faust an dir vorbei in den Pit rennen.

Haiyti – Montenegro Zero

"Gold" war für dich ein dermaßen guter Song, dass er das ganze Album so sehr mitglänzen ließ, dass du stellenweise vielleicht ein bisschen geblendet warst. So warst du unfähig zu erkennen, dass sprichwörtlich leider nicht alles Gold ist, was glänzt und das Album eher zu Haiytis schwächeren Werken zählt. Aber an "Gold" lässt sich nicht rütteln. 1000 Karat pures Edelmetall.

Kanye West & Kid Cudi – Kids See Ghosts

Du bist ein unverbesserlicher Kanye-West-Fan und weigerst dich auch 2018 noch zu akzeptieren, dass Kanye seine besten Jahre vermutlich hinter sich hat. Das ist auch irgendwie OK. Schließlich besteht dieses Album immer noch zu 50 Prozent aus Kid Cudi und hat selbstverständlich auch tolle Momente. Plus: Dass Kanye Graduation und My Beautiful Dark Twisted Fantasy in sich hatte und rausknallen konnte, ist ein Wunder, das man für immer als solches betrachten sollte.

Spätestens 2019 gilt dennoch auch für dich, die Augen der Realität zu öffnen und zuzugeben, dass sämtliche Kanye-Releases dieses Jahr nicht unglaublich waren und Pusha-Ts Daytona das bessere Album war.

Lance Butters – Angst

Wir schauen dir in die rot geränderten Augen und sehen nur die Reflexion deines leuchtenden TV-Bildschirms. Im überfüllten Aschenbecher neben dir glüht noch ein Stummel, auf dem Couchtisch stapeln sich die Pizzakartons, auf dem Boden liegen überall verdrehte Klamotten. Was man über dich wissen muss? Dein Lebensmotto ist: antriebslos sein und zynisch jede aufkeimende Veränderung mit Säure übergießen. Für Details einfach Lance Butters neues Album Angst hören. In ihm siehst du schließlich einen großen Bruder, der genau das in Worte fasst, was dir täglich die Motivation raubt, die Haustür zu öffnen. Aber hey, dank Videospielen wie God of War 4, Monster Hunter: World, Detroit: Become Human, Spider-Man, Red Dead Redemption 2 und Hitman 2 war 2018 eigentlich ganz geil.

Stefflon Don – Secure

Wärst du ein Soziales Medium, wärst du Twitter. Wir lieben und wir fürchten deine Kraft, Selbstbewusstsein und Zero-Fucks-Attitüde. Und ganz ehrlich: Das ist ziemlich gut so. Die Zukunft gehört dir. Dir und Netzstrumpfhosen.

Zeal & Ardor – Stranger Fruit

Du sehnst dich nicht allzu öffentlich nach den Zeiten zurück, als Nu Metal das große Ding war. Aber ab und zu ziehst du dir nochmal System Of A Downs Toxicity rein. Ist schließlich auch heute noch ein verflucht gutes Album. Jetzt ist da eine neue Band, die die Synapsen anspricht, die du schon für abgestorben geglaubt hattest. Zeal & Ardor machen nämlich nichts anderes als das, was die Armenier auch schon so erfolgreich gemacht hatten: Sie mischen Metal mit ungewohnt neuen Elementen. Damals war es Folklore, diesmal ist es Gospel. Und du singst eifrig headbangend mit. Weil du das aber so lange schon nicht mehr gemacht hast – du hast deine Jugendliebe Metal ein bisschen aus den Augen verloren –, tut dir nach einem Zeal-&-Ardor-Konzert jetzt jedes Mal der Nacken weh.

CupcakKe – Eden

CupcakKe rappt mit mehr Charisma und Realness über Sex als die gesamte aufstrebende Riege männlicher Rapper in den USA und hierzulande ganz zu schweigen. Aber: Wer CupcakKe bloß auf ihre Sexualität reduziert und wie sie es schafft, sie in Worte, Beats und Flow zu übersetzen, der verpasst was. Du, der Eden zu seinem Lieblingsalbum gewählt hast, hast jeglichen Sex mit allen Menschen, auf die du Bock hast, verdient.

Jens Friebe – F**k Penetration

Du stehst auf Diskurspop mit Tiefe, kennst alle Acts auf Staatsakt und büffelst unter der Woche am liebsten Lacan und Butler, während auf deinem Unischreibtisch eine gut sichtbare Ausgabe der aktuellen Jungle World liegt. Samstagabend reichen dann drei Kurze und du verlierst alle Hemmungen deiner provinziellen Prüderie. Du eskalierst plötzlich in Bandshirts von irgendwelchen unbekannten Glam-Rock-Bands aus den 80ern zu dröhnendem Gitarrengekreische von Friends of Gas. "Echt, du bist die personifizierte Subversion", sagen dir deine Freunde annerkenend, und du erklärst ihnen dann bei einem philosophischen Küchengespräch in deiner 7er-WG, wie du das jetzt doch nicht so gemeint hast, wie alle glauben.

Loredana – "Sonnenbrille"

Ach hoppla, das war ja nur ein Song und kein Album. Egal, in der Streaming-Ära ist das irgendwie ja eh alles wurscht. Und Loredanas Klickzahlen lassen einem auch wirklich ein Lil-Jon-haftes “whaaaat” entfahren, wenn man hört, dass die Dame aus der Schweiz tatsächlich bisher noch kein Album draußen hat, sondern nur drei bis vier Songs mit ein bis zwei Videos. Mehr Rap 2018 geht wohl nicht, deswegen bist du, der Loredana als sein Lieblingsalbum 2018 gewählt hast, ein wahrer Visionär.

Bilderbuch – Mea Culpa

Bilderbuch kennst du eigentlich erst seit deiner Abireise letztes Jahr in Bulgarien. Dort habt ihr dann 10 Tage lang mit ballernden Bluetooth-Lautsprechern am Goldstrand gelegen und hattet wirklich eine gute Zeit. "Bungalow" war euer Lied – beim Chillen, beim Feiern, beim Kotzen und auch sonst echt super alles, "danke Mami". In deiner Pubertät hast du übrigens mal Silbermond gehört, und deine erste CD war irgendwas von Revolverheld. "Hat mir meine Tante zu Weihnachten geschenkt, kennt heute keine Sau mehr", wirst du deinen staunenden Freunden stolz sagen, "aber damals war das halt echt groß."

Nicki Minaj – Queen

Dir gehts ähnlich wie denjenigen, die Haiytis Montenegro Zero zu ihrem Lieblingsalbum 2018 erklärt haben. Aber auch bei Nicki Minaj gilt: "Barbie Dreamz" und "Chun-Li" können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Queen schmerzhaft leicht zu vergessen war. Aber vielleicht kann man daraus auch etwas Positives ziehen: Mit dem nächsten Album zeigt Nicki vielleicht wieder, was sie wirklich kann. Und das ist viel mehr, als uns Queen gegeben hat.

Feine Sahne Fischfilet – Sturm & Dreck

Du hattest ein gutes Jahr. Nicht, weil alles super lief. Scheiße, du hast bei den zahllosen Antifa-Demos auf der Gegenseite so viel menschliche Abgründe gesehen, dass du dir gerne deine Augen mit Seife auswaschen würdest, würden diese nicht sowieso schon von all dem Reizgas der Polizei brennen. Und dann immer neue Erfolgsnachrichten der AfD, zu viele menschenverachtende Kommentare im Web und Feuilleton, ignorierter rechter Terror, da hast du dich schon ein paar Mal ohnmächtig gefühlt. Wenn da nicht das Album von Feine Sahne Fischfilet gewesen wäre.

Seit Januar ist es dir ein treuer Begleiter, der dir immer wieder aufmuntert zulächelt, dir in Tiefpunkten tröstend zur Seite steht, dir beim Saufen in der Kneipe antreibend zugröhlt und deine Hand auf dem Nachhause-Weg beruhigend in seine nimmt. Auf ein besseres 2019.

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<![CDATA[Fyre: Das katastrophalste Festival aller Zeiten kriegt endlich eine Doku]]>https://noisey.vice.com/de/article/439b4j/fyre-festival-netflix-trailer-fail-betrug-doku-billy-mcfarlandTue, 11 Dec 2018 11:05:24 +0000Ein gutes Jahr nach seinem desaströsen Scheitern bekommt das Fyre Festival eine eigene Doku. Ihr erinnert euch vielleicht: Versprochen war ein Wochenende lang Party auf einer Privatinsel in den Bahamas. Das exklusivste Festival der Welt. Luxus, Konzerte, Meer. Und das alles für schlappe 1.500 bis 12.000 Dollar? Hört sich zu gut an, um wahr zu sein.

War es auch. Die Besucher des Fyre Festivals fanden im Frühling 2017 nur ein paar lieblos aufgestellte Zelte, Kantinenfraß und weder Strom noch genug Wasser vor. Das Fyre Festival war ein einziger Haufen Müll. So ein großer Haufen, dass er jetzt den verdienten Dokufilm erhält.

Am 18. Januar 2019 geht der Dokumentationsfilm Fyre unter Regie von Chris Smith ( Jim und Andy) auf dem Streamingdienst online. Der Teaser zeigt noch einmal die falschen Versprechen der Veranstalter und die erschreckenden Bilder der Besucher, die 2017 um die Welt gingen. Die Doku gebe laut Netflix außerdem "einen Einblick aus der Sicht der Veranstalter auf den desaströsen Absturz des Festivals".

Falls ihr verpasst haben solltet, was damals beim Fyre passiert ist: Das Festival wurde von den Machern (u.a. Rapper Ja Rule) und Influencern als eine einmalige Erfahrung angepriesen. Als ein Luxusfestival inklusive Sterneköchen, Villen, Yachten und tollen Abenteuern auf einer Insel in den Bahamas, die mal Pablo Escobar gehörte. Auf dem Line-up standen Hochkaräter wie Major Lazer, Skepta, Migos und Blink 182.

Dass Blink 182 einen Tag vor Festivalbeginn ihren Auftritt absagten, war ein Warnschuss, den leider keiner mehr hören konnte. Als die mehr als 400 Gäste auf der Insel ankamen, stellte sich heraus, dass sie betrogen worden waren.

Der Zeltplatz sah aus wie eine Baustelle – statt Luxus gab es Notunterkünfte. Lebensmittel und Wasser waren knapp und das Personal vor Ort komplett überfordert. Schließlich erreichte die Besucher auf ihrem Horror-Trip die Nachricht, dass das Festival verschoben werden soll. Was natürlich nicht geschah.

Im Juni 2017 wurde Strippenzieher Billy McFarland schließlich verhaftet. Im Oktober dieses Jahres wurde er laut Medienberichten wegen Betruges zu sechs Jahren Haft verurteilt – auch nach dem Fyre hatte er noch zwei Mal Ticketbetrug begangen Die Richterin sagte im Gerichtssaal in Manhattan: "Der Beschuldigte ist ein Serienbetrüger, dessen Betrug kein Ende nimmt."

McFalrand wird also in der Doku wohl nicht zur Sprache kommen. Aber einen lohnenswerten Netflix-Abend dürfte Fyre trotzdem bieten – wie das "exklusivste Festival aller Zeiten" schneller unterging als die Titanic, muss man gesehen haben.

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<![CDATA[Feiern in Frauenfeld: Glühwein, Hotel-Raves und Backstage-Joints]]>https://noisey.vice.com/de/article/d3b5zy/frauenfeld-rave-kaff-schlosskeller-hotel-domicil-openair-hiphop-thurgauMon, 10 Dec 2018 15:45:25 +0000Der Weg vom Bahnhof Frauenfeld zum Festivalgelände des gleichnamigen Openairs ist wohl allen HipHop-Fans so bekannt, wie der Weg vom Bett zum Kühlschrank. Gäbe es das HipHop-Openair nicht, würde sich wohl kein Schwein für die Kleinstadt Frauenfeld interessieren. Wir wagen den Schritt weg von schlammigen Zeltplätzen und überteuertem Festivalbier – denn wir wollen wissen, was Frauenfeld zu bieten hat, wenn es nicht gerade die HipHop-Hauptstadt ist.

Der Abend beginnt richtig gesittet – am größten Glühweinstand der Kleinstadt. Bereits um 21 Uhr torkeln warm eingepackte Frauenfelder und Frauenfelderinnen laut johlend an uns vorbei und drängen sich in die schier endlose Schlange vor der Weihnachtsbar. Der Glühweinstand ist um diese Zeit der Hotspot der Stadt. Wir stoßen mit heißen Glühweinstiefeln mit Daif an, der uns heute Nacht durch seine Hood führt. Das dumpfe Klirren der Tassen läutet unsere Nacht in Frauenfeld ein.

frauenfeld backstage kaff

Letzter Zug? Schon lange weg. Zum Glück gibt's da einen Schlafsaal, in dem wir unseren heranschleichenden Kater begrüssen dürfen. Nach etwa zwei Stunden Schlaf rollen wir uns aus unseren Kajütenbetten und fahren etwas zerstört Richtung Zürich.

Die verschiedenfarbigen Stempel auf unseren Handgelenken sind so zahlreich, dass man meinen könnte, wir seien durch die Straßen einer Großstadt gezogen. Wagt man einen Schritt in dieses Städtchen rein, merkt man schnell: Frauenfeld hält viel mehr bereit als der Weg vom Bahnhof zum Festivalgelände.

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<![CDATA[Lebensmüde Maßstäbe: Neue Doku zeigt, warum Berlin Kidz eine der krassesten Graffiti-Crews ist]]>https://noisey.vice.com/de/article/xwj5nn/dokumentation-berlin-kidz-graffiti-paradox-arte-tracks-klettern-abseilen-sozial-kritischMon, 10 Dec 2018 11:00:51 +0000Wer in den letzten Jahren zu Besuch in Berlin war und die Zeit nicht nur in Techno-Kellern verbracht hat, dem dürften eine Reihe hieroglyphenartiger Graffitis in der ganzen Stadt aufgefallen sein. Urheber ist die Crew Berlin Kidz, der Arte nun ein Mini-Doku gewidmet hat.

Der Beitrag zeigt die riskantesten Aktionen der Berlin Kidz und ein Interview mit einem Mitglied der Crew, Paradox. Er redet über die Illegalität und den Adrenalinkick der Aktionen, Freiheit und Systemkritik. "Ich schreibe manchmal nur mit Farbrolle einen Spruch gegen das System. Für die Leute, um die aufzuwecken", sagt Paradox.

Die Graffitis der Berlin Kidz sind so auffällig, weil sie einerseits oft an scheinbar unerreichbaren Wänden zu sehen sind – etwa auf einer Kirche in Berlin-Kreuzberg oder an einem 130-Meter-Windrad. Andererseits durch den aus Brasilien importieren Pichação-Style, wodurch die Parolen und Wörter für das ungeschulte Auge keinen Sinn ergeben. Das hat die Crew in wenigen Jahren zu den Stars der Berliner Graffiti-Szene gemacht.

Paradox habe sich laut Arte aber aus der Szene verabschiedet und die Crew sei mittlerweile zerstreut. "Das kann man nicht ewig machen. Graffiti, Abseilen, Trainsurfen", sagt er im Interview. Jetzt wolle er sich auf die Kunst und eine kommende Ausstellung konzentrieren. Ob es das wirklich mit den Berlin Kidz war? Vielleicht wollen sie zukünftig auch einfach etwas weniger Aufmerksamkeit …

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<![CDATA["Manche Sachen sind wichtiger als Musik" – Bei der 1Live Krone hatten Neonazis nichts zu feiern]]>https://noisey.vice.com/de/article/ev3mqa/1live-krone-2018-gegen-rechts-gewinner-marteria-casper-jamel-rockt-den-foerster-bochumFri, 07 Dec 2018 13:55:47 +0000Während der Echo sich 2018 erledigt hat, strahlt die 1Live Krone unbeirrt weiter. Irgendjemand muss den Musikern ja die Awards in die Hand drücken und für Glücksgefühle sorgen. Also hat "Deutschlands größter Radiopreis" auch dieses Jahr wieder in die Jahrhunderthalle in Bochum zur Audienz gebeten.

Da nur gewinnt, wer die meisten Fans zum Voten mobilisieren konnte, blieb es sogar einigermaßen spannend. Bestes Album? Ging an Marterias & Caspers 1982. Die beiden wurden auch noch bester HipHop-Act. Bester Newcomer wurde Fynn Kliemann, beste Künstlerin Nura und bester Live-Act Kontra-K. Moderiert von Luke Mockridge war die Krone 2018 eine lockere Kumpel-Show mit viel grinsendem Mark Forster und wenig provokanten Gästen.

Voriges Jahr sorgten Bausa, Raf Camora und Bonez MC für einen Hauch von Chaos, dieses Mal hat es nur für einen rauchenden Rin auf dem roten Teppich gereicht. Was auch OK ist. Es läuft ja bei allen super, also lieber entspannt die Show hinter sich bringen und endlich auf der Aftershow-Party besaufen. Awardshow-Busines eben.

Doch dieses Jahr wurde die Blase aus allgemeiner Heiterkeit immer wieder mal durchstoßen. Weil momentan auch Musiker nicht mehr unpolitisch sein können.

Großes Statement: Jamel rockt den Förster gewinnt den Sonderpreis

Der Sonderpreis des Abends ging an das Ehepaar Lohmeyer aus Jamel. Ein winziges Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, das bekannt für seine rechtsextremen Bewohner ist. Das wollen die Lohmeyers nicht hinnehmen und sich erst recht nicht vertreiben lassen. Seit 2007 veranstalten sie daher das Festival Jamel rockt den Förster. Die Ärzte, Marteria, Casper, Die Toten Hosen – schon etliche Musiker haben dort gespielt, um sie zu unterstützen.

Bosse hielt die Laudatio zur Krone für die Lohmeyers: "Sie wurden bespuckt, beschimpft, bedroht und vor drei Jahren hat jemand ihre Scheune abgefackelt. Denn die Lohmeyers wollen ein buntes, offenes und tolerantes Deutschland, ohne Rassismus, ohne Ausgrenzung und ohne Hass."

Ein kurzer Einspieler wurde im Saal gezeigt, Bilder von Neonazis, aber auch feiernde Menschen, die dank den Lohmeyers jedes Jahr in Jamel eine gute Zeit haben. Besonders blieb ein Zitat von Herbert Grönemeyer hängen, der meinte: "Ich bin jetzt 62 und denke zum ersten Mal, dass man für das Land auch aufstehen muss."

Ein wichtiges, gutes und herzliches Thema also, das der Entertainment-Stimmung der Preisverleihung kurz mal eine Realitätsschelle verpasst hat. Denn Jamel ist längst nicht mehr ein exotischer Ort irgendwo in den Weiten des Hinterlands im Osten, Jamel ist überall. Im Parlament, im Sportverein und beim Weihnachtsessen mit der Familie.

Als die Lohmeyers dann auf die Bühne kamen, um ihren Sonderpreis abzuholen, gab es lauten Jubel. Alle – auch die ganzen Musiker – standen auf und klatschten begeistert und vor allem lange.

Schon zuvor hatten Casper & Marteria ihren ersten Preis abgeholt und das Thema in den Saal geworfen. So nutzten sie die Gelegenheit, nochmal ihren #wirsindmehr-Mitstreitern wie Die Toten Hosen, Trettmann, Kraftklub und Nura sowie allen Unterstützern zu danken.

Casper betonte, dass es aber noch nicht vorbei sei: "Ich fänd's schön, wenn weiter viel mehr Leute Engagement gegen Rechts zeigen würden." Marteria ergänzte: "Manche Sachen sind wichtiger als Musik – das zum Beispiel".

Und sonst so?

Rin hat eine neue Frisur und sieht ein bisschen aus wie Oli Sykes, der Sänger von Bring Me The Horizon. Irre? Irre. Bis nächstes Jahr.

Rin 1live Krone
Foto: Screenshot Instagram.com/rintintin

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<![CDATA[Fall T-Ser: In Wien kriegt die Polizei einen Preis, weil sie "selbstlos" Schwarze Menschen aus Park schmeißt]]>https://noisey.vice.com/de/article/vbapm9/fpoe-tser-rassismus-osterreich-wien-preis-polizei-nepp-goldenes-wienerherzFri, 07 Dec 2018 12:45:15 +0000Vergangenen Oktober sorgte eine Amtshandlung der Wiener Polizei für Aufsehen: Polizisten kontrollierten eine Gruppe Schwarzer Männer im Johann-Strauß-Park im siebten Wiener Gemeindebezirk. Darunter: Rapper T-Ser und seine Labelkollegen von Akashic Records. Die Gruppe beschuldigte die Beamtinnen und Beamten daraufhin des racial profiling und veröffentlichte unter dem Hashtag #nichtmituns mehrere Videos des Vorfalls auf Instagram.

Die Polizei kündigte interne Überprüfungen der Amtshandlung an. Das Ergebnis: Die Beamtinnen und Beamten hätten rechtskonform gehandelt. Polizeisprecherin Irina Steirer rechtfertigte die Amtshandlung jedoch bereits vor dem Urteil: Die Polizei würde in diesem Park grundsätzlich Schwerpunktkontrollen durchführen, da es dort wiederholt zu Straftaten gekommen sei, racial profiling läge nicht vor. Das sei aber ohnehin "von Anfang an klar gewesen".

Rapper T-Ser gründete in der Zwischenzeit die Plattform #nichtmituns und verwandelte den ursprünglichen Hashtag in eine Initiative, die Betroffenen eine Stimme geben und auf Alltagsrassismus hinweisen soll.

Zu Beginn war der mediale Aufschrei groß: Österreichische Medien, darunter auch Noisey, berichteten. Die linke Szene zusammen mit Bezirksvorsteher Mag. Markus Reiter und dem Integrationsbeauftragten der SPÖ führten Gespräche mit T-Ser und seiner Gruppe. Die wöchentliche Donnerstagsdemo gegen die Bundesregierung in Wien widmete sich dem Vorfall genauso. So schnell wie der Aufschrei kam, verstummte er aber auch wieder.

"Goldenes Wienerherz" für "selbstlose und gute Tat"

Wie die Tageszeitung Heute in ihrer Printausgabe am 3. Dezember berichtete, wurde den elf involvierten Polizistinnen und Polizisten nun das "Goldene Wienerherz" verliehen. Bei dem Preis handelt es sich um eine von der Wiener FPÖ initiierte Auszeichnung für "selbstlose und gute Taten" – übergeben von Dominik Nepp, Vizebürgermeister von Wien und FPÖ-Politiker. Wie der Pressesprecher des Wiener Vizebürgermeisters auf unsere Nachfrage erklärte, sei ein parlamentarischer Beschluss nicht notwendig.

Nepp erklärte, er wolle sich mit den Polizisten solidarisieren, da diese im Zuge der Medienberichterstattung ungerechtfertigt in die Kritik geraten seien. Wer im Dienst seine "körperliche Gesundheit riskiere", gebühre "aller Respekt".

Die Message an die Polizei scheint damit klar: Wenn ihr euren Job wie gewohnt erledigt und für euer Vorgehen kritisiert werdet, dann macht euch keine Sorgen. Die FPÖ versorgt euch mit Preisen – egal wie fragwürdig die Umstände auch sein mögen. Die Auszeichnung lobt eine Amtshandlung in den Himmel und erklärt sie zur selbstlosen Heldentat. Mögliche rassistische Motive werden dabei ignoriert. Damit werden ohnehin schon marginalisierte Bevölkerungsgruppen mundtot gemacht und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das ist kein Zufall, das ist gewollt rassistische Politik.


Vice-Video: T-Ser gibt Wiens Schwarzer Jugend eine Stimme


Beispielhaft für FPÖ-Politik

Dass die schmale Preis-Statue nicht ganz lupenrein daherkommt, zeigt sich schon bei den Personen, die die Auszeichnung vergeben. Initiiert wurde der Preis von Johann Gudenus, FPÖ-Klubobmann und ehemaliger Vizebürgermeister von Wien.

Gudenus fiel immer wieder mit bedenklichen Aussagen auf, so behauptete er 2013 auf einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung, dass gegen "Asylbetrüger, Verbrecher, illegale Ausländer, kriminelle Islamisten und linke Schreier" schon mal der "Knüppel aus dem Sack" geholt werden könne. In einem TV-Interview 2017 gab er außerdem an, dass Asylquartiere am Stadtrand von Wien errichtet werden sollen, um zu zeigen, dass es hier "doch nicht so gemütlich" sei.

Auch der aktuelle Wiener Vizebürgermeister und Burschenschafter Dominik Nepp bewegt sich in einem fragwürdigen Umfeld. Zuletzt war er am 28. November Gastredner bei einer Veranstaltung des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) – unter den 30 Gästen führende Mitglieder der sogenannten Identitären Bewegung, zu denen der RFS schon lange Kontakte pflegt. Davon will Nepp nichts gewusst haben.

Auffallend ist, dass es für die Auszeichnung der elf Polizistinnen und Polizisten keine öffentliche Aussendung gab. Auf unsere Nachfrage beim Pressesprecher des Vizebürgermeisters handle es sich dabei um "einen Zufall".

Auf der Website der FPÖ Wien findet der Preis grundsätzlich gar keine Erwähnung. Wer etwas, das viele Kritiker und insbesondere Betroffene als racial profiling wahrnehmen, ohne weiteres als selbstlose und gute Tat betitelt, braucht eben keine weitere Erklärung. Eine subtile Aktion mit großer Wirkung.

Das Medienecho zur Preisverleihung blieb verhalten. Einzig betroffene Personen rund um den Rapper T-Ser lassen sich die Aktion nicht gefallen. Damit werden sie jedoch alleine gelassen. Alle anderen scheinen den Vorfall entweder vergessen oder auf den wachsenden Müllplatz der "FPÖ-Einzelfälle" entsorgt zu haben.

Dabei bedient sich die FPÖ der Freude von Preisverleihungen nicht zum ersten Mal: 2017 wurde dem Burschenschafter und Sohn von FPÖ-Mandatar Roman Haider, Rüdiger Haider, die Franz-Dinghofer-Medaille des Dinghofer-Instituts für Verdienste um die Demokratie verliehen. Der Grund: Im März 2017 informierte Rüdiger Haider seinen Vater über den Inhalt eines Extremismusvortrages an einer Schule, da es dort nur um die "Gefahr von rechts" ginge. Der Vortrag wurde schließlich abgebrochen. Zu Unrecht, wie eine Prüfung des Landesschulrats ergab.

Der Namensgeber der Medaille bekleidete in den 1920er Jahren übrigens eine führende Rolle innerhalb der "Großdeutschen Vereinigung", die für ihre deutschnationale und antisemitische Haltung bekannt war.

Die Wiener Polizei erhält einen blauen Ritterschlag

Wenn Polizistinnen und Polizisten einen selbst ausgedachten Preis für eine derart umstrittene Amtshandlung bekommen, dann muss man sich fragen, welche Motivation dahintersteckt. Ist diese auch nur ansatzweise rassistisch, dann ist das ein Schlag ins Gesicht all jener, die bereits von Rassismus im Alltag betroffen waren. Diese Schläge werden von der FPÖ anscheinend bewusst verteilt. Sie verwandelt die österreichische Politbühne regelmäßig in einen Kinderspielplatz und wirft anderen ihren braunen Sand ins Gesicht.

Für eine Partei mit rechtem Gedankengut ist diese Preisverleihung ein voller Erfolg. Warum aber lässt sich die Polizei ohne weiteres mit einem blauen Ritterschlag ehren?

Ein Erklärungsversuch führt uns drei Jahre zurück: 2015 erreichte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bei der Bundespräsidentschaftswahl im Sprengel 44 im 16. Wiener Gemeindebezirk knapp zwei Drittel der Stimmen. In den 1930er Jahren wurde dort eine Siedlung errichtet, um günstige Wohnungen für Polizeibeamte zu schaffen. Bis heute leben dort viele Polizistinnen und Polizisten mit ihren Familien. Der Sprengel 44 ist damit eine tiefblaue Hochburg.

Dazu kommt, dass der derzeitige FPÖ-Innenminister Herbert Kickl für die Exekutive und damit die Polizei zuständig ist. Verhält sie sich im Sinne der FPÖ, bekommt sie ein Zuckerl. Während in Chemnitz Rechtsextreme durch die Straßen marschieren, sitzen sie in Wien bereits im Parlament. Österreich hat ein Problem mit Rassismus, der sich in vielen unscheinbaren Schubladen versteckt, die bei Bedarf jederzeit geöffnet werden.

Damit werden Mechanismen salonfähig, die an düstere Zeiten erinnern. Die ursprüngliche "Das wird man wohl noch sagen dürfen!"-Manier verwandelt sich in eine "Wir können und werden das jetzt machen"-Attitüde. Und wenn Menschen mit rechtsextremem Gedankengut vom Reden zum Handeln übergehen, wird es gefährlich.

Irgendwann muss man beginnen zu hinterfragen, was zur Hölle in Österreich eigentlich gerade abgeht. Gehört man nicht zu denjenigen, die dieser Regierung 2017 ihre Stimme gegeben haben, muss man den Schock und die Lethargie darüber allmählich verdauen und aktiv dagegen auftreten.

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<![CDATA[Unser persönlicher Spotify-Jahresrückblick ist ein einziger Walk of Shame]]>https://noisey.vice.com/de/article/mby5ey/spotify-jahresruckblick-wrapped-walk-of-shame-katastropheThu, 06 Dec 2018 17:05:40 +0000Wenn ihr Spotify nicht nutzt, ist das nicht schlimm. Musik kann man auch woanders hören. Wenn doch, dann habt ihr es vielleicht schon gesehen: 2018 ist fast geschafft und Spotify lädt zum fröhlichen personalisierten Musik-Jahresrückblick für all seine Nutzerinnen und Nutzer. Mit bunten Animationen und ganz viel Kurzzeit-Nostalgie beamt euch der Streamingdienst durch euer musikalisches Jahr und beantwortet die lichterloh brennenden Fragen zum Jahresende: Wer war mein Lieblingskünstler? Wie viel Musik habe ich gehört? Und vor allem: Wie gut kann ich mit meinem Musikgeschmack dieses Jahr vor meinen Freunden und auf Instagram angeben?

Wir von der Noisey-Redaktion lassen das mit der Angeberei aber lieber bleiben. Unser Jahresrückblick offenbart nämlich keine musikalischen Lichtblicke, sondern eher die tiefsten Abgründe unseres Hörverhaltens. Wir haben mal versucht zu interpretieren, was uns das Algorithmus-Monster da unter die Nase hält.

Claus Schwartau (Noisey Deutschland)

Das Leben ist Cardi, Sinclair, Eierlikör

Wenn bei deinem personalisierten Jahresrückblick plötzlich "Do-Re-Mi" vom Sound of Music-Soundtrack auftaucht, dann fragst du dich, wo im Leben du eigentlich falsch abgebogen bist. Dass US-Amerikaner bei ihren Vorstellungen von Blumenwiesen und süßen Kühen bei Sound of Music dahinschmelzen, ist nichts Neues. Dass sich ein Lied dieses Musicals in meine Favorites eingeschlichen hat, aber schon. Liebes Spotify-Team, wenn ihr mir jetzt noch mitteilen könntet, bei welchem Anfall von Bergsehnsucht das passiert ist, wäre ich euch sehr verbunden. Mit einem schlechten "Bum Bum Tam Tam"-Remix aus euren "Das kannst du besser!"-Vorschlägen helft ihr mir nämlich auch nicht weiter!

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<![CDATA[Rammsteins Till Lindemann bringt "SM-Hundedame" zur Autogrammstunde in Moskau mit]]>https://noisey.vice.com/de/article/3k97n5/rammstein-lindemann-autogrammstunde-messer-moskau-sadomaso-sklave-bdsm-video-rtThu, 06 Dec 2018 15:04:48 +0000Rammsteins Frontmann Till Lindemann besuchte am 4. Dezember ein Moskauer Einkaufszentrum, um seinen ins Russische übersetzten Gedichtband "Messer" zu signieren. Promo-Standard. Mit dabei hatte er eine Person in voller Sadomaso-Montur, inklusive Bondage-Ledermaske, die, angekettet am Hals wie ein unterwürfiger Hund hinter Lindemann herkroch. Was man halt so macht, wenn man seinen Gedichtband unterschreibt.

Wie der staatliche russische Sender RT Deutsch (früher Russia Today) in einem Video zeigt, wurde die Person, die von RT penibel als "SM-Hundedame" bezeichnet wird, im Lederkostüm zunächst an den wartenden Fans vorbeigeführt. Später tauchte Lindemann auf, übernahm die Leine und signierte die Bücher seiner Fans, während die Person im Lederkostüm neben ihm saß.

"Messer" erschien vor einem Monat auf Russisch-Deutsch. Es ist Lindemanns erste Gedichtsammlung, die ursprünglich 2002 in Deutschland veröffentlichte wurde.

Bereits 2016 war der Rammstein-Sänger für eine Signierstunde in Moskau. Damals stellte er seinen Lyrikband "In stillen Nächten" vor. Rammstein gehört neben Tokio Hotel und Modern Talking zu den erfolgreichsten deutschen Bands in Russland. Auf Konzerten singen tausende Russinnen und Russen die deutschsprachigen Lieder textsicher mit.

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<![CDATA[Legendärste Bandauflösung 2018 hat eine überraschende Wendung genommen]]>https://noisey.vice.com/de/article/mby5qb/band-witchrot-aufloesung-sex-gitarrist-freundin-bassist-reunion-drummer-nicht-tod-viraler-postThu, 06 Dec 2018 10:30:51 +0000Kurz war es die Bandauflösung des Jahres! Nachdem Peter Turik von Witchrot am 25. November das Ende der Doom-Metal-Band auf Facebook ankündigte, sorgte er mit seinem Post für ziemlichen Wirbel. Seine Freundin, die Sängerin der Band, sei mit dem Gitarristen fremd gegangen ("Due to the unfortunate reality of our guitarist fucking my girlfriend of almost 7 years …"), und … ach ja, "unser Drummer ist gestorben." Jetzt kommt raus: Stimmt gar nicht. Der Seitensprung seiner Freundin sei zwar real, aber immerhin – der Drummer lebt noch.

Wie Peter in einem längeren Kommentar für die Musikzeitschrift Altpress schreibt, wollte der Schlagzeuger die Band verlassen, um sich auf andere Projekte zu konzentrieren. Als Peter die Band-Auflösung plante, meinte der Drummer zu ihm: "Sag denen, ich bin gestorben. Das interessiert eh keinen." Tja, offensichtlich schon.

Inzwischen wurde das Posting auf Facebook fast 16.000 Mal geteilt. Aus anfänglich 300 Facebook-Likes für die Witchrot-Seite sind seit der viralen Explosion über 9400 geworden. Wie Altpress berichtet, hat sich Peter Turik sogar zu einer verfrühten Reunion hinreißen lassen – ohne Gitarrist, aber mit Sängerin und Ex-Freundin Lea. Die Differenzen seien ausgeräumt und überhaupt sei die Band von der riesigen Resonanz auf ihre Auflösung total überrascht gewesen.

"Wir werden die Aufmerksamkeit voll nutzen und haben auch schon Studiozeit gebucht", schreibt Peter. Außerdem werde die Band am 28. Dezember ihr Reunion-Konzert in Toronto spielen. Natürlich nicht, ohne vorher nochmal in Richtung ehemaligen Gitarristen zu sticheln: "Ich habe mich entschieden, selbst die Gitarre zu spielen. Auf diese Weise wird sie endlich so klingen, wie sie soll."

Stay heavy, Witchrot, alles Gute, Peter und danke für das Entertainment!

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