Screenshot von YouTube aus dem Video "kanye west / charlamagne interview" von Kanye West

"Ich dachte, sie bringen mich um" – 9 Highlights aus Kanye Wests Blockbuster-Interview

Von Taylor Swift über Donald Trump bis hin zu Rassismus und psychischen Problemen – Kanye lässt in dem stundenlangen Gespräch kein Thema aus.

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03 Mai 2018, 9:07am

Screenshot von YouTube aus dem Video "kanye west / charlamagne interview" von Kanye West

Seit fast zwei Wochen verwirrt Kanye West uns alle nach Strich und Faden. Erst twittert er Botschaften der Liebe und des Friedens, dann spricht er sich für rechte Politiker aus, dann gesteht er seine Liebe für Donald Trump. Und mitten in diesem Verwirrspiel veröffentlicht er nebenbei zwei Songs, die jeweils auf ihre eigene Art seltsam sind. Seit der Zirkus seinen Anfang nahm, hoffen Fans und leidlich Interessierte auf eine eingehendere Erklärung: Was ist da bei Ye los?

Am 1. Mai wurden unsere Gebete erhört: Kanye hat ein Interview mit Charlamagne Tha God veröffentlicht. In der zweistündigen Unterhaltung geht Kanye auf seine psychischen Probleme ein, aber auch auf seine Beziehung zu JAY-Z sowie auf neue Philosophien, zu denen er gefunden hat. Hier sind einige der wichtigsten Zitate aus dem Interview:

1. Kanye über seine psychische Gesundheit und Therapie

"Ich nutze die Welt als meinen Therapeuten. Jeder, mit dem ich rede, ist mein Therapeut. Ich ziehe die Leute ins Gespräch und spreche mich aus. Das rate ich auch allen anderen: Nutze die Leute in deiner Umgebung als Therapeuten, denn die wissen vermutlich mehr über dich. Ein Therapeut würde einen Crashkurs in Ye machen und dann will er mir Ratschläge erteilen. Ich will nicht sagen, dass Therapeuten schlecht sind, aber ich rede gern mit Bekannten, Freunden und Verwandten. Ich lasse sie eine Dreiviertelstunde nicht vom Telefon und quatsche einfach alles durch."

2. Kanye über seine Probleme mit JAY-Z, die durch Jays Song "Kill JAY-Z" verschlimmert wurden:

"Ich denke, bei dem Problem zwischen mir und Jay – bei meinem Problem – ging es letztendlich um Informationen. Ich bin super hungrig auf Informationen. Ich brauche Informationen noch dringender als Anerkennung. Mehr als Finanzen. Die Behauptung, er hätte mir das Geld gegeben, hat mich frustriert, denn in Wirklichkeit hatte er das Geld ja auch von Live Nation. Dass man bei einer Tour einen Anteil bekommt, ist normal. Aber dann war es so formuliert, als würde das Geld von ihm kommen ... Ich bin eine sehr loyale, emotionale Künstlerpersönlichkeit. Ich fühlte mich so, als wäre ich ihm jetzt etwas schuldig, und zwar mehr als nur das Geld."

3. Kanye sagt, nach seinem berüchtigten Intermezzo mit Taylor Swift bei den VMAs 2009 habe er weniger Radiominuten bekommen:

"Seit diesem Moment mit Taylor Swift hatte ich nie wieder dieselbe Verbindung zum Radio. Wer auch immer da die Fäden in der Hand hält, danach war es viel schwerer."

4. Kanye verlor sein Selbstbewusstsein, nachdem er in eine psychiatrische Anstalt musste:

"Es war unglaublich, aber als ich aus der Klinik kam, hatte ich mein Selbstbewusstsein verloren. Und man sah es mir an, deswegen sprachen alle vom 'sunken place' [eine Anspielung auf eine Art psychisches Gefängnis im Film Get Out, Anm. d. Red.] und diesem ganzen Zeug. Und wow – ich hatte früher nie Empathie für Leute mit mangelndem Selbstbewusstsein. Ich hatte so viel davon, dass ich gar nicht wusste, wie es ohne ist. Man hätte mich einfach formen und kontrollieren können, ich hätte nichts gesagt, weil ich so unsicher war. Vorher hatte ich eine Superkraft – wäre ich obdachlos geworden oder sonst was, oder hätten sie bei mir einen Black Mirror abgezogen, in den Medien behauptet, 'Ye hat eine Ziege gefickt' – nichts davon hätte mir mein Selbstbewusstsein nehmen können."


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5. Hat Kanye Bitcoin erwähnt? Natürlich hat er das:

"Das war der Moment, als ich Bitcoin nutzen wollte – als ich Harriet Tubman auf dem 20-Dollar-Schein sah. Warum müsst ihr uns dauernd an die Sklaverei erinnern? Packt Michael Jordan auf den 20-Dollar-Schein."

6. Kanye äußerte sich auch zum Thema Rassismus und zu seinem Lob für Trump:

"Als ich das sagte, fühlte es sich fast an wie an wie ein Clayton-Bigsby-Moment, wo allen der Kopf explodiert. So von wegen: 'Mein 'Ye, der gesagt hat, dass George W. Bush sich nicht um Schwarze Menschen schert, der muss auch um jeden Preis Trump dissen.' So viele Leute um mich herum rieten mir davon ab, meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Weil er diese Marke hat. Ein Freund hat gefragt, wieso George Bush überhaupt ein schlimmerer Rassist sei als Trump. Meine Antwort darauf: Rassismus ist für mich gar nicht der Dealbreaker. Wäre das der Fall, könnte ich nicht in Amerika leben. Ich mag reich sein, aber in meiner bewachten Wohnanlage muss ich damit auch umgehen."

7. Kanye spricht über seinen Beef mit Nike:

"Ich liebe Obama. Ich liebe alle Menschen. Aber ich hatte das Gefühl, Obama war perfekt. Er war fast wie Nike. Oder besser gesagt, wie Nike, als ich noch dort war. Wenn mein Karma kommt, werde ich es in Echtzeit annehmen. Auf mich wartet einiges an Karma. Es hat mein Herz zerrissen, dass ich Nike verlassen musste. Aber sie wollten mir keinen Anteil am Verkauf meines Schuhs geben, und ich wusste, dass ich den krassesten Schuh der Welt hatte. Sie sagten: 'Wir können 5.000 oder 10.000 Schuhe herstellen und etwas vom Profit an deine bevorzugte Charity spenden.' Aber ich konnte damit nichts bauen, sie ließen mich nicht. Heute bauen wir Fabriken."

8. Gegen Ende des Interviews sprechen Charlamagne und Kanye noch einmal über Kanyes Zuneigung zu Donald Trump. Ye scheint sich mit Trump als Außenseiter zu identifizieren:

"Ich liebe echte Veränderung. Ich liebe es, die Norm infrage zu stellen. Ich liebe Menschen, die ihn nicht lieben. Ich liebe die Tatsache, dass diese Leute ihre Stimme erheben. Und alle teilen ja nur ihre Meinung. Alle drücken sich aus. Ich liebe das. Ich habe auf diesen Moment in der Geschichte gewartet. Das hier ist ein Ye-Moment. Mein Dad ist Aktivist, meine Mom war auch Aktivistin. Wir gingen auf Demos und so. Ich spüre, dass diese Energie jetzt am Siedepunkt angekommen ist.

Ich habe nicht alle Antworten, die ein Promi haben sollte, aber ich kann sagen, dass ich bei seiner Kampagne etwas spürte. Die Tatsache, dass er gewonnen hat, das beweist etwas. Es beweist, dass in Amerika einfach alles möglich ist. Dass Donald Trump Präsident der USA werden kann. Ich spreche nicht davon, was er getan hat, seit er das Amt angetreten hat. Aber allein die Tatsache, dass es ihm gelungen ist. Weißt du noch, als ich gesagt habe, ich würde als US-Präsident kandidieren wollen? Menschen aus meinem Umfeld rissen Witze, machten Memes und laberten Scheiße über mich. Jetzt alle so: 'Oh, das hier beweist, dass das auch funktionieren könnte.' Ich spürte das Unkonventionelle. Wenn man sich anschaut, was ich in der Mode mache, dass ich der Typ im pinken Poloshirt bin, der die Klappe aufmacht und geächtet wird, wegen diesen Sachen mit Taylor Swift und George Bush, wegen meiner Partnerwahl, wegen meiner Aussagen – das sind alles Außenseiter-Sachen. Wenn ich sehe, wie ein Outsider den Mainstream infiltriert, dann spüre ich da eine Verbindung.

Virgil arbeitet bei Louis Vuitton, Trump ist im Weißen Haus – es ist eine Zeit für das Unkonventionelle. Ich bin kein konventioneller Denker. Ich bin Nonkonformist. Das spricht also diese Seite in mir an. Aber ich bin auch Producer. Ich nehme gern Sachen, die mir gefallen, wie 'Otis', und zerschneide sie. Wie klingt die Ye-Version? Die Ye-Version ist zum Beispiel die Trump-Kampagne, aber mit den Prinzipien von Bernie Sanders. Das wäre meine Mischung. Ich denke, es braucht beides."

9. Kanye sprach außerdem noch mehr über seinen psychischen Zustand, und seinen Klinikaufenthalt – in der Phase habe er einige der schlimmsten Momente seines Lebens gehabt:

"Ich bin froh, dass es passiert ist. Ich bin froh, dass ich auf der anderen Seite war und zurückgekommen bin. Einen Augenblick will ich besonders hervorheben: Du liegst im Krankenhausbett, dein Freund ist an deiner Seite und du sagst: 'Bitte lasst nicht zu, dass diese Person von meiner Seite weicht.' Und dann stecken sie dich in einen Aufzug und nehmen dir all deine Freunde weg. Das war der furchteinflößendste Moment meines Lebens. Ich dachte, sie bringen mich um."

Das Gespräch endet allerdings positiv. Kanye führt Charlamagne über sein neu erworbenes 120-Hektar-Grundstück bei Calabasas, einer Nachbarstadt von Los Angeles. Dort will Kanye Wohnsiedlungen bauen. Auf Charlamagnes Frage, was der Kanye der College Dropout-Ära vom heutigen Kanye halten würde, sagt er:

"Ich denke, er wäre glücklich, zufrieden, und er würde es glauben. Weißt du noch, wie die Leute sagten, sie würden es nicht glauben? Ich habe immer daran geglaubt. Wir stehen auf meinem ersten Grundstück. Ich werde einer der größten Grundstücksentwickler aller Zeiten werden, wie Howard Hughes für Flugzeuge und Henry Ford für Autos."

Sein Schlusswort beweist, dass das volle Kanye-Selbstbewusstsein wieder da ist: "Wir werden Städte bauen."

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