Auf eine Runde Berlin Monopoly mit Ufo361

Anlässlich seines neuen Mixtapes „Ich bin ein Berliner“ hat uns Ufo361 auf dem Spielbrett durch seine Stadt geführt und uns erklärt, wie das Game läuft. Wortwörtlich.

|
März 25 2016, 7:00am

Berlin ist die vermutlich aufregendste Stadt Europas im Moment. Ach, was sagen wir: der Welt! Oder habt ihr schon mal einen legendären Präsidenten „Ich bin ein Castrop-Rauxeler“ sagen hören? Eben. Wir auch nicht. Der Satz „Ich bin ein Berliner“ hat mehr Bedeutungen, als nur die bloße Aussage, in Berlin geboren worden zu sein. „Ich bin ein Berliner“ steht für Freiheit, für Unabhängigkeit und ab heute auch für Trap aus der Hauptstadt in euer Gesicht! Ufo361 hat sein heute veröffentlichtes Mixtape nach dem berühmten Kennedy-Spruch benannt, und es wird deutlich, dass er damit klarstellen will, wo Trap aus Deutschland zuhause ist: in seiner Stadt.

Also haben wir uns mit dem Berlin-Representer auf eine Spritztour begeben, um „sein“ Berlin besser kennenzulernen. Vom Brandenburger Tor über die luxuriösen Straßenzüge Unter den Linden bis zur Sonnenallee haben wir die touristischen Hotspots der Hauptstadt abgeklappert. Jedoch nicht im herkömmlichen Sinne. Statt im eisigen Ostwind idiotisch Gebäude anzugaffen, haben wir all diese Orte lieber bei einer Runde Monopoly-Berlin Edition angeschaut—und aufgekauft! Wenn Berlin schon gentrifiziert wird, dann bitte durch Ufo361!


Noisey: Du darfst dir zuerst deine Figur aussuchen. Du bist ja schließlich der Gast. Welche möchtest du?
Ufo361: Na die Kiste hier natürlich. [Er sucht sich das Auto aus]. Ich mach auch die Bank!

Ist es eine gute Idee, dich die Bank machen zu lassen? Wehe du verarschst mich!
Auf jeden Fall eine gute Idee! Ach guck ma, da ist ja die Hauptstraße! Da wohn ich in der Gegend!

Das ist die billigste Straße, die es hier bei dem Monopoly gibt.
[Lacht] Ja, wa? Sonnenallee gibt's ja auch. Eigentlich müsste die billiger sein. Oder Kotti! Das müsste das Billigste sein. Warte mal. Kreuzberg gibt's hier gar nicht! Heftig. Ich glaub ich spiel nicht mit [lacht]. Wir machen jetzt einfach aus der Hauptstraße die Oranienstraße. Obwohl die mittlerweile ja auch nicht mehr billig ist. Ey es gibt wirklich nichts aus Kreuzberg! Boykott!

Kein Traphouse bei Monopoly. Apropos: Du hast mal in einem Interview vor zwei Jahren mit uns gesagt, dass du mit dem HipHop in Deutschland nichts anfangen kannst. Bist du deswegen zum Trap übergewechselt?
Deutscher Rap ist für mich auch jetzt noch kein wahrhafter HipHop. Aber deswegen hab ich nicht mit Trap angefangen. Ich hatte einfach Bock, was neues zu machen. Weil ich auch privat viel Trap höre. Also Ami-Trap.

Ein amerikanischer Traplord sagte einmal über Trap: „The dope inspires the Rap“. Gilt diese Verbindung zu Drogen auch für den deutschen Trap?

[Ufo kauft den Gendarmen Markt]

Also für mich gehört das zum kreativen Schaffensprozess dazu. Im Studio zu sein, die Mukke aufdrehen, einen buffen und dann sich in die Musik so reinzufühlen. Das hab ich mir irgendwie so angeeignet. Auch bei Videos und so. Aber es gibt auch viele Leute, die meine Mukke hören oder selber welche machen und keine Drogen nehmen und genauso feiern. Aber bei Trap direkt geht es mehr um einen Straßenbackground, als um die Drogen, was wichtig für die Musik ist. Trap ist ja auch von der Straße. Dort in Amerika war das ja so, dass die in irgendeinem Traphouse Crack gekocht haben und dann angefangen haben, dazu passende Musik zu machen. Das sind ja alles harte Hustler. Das ist in Deutschland ja nicht so extrem. So ein bisschen Gras verkaufen und dann durch die HipHop-Szene zu rennen und zu sagen, „Ich bin ein Gangster“, das ist doch nichts. Ich hab schon viel erlebt und kann auch darüber erzählen, aber ich versuche facettenreich zu sein und nicht in jedem Track darüber zu reden, dass mein Kollege Koks verkauft.

Hast du denn das Gefühl, dass bei Trap mehr Wert auf Delivery als auf Inhalt gelegt wird?
Also die Message geht bei Trap schon ein bisschen flöten, das stimmt. Bei mir geht's auch natürlich um „Ich mach das, ich bin cool, meine Freundin ist hübscher als deine, meine Kette ist 40 Karat, deine ist Silber“, weißt du? Der typische Battle-Shit. Trap macht Spaß, ohne dass es aber ins Lächerliche gezogen wird. das find ich wichtig dabei. Da ist ein großes Storytelling irgendwie nicht passend.

Obwohl ich „Bang Bang“ schon witzig finde.
Ja, bei dem Track schieb ich auch mehr den Battle-Film. Ist ein bisschen hektischer, mehr Flows. Der war auch tatsächlich das erste Ding, das eigentlich auf ein anderes Album sollte. Da war ich noch ein bisschen mehr Rap als Trap.

Hörst du denn auch anderen Trap aus Deutschland oder nur den aus Amerika?
Na ja, es gibt ja nicht so viel. Ich hör mir das schon mal an, aber es ist selten der Fall, dass ich einen Song bis zum Ende höre, geschweige denn drei, vier Mal hintereinander.

Und warum?
Weil mich da immer irgendwas nervt. Ob Beats, Zeilen oder Inhalt. Da beginnt so ein Lied und der Beat scheppert mies und du denkst so, boah, jetzt kommt was Hartes auf dich zu und dann kommt da so ein 14-Jähriger und du denkst dir so, „Was, deine Jungs ficken meine Jungs? Hä? Dikka!“ Das ist eine Sache, die mich abfucked und warum ich so viele Sachen nicht anhören kann. Weil ich vieles einfach nicht für voll nehmen kann. Übrigens nicht nur bei Deutschen, sondern auch bei den Amis. Bei Rick Ross denkt man sich auch, alles klar, der ist krass. Und dann hört man, dass der Knastwärter war und das ist dann so: alles klar, Hollywoodfilm.

Da wären wir natürlich wieder bei der aktuellen Debatte, wie wichtig Realness für die Qualität von Musik ist.
So ein bisschen Show ist ja klar immer da. Bei „Scottie Pippen“ oder „Bang Bang“ mach ich auch Spaß und übertreibe. Ich will ja auch nicht immer mit bösem Blick rumlaufen, sondern auch mal positive Sachen ausstrahlen. Aber mir komplett was auszudenken, was gar nicht meiner Realität entspricht, das feier ich nicht. Wobei ja auch nicht alles Gangster sein muss. Yung Hurn zum Beispiel: Der macht coole Mukke. Der ist Student, der setzt seine Brille auf und ist wahrscheinlich ein schlauer Junge. Und der ist real, auch wenn er viel Quatsch redet. Wenn er mir jetzt erzählen würde, er sticht mich ab und das nächste mal, wenn ich ihn sehe, will er einen Schluck von meinem Wein trinken, dann denk ich mir halt „Man, Dikka, warum dieser Film?“ Aber das muss man für sich selbst entscheiden, wie wichtig das einem ist.

[Ufo landet auf dem Feld Unter den Linden, die Berliner Version der Schlossallee]

Yeah! Unter den Linden! Jackpot! Die muss ich schnappen.

Würdest du da wohnen wollen? Unter den Linden?
Na unbedingt wohnen wollen nicht, aber wenn du mir eine Wohnung schenken würdest, sag ich nicht nein, wa. Ist auf jeden Fall eine gute Investition.

Was war deine letzte Investition?
Musik. Also ganz genau genommen Suppe und türkische Pizza. Oh, du bist direkt auf „Los“ gekommen, da kriegst du das Doppelte. Also 400, nicht nur 200.

[Ich kenne diese Regel nicht, widerspreche Ufo aber sicherheitshalber mal lieber auch nicht und ziehe 400 Euro ein.]

Das kommt gut. Ich habe jetzt am Wochenende auch Geburtstag. Einen Tag nach deinem Albumrelease.
Na wenn das mal kein Zufall ist [lacht], das habe ich von langer Hand geplant. Dann haben wir ja beide was zu feiern!

Was erwartest du dir von Ich bin ein Berliner? Du bist seit Wochen ja in aller Munde.
Puh, was erwarte ich mir ... Ich hab einfach Songs gemacht. Videos gedreht und einfach rausgehauen. Ich hab vor einer Woche erst mit „Promo“ angefangen, so wie man sie macht, Interviews hier und da. Ich hab halt einfach Mukke gemacht. Das ist auch mein Plan in Zukunft. Ich hab keinen Bock, 100.000 Videoblogs zu drehen, um die Leute dazu zu bewegen, meine Box zu kaufen, weil da ein Kondom drin ist und bla. Das ist mir alles zu behindert. Mit Boxen und Videoblogs und YouTube und so 'ne Geschichten. Ich mach Mukke, weißt du. Ich finde, darum sollte es sich auch drehen.

Die Boxen dienen ja hauptsächlich nur dem Zweck, besser zu charten.
Ja, aber ich muss nicht charten. Damit ich dann zum Echo kann oder was? Nee.

Beim Amitrap ist es ja auch so, dass die ihre Bekanntheit erst durch die Clubs, in denen sie gespielt werden bekommen und nicht durch irgendwelche Charts.
Ja, so ist es auch. Der größte Hype wird gerade durch die Clubs erschaffen. Ich sitz zuhause, zocke Playse, rauch einen und mein Song wird in drei, vier Clubs gespielt, wenn ich Glück hab. Wenn dann in jedem Club 400 Leute sind, haben über 1000 Leute meine Mukke gehört, während ich zuhause saß und einen Joint geraucht hab. Und so verbreitet sich das dann. „Ich bin ein Berliner“ geht krass ab im Club. Das ist schon mal ein großer Erfolg für mich. Alles independent in die Clubs zu schaffen.



Vielleicht liegt das auch daran, dass die Leute übersättigt sind von dem ganzen Promokram.
Ja voll. Man kann das alles selber machen, auch mit den sozialen Medien und so. Obwohl ich Facebook und Instagram und so auch nur mitmache, weil ich muss. Für mich ist es nicht aufwendig, wenn ich mich vor den Spiegel stell, Travis Scott feier und mich dabei filme. Man spart sich irgendwelches teures Marketing. Leute, die das aber so aus Spaß, machen, so Make-Up-Ollen und so was, das versteh ich nicht. Wozu braucht man das?

Folgst du nicht Kim Kardashian?
Nein. Ich folge niemandem. Ich bin im Studio und will Mukke machen. Ich will sowas nicht in meinem Kopf.

Dann bist du die Beyoncé von Berlin. Die folgt nämlich auch keinem.
[Lacht] Nicht mal Jay Z? Dreist. Die denkt, sie ist Cleopatra.

Denkst du denn, du bist Cleopatra?
[Lacht] Manchmal denk ich, ich bin Julius Cäsar.

[Ich komme auf den Potsdamer Platz]

Ach scheiße man, den wollte ich haben! Ich hab schon die anderen beiden. Ich geb dir 500 für den Potsdamer Platz!

Damit du dann anfangen kannst, Häuser und Hotels zu bauen?
Ok, ich geb dir 520!

Auf keinen Fall. Ich war schon zweimal auf dir. Du kommst nie auf mich! Wow, that's what she said.
[Lacht] Sonnenallee muss ich dann unbedingt haben, damit du die nicht kriegst. Da haste du ja schon zwei.

Hast du überhaupt noch Geld?
Nee, steckt alles im Mixtape. Achso du meinst hier [lacht]. Sieht aber relativ gleich aus, wie im echten Leben [lacht]. Du bist auf dem Gemeinschaftsfeld. Ich lese für dich: „Zahle eine Strafe von 10 Euro oder nehme eine Ereigniskarte.“

Ich nehme eine Ereigniskarte.
Das wirst du bereuen. Ich hätte die 10 Euro gezahlt. Ok, dann zieh mal eine Karte.

"Geh in das Gefängnis!“ Ich glaub's ja nicht!

[Ufo bricht in schallendes Gelächter aus]

Siehste, ich habs dir gesagt! Für 'nen Zehner! Das ist die größte Schwäche des Menschen: die Gier.

[Ufo würfelt und landet tatsächlich auf dem Gefängnisfeld. Kein Scherz.]

Ha! Oder vielleicht doch Schadenfreude! Ich würde sagen, wir lassen das jetzt. Gemeinsam im Gefängnis finde ich ein schönes Ende.
Ja, ok aber ich hab gewonnen!

Ich bin ein Berliner ist heute erschienen und kann unter anderem bei Amazon gekauft werden.

Nina ist auch bei Twitter und kann dort gestalkt werden: @laoidavita