„Schmähkritik“—Frei.Wild wollen keine „Drecksband“ sein und machen den Erdogan

Frei.Wild sind dafür bekannt, verbal auszuteilen. Jetzt haben sie es auf einen bekannten Blog wegen Schmähkritik abgesehen.

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15 April 2016, 8:09am

Nachdem die Echo-Nominierung vor drei Jahren an den Boykottaufrufen diverser Künstler gescheitert war, haben Frei-Wild ihr Ziel vor ein paar Wochen endlich erreicht und dürfen nun einen der „hochbegehrten“ Musikpreise in der Hand halten. Das ist immerhin ein 16tel des Echo-Erfolgs von Helene Fischer und ein 13tel der Echos, die die „Kastelruther Spatzen“ bislang gewonnen haben. Das ist also alles gar nicht so bedeutend, aber trotzdem Anlass für einige Kritik. Frei.Wild ist immerhin für jede Menge völkisch-nationalistischen Quatsch bekannt (und für ziemlich halbgare Dementi). Außerdem kommt die Band aus Südtirol, und war trotzdem in der Kategorie „Rock/Alternative National“ nominiert. So weit, so unpassend.

Bei so viel Angriffsfläche für Kritik folgte diese natürlich schnell. Schon bei der Verleihung gab es Buhrufe aus dem Publikum, die sozialen Medien liefen heiß und Journalisten hatten natürlich auch was dazu zu sagen.

So auch Stefan Laurin, Gründer und Herausgeber des Journalisten-Blogs Ruhrbarone. Für ihn war klar: Eigentlich braucht Frei.Wild den Echo gar nicht so sehr: „Der Echo ist kaum mehr als die Karikatur eines Musikawards. Ohne den jährlichen Skandal um die rechten Italiener von Frei.Wild hätte seit Jahren niemand was von diesem belanglosen Preis mitbekommen“, schrieb er.

Auf den Echo-Diss folgte dann die Kritik an Frei.Wild: „Frei.Wild ist eine Drecksband, darüber müssen wir nicht reden. Dumm, nationalistisch, rechts und so hässlich wie Pur.” schrieb Laurin. Auch das Wort „Spackenband“ lässt sich im Text finden.

Für die Band, die selber gerne Austeilt, Grund genug, ihren Anwalt eine Unterlassungserklärung schicken zu lassen und die Löschung des Textes zu fordern. Die Schwelle zur Schmähkritik und zur strafbaren Beleidigung sei überschritten und man ziehe vor Gericht, wenn die Erklärung nicht unterschrieben wird.

Heute morgen haben die Ruhrbarone dem Anwalt geantwortet und dem Internet mitgeteilt, dass sie das Ganze gerne vor Gericht ausfechten wollen. Für Stefan Laurin geht es dabei um Meinungsfreiheit. Eine Band, die große Teile eines ganzen Landes als Vollidioten bezeichne, müsse sich auch scharfe Kritik in einer deutlichen Sprache gefallen lassen. Weil Gerichtsverfahren meistens ziemlich teuer sind, kündigen die Ruhrbarone schon ein Solidaritäts-Konzert mit den Kassierern an und rufen zu Spenden auf.

Die Ruhrbarone sind nicht die ersten, die von Frei.Wild abgemahnt und mit Gerichtsprozessen bedroht werden. 2011 traf es die Berliner Punkband Frei Schnauze. Die hatte ein T-Shirt rausgebracht, das sich am Frei.Wild-Design orientierte. Darauf war das „Wild“ durchgestrichen und durch „Schnauze“ ersetzt. Außerdem stand „Politcore statt Kommerzrock“ auf den Shirts. Klare politische Kritik? Nicht für Frei.Wild und deren Anwälte. Die sahen darin eher eine Markenrechtsverletzung. Auch damals wurde eine Unterlassungserklärung verschickt, versehen mit einer Anwaltsrechnung über 1500€.

Ähnlich ging es 2013 der Satire-Band Nordwand, die sich vor allem über schlechten Rechtsrock lustig macht. Die Band hatte einen Tourflyer von Frei.Wild parodiert. Auch hier das gleiche Spiel: Unterlassungserklärung mit Kostennote. Diesmal sogar 500€ teurer.

Es scheint als hätten die deutschtümelden Südtiroler Rocker, die so gerne austeilen, ein ganz schön dünnes Fell.

Der Autor dieses Textes schreibt auch für die Ruhrbarone.