Punk in den 80ern: LSD zum Frühstück, Schlägereien und Brandstiftungen

Damals waren Punkbands wirklich noch so schlimm wie ihr Ruf.

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01 Juni 2016, 3:31pm

„Lass deiner Fantasie freien Lauf und denke dir eine furchtbare Tourgeschichte über eine Truppe verdrogter und durchgeknallter Texaner aus, die durch ein wehrloses Europa touren und mit einem Bein ständig im Gefängnis stehen. Dann multipliziere das mit etwa 10.000 und du wirst dir immer noch nicht im Ansatz vorstellen können, was es heißt, sechs Monate lang neben diesen zugedröhnten und nach Gin stinkenden Psychopathen zu schlafen.“

So hatte mir Mark Kramer—Bongwater-Musiker, Shimmy-Disc-Gründer und Produzent von Bands wie Galaxie 500, Low, Daniel Johnston und Will Oldham—vor ein paar Jahren in einem Interview seine Zeit als Tourmitglied der Butthole Surfers beschrieben. „Jeden Morgen haben sie sich LSD über ihre Cornflakes gestreut und die dann mit Johnny Walker Red runtergespült. Zum Mittagessen gab es Bier und zum Abendessen mieses Gras in trockenen Bongs, gefolgt von zwei Stunden Hustenanfällen und einer weiteren Schüssel LSD-Cornflakes eine Stunde vor dem Auftritt.“

Das ist der Stoff für Tourgeschichten, die Mumford & Sons mitten in der Nacht schweißgebadet vor Schreck hochfahren lassen. Während ihnen Tränen der Angst die Wange hinunterkullern, tasten sie sich durch das dunkle Hotelzimmer und suchen Halt an der mit Perrier gefüllten Minibar.

Man muss auch wirklich nicht lange suchen, um weitere Geschichten dieser Art zu finden. Jeder, der mal durch Michael Azerrads Buch Our Band Could Be Your Life geblättert hat, wird ähnlich LSD-getränkte und durchgeknallte Geschichten über die Band gelesen haben. Selbst eine kurze Internetsuche über die Butthole Surfers wird dich schnell zu Videos mit Leadsänger Gibby Haynes führen, der im wenig vertrauenserweckenden Look eines durchgeknallten Steinzeitmenschen inkohärenten Schwachsinn über Würmer von sich gibt. Sein manisches und eine gewisse Boshaftigkeit ausstrahlendes Wesen würde dich wahrscheinlich die Straßenseite wechseln lassen, wenn er dir auf dem Bürgersteig entgegenkommt.

Für all diejenigen, die wenig über die Musik der Butthole Surfers wissen: Zusammen mit Bands wie Scratch Acid, Big Black und Flipper verschmolzen sie Noise und Punk zu einem Gebräu, aus dem dann später Grunge hervorgehen sollte. Mindestens genau so wichtig war für ihren Status allerdings, dass sie auf eine Art, die damals und bis heute ihresgleichen sucht, die durchgeknalltesten Arschlöcher auf der ganzen Welt waren.


Foto: Dixon Edge Coulbourn

Die 1981 in San Antonio, Texas, gegründete Band machte von Anfang an keine halben Sachen. Die Butthole Surfers suhlten sich im Chaos, hatten nur Unfug im Kopf und tranken bis zum Umfallen—also wortwörtlich. Es passierte nicht selten, dass sie gar nicht mehr funktionieren oder auftreten konnten. Aber auch wenn das überhaupt nicht zu ihrem Ruf als Säufer und drogenaffine Spinner passte, war Haynes vor den Butthole Surfers auf dem besten Weg, ein erfolgreicher Steuerberater zu werden, und Gitarrist Paul Leary stand kurz davor, seinen Master in Business Administration abzuschließen. Als Band waren sie grell, surreal, wie von einem anderen Stern und für manche sogar ernsthaft angsteinflößend—aber dieses Chaos war durchaus durchdacht. Es braucht einen gewissen Intellekt, um sich so dumm verhalten zu können.

Ihre ersten drei Alben Psychic... Powerless... Another Man’s Sac, Rembrandt Pussyhorse und Locust Abortion Technician sind allesamt von einer gewissen Destruktivität geprägt. Von augenzwinkernden Black-Sabbath-Anspielungen bis zu einem zerstückelten „American Woman“-Cover gibt es dort Tracks, die im Tempo von langsam-kriechendem Grauen zu wild-schwitzender Hemmungslosigkeit wechseln und dabei von einer albtraumhaften Narrative aus infantilen und stumpfen Wortspielen zusammengehalten werden. Sie waren eine Band, die vom Charakter her einzigartig war, sich soundtechnisch aber jeder Beschreibung entzog. Irgendwo im Bereich zwischen Mutant Punkrock, Psychedelic, Esoterik Noise und Post-Punk operierend, wanden sie sich wie Schlangen in Gleitgel, wenn jemand versuchte, ihnen ein Genre anzuheften. Vielleicht ist genau das der Grund, warum es auch 35 Jahre nach ihrer Gründung immer noch keine Band gibt, die so klingt wie sie.

Dieser einzigartige Sound hatte es auch Kurt Cobain angetan. Er war großer Fan der Band und tauschte zum ersten Mal seine Nummer mit Courtney Love bei einer Show der Butthole Surfers, bei der sie als Support für L7 auftraten. In seinen Top 50 Alben aller Zeiten sind sogar direkt zwei Butthole Surfers-Alben vertreten. Genau wie bei vielen andere Bands in der Liste—das Gleiche gilt auch für The Vaselines, Daniel Johnston, Pixies und Beat Happpening—handelte es sich bei ihnen um eine Band aus dem buchstäblichen Underground, die nicht nur Cobain beeinflusst hatte, sondern auch unglaublich von ihrer „Sippenhaft“ profitierte, als Nirvana explodierten und ganze Teile von Amerika mit Holzfällerhemden überzogen. Damals begann jeder A&R-Abgesandte in der Hoffnung, die nächsten Pearl Jam an Land zu ziehen, jeden mit Schecks einzudecken, der eine Gitarre und ein Drogenproblem hatte.


Foto: Greg Hubbard

Autor James Burns hat versucht, die turbulente Welt der Band in seinem neuen Buch festzuhalten, das gerade erschienen ist: Let’s Go To Hell: Scattered Memories oft he Butthole Surfers. Er hat sich zusammen mit Butthole Surfers-Gründungsmittglied Paul Leary und mir getroffen, um ähnlich zerstreut über das Buch und die Bandgeschichte zu sprechen.

Burns beginnt unsere Unterhaltung damit, uns von seiner ersten Begegnung mit der Band und somit den Beginn einer lebenslangen Liebesgeschichte zu erzählen: „Ich war ein 13 Jahre alter Straight-Edge-Punker, als ich zum ersten Mal [die Butthole Surfers] gehört habe. Ich war so durcheinander, ich wusste einfach nicht, was ich von ihnen halten soll. Ich hatte ‚The Shah Sleeps in Lee Harvey’s Grave’ gehört und das war einfach so fernab von allem, was ich damals gekannt habe. Es war in gewisser Weise ein Affront gegen mein Punkrock-Verständnis—jede Band musste ein Anliegen haben. Es sollte dauern, bis ich sie 1987 zum ersten Mal live gesehen habe, dass ich erkannte, dass man keine politische Band sein muss, um politisch zu sein.“

Die Konzerte der Butthole Surfers—vor allem die in den 1980ern—bieten zahlreichen Stoff für monströse Mythen und groteske Legenden. Von Mannequins, die mit Burgern vollgestopft werden, bis hin zu Schlägereien, Feuer, mit Farbe gefüllten Kondomen, viel nackter Haut und angeblich sogar echtem Sex auf der Bühne, war einfach alles dabei. Und all das spielte sich ab, während auf der Wand dahinter Projektionen mit übereinander gelagerten Bilder von medizinischen Eingriffen zu sehen waren—eine Faszination, die Leary und Haynes früh aufgegriffen hatten, wie auch in ihrer eigenen Fanzine Strange VD offenkundig zu erkennen war. Es handelte sich dabei zwar nicht unbedingt um Performance-Kunst, aber es ging definitiv um die Kunst des Performativen und hatte wesentlich mehr mit den Schock-Auftritten der Pariser Surrealisten gemein als einer 08/15-Rockshow.

Burns erinnert sich noch an sein erstes Live-Erlebnis mit der Band 1987, bei dem Haynes den Saal mit einer beinahe gefährlichen Menge Trockeneis aus einer Nebelmaschine gefüllt hatte. „Ihre Shows waren ein ständiger Drahtseilakt zwischen Unterhaltung und blankem Terror. Nur die wenigsten Bands haben es hinbekommen, dass du ernsthaft um deine eigene Sicherheit gefürchtet hast.“


Foto: William McConnell

Man kann sich heute kaum vorstellen, dass das Musikfestival ATP eine ‚keine Arschlöcher’- Policy verfolgt, die über ein A4-Blatt mit den Festivalinitialen in Fäkalien hinausgeht, aber es gab mal eine Zeit, in der die Veranstalter diversen Künstlern wegen unangemessenem Verhalten Auftrittsverbote erteilt hatten. Die Butthole Surfers waren eine davon. „Gibby ist zum Mittagessen in die Cafeteria gegangen und dann auf einem Tisch eingepennt“, erklärt Leary. „Ein Typ von der Security hat ihn aufgeweckt und ihm gesagt, dass er abhauen soll—damit fing alles an. Mir tut die arme Sau wirklich leid, die Gibby aufwecken musste. Barry Hogan [der ATP-Veranstalter] kam dann zum Ort des Geschehens und beruhigte die Situation etwas. [Der Schlagzeuger] King Coffey und ich entschuldigten uns unendlich bei Barry und ihm schien die Geschichte damals auch nicht wirklich etwas auszumachen. Später hat er dann in einem Interview gesagt: ‚Killing Joke und die Butthole Surfers werden nie wieder beim ATP spielen und die können mir beide die Eier lecken. Das kannst du gerne so drucken.’“

Ein paar Jahre später bekam Leary eine E-Mail vom Agenten der Band, dass Barry die Butthole Surfers für einen weiteren Auftritt angefragt hatte. Leary antwortete darauf mit besagtem Clip aus dem Interview und sagte dem Agenten, dass sie Barry fragen sollen, ob sie noch immer wollen, dass sie ihm die Eier lecken. „Daraufhin bekam ich eine persönliche E-Mail von Barry, in der er sich für seinen Spruch entschuldigt hat“, sagt Leary. „Unser Auftrittsverbot beim ATP hat also nicht wirklich lange gehalten.“

Das fehlende Gespür der Butthole Surfers für Grenzen jeglicher Art sollte allerdings dazu führen, dass sie überall, wo sie aufgetaucht waren, Kontroversen wie Chemtrails nach sich zogen. 1987 war die Band trotz ihres Rufs aus unerfindlichen Gründen für eine All-Ages-Show gebucht worden. Zu dieser Zeit war auch Kathleen Lynch in der Band, eine Nackttänzerin aus Atlanta, Georgia, deren Wege sich dort in der Performancekunst/Tanz-Szene bereits mit Künstlern wie RuPaul gekreuzt hatten.

Obwohl man hoch und heilig versprochen hatte, bei dieser Show keine nackte Haut zu zeigen, hatte Lynch schon bald ihre Brüste draußen—und Leary seinen Penis, den er manisch durch die Gegend schwing. Kinder schrien und weinten und die Eltern, die ihre Zöglinge hierher gebracht hatten, waren zunehmend außer sich, als Haynes immer wieder Sachen von der Bühne rief wie: „Hasst ihr das nicht auch, wenn euer Vater in den Raum platzt und ihr euch gerade eine Weinflasche in den Arsch geschoben habt?“ Aber erst als Haynes sich wortwörtlich in Brand setzte, zog der aufgebrachte Veranstalter den Stecker. Damit war das Chaos aber nicht vorbei. Haynes überschüttete die Türsteher und alle anderen, die versuchten ihn aufzuhalten oder in seine Quere kamen, mit Reinigungsalkohol. In der anderen Hand hatte er Feuerzeug und drohte damit, jeden anzuzünden. Währenddessen stand der ganze Laden kurz davor, in Brand zu geraten, da jeder Schlag auf das mit Alkohol übergossene Becken die Flammen unkontrolliert durch den ganzen Saal fliegen ließ. Schließlich stürmten mehrere Menschen mit Feuerlöschern bewaffnet die Bühne, um die Band aufzuhalten. Der Laden wurde geräumt und während das Chaos auf der Straße weiterging, kam es zu Unruhen, in denen auch einiges von dem Equipment verschwand.

Manchmal traf das Verhalten der Band aber auf ebenbürtig-aggressives Verhalten. Einer der frühen Schlagzeuger der Band bekam während seines ersten Auftritts eine Bierflasche mitten ins Gesicht geworfen. Ein zweites Mal spielte er nicht mit der Band. „Ich kann mich an eine Reaktion erinnern, die so extrem war, dass ich sie noch nicht mal aussprechen kann“, erzählt Leary und fragt sich anschließend selbst: „Reagieren die Menschen auf unsere Musik oder reagieren sie auf die gleiche Sache, auf die unsere Musik reagiert?“


Foto: Ken Salerno

Im Endeffekt hatte die Band ihre Wurzeln im Ethos des Punk—man war Anti-Establishment und unangepasst—, lieferte diesen aber mit einem derartig schwarzen Humor und himmelschreiender Absurdität ab, dass sie das ganze Konzept in einen düsteren Strudel stürzten. Ihr Ansatz war, Subversion durch die reine Berauschung—musikalisch oder anderweitig—bis zu einem Zustand absoluten Terrors und potentiellen Zerfalls zu treiben; den Dingen einfach seinen Lauf lassen und dabei zuschauen, wohin sie das selbstentfachte Chaos führen wird. Man könnte es als beinahe konzeptuelle Daseinsform bezeichnen, auch wenn wahrscheinlich kein Mediziner oder Psychologe raten würde, dieses Leben auch außerhalb der Bühne zu leben. Es braucht schon das Durchhaltevermögen und den Mut von mindestens zehn Hunter S. Thompsons um diesen Lebensstil aufrechterhalten zu können.

„Manchmal habe ich Probleme, unsere Musik überhaupt als Musik zu sehen“, erklärt Leary. „Seit 1963 spiele ich Gitarre, aber ich bin nie ein guter Musiker gewesen. Wir sind keine guten Musiker. Es war immer mehr eine Plattform, um uns selbst auszudrücken—auch wenn wir nicht wussten, was wir eigentlich ausdrücken wollten. Ich war eine Zeit lang ziemlich sauer auf die Welt.“

Burns wirft ein, dass die Band ihre Fähigkeiten und ihren Einfluss oft geringer darstellt. „Die spielen ihr Talent, ihren Einfluss und die Wirkung, die sie auf viele Menschen hatten, runter“, sagt er. „Auch aus diesem Grund fand ich, dass das Buch notwendig ist. Sie waren viel wichtiger, als viele Leute—wahrscheinlich sie am meisten—sie einschätzen.“ Auch wenn es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass du demnächst im EMP-Katalog eine Butthole Surfers Figur oder Tasse finden wirst, so hat die Band doch eine wichtige Rolle in der Underground-Alt-Rock-Szene gespielt, die Anfang der 90er eine gigantische Explosion erleben sollte. Leary redet das natürlich klein: „Also, was die Anerkennung angeht, so ist meiner Meinung nach alles OK. Wir sind nicht Nirvana. Wir sind jetzt im großen Stil nicht besonders liebenswert. So ist das halt. Wir haben uns auch nicht gerade krumm gemacht, um gemocht zu werden.“

Nichtsdestotrotz fanden sich die Butthole Surfers im Zuge der besagten Grunge-Explosion—wie so viele andere Bands—plötzlich auf einem Majorlabel wieder, inklusive Hit-Album und einer frisch an Land gezogenen MTV-Hörerschaft. Die Plattenfirmen und A&R-Leute waren damals verseessen darauf, sich alternative Bands zu schnappen, die potentiell die nächsten Nirvana werden konnten. Die daraus entstandene Situation war dermaßen absurd, dass allein die Vorstellung, dass Bands wie die Butthole Surfers und The Jesus Lizard bei Capitol Records unterschreiben, noch derartig abwegig war, dass sie noch nicht mal für einen Witz funktioniert hätte.


Foto: Chris Schneider

Aber so kam es und es katapultierte die Band vom Status eines obskuren Undergroundacts, der in klapprigen Vans durch die USA tourte, direkt ins Studio mit John Paul Johns von Led Zeppelin. Ihre Alben und Singles kletterten langsam die Billboard Charts nach oben und einzelne Songs tauchten nach und nach in Filmen und Serien wie Romeo & Julia, Beavis & Butthead und dem John Carpenter Streifen Flucht aus L.A. auf. Durch die gesteigerte Popularität und Reichweite hatte Haynes dann plötzlich auch ein Nebenprojekt mit Johnny Depp: P. P spielten zusammen mit Flea am Bass in jener Nacht ein Konzert im Viper Room, als River Phoenix starb.

„Ich erinnere mich noch daran, wie die Band zu Gary Gershs Büro gerufen wurde, um den Goldstatus unseres Albums zu feiern“, erzählt Leary—seine Erinnerungen an jene Zeit sind von einer gewissen Zuneigung, wie auch leichtem Spott geprägt. „Eine Menge Leute liefen dort rum und ich fand die ganze Veranstaltung ziemlich bescheuert. Dann kommt Gary zu mir rüber und sagt ‚Hi, ich bin Gary Gersh. Ich wollte dir nur sagen, dass ich wirklich respektiere, was ihr tut.’ Das fühlte sich richtig gut an, schließlich kam es vom Chef von Capitol. Etwa fünf Minuten später kommt er wieder zu mir rüber und sagt: ‚Hi, ich bin Gary Gersh. Ich wollte dir nur sagen, dass ich wirklich respektiere, was ihr tut.’ Das fasst die ganze Geschichte eigentlich ziemlich gut zusammen. Unsere Zeit beim Major war wesentlich spaßiger für uns als für sie—bis sie genug von uns hatten. Danach hat es keinen Spaß mehr gemacht.“ Ihr Wechsel zu Capitol gipfelte schließlich in einer Klage der Band, mit der sie sich die Rechte am Back-Katalog sicherte. Leary möchte darüber allerdings nicht im Detail sprechen.


Foto: Edward Colver

Im Laufe unserer Unterhaltung über die Bandgeschichte kommen Leary und ich irgendwann auf den Comedian Garry Shandling zu sprechen, der im März dieses Jahres gestorben ist. Sein Name fällt, als wir über ihren legendären Auftritt bei der Larry Sanders Show (Shandling war Co-Creator) 1997 zu sprechen kommen. „Ich erinnere mich noch, wie die Band mit ihm und Rip Torn am Set abgehangen hat. Rip sagte zu Garry: ‚Die Typen hier haben einen Song, in dem sie immer wieder ‚Garry Shandling’ sagen. Den solltest du dir mal anhören!’ Und Garry antwortete nur: ‚Muss ich?’ Die waren richtig nett zu uns. Sie haben sich allerdings Sorgen gemacht, dass wir ihre Bühne in Brand setzen würden ... Was wir dann auch getan haben.“

Wenn es allerdings den einen, entscheidenden Fernsehmoment für die Butthole Surfers gegeben hat, dann ist das ihre Referenz in einer Folge von den Simpsons, in der Todd Flanders ein abgetragenes Butthole Surfers T-Shirt anhat und begeistert ausruft „Sieh mal Daddy, ich bin eine Surfer!“ Das war ein großer Moment für die Band. „Das ist für mich definitiv eins der beiden ultimativen Highlights unserer Karriere“, sagt Leary. „Das und unser Auftritt im Ed Sullivan Theater bei David Letterman.“

In den letzten Jahren war die Band lediglich vereinzelt aktiv—es gab Compilations und Reissues, 2004 erschien ein Solo-Album von Gibby Haynes, Leary gründete 2005 ein neues Projekt namens Carny, Haynes produzierte das letzte Lemonheads-Album Varshons und Leary steuerte 2014 Songs zu dem Melvins-Album Hold It In bei—, aber es sind 15 Jahre vergangen, seitdem es ein neues Butthole Surfers-Album gegeben hat und auch Konzerte werden immer seltener. Ich schätze, wenn deine Auftritte ein Karneval des Wahnsinns sind—Würgereiz heraufbeschwörende Freakveranstaltungen, die deine Sinne malträtieren und nicht selten Menschen schreiend das Weite suchen lassen—, dann kannst du mit diesem Scheiß nicht einfach bis ins hohe Alter weitermachen wie die nicht todzukriegenden KISS oder Iron Maiden.

„Ich hoffe, dass wir diesen Sommer ein neues Album aufnehmen“, sagt ein nachdenklicher Leary. „Das ist etwas, das ich jetzt schon seit mehreren Jahren tun will, aber einfach zu beschäftigt dafür war, um es auf die Beine zu stellen. Ich habe keine Ahnung, wie es klingen wird. Was das Touren angeht, würde ich sagen, dass ich damit ziemlich durch bin. Fürs Erste jedenfalls.“ Das ist jetzt also alles Vergangenheit.

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