Der deutsche Justin Bieber heißt Lukas Rieger und er meint es verdammt ernst

„Du Schwuchtel denkst auch du kannst singen.“ Lukas Rieger zu haten ist einfach. Schwerer ist es, ihn dafür zu respektieren, dass er zehnmal größere Eier hat als die ganze deutsche Popszene zusammen.

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Mai 20 2016, 12:43pm

Lukas Rieger ist das, was man nach grober Betrachtung erstmal in die Schubladen „YouTube-Musiker“ und „Instagram-Teenieschwarm“ packen würde. 300.000 Abonennten da und eine Million Follower dort sprechen für sich. Man könnte ihn sogar in die eigens von Ali As gezimmerte Schublade der YouTuber-Lelleks schmeißen, wenn man noch ein bisschen gröber wäre. Yup, der Hannoveraner hat sich in der Vergangenheit auch schon auf diversen Video-Days-Bühnen mit Mikro in der Hand blicken lassen.

Im Gegensatz zu anderen, mittlerweile einschlägig gehassten YouTube-Typen, fährt der 16-Jährige aber nicht die Billig-Schiene, seinen Social-Media-Fame als Sprungschanze für krüppelige Beats und noch krüppeligere Raps zu nutzen. Er geht noch nicht mal den Weg, es sich im gefälligen Deutschpop-Bett zwischen all den anderen Gefühlsdusel-Heinis gemütlich zu machen. Nein, Lukas Rieger klotzt—aber so richtig. Die ersten Monate dieses Jahres hat er in L.A. verbracht, um mit den Produzenten von Justin Bieber (warum nicht gleich an die Quelle gehen ..?), Selena Gomez (ist das nicht Biebers Ex?), Chris Brown und Rihanna rumzuhängen und Popmusik von Weltformat zu schreiben. Was Echo? Grammy, Alter! Gute Einstellung, Junge. Heute erscheint die erste Single aus Riegers L.A.-Session und das Video zu „Elevate“ ist auch schon frisch im Kasten:

Nachdem wir „Elevate“ gehört hatten, wollten wir dann doch mal mit Lukas Rieger sprechen. Denn: Wir mögen gute Popmusik (und das hier ist schon echt ganz gut), wir müssen an unseren Vorurteilen gegenüber YouTube-Stars arbeiten, und außerdem feiern wir es immer, wenn jemand die Eier hat, mal aus der lahmen Deutschpop-Mühle auszubrechen. Mit 16 (!).

Noisey: Hi, Lukas. Wenn dich Leute fragen, was du machst, was erzählst du ihnen?
Lukas Rieger: Aktuell mache ich eine Ausbildung bei einer Filmproduktion. Da lerne ich den ganzen Ablauf beim Dreh, von Musikvideos und Werbung. Weil ich mich jeden Tag mit solchen Dingen beschäftige, habe ich auch einen besonderen Anspruch, wenn es um meine eigenen Videos geht. Obwohl mich die Arbeit sehr einnimmt, habe ich trotzdem genug Zeit, um mich mit meiner Musik zu beschäftigen, weil die Arbeitszeiten sehr flexibel sind.

Bist du YouTuber?
Ich bin Musiker und Künstler. YouTuber wäre viel zu eng gegriffen für das alles, was ich mache. YouTube ist für mich eine Plattform, auf der ich meine Musik präsentieren kann und die ich auch gerne dafür nutze, um meine Musik zu verbreiten.

Mit welchem Vorurteil deiner Person gegenüber musst du dich am häufigsten rumschlagen?
„Du Schwuchtel denkst auch, du kannst singen.“

Warum schreibst du keine deutschen Texte so wie alle anderen?
Ich schreibe keine deutschen Texte, da ich Menschen auf der ganzen Welt mit meiner Musik begeistern möchte. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen und dazu gehört es eben, auf Englisch zu singen und zu texten, weil ich glaube, damit viel mehr Leute erreichen zu können.

Bitte vervollständigen: Deutsche Popmusik ist ...
Leider teilweise sehr austauschbar und langweilig geworden. Mein Ziel ist es, nicht von diesem Sog eingezogen zu werden.

Woran musst du bei dir noch arbeiten, um es auf den Pop-Olymp zu schaffen?
Ich stehe ja jetzt erst am Anfang von allem und möchte in den nächsten Monaten und Jahren immer besser werden und meine Musik stets weiterentwickeln. Außerdem arbeite ich gerade an meiner Bühnenshow, die meiner Meinung nach ein wichtiger Part ist, um es auf den Pop-Olymp zu schaffen. Für mich reicht es nicht nur gute Musik zu machen, ich will auch ein guter Performer sein.

Wir nennen dich schon mal den deutschen Justin Bieber, weil wir gerne Sachen behaupten. Außerdem sind Tokio Hotel schon die deutschen Tokio Hotel. Geht der Vergleich klar für dich?
Ja, geht für mich klar. Ich halte Justin Bieber für einen der talentiertesten Musiker, die es aktuell gibt. Justin Bieber ist eine streitbare Persönlichkeit und unterhält mit seiner Kunst Millionen von Menschen. Es gibt wohl momentan keinen Künstler, der präsenter ist als Justin Bieber, deshalb ist er auch ein gutes Vorbild für alle die ein Ziel haben wie ich es habe.

Du warst dieses Jahr in L.A., um Musik zu produzieren. War gut? Eine krasse Musik-Business-Hollywood-Geschichte bitte.
Im Zuge des Kennenlernens mit verschiedenen Produzenten war ich unter anderem in Amsterdam, New York und Detroit, aber alles hörte sich für mich sehr ähnlich an, etwa so wie NSYNC damals. Irgendwann flogen wir auch nach L.A., um weitere Produzenten kennenzulernen. Am zweiten Abend waren wir in einem Haus eingeladen, wo sich viele Produzenten regelmäßig treffen. Als ich dort ankam, war ich etwas verwundert, weil es extrem nach Marihuana roch. Ich kam mit Drogen bis dahin noch nicht wirklich in Berührung und merkte erst beim zweiten Hinsehen, dass fast jeder einen Joint in der Hand hatte. Die Produzenten spielten uns ihre aktuellen Beats und Ideen vor und ich hatte auf Anhieb ein sehr gutes Gefühl.

Während meiner Zeit in LA traf ich viele der Produzenten immer wieder. Als ich ihnen im Laufe der folgenden Treffen stetig vermittelte, dass ich mit den Drogen nichts anfangen kann, hörten sie sogar auf, in meiner Anwesenheit zu kiffen.

Es war ein befreiendes Gefühl für mich, endlich mit Produzenten zusammenzuarbeiten, die genau meinen Geschmack treffen. In LA passiert grundsätzlich ganz viel, wenn es um Musik und Mode geht. Außerdem scheint dort durchgehend die Sonne und alle Menschen sind gut gelaunt. Dementsprechend hat man auch immer Lust, etwas zu machen.

Wenn Leute unter diesen Artikel kommentieren: „Noisey macht sich jetzt an die Kiddie-Stars ran, oder was?“—Was wäre deine spontane Reaktion?
Es geht nicht um das Alter, sondern um die Musik und die Gesamtidee die hinter einem Künstler steckt. Die letzten Monate haben bewiesen, dass es draußen Menschen gibt die das feiern was ich mache, also ist es auch völlig legitim drüber zu berichten.