Yelawolf, ein Redneck with Attitude

Wir haben analysiert, wieso Yelawolf die rappende Inkarnation des ‚Sons of Anarchy‘-Intros ist.

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Apr. 21 2015, 1:30pm

Yelawolf ist die rappende Inkarnation des Sons of Anarchy-Intros. Und wenn Jack Teller seine ungewöhnlich Blutspritzer-freien Air Force 1’s auf dem Motorrad zur Schau stellen kann, dann kann der Südstaatenmusiker Yelawolf auch mit Cowboystiefeln ein paar feine Raps zum Besten geben. Dürfte ja erlaubt sein.

Vorbei sind auf jeden Fall die Zeiten, in denen der 35-jährige Slim Shady Records-Rapper aussah wie Travis Barker ohne Drumsticks. Heute geht es um Tattoos, Lederwesten, Tattoos, Grashalme im Mundwinkel und noch mehr Tattoos. Und natürlich um Musik. Deswegen hat Michael Wayne Atha nun auch sein zweites großes Major-Album Love Story in einer Schnittmenge zwischen Lynyrd Skynyrd, REO Speedwagon und Three 6 Mafia veröffentlicht und lässt seine Texte zwischen Frustrationsbewältigung und Motorradöl treffsicher singend und rappend auf die geneigte Fanmeute los. Und anscheinend soll „Love Story“ auch entstanden sein, als sein Alter Ego Catfish Billy eines Morgens im Knast aufwachte und eine Erleuchtung hatte. Vielleicht war er bei dieser Aussage aber auch einfach nur mal wieder mit der Nase zu nah am Whiskeyglas.

Damit aber auch Yelawolf bei all dem Struggle und Hustle eines Lil’ Cowboy-MC-Daseins nicht vergisst, wo er herkommt, haben wir uns anhand einiger Songs durch seine Karriere gearbeitet.

SE01EP01 „Won’t Stop“ (2005)

Während Yelawolf einige Zeit auf den Straßen Alabamas lebte und nicht viel mehr als sein Skateboard und sein Talent hatte, kam er in Berührung mit der Rapkultur und versuchte bereits zum Release seines ersten Albums Creek Water im Jahre 2005 den Südstaatenrock in seine Rapparts einfließen zu lassen. Bedeutete: gesungene Hooks, Gitarrenlicks und ruhig-eindringliche Raps über persönliche Krisen. „Won’t Stop“ war als Ansage zu verstehen. Weg von schlecht bezahlten Scheißjobs, hin zu... naja, irgendwas mit Rap und ein paar Dollars halt. Der erste Schritt war getan.

SE02EP01 „Kickin’“ (2007)

Yelawolf nahm seinerzeit ja tatsächlich mal an der Reality-TV-Show The Road To Stardom With Missy Elliott teil, war aber relativ schnell wieder aus dem Rennen. Ein Mixtape, das eben beschriebene Creek Water für die Streets und ein Myspace-Profil waren das Ergebnis. Das alles brachte ihm dann tatsächlich einen Deal bei Columbia Records ein. Allerdings konnte er sich daran nicht besonders lange erfreuen, denn das Album Fearin’ And Loathin’ In Smalltown, U.S.A. erschien nie. Einzig die Single „Kickin’“ blieb übrig und zeigte klassischen Südstaatenrap mit Cochones. Nicht sonderlich spannend, außer vielleicht, dass Yelawolf—aufgepasst: krass!—weiß war und schon damals rappte „I’m blowin this shit up like bottles of Jim Beam“. Never change a winning team.

SE03EP01 „Box Chevy“ (2008)

Autos mag man in den Südstaaten. Dort liegt ja auch nicht alles nur einen Katzensprung entfernt. Da hat man nicht viel, außer den Träumen von einem besseren Leben, die sich im vierrädrigen Besitz der Großfamilie manifestieren. In Yelawolfs Falle war das ein Box Chevy. Nichts mit Beamer, Benz und Bentley, man mochte es schon immer etwas maskulin-muskulöser. „Box Chevy“ ist vordergründig ein Song über ein Auto, in den Zwischenzeilen aber auch ein Song über Träume und Sex mit Mädchen auf dem Rücksitz.

SE03EP02 „Pop The Trunk“ (2010)

Trunk Muzik, das nunmehr fünfte Mixtape, darf dann getrost als Durchbruch verzeichnet werden. Ende 2010 folgte somit auch folgerichtig das Signing bei Interscope und die Neuveröffentlichung als Trunk Muzik 6-0. Darauf befinden sich solche Klassiker wie „Daddy’s Lambo“ mit Partyattitüde, Frauen, geklauten Autos und Aufreißerattitüde, aber eben auch introspektive Aggressionsbewältigungen. „Pop The Trunk“ ist dabei nicht nur geprägt vom perfekt mehrsilbigen Rapstil, sondern auch von einer packenden Atmosphäre in bester Storytellermanier. Kein Wunder, dass das Eminem gefallen hat.

SE04EP01 „Let’s Roll“ feat. Kid Rock (2011)

2011 dann. Mit Eminem auf dem Cover der „XXL“, Deal bei Shady Records unter dem Dach von Interscope, big business, Geldscheine, Frauen, noch mehr Tattoos. Und natürlich das erste große Album namens Radioactive. Mit der ersten Single „Hard White (Up In The Club)“ geht man dann eben hart weiß hoch in den Club und lässt Schreihals Lil Jon seinen letzten annehmbaren Part abliefern. Mit der zweiten Single rollt man in bester Hillbillymanier durch die Gegend und repräsentiert den schmutzigen Süden. Dazu noch eine Hook von White-Trash-Pop-Bübchen-Aushängeschild Kid Rock. Funktionierte ganz gut. Denn auch wenn das Album in seiner Gänze von viel zu vielen Kompromissen und Mainstreamanbiederungen lebt, eigentlich war es dann doch gar nicht so beschissen. Also ganz okay. Doch schon. Ja.

SE05EP01 „Whistle Dixie“ feat. Travis Barker (2012)

Blink 182 lagen ein wenig auf Eis, Travis hatte Bock die Trommeln auf HipHop-Remixen zu malträtieren, mit Yela war er eh schon verkumpelt, also machten sie einfach eine gemeinsame EP. Über Tattoos. Und abgeschnittene T-Shirt-Ärmel. Und Mützen. Oder so. Auf jeden Fall hatte man ziemlich viel Spaß auf der Psycho White EP. Schließlich war dieser in der Produktionsphase von „Radioactive“ verlorengegangenen und musste jetzt von Yela erst einmal wieder zurückgeholt werden. Endergebnis: wieder etwas mehr Spaß inne Backen, ein bisschen was für die Fans gemacht, Rock und Rap mal wieder näher zur eigenen Diskografie vereint und eine Zusammenarbeit gefestigt, die auch heute noch Bestand hat.

SE06EP01 „American You“ (2014)

Gegenwart. Love Story brauchte seine Zeit (und wurde durchs gesamte Releasejahr 2014 rumgeschoben), aber nun ist Yelawolf der Kneipenrapper mit Blues, Stimme und Raptechnik. Den Chevy lieben, Motorrad fahren, auf ländlichen Weideackern rumstehen und einen Gitarristen in die Entourage integrieren. Thematisch bleibt dann eigentlich aber alles so ziemlich beim Alten: die harte Kindheit (Mutter war 15 bei der Geburt, man zog gerne um, sie konsumierte dabei gerne mal Weißes), den Struggle im Leben und in der Rapszene, das gebrochene, aber auch wieder geheilte Herz eines nun verlobten Musikers. Und natürlich beschäftigt er sich mit Autos. Und Tattoos. Vielleicht auch mit Hüten und dem richtigen Kauf von Lederstiefeln. Ach ja, Travis spielt im Video die Drums. Laut eigener Aussage soll Love Story auf jeden Fall das „reifere und bessere Creek Water“ sein. Na dann mal howdy, Cowboy!

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