Kollegah schlägt Konzertbesucher und das Internet reagiert bosshaft

Durch seine überraschend gewalttätige Aktion hat Kollegah nicht nur seine Fans, sondern auch Rap-Kollegen und Hans Entertainment gegen sich aufgebracht.

|
20 März 2017, 12:19pm

Foto im Header: Imago | Screenshot von YouTube aus dem Video "[FULL] Kollegah schlägt Fan - Imperator Tour Leipzig 18.03.17" von TheGsGClan

Samstagabend hat Kollegah Tourauftakt in Leipzig gefeiert. Nachdem er noch kurz zuvor auf Instagram angekündigt hatte, dass er und seine Crew "voll auf Testo" seien und "extra" zwei Wochen nicht mehr abgespritzt hätten, löste später ein Zwischenfall auf der Bühne eine Schlagzeilen-Welle aus. Für ein Rapbattle holten Support-Act Ali As und Kollegah jeweils einen Fan auf die Bühne, die dann gegeneinander antreten sollten. Allerdings war Kollegahs Mann anscheinend so euphorisch, dass er sich erst Ali As' Cap aufsetzte und dann noch dem Boss die Brille nehmen wollte. Damit ging er wohl zu weit, Kollegah schubste ihn erst weg, trat ihn dann in den Unterleib und schlug ihm schließlich ins Gesicht. Der um eine Entschuldigung bemühte Fan fiel widerstandslos zu Boden, Securitys stürmten hinzu und schleiften ihn von der Bühne runter.

Bemerkenswert: Kollegah, der gerade so sehr die Kontrolle verloren zu haben schien, dass er einen wehrlosen Typen gleich drei Mal attackierte, witzelt schon wenige Sekunden später in gewohnt lässigem Tonfall: "Saufen gut und schön, aber packt den Leuten doch nicht an die Brille und an die Kappe. Das muss doch nicht sein." Das Publikum? Jubelt laut, wurde es doch gerade Zeuge einer Machtdemonstration ihres Imperators. Im anschließend veröffentlichten Tourblog wird der Vorfall nicht thematisiert. Dafür werden lieber glückliche Fans gezeigt. Eine Frau erzählt sogar unter Tränen, dass sie nach zehn Jahren endlich von ihrem Idol umarmt wurde.

In den sozialen Medien sind die Stimmen dagegen wesentlich kritischer. Auf Kollegahs Facebookprofil äußern sich die Fans in den Top-Comments fast ausschließlich gegen die Aktion des Rappers. Kollegen wie Ali Bumaye oder Fler reagieren höhnisch, Farid Bang steht zu seinem JBG-Kollabopartner und aus irgendeinem Grund fühlt sich auch Hans Entertainment dazu berufen, ein Statement zur Geschichte abzulassen.

Ob Kollegah im entscheidenen Moment wirklich die Kontrolle verlor oder die Situation zu seinem PR-Vorteil ausnutzen wollte, weiß nur er selbst. Und auch, ob die Zahl der Fans, die ihre Tickets jetzt wieder abgeben größer ist als die derjenigen, die sich jetzt erst Recht ein Ticket zulegen. Fest steht, dass jetzt von Spiegel Online über Bild.de, Focus.de, Welt.de bis N24, Der Westen und sogar Lokalmedien fast jeder über den Rapper und seine Tour geschrieben hat. Bei so viel Mediemrummel könnte Kollegah dann nur noch die Anzeige die Tourlaune verderben, die laut Focus bei der Polizeidirektion Leipzig vorliegt. Demnach wird jetzt wohl gegen Kollegah ermittelt – wegen gefährlicher Körperverletzung, "da offensichtlich mit dem beschuhten Fuß zugetreten wurde." 

Update: Bei seinem Konzert in München am Sonntagabend hat Kollegah wieder ein Fan-Rapbattle veranstaltet. Dabei ging er nochmal auf die Zwischenfall vom Vorabend ein: "Das ist ein bisschen ins Auge gegangen [...] Du kannst den Boss als fake bezeichnen, als Wannabe-Zuhälter, er trifft den Takt nicht – aber fass ihm nicht an seine 1000 Dollar-Versace-Brille." Lauter Jubel und wieder holte er zwei Freiwillige auf die Bühne. Diesmal fand das Battle sogar statt. Dem Gewinner schenkte er dann seine Sonnenbrille.

Folge Noisey auf FacebookInstagram und Snapchat.