Wir haben Teenager von heute mit den größten Emo-Hits der 00er konfrontiert

„Das war richtig deep und emotional. Es macht mir etwas Angst, um ehrlich zu sein.“ - Anastacia, 16.

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24 August 2016, 11:06am

Wenn du deine Teenagerphase in den frühen und mittleren 2000er durchlebt hast, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass du ein amtlicher Emo warst. Spielten die MySpace Top 8—das ultimative Hierarchisierungs-Instrument aller schwarzhaarigen und lippengepiercten 15-Jährigen jener Zeit—auch in deinem Leben eine zentrale Rolle? Enthielt deine E-Mail-Adresse ein „Xcore“ und war Oli Sykes dein MSN-Avatar? Gingen für dich hautenge Jeans und Bisexualität Hand in Hand? War Pete Wentz dein Gott? Ja, habe ich mir schon gedacht. Aber gut, du wirst dich vor allem an die Musik erinnern: das Jammern, das Schreien, die Theatralik. Wenn du heute allerdings mit einem gewissen Maß an Objektivität darauf zurückblickst, stellst du fest, dass das alles absoluter Müll war—andererseits aber auch irgendwie (immer noch) das Beste überhaupt.

Natürlich ist es unfassbar ... äääh ... peinlich mit über 20 noch Emo zu sein. (*rutscht nervös im Stuhl umher, versucht Spotify-Playlist mit Händen zu verdecken, heult leise in ihr Funeral for a Friend-Mäppchen.*) Emo ist ein Teenager-Phänomen, was nicht zuletzt daran liegt, dass du in deinem Leben nie wieder so verunsichert oder theatralisch sein wirst wie in dieser Phase. Mit zunehmendem Alter arbeitest du aber auch mehr und hast weniger Zeit, dich mit den vielen feinen Nuancen einer Subkultur auseinanderzusetzen. Nach unserem 20. Geburtstag vermischen sich die Geschmäcker bei den meisten zu einer einzigen, großen, pulsierenden Masse. Das letzte Mal, dass mich jemand gefragt hat, welche Musik ich mag, murmelte ich irgendetwas von Drake, starrte in den leeren Raum und versuchte mich an eine Zeit zu erinnern, in der ich noch eine eigene Identität gehabt hatte.

Ich habe mich jedenfalls gefragt, was echte Teenager heute eigentlich von den ganzen großen Emo-Tracks der Generation Y halten? Hören sie eine Band wie From First to Last und denken sich: „Wow, das unglaublich gut. So zeitlos!“ Oder ähnele ich, wenn ich 16-Jährige mit HelloGoodbye beschalle, doch eher einem Vater, der im Auto Pink Floyd anmacht und so was sagt wie: „Das war noch richtige Musik, mein Sohn!“?

Anstatt mir weiter darüber den Kopf zu zerbrechen, entschied ich mich dazu, vor den Merch-Geschäften und Headshops im Londoner Stadtteil Camden abzuhängen, um ein paar echte Teenager zu finden, ihnen über Kopfhörer ein paar echte MySpace-Ära-Songs vorzuspielen und sie nach ihrer ehrlichen Meinung zu fragen.

Anastacia, 16

Hey, Anastacia! Was für Musik hörst du normalerweise?
Vor allem Grime und R’n’B.

OK. Das hier ist jetzt nicht wirklich Grime, dafür aber Funeral For a Friend mit „Red is the New Black“. Wie findest du es?
Schon OK. Ich würde das jetzt nicht unbedingt als Emo bezeichnen, weil es nicht so hart ist. Wenn ich an Emo denke, habe ich immer eine Menge Gitarren und so Zeug im Kopf.

Ich suche mal etwas mit mehr Gitarren ... Was hältst du von dem hier? „Understanding in a Car Crash“ von Thursday?
Ja, genau so. Manchmal höre ich auch so richtig alte Musik und das hier klingt ähnlich.

So Zeug aus der MySpace-Ära?
Ja, MySpace gibt es ja nicht mehr wirklich. Das benutzt keiner. Ich kann mir aber vorstellen, dass alte Menschen da noch abhängen.

Aber durch MySpace habe ich „Seven Years“ von Soasin entdeckt!!! Hör dir das mal an. Wie findest du es?
Das war richtig deep und emotional. Es macht mir etwas Angst, um ehrlich zu sein.

Du brichst mir mein schwarzes Herz.

Allie, 17

Was für Musik hörst du, Allie?
Keine Ahnung. Metal.

Hören deine Kumpels ähnliche Musik wie du?
Ja, schon ...

OK, was hältst du von diesem Track von The Used? Er heißt „The Taste of Ink“.
Ist schon OK, aber es müsste härter sein. Und wo ist der Drop? Es klingt einfach sehr alt.

Alt?! Was heißt alt?
Keine Ahnung ... Zeug, das Menschen über 20 hören.

Jesus, OK. Hören wir uns was anderes an. Was hältst du von The Rocket Summer mit „Brat Pack“? Ziemlich catchy oder nicht?
Ja, mega entspannt.

Würd jemand in deiner Stufe solche Musik hören?
Vielleicht, wenn es genug zu rauchen gibt.

Danke, Allie. Immer schön artig bleiben!

Xander, 16

Hey, du siehst aus wie jemand, dem Head Automatica gefallen könnten. Was hältst du von „Beating Heart Baby“?
Das war schon ziemlich gut. Gar nicht so schlecht. Um ehrlich zu sein, hätte ich was viel Schlimmeres erwartet.

Warum? Sehe ich aus wie jemand, der dir schlechte Musik vorspielen würde? Was für Musik hören Leute in deinem Alter so?
Die meisten stehen auf Grime und House und so was. Niemand hört noch Emo. Sorry!

Sind dir Dashboard Confessional ein Begriff?
Nö.

OK, ich spiel dir mal „Hands Down“ vor. Was sagst du?
Ja, ich stehe drauf. Die klingen nach einer guten Band. Habe ich wohl was gelernt.

Daniel, 16

Hey, Daniel! Also ... Stehst du auf Emo? Deine Frisur lässt das jedenfalls vermuten.
Ja, schon.

Hörst du Bands von Anfang der 00er Jahre oder eher aktuelles Zeug?
Mir gefällt das ältere Zeug eigentlich. Ich würde mir zum Beispiel nicht diese ganzen You Me at Six-Kram anhöre.

Cool! Was hältst du dann von diesem Klassiker: Silvertstein—„Smile in Your Sleep“?
Der ist ziemlich gut! Die Lyrics sind so, wie man sie von einem Emo-Song erwarten würde.

Hier ist noch ein Song mit Emo-Lyrics. Was sagst du als Teenager zu „Ohio is For Lovers“ von Hawthorne Heights?
Hmmm ... Ich fand den ersten besser. Der hier ist einfach zu traurig.

Ja, das kann ich verstehen.

Kiara, 15

Hey Kiara. Fangen wir doch mal mit etwas Fall Out Boy an. Was hältst du von „Dance Dance“?
Ist OK, aber ... Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll.

Würdest du dir das auf dem Weg zur Schule anhören?
Ne, mir gefallen die Lyrics nicht.

Was für Leute hören deiner Meinung nach Fall Out Boy?
Alternative. Manche Emos vielleicht. Die meisten meiner Freunde kennen Fall Out Boy gar nicht wirklich.

Es gibt also noch Emos?
Es ist jetzt nicht mehr so groß wie früher, aber ja, es gibt ein paar.

OK, probieren wir es mit Underoath. Ich finde, der Song „A Boy Brushed Red Living in Black and White“ hat die eingängigsten Eröffnungszeilen überhaupt. Was meinst du?
Der Text ist wirklich deprimierend. Aber ja, man findet sich da wieder ... klar.

Was hältst du von dem ganzen Geschrei?
Ich weiß nicht.

Drücken sie deine Teenagergefühle adäquat aus?
Ja.

Besten Dank, Kiara.

Cameron, 17

Hey, dein Jeans sind ziemlich eng. Hast du jemals Emo gehört?
Ne. Sonst ist so ziemlich jeder durch diese Phase gegangen, aber mich hat das nie wirklich interessiert. Meine Freundin stand aber total auf My Chemical Romance.

Was ist denn mit etwas mehr in der Richtung von „Alive With the Glory of Love“ von Say Anything?
Ganz nett, aber das würde ich jetzt nicht als Emo bezeichnen. Für mich klingt das mehr nach Indie.

Hmmm. Vielleicht brauchst du etwas mit mehr Emo-Inhalten. Was ist mit „What it is to Burn“ von Finch?
Ich mag den lauten Teil am Anfang. Dieser Drumcomputer ist aber etwas lahm.

Lahm? Na gut, dann springen wir mal ein gutes Stück zurück. Was ist mit Bright Eyes und „First Day of My Life“?
Das finde ich richtig gut. Sehr schöner Akustiksong.

Wie hat sich die Definition von Emo für deine Generation im Vergleich zu meiner geändert?
Ich schätze, es hat sich einfach mehr an die Bedürfnisse der Teenager angepasst. Damals gab es noch keine Seiten wie Tumblr, über die man sich ausdrücken konnte.

Dafür hatten wir LiveJournal, Cameron. Das war viel besser als Tumblr.
[sieht ziemlich verwirrt aus]

Pffft. Danke für das Gespräch.

Lousia, 16

Louisa! Auf was für Musik stehst du denn? Emo?
Grime und House. Niemand, den ich kenne, hört Emo.

Nicht mal Klassiker wie My Chemical Romance? Hören wir uns doch mal „Teenagers“ an. Was sagst du?
Ist schon OK. Ich habe früher so was gehört, aber dann habe ich mich für ein fröhlicheres Leben entschieden.

OK, probieren wir es mal mit etwas nicht so hartem. Was hältst du von „Your Call“ von Secondhand Serenade? Der Text ist fast wie klassische Poesie.
Es ist ganz nett, aber einfach nicht mein Ding. Ich könnte mir das nicht die ganze Zeit anhören. Ich glaube, das wird mehr von Menschen gehört, die auch damit aufgewachsen sind.

Ja, da hast du vielleicht recht.

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