Deutsche Rapper setzen mit #sagfuckzurassismus ein Zeichen

Capital Bra, Bausa, Bushido und weitere Rapper rufen auf ihren Instagram-Accounts dazu auf, sich unter einem gemeinsamen Hashtag Rassismus entgegenzustellen.

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Sep. 12 2018, 11:33am

Foto: Screenshot aus dem Instagram-Profil von capital_bra

Am 03. September standen die Toten Hosen, Casper, Marteria, Nura, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z und Trettmann solidarisch in Chemnitz auf der Bühne. Rund 65.000 Menschen kamen zu dem Event und setzen ein lautes Zeichen gegen Rassismus, Faschismus und Ausgrenzung. Die Woche zuvor waren nach dem gewaltsamen Tod an einem 35-Jährigen Tausende Demonstranten durch die Stadt gezogen. Bei der Demonstration wurden u.a. Neonazi-Parolen gebrüllt und Hitlergrüße gezeigt. Es kam zu gewalttätigen Übergriffen auf mutmaßlich ausländische Menschen, Journalistinnen und Journalisten. Auch ein jüdisches Restaurant wurde angegriffen.

Die deutsche Rapszene ließ entweder auf sich warten oder übte sich in kryptischen Kommentaren zu #wirsindmehr. Nun gibt es den Ansatz einer Antwort auf die Frage, die der Deutschrap-Moderator Rooz Lee getwittert hatte: "wieder müssen Sogenannte Ökö-hipster -Rapper für uns einstehen wenns eng wird. wo sind die ganzen Strassen-Rapper in #chemnitz ? zu beschäftig mit Geld zählen ??" [sic!]

Mit dem Hashtag #sagfuckzurassismus hat Capital Bra auf Instagram dazu aufgefordert, "diese Nazis zu bekämpfen". Auf seinen Post haben mittlerweile mehrere Rapper unter demselben Hashtag geantwortet, darunter auch Bushido, Olexesh, Bausa, Manuellsen oder Sylabil Spill.

Wie Neonazis nun genau bekämpft werden sollen, hat noch keiner der sich beteiligenden Rapper zur Sprache gebracht, es bleibt vorerst beim erhobenen Mittelfinger und dem Selfie von der Rückbank. Der Hashtag ist trotzdem ein erstes Zeichen des aktiven Widerstandes deutscher Rapper gegenüber dem, was sich momentan auf den Straßen von Chemnitz oder Köthen abspielt. Hier könnte die Antwort auf Rooz' Frage ihren Anfang finden.

Eine klare Positionierung gegen grundsätzlich menschenverachtendes Denken scheint im September 2018 so dringlich wie selten. Eine Positionierung à la #sagfuckzumrassisus hätte vor ein paar Jahren auch eine schnelle Internetkampagne des DFB sein können, heute drückt sie eine Haltung aus, die anscheinend leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Klar ist aber auch: Ein Hashtag vertreibt keine Neonazis von den Straßen, ein klares Statement ebenfalls nicht – so wohl formuliert und klug durchdacht es auch sein mag. Selbst ein gratis Konzert vor 65.000 Menschen ist, neben seiner ungebrochenen solidarischen Wirkung, nur ein Anfang dessen, was kommen muss, um Fremdenhass und Neonazi-Ideologie wirkungsvoll entgegenzutreten. Natürlich hat Capital Bra 1,8 Millionen Follower auf seinem Instagram-Profil, die den Hashtag und das dazugehörige Bild wahrnehmen können. Ohne nachhaltiges Engagement für die Thematik geht aber selbst bei dieser Reichweite ein einfacher Hashtag schneller unter, als er aufgekommen ist.

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