"Rechtstrend darf nicht hingenommen werden" – Live From Earth sagen Red-Bull-Event ab

Das Label und Künstlerkollektiv um Yung Hurn hat seine Teilnahme am Red Bull Music Festival zurückgezogen. Auf ihr Statement hat Red Bull jetzt reagiert.

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Okt. 11 2018, 2:44pm

Foto: Screenshot via Instagram aus dem Post von @live_from_earth || imago | ZUMA Press

Das Label und Künstlerkollektiv Live From Earth (LFE), hat überraschend die Teilnahme beim Red Bull Music Festival abgesagt. LFE, dem auch Acts wie Yung Hurn, Ticklish oder die WOS-Girls angehören, sollte am Freitag in Berlin die Closing Night hosten. Jetzt haben sie auf Instagram ein langes Statement veröffentlicht, mit dem sie ihre Absage ausführlich erklären.

Hauptgrund seien demnach die Rechtspopulismus-Vorwürfe gegen Dietrich Mateschitz, Mitbegründer und Geschäftsführer von Red Bull. Da das Festival in Berlin von Red Bull finanziert werde, wolle LFE nicht teilnehmen. Man möchte keinen Konzern unterstützen, dessen CEO nichts gegen die Vorwürfe um seine Person tue.

Live From Earth hätten sich auf das Festival gefreut, andererseits sei vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage in Deutschland und vielen anderen Ländern die Entscheidung klar gewesen: "Für jeden von uns ist es selbstverständlich, dass ein aufkommender Rechtstrend nicht hingenommen werden darf."

Lest hier das ganze Statement von Live From Earth:

Der Hintergrund

Letztes Jahr gab Mateschitz ein seltenes Interview – und damit Einblick in Teile seines Weltbilds. Dabei fiel er mit zynischen Aussagen zur Asylpolitik Österreichs sowie dem "Meinungsdiktat der politisch Korrekten" auf. Außerdem sympathisiert der Multimilliardär offen mit Putin und Trump und finanziert neben seinen zwei Fußball- und Formel-1-Teams auch den fragwürdigen TV-Sender Servus TV.

Servus TV ist der private Heimatsender von Mateschitz und nicht selten ein Sprachrohr gegen liberale Medien. Bei Talk im Hangar-7, einer Diskussionssendung, wird Rechtsextremen auffallend häufig ein Forum geboten. So traten dort schon Martin Sellner, führender Akteur der Identitären Bewegung Österreich, Stefan Magnet, Autor des rechtsextremen Magazins Info Direkt, und Martin Lichtmesz, Autor des neurechten Magazins Sezession, auf.

"Wer all das weiß", schrieb DJ ReSista, eine Wiener Künstlerin, in ihrem offenem Brief 2017, "und dennoch für die Marke Red Bull auftritt, muss sich – scharf formuliert – den Vorwurf gefallen lassen, mit Propagandisten rechtsextremer Ideologien zu kollaborieren."

Wie reagieren andere auf die Absage?

Im Zuge des Music Festivals in Berlin kritisierten auch andere Künstler und Medien die Marke. Danielle de Piccioto, Künstlerin und Urgestein der Berliner Technoszene, bereut in einem Interview mit der taz, Red Bull Radio ein Interview gegeben zu haben. In einem Radiobeitrag von Deutschlandfunk Kultur wurde außerdem die zweifelhafte Imagepflege von Red Bull kritisch hinterfragt.

In den Kommentaren unter dem Instagram-Statement von LFE wird vereinzelt darüber diskutiert, ob man wirklich alles politisieren müsse, statt einfach eine "schöne Zeit" zu haben. Der Zuspruch für die Absage überwiegt allerdings deutlich.

Sogar zwei Rapper geben Kommentare ab. Von Joey Bargeld gibt es ein "Besser spät als nie", während MC Bomber ein sarkastisches "yessss! ganz stark… lass lieber bei coca cola studios aufnehm" [sic!] einwirft.

Red Bull reagierte auf Nachfrage von Noisey knapp: "Wir respektieren die Entscheidung von Live From Earth."

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