Frei.Wild schlachten den Angriff auf zwei ihrer Fans aus – in einem Mitgröhl-Musikvideo

Einen Monat nachdem zwei Männer mit Frei.Wild-Jacken in Leipzig krankenhausreif geprügelt wurden, liefert die Band den Soundtrack und (nachgestelltes) Bildmaterial dazu.

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17 November 2017, 3:19pm

Screenshots von YouTube aus dem Video "Frei.Wild - Antiwillkommen [Offizielles Video]" von Frei.Wild

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Züricher Redaktion.

Es gibt wenige Gründe, über einen neuen Frei.Wild-Song zu schreiben. Heute kommen wir aber leider nicht drumherum. Die Deutschrocker aus Südtirol verwursteln die letzte große News über sich selbst: Im Video zu ihrem neuen Song "Antiwillkommen" stellen sie einen Angriff auf zwei ihrer Fans nach. Dazu dröhnen harte Gitarren und Parolen gegen alle Feinde der Band. Oder wie es Frontmann Philipp Burger so schön singt: "[Wir] sind und bleiben unangenehm, hart an der Grenze und unbequem."

Damit spielt die Band auf folgenden Vorfall an: Am 7. Oktober wurden ein 25- und der 37-Jähriger in Leipzig angegriffen, laut Bericht der Polizei Leipzig offenbar weil sie Jacken von Frei.Wild trugen. Beide Männer wurden krankenhausreif geprügelt. Dem jüngeren Opfer wurden sogar die Frei.Wild-Tunnel rausgerissen. Frei.Wild selbst hat sich damals auf ihrer Facebook-Seite bestürzt zu dem Vorfall geäußert: "Wer sind diese vermeintlichen Nazijäger, diese Frei.Wild-Hasser, sind sie die SS von 2017? Mit Gewalt, Raub und Verfolgung gegen jeden der nicht ins eigene Weltbild passt?" Nun widmen sie eben all diesen Frei.Wild-Hassern einen Song.

Der Song-Text selbst ist typisch frei.wildisch stumpf in Vierzeiler verpackt und subversiv verkappt: "Dann bekämpft und dann gewonnen" – könnte darauf anspielen, dass die Band weiter ihr Ding macht, obwohl ihr immer wieder vorgeworfen wird, mit ihren Texten rechtspopulistische und völkische Inhalte zu transportieren. "Von oben gejagt, doch von unten gewollt" – wie die AfD mag die "elitäre Linke" Frei.Wild zwar nicht, dafür aber das einfache Volk. "Seht ihr die Saat, die hier um uns wächst? Wie sie heilt, und wenn sie will, auch verletzt?" – ein Aufruf zur Gewalt? Alles natürlich reine Interpretationssache.


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Der dazugehörige Videoclip, der den Vorfall in Leipzig in bester Akte XY… Ungelöst-Manier nachstellt, ist nicht weniger mit (un)durchsichtigen Symboliken übersät. Einer der Angreifer trägt eine Jacke der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd, die sich dem Kampf gegen Walfänger und Robbenjäger verschrieben hat. Einer kleinen Frei.Wild-Fangruppe, die sich am Ende zu einer Faust-in-die-Luft-Masse zusammentut, weht es Zeitungsseiten entgegen, später müssen sie gegen einen Wasserwerfer kämpfen – was mehr aussieht wie eine lustige Gartenparty. Etwas Produktplatzierung darf auch nicht fehlen: Die zwei Schauspieler, die die Opfer spielen, trinken aus einer recht prominent auftretenden Hugo-Flasche. Und um etwas auf die Tränendrüse zu drücken, zeigen Frei.Wild zum krönenden Abschluss noch die zwei echten Jungs, die in Leipzig verprügelt wurden.

Zur Prügel-Attacke in Leipzig gibt es bislang keine neuen Erkenntnisse. Auf Anfrage von Noisey erklärt die Staatsanwaltschaft Leipzig, dass die Ermittlungen weiterlaufen, sie jedoch keine weitere Auskunft zum Fall oder den Tätern geben kann. Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger will jedoch bereits jetzt wissen, aus welcher politischen Ecke der Angriff kam: Dem österreichischen Lokal-Portals Unser Südtirol gegenüber bezeichnet er die Täter als "linksautonome Freiheitskämpfer".

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