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Carpool Karaoke hat seine Seele verloren und auch Will Smith kann das nicht ändern

Eigentlich wollen wir nur sehen, wie James Corden zusammen mit seinen Gästen inbrünstig deren größte Hits in die Kamera schmettert. Doch statt Charme bekommen wir unnötigen Schnickschnack.

Hagen Terschueren

Es gab eine Zeit, in der jede neue Folge Carpool Karaoke schneller durchs Netz wirbelte als Spoiler von Game Of Thrones. Das Segment aus James Cordens Late Late Show war genau das, was die Leute brauchten: Leichte, herzensgute Unterhaltung, die ohne Zynismus und Bissigkeit auskam, sondern einfach nur Spaß machte. Carpool Karaoke bescherte uns die schönsten Szenen, wenn Corden und Gäste einfach im Moment gefangen waren und scheinbar vergessen hatten, dass sie vor der Kamera saßen. Zum Beispiel, wenn Adele schockiert feststellt, dass Corden auch die schwierigsten Noten trifft. Aber auch die Folge mit Elton John, in der die beiden vergnügt und kostümiert den König der Löwen-Soundtrack singen. Oder die ehrliche Rührung in Cordens Gesicht, wenn Stevie Wonder Cordens Frau am Telefon ein Ständchen singt. Carpool Karaoke bot mehr als genug Geschichten, um jede Folge zu einem neuen Ereignis zu machen.

Doch genau dieser Erfolg wurde der Sendung jetzt zum Verhängnis. Apple kaufte die Rechte an Carpool Karaoke, um das Segment der Late Late Show zu einer eigenen Serie auf Apple Music auszubauen. Und irgendwie hat dieser Druck, sich selbst tragen zu müssen, Carpool Karaoke die Seele geraubt. Und damit ist nicht mal nur gemeint, dass James Corden kein fester Moderator der Sendung mehr ist, sondern verschiedene Hosts die Prominenten durch die Gegend chauffieren. In der am Dienstag erschienenen ersten Folge sitzt nämlich ausnahmsweise noch Corden am Steuer. Eigentlich hätte das in der Kombination mit Will Smith eine der großartigsten Ausgaben bisher sein müssen. Der Fresh Prince und Gute-Laune-Bär Corden – fertig ist feinste Feelgood-Unterhaltung. Doch leider gelingt das nicht. Bereits der Trailer, der die ersten sechs Minuten der 20-minütigen Folge zeigt, macht klar, was falsch gelaufen ist.


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Statt darauf zu vertrauen, dass der Charme der Gäste reicht, haben die Produzenten auf großes Budget und noch größere Effekte gesetzt. Gleich am Anfang versammelt sich eine Big Band ums Auto, um Smith und Corden bei "Gettin' Jiggy With It" zu begleiten. Aber wer hat denn darum gebeten? Warum reicht es nicht wie bisher einfach zwei Leute im Auto zu zeigen, die die Zeit ihres Lebens haben, weil sie einfach Blödsinn machen dürfen?

Und auch die vollen 20 Minuten – die man übrigens nur zu sehen bekommt, wenn man für Apple Music zahlt – machen es nicht besser. Am Ende steigen die beiden sogar vom Auto in einen Hubschrauber um, nur damit sie "I Believe I can Fly" singen können. Der Gag ist zwar ganz lustig, aber wird dadurch ruiniert, dass die Soundqualität in einem Hubschrauber einfach unterirdisch ist.

Das heißt nicht, dass es nicht auch gute Momente gibt. Niemand kann sich ein Grinsen verkneifen, wenn "Fresh Prince of Bel Air" angestimmt wird. Und auch als Will Smith davon erzählt, dass die "Ihr könnt über alles mit mir reden"-Regel mit seinen Kindern an die Grenzen stößt, wenn die 16-jährige Tochter über Dinge reden möchte, über die 16-jährige Töchter halt reden wollen, blitzt der alte Charme der Sendung wieder durch.

Alles in allem wäre Nelly Furtado als Gast trotzdem passender gewesen, dann hätten sie "All Good Things Come To an End" singen können. Denn leider hat Carpool Karaoke mit dem Wechsel zu Apple Music nicht nur James Corden, sondern auch seine Seele verloren.

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