Die 10 besten Musikvideos der Welt 2017

Von Tommy Cash über Cro zu OK Kid: Diese Videos haben 2017 so viel schöner gemacht. Und weirder. Und trauriger. Aber vor allem schöner!

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12 Dezember 2017, 2:32pm

Screenshot von YouTube aus dem Video "TOMMY CASH - SURF (OFFICIAL VIDEO) von TOMMY CASH

Wir lieben Musikvideos. Sie sind nicht nur hübsch anzusehen, verleihen einem Song oft eine völlig neue Perspektive und Wirkungskraft, sondern sind außerdem ein Hoffnungsträger in der von Rückschlägen gebeutelten Musikbranche. "Streaming ist der Untergang der Musikindustrie" krähen die einen, "Jeder talentlose Vollidiot hat heutzutage einen Hit" schreien die anderen und "Denkt nicht einer auch nur ein einziges Mal an die Kinder?" tippt irgendeine aufgewühlte Sekretärin in die Kommentarspalte bei YouTube. Aber bei Musikvideos sind sich (fast) alle ausnahmsweise einig: Die werden tendenziell eher immer besser als schlechter.

Ergo fiel es uns wirklich schwer, uns auf zehn Lieblingsvideos des Jahres zu beschränken. Zu groß ist die Auswahl, zu unterschiedlich die Geschmäcker und zu kurz die Konzentrationsspanne. Also präsentieren wir euch hier eine Auswahl unserer videographischen Highlights, über die wir in diesem Jahr bereits berichtet hatten und die ihr euch unbedingt nochmal ansehen solltet.

Tommy Cash – "Surf"

Unverwechselbare, weirde Tommy Cash-Ästhetik in Ton und Bild. Wer hat alles damals bei Austin Powers über die doppeldeutigen Namen der Damen und die Szenen gelacht, in denen Austin und seine Gespielinnen nackt herumliefen, aber stets irgendeinen Gegenstand zufällig die interessanten Stellen verdeckt hat? Für diejenigen wird das neue Video von Tommy Cash ein wahre Wohltat sein. Und für alle anderen, die mit gutem Gewissen Sexvideos am Arbeitsplatz ansehen, wollen auch.

Trettmann – "Grauer Beton live bei Jan Böhmermann"

Trettmanns "Grauer Beton" hat zwar auch ein offizielles, sehr hübsches Musikvideo, dennoch haben wir uns für unser Jahres-Ranking für die Live-Version bei Jan Böhmermann entschieden. Warum? Weil es überraschend anders war und komplett aus dem Rahmen fiel, in den Musik-Performances auf TV-Show-Bühnen seit hundert Jahren gezwängt werden. Der Effekt: Künstler und Song stehen komplett im Zentrum der Aufmerksamkeit, anstatt nur hübsche Show-Deko mit Musik zu sein. Inspirierend.

Arca – "Reverie"

Arcas "Reverie" mutet sowohl musikalisch, als auch visuell wie eine brachiale, moderne Oper an, die viel Platz für Interpretationsansätze lässt. Wir haben: einen modernen Faun, der in einer Torrerojacke und Netzstrümpfen aus dem Anus blutet, sich im Rosenblätterregen windet und schließlich verendet. Dazwischen taucht noch ein Horn auf, das aber auch ein Faunpenis sein könnte – wir sind da nicht so bewandert. Ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung, was hier passiert, aber wir haben das Gefühl, dass alles sehr deep ist. Und wunderschön.

Rapkreation – "Lauf"

Egal ob Psycho-, Realkeeper oder Habibi-Rap – Rapkreation überzeugen mit verlässlicher Qualität und eigenem Stil, ohne sich zu wiederholen. Das gilt auch für ihre Musikvideos. Damit schaffen sie es, sich im hektischen Wo-ist-Walter-Treiben der deutschen Rapszene dennoch abzuheben. Und das sogar in kompletter schwarz-weißem Outfit.

FJØRT – "Lebewohl"

Wir bei Noisey sind ja bekanntermaßen eisenharte Typen und Mädels. Unsere Handtücher bestehen aus Stahlwolle, unsere Zahnseide aus Stacheldraht und das einzige Gefühl, das ein Video von süßen Hundwelpen in uns auslöst, ist Hunger auf zartes Babyfleisch. Aber das Video zu "Lebewohl" von FJØRT hat uns zum Heulen gebracht – und das vor all unseren Kollegen! Trauer in all seiner sinnesübergreifenden Perfektion. Und dadurch wunderschön und erschreckend ergreifend.


Noisey-Video: "Hinter den Kulissen von Young Thugs 'Wyclef Jean'"


Cro – "Baum"

Der Raoper heizt ohne Maske aber mit Hut im DeLorean eine Landebahn entlang und baut einen Unfall. Immer und immer wieder, Zeitschleifen-Modus. Dazwischen epileptisches Schnittgewitter, Cro blickt auf seinen kometenhaften Aufstieg zurück, auf gefüllte Hallen und die Leere über den Wolken, lässt nebenbei den Teenie-Pop-Sound zurück und zeigt sich musikalisch von einer komplett neuen Seite. Mussten wir damals mehrmals gucken, weil wir nicht fassen konnten, dass uns Cro in Sachen Originalität wirklich derart überraschen konnte.

SZA – Supermodel

Neben "Love Galore" war "Supermodel" ein weiteres großartiges Video aus SZAs diesjährigem Debütalbum Ctrl. Denn es zeigt, wie herrlich SZA Gegensätzliches verbindet und das gleichzeitig so leicht klingen lässt: Zerbrechlichkeit und Stärke, Stolz und Demütigung, Elfenkönigin und Rächerin – wenn ihr SZA seid, könnt ihr alles sein. Und wir alle wollen ein bisschen sein wie SZA.

OK Kid – "Warten auf den starken Mann"

Bereits vor der Bundestagswahl in diesem Jahr besangen OK Kid in "Warten auf den starken Mann" ihre düstere Vorahnung, die sich schließlich bestätigten sollte: Der Einzug der AfD in den Bundestag. Zeilen wie "Es fing an mit Montagsdemo, dann kam Petry, dann kam Heil" zeigen deutlich, wer sich von diesem Song angesprochen fühlen darf. Die Härte des Textes spiegelt sich umso mehr im Video wider und wir starren mit einem verflucht miesen Gefühl auf den Bildschirm.

Big Shaq – "Man's Not Hot"

Mit dem Release des offiziellen Videos zum "Man's Not Hot" hat Big Shaq nicht nur dem ultimativen Viralhit des Jahres ein (offizielles) Gesicht geschenkt, sondern eventuell das erste Musikvideo veröffentlicht, unter dem wir bis jetzt nicht einen einzigen bösen Kommentar finden konnten. Allein deswegen gehört es zu den besten des Jahres, #positivity.

Audio88 – "Ab nach Hause"

Ein Frühstückstisch wie aus dem Ikea-Katalog, der fast volljährige Sohn trinkt immer noch Kaba und die Eltern füttern sich frischverliebt mit Trauben. Da stört es nicht weiter, dass die Tochter als Wasserleiche auf dem Tisch liegt – nichts kann die schrecklich schöne Spießbürger-Idylle zerstören. Was nicht passt, wird einfach ignoriert. Audio88 hat solchen Leuten nur eins zu sagen: "Ich hoffe, du ersäufst da!" Und mit ihnen ihre Autoschlüssel, deutschen Reisepässe und iPhones. Vorbildlich.

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