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Eine Liste der besten Songs, die im Knast entstanden sind

Meistens sind Häftlingen die Hände gebunden, was ihr kreatives Schaffen im Knast angeht. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht auch hinter Gittern mit großartiger Musik versorgen.

Einer der wenigen Vorteile, den man als Gefangener in einer Strafanstalt genießt ist: Zeit. Jede Menge Freizeit. Es liegt jetzt natürlich am jeweiligen Menschen, was er mit dieser Zeit anfängt. Man kann einen neuen Beruf erlernen, an der lang ersehnten und dennoch nie erreichten Bikinifigur arbeiten oder, gesetzt den Fall, dass man ein ambitionierter Musiker ist: Musik machen.

Natürlich sind die Bedingungen, unter denen man im Gefängnis Musik produzieren kann, recht beschränkt. So wie eigentlich alles, was man im Knast so macht. Zwar existieren Gefängnisse, die die Möglichkeit bieten, Musik aufzunehmen (wie im Falle von Vybz Kartel), jedoch ist dies selten der Fall. Meistens sind dem Häftling die Hände gebunden, was sein kreatives Schaffen im Knast angeht. Und auch sonstiges Schaffen dort. Aber das bedeutet lange nicht, das es einige nicht probieren würden.

Auch wenn die akkustische Qualität der Songs oft zu wünschen übrig lässt (aber hey: Macht das mal besser, wenn ihr nichts weiter als ein räudiges Handy als Aufnahmegerät habt, in das im besten Fall auch noch flüstern muss), wurde in den Gefängnissen dieser Welt einiges an Musik geschrieben und erschaffen, die gerade durch ihren roughen Sound ziemlich drückt, wie die Handschellen an den Händen ihrer Urheber.


Gzuz: Ohne Titel

Wie uns dieser Track, den Gzuz damals in Untersuchungshaft aufnahm beweist, funktioniert die bassige Stimme des Hamburgers als kratzige Handyaufnahme ebenso gut, wie auf den glockenklar produzierten Hits seit seiner Entlassung 2013. Mehr sogar: der Effekt, den die Soundqualität auf Gzuz Stimme hat, lässt ihn wie einen wütenden Demogogen mit Megaphon klingen, der auf einem Laster stehend seine Ansage in die Welt scheppert. Haftschaden hin oder her: Wir hätten gerne mehr Knast-Songs von Gzuz gehabt.


Gucci Mane: Burrprint 2HD Intro

Gucci Mane feierte erst Ende Mai seine Haftentlassung und hat während seiner zahlreichen Aufenthalte in Strafanstalen sowohl an seiner Bikiniigur, als auch an Musik gearbeitet. Das Intro zu seinem gefeierten Mixtape aus dem Jahr 2010 Burrprint 2 HD nahm er in seiner Zelle via Handy auf und auch hier muss man sagen: Das Rauschen der Tonaufnahme verleiht dem Song den Flavour, der das Intro überhaupt erst so gut macht.


Xatar: Interpol.com

Xatar: die große Märchenfigur des deutschen Rap. Echter Gangster, geschmeidiger Don und Vollblutmusiker—Xatar verkörpert vermutlich alles, was für Ghettoromantik steht. So saß er während seiner Haftstrafe für den berüchtigten Goldraub natürlich nicht tatenlos im stillen Kämmerchen bzw. Zellchen rum, sondern telefonierte mit einem eingeschleusten Handy wild herum, regelte so Geschäfte, hielt sich auf dem Laufenden, was in der HipHop-Szene abging und kreierte natürlich nicht zuletzt Musik. So soll sein komplettes Album 415 während seiner Haftstrafe entstanden sein, das sich mehr als sehen lassen kann.


Lil Wayne: Light Up

Zugegeben: Lil Waynes Handygequatsche kommt nicht ganz so gut, wie bei den vorher Erwähnten, ABER: die Tatsache, dass der Part einfach auf einem von Drakes größten Hits gepackt wurde, wertet den Coolnessfaktor der schäbig klingeneden Tonspur auf jeden Fall auf.


LX: Optimal

Wenn man kleinkariert sein möchte, hat LX seinen Part auf „Optimal“ nicht direkt im Knast aufgenommen, sondern während seines Freigangs. Theoretisch ist das aber immer noch während seiner Haftstrafe, also zählt das wie wir finden. Vielleicht hat er den Text ja auch in der Zelle geschrieben (an dieser Stelle freuen wir uns über eine klärende Antwort von LX, falls er das liest). In dem Fall kann man mit Sicherheit behaupten, dass der Song im Knast entstanden ist. Wie dem auch sei: sein Part ist großartig. Bitte bau keinen Scheiß mehr LX und mach mehr Musik, danke.


Rick James: So Soft So Wet

Rick James ist ein alter Schwerenöter. Das bemerkte man vor allem während seiner einjährigen Haftstrafe und somit dem längsten Zeitraum, den er jemals keinen Kontakt zu Frauen hatte. Hört man.