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Wer zur Hölle hört in Russland eigentlich Cro?

Scheinbar hat Cro in Russland genug Fans, um riesige Hallen zu füllen. Wir haben es mit eigenen Augen gesehen.

Cro spielt Konzerte in Russland. Kennt man den hier überhaupt? Gehen da tatsächlich Menschen hin? Verstehen Russen Rap in einer ihnen eher unbekannten Sprache? Nur weil es in Russland die US-kritischen Rammstein, Eckstein Eckstein-Oomph! oder die in Krasnojarsk geborene Helene Fischer zu Popularität gebracht haben, heißt das noch lange nicht, dass der russische Durchschnittsbürger auch für Raps zwischen Supreme-Caps und VIO.VIO-Hoodies empfänglich ist.

Das Konzert findet im St. Petersburger Glaav-Club statt, der sich in einem kommunistischen Beton-Block befindet, auf dem in kyrillischen Lettern „Hof der Jugend“ steht. Es scheint das Petersburger Mekka für modernen HipHop zu sein, denn auch Yelawolf und Tyler, The Creator werden hier noch dieses Jahr auftreten. Vor dem Eingang stehen bereits vorwiegend junge Menschen. Sie sprechen in verschiedenen Sprachen, man hört Deutsch, Englisch und Russisch.

Als Cro dann ans Mikrofon steppt und die Zuschauer mit einem „St. Peeeeeeeeeeeeeetersburg, Kak Diela?“ (zu Deutsch: Wie geht’s?) begrüßt, kreischen alle kollektiv los. Es ertönt das „I can feel it“-Intro, Cro stellt ersma' klar: „Direkt auf die Eins gechartet, letztes Album zwei Mal Platin, Echo? Bambi? Scheisse, Wahnsinn, egal welchen Preis, ich hab ihn“. Die gehen zwar Bananen und Schinken jetzt, aber verstehen das doch alles gar nicht, denke ich mir.

Eigentlich sollte er im Rahmen des Jahres der Deutsche Sprache und Literatur nach Russland reisen, doch dann kam die Ukraine-Krise dazwischen, und so spielte er jetzt erst zwei Nachholkonzerte in Moskau und St. Petersburg. Der Rahmen seines Besuches wird mit jedem gespielten Song ersichtlicher: Fans verstehen entweder Deutsch und können ganze Liedtexte oder sie können kein Deutsch, aber rappen trotzdem mit. Es sind nicht nur zufällige Konzertbesucher vor Ort, sondern viele Deutschlandinteressierte, die gezielt gekommen sind, weil sie die deutsche Musiklandschaft verfolgen.

Gegen Ende des Konzerts wird vier Mal Konfetti in die Luft geballert, „Easy“ wird als Zugabe gespielt. Egal ob Teenager, Mittzwanziger oder Elternteil, egal ob Russe, Engländer oder Deutscher—alle tanzen sich in Rage, reißen Arme in die Luft, springen auf und ab. Als ich den Glaav-Club verlassen, frage ich mich: Wer sind die Menschen, die Cro in Russland feiern? Gibt es auch hier eine lokale #GandaPang? Instagram-Accounts, die sich „inlovewiththecrocroo“, „x.pandabaer.x“ oder „psaikoderdino“ nennen und jedes Foto von Carlo mit *___* kommentieren?

Der Versuch einer Zielgruppenerfassung in Russland:


Emily, Anne und Rose (alle Anfang 20)

Noisey: Woher kommt ihr?
Emily: Wir sind aus London, England.

Und was zur Hölle macht ihr in St. Petersburg?
Anne: Wir studieren hier Russisch und lernen die Sprache.

Warum seid ihr dann auf einem deutschen Rapkonzert?
Rose: Naja, es ist das erste Konzert auf Deutsch, das wir besuchen. Ich bin auf ihn durchs Internet aufmerksam geworden und mochte die Videos. Dann hab ich meine beiden Mädels hierhin mitgeschleppt.

Welche Videos waren das denn? Gibt es Songs, die ihr besonders mögt?

Rose: „Einmal um die Welt“ ist super und bei „Whatever“ fand ich das Video fett.

Wisst ihr, dass Cro in Deutschland ein riesiger Popstar ist?
Emily: Nein. Ist das wirklich so? Ich hab ihn gestern auf Twitter gefunden. Ich glaube, dass das doch tendenziell Musik ist, die insbesondere von Teenagern in Deutschland gehört wird, oder?


Thomas und Mascha (22 und 23)

Ihr sprecht Deutsch, was macht Ihr hier?
Thomas:
Wir studieren Economics in St. Petersburg im Austauschprogramm und fanden, dass Cro coole Mucke macht, also haben wir uns Karten gekauft.

Wart ihr schon mal auf einem Konzert in Deutschland?
Thomas:
Ja, ich war in Stuttgart und Berlin. Dort sind noch mehr Menschen vor Ort als hier, auch viel mehr junge Mädels. Hier ist es ja eher gemischt, auch wenn natürlich Teenager-Girls immer einen gewissen Anteil ausmachen.

Und wie unterscheiden sich die Konzerte? Meint ihr, die Zuschauer waren in der Lage, das heute zu verstehen?
Thomas:
Ja, auf jeden Fall. Die haben connectet und sind echt gut mitgegangen. Wir haben nicht erwartet, dass Cro das Publikum auch in Russland so sehr mitreißen kann.


Kyrill, Daniel, Lena (alle 17)

Hattet ihr Spaß beim Konzert?
Kyrill:
Alter, das war so unfassbar, richtig cool, und ich kannte den vorher nicht mal.

Was hat dir denn besonders gefallen?
Kyrill:
Der Sound war richtig fett, die Atmosphäre unter den Fans ebenfalls. Und er hatte sehr viel Energie auf der Bühne, hat viel mit den Fans interagiert.

Was ist mit euch? Kanntet ihr Cro?
Daniel:
Ja, wir hören den schon drei Jahre und haben unseren Freund mitgebracht. Wir gehen gemeinsam auf die gleiche Schule, deshalb bekam er es sofort mit, als wir begannen, Cros Musik zu feiern. Wir freuen uns, dass es ihm so gut gefallen hat.

Und was sind eure Lieblingslieder?
Lena:
„Traum“, „Hi Kids“ und „Easy“. Das kann ich sogar ein wenig mitrappen, obwohl ich kein Deutsch spreche.


Maria, Evelina, Wanja, Inessa (17 und 18)

Was habt ihr in der Hand? Ist das die Setlist?
Maria:
Ja, wir haben sie bekommen! Genauso wie die leere Flasche und das Gitarrenplug des Gitarristen.

Wie seid ihr auf Cro aufmerksam geworden?
Evelina:
Ich reise eigentlich jedes Jahr nach Deutschland. Dort habe ich natürlich den Hype um seine Person mitbekommen—und anschließend all meine Freunde damit angesteckt.

Sprecht ihr alle Deutsch?
Wanja:
Nein, ich spreche nur Englisch, aber trotzdem mag ich den Style und die Maske. Ich denke, das ist fast wichtiger als das Verstehen von genauen Wortbedeutungen.

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