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Bushido ist leider nicht Jay-Z

Dafür fehlt ihm die Lässigkeit. Denn Bushido ist alles andere als selbstironisch.

Vielleicht erinnern sich noch welche daran: Bushido war mal der Größte. Also auch musikalisch. Mit Vom Bordstein zur Skyline und Electro Ghetto nahm er kurz mal ganz Rapdeutschland auseinander. Er war der Torch der Eastpak-Generation. Er hatte alles: Charisma, Kredibilität und Aussehen. Bis heute ist Anis Ferchichi in der öffentlichen Wahrnehmung Deutschlands Gangstarapper Nummer eins geblieben, obwohl er mittlerweile das Leben eines Spießbürgers führt, mit Immobilienfirma und Villa in Kleinmachnow. Ganz so scheint das Saubermannimage dann aber doch nicht zu stimmen.

Gestern ist rausgekommen, dass die Staatsanwaltschaft Berlin ihn wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und wegen Insolvenzverschleppung verklagt. Ihm drohen fünf Jahre Haft. Nun, das ist in der Tat schon beindruckend (cool). Sollte er verurteilt werden, wäre er in einer Gesellschaft mit Herren wie Dutch Schulz und Al Capone. In der Gangster-Vita sieht das besser aus als ein Auslandssemester in Berkeley. Dagegen hadern alle anderen deutschen Straßenrapper (außer Goldfinger Xatar) mit ihrer Glaubwürdigkeit.

Doch Bushido hat ein Problem: Er wird respektiert und gehasst, aber er ist nicht cool. Er würde gerne den Elder Statesman geben, ein Geschäftsmann von der Straße sein, der im Ocakbasi genauso mitreden kann wie beim Banquet. Er möchte als schlauer Kanacke angesehen werden, weil er bei Kerner ein paar zusammenhangslose Nebensätze aneinanderreiht. Er liebt den Auftritt in der Öffentlichkeit, die Bambidiskussion um ihn. Kurz: Er möchte wie Jay-Z sein. Doch der Hova hat etwas, was Bushido nicht hat: Lässigkeit. Bushido ist frei von jeder Selbstironie. Er geht auf jede kleine Anfeindung ein, reißt alle Brücken hinter sich nieder (mittlerweile ist er der einzig verbliebene Künstler auf seinem Label „ersguterjunge“) und agiert so gar nicht weltmännisch. Besonders in seiner Musik merkt man das. Bei einer Kollabo mit Sido hoffte man auf ein deutsches Watch The Throne, auf mondäne Supermachtsfantasien. Was bekam man? Eine verschissene Eule. Und ein sehr unkomisches Album. Vielleicht sollte Bushido jemand sagen, dass man, wenn man der Größte ist, buchstäblich über allem steht. Vielleicht merkt man so was erst, wenn man nicht mehr ganz oben ist.

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