"Widerlich" – Menschenrechtler greifen David Guetta nach Auftritt in Saudi-Arabien an

Während die westliche Welt Sanktionen gegen Saudi-Arabien ausspricht, remixt David Guetta eine Hymne auf den König.

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17 Dezember 2018, 3:30pm

Foto: imago | PA Images

Was zur Hölle geht eigentlich mit den Star-DJs? Erst fordert Martin Solveig im Live-TV die Fussballerin des Jahres zum Twerken auf. Jetzt steht David Guetta in der Kritik von Menschenrechtlern und Menschenrechtlerinnen, weil er in Saudi-Arabien ein Set spielte. Zu Recht.

Guetta trat am Samstag im Rahmen des ersten Formel-E-Rennens in Diriyya auf, nahe der saudischen Hauptstadt Riad. Neben ihm standen auch Enrique Iglesias und die Black Eyed Peas auf der Bühne. Doch Guetta leierte nicht einfach nur sein Standard-Set herunter: Er hatte extra ein paar Remixes von saudischer Musik vorbereitet – darunter eine Hymne auf den saudischen König Salman.

Damit lockt der Franzose ausnahmsweise nicht Verteidiger des guten Musikgeschmacks aus ihren Löchern, sondern Verteidiger von Menschenrechten. Die bahrainische Menschenrechtlerin Maryam Alkhawaja etwa schreibt auf Twitter, dass David Guettas Auftritt und Remix "widerlich" seien: "Führende Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen sind inhaftiert und uns liegen Berichte vor, dass sie gefoltert werden."


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Auch im Vorfeld hagelte es Kritik für Guetta und Co. Der Vorsitzende der Human Rights Foundation Garry Kasparov sagte in einem auf der Homepage veröffentlichten Statement: "Es ist empörend, dass diese Künstler sich auf Geschäfte mit dem mörderischen Regime des Kronprinzen Mohammed bin Salman einlassen." Dies sei heuchlerisch und würde die Künstler ihre Kredibilität und ihren Ruf kosten.

Die Vorwürfe sind nicht unbegründet: Saudi-Arabien wird im jährlichen Bericht der NGO Freedom House als eines der repressivsten Länder der Welt eingestuft. Zwar ist der Kronprinz Mohammed bin Salman bemüht, durch Kooperationen mit der Formel E oder WWE seine autokratische Nation in ein positives Licht zu rücken. Doch die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Ahmad Khashoggi zeigte der Welt im Oktober, wie in Saudi-Arabien mit Meinungsfreiheit und Menschenrechten umgegangen wird.

Der US-Senat machte den Kronprinzen für den Mord an Jamal Ahmad Khashoggi verantwortlich und will die militärische Hilfe an Saudi-Arabien beenden. Auch die deutsche Bundesregierung verhängte im November Einreisesperren und Sanktionen gegen die Saudis. Nur an Guetta scheint da was vorbeigegangen zu sein.

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