Die 5 großen WTFs und Überraschungen der ECHO-Nominierungen

Und wir dachten, der spießige ECHO kann uns nicht mehr schocken.

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09 März 2018, 3:32pm

Fotos: imago/Future Image | Screenshot via YouTube aus dem Video "SpongeBOZZ - Yellow Bar Mitzvah" von SpongeBozzTV

Am 12. April 2018 klopft sich die deutsche Musikindustrie wieder selbst auf die Schulter. Beim ECHO werden Sektgläser zum Klirren gebracht, schallend über okaye Witze des Gegenübers gelacht und sicher auch Deals am Büffet gemacht. Ach so, Preise werden da auch verliehen. Ist ja nicht umsonst der größte Musikpreis Deutschlands. Also waren wir doch ein bisschen aufgeregt, als jetzt die Nominierten für den ECHO 2018 veröffentlicht wurden.

Gekürt werden die jeweils fünf erfolgreichsten Künstler und Bands ind en 16 Kategorien. Über die Preise entscheidet einerseits der Charterfolg und andererseits eine Fachjury in geheimer Wahl. Es gewinnt also nicht mehr allein, wer das Meiste verkauft, sondern auch die Jury überzeugt. Und das macht die Sache dann doch wieder ein bisschen spannender. Als wir uns mit frischer ECHO-Euphorie die Nominierten anschauten, entfuhr uns jedoch ein paar Mal ein lautes "WTF!?".

1. Kollegahs und Farid Bangs JBG3 ist als "Album des Jahres" nominiert

2014 hatte Kollegah einen Rekord von Helene Fischer gebrochen. Sie hatte in der ersten Woche 150.000 Alben verkauft, er das laut eigener Aussage mit King noch übertroffen. Jetzt stehen sie sich wieder gegenüber, im Kampf darum, wer das bessere Album hat. Diesmal hat er zwar Unterstützung von Farid Bang, aber mit JBG3 ein Album, das ziemlich problematisch ist. YouTuber-Prank-Humor trifft auf Ressentiments, während auf der anderen Seite Helene Fischer strahlend von einer heilen Welt singt. Einen stärkeren Kontrast kann es kaum geben. Einen eindeutigeren Gewinner aber auch nicht: Das Album Helene Fischer hat sich allein in Deutschland schon über eine Million Mal verkauft. Dass überhaupt ein derart hartes Rapalbum neben der Kelly Family, Ed Sheeran und den Toten Hosen nominiert ist, ist dennoch beachtlich.


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2. Julia Engelmann ist als "Künstlerin Pop National" nominiert

Julia Engelmann, das personifizierte Wandtattoo, ist ECHO-Nominierte. Das könnte uns egal sein, aber angesichts der Fassungslosigkeit, die ihr Album bei uns ausgelöst hat, können wir einfach nicht glauben, dass so viele Leute das Ding gekauft und gestreamt haben. Wir haben es schon einmal gesagt, aber wir müssen es wirklich noch mal sagen: Wir hassen unsere Generation.

3. SpongeBOZZ ist bei "HipHop National" nominiert

Der Rapper Sun Diego hat es also wirklich geschafft, mit seiner Schwamm-Kostüm-Nummer und dem SpongeBOZZ-Outing 2017 in die Nominierten des ECHOs zu rutschen. Was als Witz begann, wurde zu einer gelben Lawine, die sich von YouTube aus ihren Weg in Elektrofachmärkte und sogar in Buchläden gebahnt hat. Dass sich ein bitterer Strom so hartnäckig nach oben kämpft, kennen wir sonst nur von einer Flasche Jägermeister. Internetbattle-Kultur komplett durchgespielt.

4. DJ Khaled und French Montana sollen "Newcomer international" sein

2006 hat DJ Khaled sein erstes Album veröffentlicht und landete direkt auf Platz eins der amerikanischen Independent-Charts und auf Platz 12 der Album-Charts. Es folgten Alben im fast jährlichen Takt, Songs mit Drake, Usher, Lil Wayne und sonstigen Hochkarätern der US-Szene und unzählige Awards. French Montana releast seit 2009 Musik, 2012 veröffentlichte er seine erste Single, die in den USA mit Platin ausgezeichnet wurde. Beide sind also schon lange bekannte Player im Musikbusiness, aber für den deutschen ECHO trotzdem noch internationale Newcomer.

Drängt sich die Frage auf, nach welchen Kriterien das Komitee Künstler in Newcomer einteilt? Es könnte damit zu tun haben, dass sowohl DJ Khaled als auch French Montana erst 2017 Songs und Alben in den deutschen Charts platzieren konnten. Ergibt trotzdem überhaupt keinen Sinn, wird sich auch Luis Fonsi denken, der ebenfalls "Newcomer" sein soll und schon seit 20 Jahren Alben veröffentlicht.

5. Kein Frei.Wild!

Wir haben uns fast am Kaffee verschluckt: Dieses Jahr kommt der ECHO tatsächlich ohne Frei.Wild aus! Das erste Mal seit 2012 sind die Südtiroler weder in der irreführenden Kategorie "Rock national" noch "Musik-DVD/Blue-Ray national" nominiert. Das liegt aber nicht daran, dass der ECHO nichts mit den umstrittenen Deutschrockern zu tun haben will. Die haben schlichtweg seit 2016 nichts mehr veröffentlicht. Nächstes Jahr ist dann aber höchstwahrscheinlich leider wieder alles beim Alten, immerhin erscheint schon Mitte März ein neues Frei.Wild-Album.

Hier findet ihr nochmal die Liste aller Nominierten.

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