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Es ist 2018 und aus irgendeinem Grund wird der Crazy Frog über 1 Million Mal am Tag angehört

Am 11. Februar knackte er die Milliarden-Marke bei YouTube. Warum erlebt der Klingelton-Albtraum aus den Nullerjahren gerade ein Comeback? Und wer verdient eigentlich das ganze Geld damit? Eine Doku erklärt das Unfassbare.

Nina Damsch

Screenshot von YouTube aus dem Video "Crazy Frog - The Not So Crazy Frog [Documentary]" von CrazyFrogVEVO

Insgesamt gibt es 100 Videos auf YouTube, die bereits eine Milliarde Views generieren konnten (Stand 13. Februar 2018). 99 davon sind Musikvideos und wiederum eines davon ist "Axel F" von Crazy Frog. Auch bekannt als das Phämonen, dass uns MTV kaputt gemacht hat (danke nochmal, Jamba!).

In den Nullerjahren war der blasse Frosch ohne Hose allgegenwärtig. Im Fernsehen, im Radio, in der Werbung und sogar in der verdammten Zeitung. Alles, was nicht bei Drei auf einem unsichtbaren Moped saß, versuchte ein paar Kröten aus der Computer-Animation zu pressen. Was dazu führte, dass jeder den Crazy Frog hasste. Und mit "jeder" meinen wir alle, die bei klarem Verstand und alt genug waren, um zu wissen, dass man keinen Sand essen sollte. Doch dann wurden Handys zu Smartphones, digitale Musik immer zugänglicher und der Frosch verschwand langsam aus den Klingelton-Mediatheken, dem Fernsehen und Radio. Dachten wir zumindest.

Seit 2015 erlebt der Crazy Frog jedoch ein Comeback auf YouTube – bisher glücklicherweise von uns größtenteils unbemerkt. Die täglichen Views stiegen stetig an, bis der Mix aus Beverly Hills Cop-Anthem mit bescheuerten Motor-Adlibs im Jahr 2017 ganze 1,6 Millionen Mal am Tag geklickt wurde. Das ist so viel, wie Gzuz' "Was hast du gedacht" in den ersten beiden Tagen nach seinem Release einstreichen konnte.

Nur, dass beim Crazy Frog diese Zahlen sogar noch rasant ansteigen. Im Januar wurde der wohl nervigste Ohrwurm der Nullerjahre Jahre durchschnittlich knapp drei Millionen Mal am Tag geklickt. Drei. Millionen. Mal. Wen Donald Trump als mächtigster Mann der Welt und Waschmittel-fressende Teenager noch nicht vom Untergang unserer Zivilisation überzeugen konnte, dann vielleicht das.

Quelle: YouTube Trends

Wie YouTube Trends angibt, soll der Erfolg vor allem einer gewissen Personengruppe in die Schuhe zu schieben sein: Kindern. Dank der "YouTube Kids" App, die im vergangenen Jahr auch in Deutschland und Österreich gelauncht wurde, wird der Crazy Frog weltweit den jungen, unvoreingenommenen Geistern in die Köppe gehämmert, die dann anscheinend nicht mehr aufhören können, sich den Mist wieder und wieder anzuhören. Sie wissen es ja nicht besser.

Bleibt die Frage: Wer ist – außer den Kindern – für das alles verantwortlich? Und schämen die sich eigentlich nicht? Eine Doku, die schon im Dezember letzten Jahres auf YouTube gestellt wurde, versucht, diese Fragen zu beantworten und das Phänomen Crazy Frog zu erklären. Die Hauptverantwortlichen sind demnach ein gewisser Daniel Malmedahl, von dem die Adlibs stammen, Erik Wernquist, der die Figur des Crazy Frogs, ursprünglich "The Annoying Thing" animierte und der deutsche Produzent Reinhard "Voodoo" Raiht.


VICE-Video: "Wir waren beim ersten 'Flat Earth'-Treffen der Welt


Außerdem erfahren wir, dass der Frosch in den vergangenen Jahren tatsächlich drei Alben und sieben Musikvideos (!) herausgebracht hat. Und die müssen ja irgendwie erfolgreich gewesen sein, sonst hätte man nach dem ersten Album aufgehört. Außerdem wird ein Crazy Frog-Spiel und eine Fernsehserie auf uns zukommen – unweigerlich. Denn wir können nicht verhindern, dass fremde Kinder eines Tages unsere Kinder auf dem Schulhof gegen unseren Willen damit infizieren werden. Aber es gibt dennoch einen Mann, der uns noch mehr leid tut als wir selbst: Erik Wernquist.

Er erweckt im Laufe der Doku immer mehr den Eindruck, am meisten unter seinem Werk zu leiden. Schließlich erklärt er mit toten Augen, dass er hoffe, der Crazy Frog werde nicht das sein, was von ihm auf dieser Welt verbleiben wird. Wir sind fast versöhnt. Mit ihm, mit der Welt, mit dem Crazy Frog. Also schnell den Laptop zumachen, denn solche Gefühle halten meist nie lange an.

Seht euch aber hier zuerst noch die Doku an und fühlt euch ein bisschen besser, dass es kein Jamba und keinen "Handy-Nackt-Scanner" mehr gibt. Früher war eben doch nicht alles besser.

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