Das erste Date mit ... Farid Bang

„Mach mal lieber Krafttraining! Wenn du sportlich was machen willst, bevor du dich abmagerst und dann da hinten anstatt 'nen Arsch so Rücken mit Ritze hast.“ —Farid Bang

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27 Mai 2016, 12:00pm

In unserer Reihe „Das erste Date mit …“ gehen wir mit Musikern auf ein erstes Date, um ihnen möglichst unangenehme Fragen zu stellen, die man bei einem ersten Date so abfrühstückt, und ihnen eine Chance zu geben, sich möglichst von der besten Seite zu zeigen—genau wie bei einem ersten Date.

Wer Farid Bangs Einstellung gegenüber Geschlechterrollen für antiquiert oder chauvinistisch hält, der liegt weit daneben. Das Gegenteil ist der Fall. Ich weiß wovon ich rede, denn schließlich hatte ich ein Date mit ihm. Und tatsächlich gab Farid dabei sehr wenig auf konventionelle Date-Regeln, wie sich von Anfang bis Ende herausstellen sollte. So war ich es, die den Herrn abholte und auch wieder am Flughafen absetzte—stilecht in einer schwarzen Stretchlimousine. Auch wenn es mir anfangs peinlich war, weiß ich jetzt, dass Stretchlimousinen tatsächlich das einzig akzeptable Fahrbewegungsmittel in Berlin sind und außerdem der perfekte Ort, ein Date auszutragen. Vor allem mit Farid Bang.

So schlürften wir (aka. ich) Sekt, sahen uns die Sehenswürdigkeiten Berlins an und versuchten, die zugegeben recht prollige, blinkende Junggesellenabschieds-Atmosphäre so romantisch wie möglich zu gestalten. Eines ist sicher: Farids Rap ist stumpf, unser Date war es nicht. Am Ende gab es sogar nackte Haut!

Noisey: Bist du schon mal mit sowas gefahren?
Farid Bang: Natürlich. Sehr oft.

Eigentlich hätte man noch eine Stripperin dazu buchen können.
Du bist auf jeden Fall ein besseres Date als eine Stripperin.

Danke. Wie kommt das denn auch bei einem Date! Du sollst ja nicht abgelenkt sein.
Heute ist eh nichts mehr mit mir anzufangen, was Stripperinnen angeht.

Nur heute oder generell?
Ach, ich bin ein entspannter Typ.

Das könnte jetzt in alle möglichen Richtungen interpretiert werden können ...
[Lacht] Nein, ich chill wirklich. Ich mach meine Arbeit und meinen Sport und chill. OK, wenn ich in den USA bin, da geh ich schon in Stripclubs. Da ist ein ganz anderes Ambiente da, da kommen Masseurinnen und massieren dich. Das ist ein ganz anderes Level.

Ist dabei schon mal was Wildes passiert?
[Wie aus der Pistole geschossen] Ja.

Ich weiß nicht, ob das die Art Geschichte ist, die man bei einem Date erzählen sollte. Das ist wie mit Ex-Partnern. Aber möchtest du erzählen?
Ab wieviel Jahren ist diese Sendung hier? [Lacht]

Wir sind hier immer noch bei VICE und mit allen Wassern gewaschen.
Ja, das war ich da anschließend auch—mit allen Wassern gewaschen.

Wäh. Themenwechsel: Gestern kam das Video zu „Immer noch ins Gesicht schauen“. Mir fällt auf, dass du wenig Blickkontakt hälst (Überleitung des Jahrtausends!). Bist du schüchtern?
Was? Nein, überhaupt nicht. Ich bin nur entspannt und genieße die Tour. Berlin ist echt im Sommer so eine schöne Stadt. Schau, jetzt sind wir schon am Brandenburger Tor ... Aber das höre ich öfter und Leute nehmen das böse auf.

Körpersprache sagt ja sehr viel über einen Menschen aus. Ich finde, wir sollten jetzt den Sekt aufmachen. Der ist schließlich bezahlt.
Ich trinke nicht, aber mach! Dafür schenke ich dir ein. Wir sind ja immer noch auf einem Date.

[Trotz Bemühungen, den Sektkorken kontrolliert knallen zu lassen, schießt er gegen die Decke und zwischen die Beine meiner armen Fotografin]

Jaja, da merkt man schon, dass meine Aura hier im Raum ist [Allgemeines Gelächter], das geht direkt auf die Flasche über.

Hast du denn oft Dates? Ich finde das ja persönlich sehr gestellt und unangenehm meistens.
Na ja, man weiß halt immer, worauf es hinausläuft ...

Wie bitte?! Bei dir vielleicht! [Alle lachen]
Nein! Ich meine ... in dem Sinne, was du vorhast mit derjenigen. Ach du weißt schon. So klassische Dates hab ich selten, wenn dann im Hotel [lacht und zwinkert].

So so. Wenn du schon nicht mittrinkst, musst du mir wenigstens eine unterhaltsame Suffgeschichte erzählen.
OK, ich hab ne super Geschichte! Auf Mallorca war das. Es war so vier Uhr morgens und ich war ziemlich betrunken auf dem Heimweg und dann hab ich so Mädels angesprochen. Die haben mich dann gefragt, wo man hier denn feiern gehen kann und ich meinte dann zu denen „Ja, kommt mit, kommt mit“ und da war so ein Puff bei uns unten. Also so ein Puff unter dem Deckmantel einer Bar. Dann hab ich die Mädels da reingeschickt und meinte zu denen, das sei voll das geile Café, da gibt's zwei Getränke frei und hab so getan, als ob ich Promoter da wär. Da an der Promenade hängen ja immer so die Promoter rum und versuchen dich, in ihre Lokal zu locken.

Moment: Du hast die Mädchen in den Puff geschickt?
Ja [grinst].

Warum?!
Einfach so. Die sind dann da reingegangen, dann hat der Typ die rausgeschmissen [Erzählung wird immer wieder unterbrochen von seinem eigenen Gekicher], hat mich aber gesehen, ich war da 18 oder so, und meinte dann irgendwas zu mir, worauf ich zu ihm sagte, „verpiss dich zu Wichser“. Und dann bin ich so gegangen und ich laufe zehn Meter und ungelogen laufen mir plötzlich so 30 Leute hinterher. Und ich dreh mich um und seh diese 30 Leute und ich laufe, laufe, laufe, nehme während dem Laufen schon meinen Schlüssel fürs Hotel aus der Tasche, komm rein, zack geh hoch und auf den Balkon. Wir waren im obersten Stockwerk von dem Hotel und hab dann Stühle und sowas auf die geschmissen.

Aber es ist dann nichts mehr passiert?
Nein, nichts passiert. Die besten Geschichten sind ja die, wo eigentlich nichts Schlimmes passiert.

Mit Gewalt hast du's nicht so?
Nee, eigentlich nicht. Ich mache ja viel Kampfsport, Boxen, MMA, alles. Da kann ich mich abreagieren und sehen, zu was ich wirklich im Stande bin.

Ich wollte auch immer Boxen früher, aber meine Mama hat's mir verboten.
Ja, wär schade um dein Stupsnäschen. Mach mal lieber Krafttraining.

Haha, warum wundert mich dieser Tipp nicht?
[Lacht] Also nicht im bösen Sinne! Also bei Boxen wird man ja noch drahtiger. Wenn du sportlich was machen willst, dann ist Krafttraining besser, bevor du dich abmagerst und dann da hinten anstatt 'nen Arsch so Rücken mit Ritze hast.

[Allgemeines Gelächter]

Wo wir jetzt schon offene Körperschau betreiben, lass mal deinen Bizeps anfassen! Das hat man doch früher immer gemacht, so verglichen. Hab ich ewig nicht mehr gemacht.
Ja siehste, wird mal wieder Zeit. Da hast du direkt jetzt wieder die Messlatte ganz hoch gesetzt.

Ja er ist sehr ... groß. That's what she said. [Alle lachen]
Ja ... so einen Großen wirst du lange nicht mehr anfassen [lacht].

Ist es ein 44er?
Nein, im Moment nicht, ich habe abgenommen.

Hast du etwa Salat gegessen?
[Guckt mit schuldbewusstem Hundeblick und flüstert] Jaaaaa ....

Gibt es denn eine neue Weisheit und Lebensratschläge zu Ernährung und generellem Erfolg im Leben?
Hmmm, ich glaube nicht, aber ich habe eine wunderbare Zeile auf dem Album: „Ich gebe Frauen auch Rechte, wenn meine Linke verletzt ist“. Das ist sehr tiefgründig und ein schönes Wortspiel.

Mütter werden aber nicht mehr so viel gefickt auf Blut, oder?
Ich denke, da wird schon die ein oder andere Mutter mal wieder sexuell penetriert. Das ist Gang und Gäbe und Pflicht.

Ehrlich gesagt finde ich deine Lachflashs noch viel unterhaltsamer als deine Musik. Du solltest etwas daraus machen!
Was viele nicht wissen: Warum ich diese Lachflashs immer kriege, ist ja wegen diesen unverschämten Sachen, die ich da so sage. Ich rede dann so dieses von oben herab Gelaber und irgendwann geht das dann so in mein Gehrin rüber und ich denk mir dann, „Was red ich da eigentlich“ und dann muss ich mich selbst kaputtlachen. So war das auch bei Rap.de. Heute haben wir auch was schönes mit MOK gemacht.

Du bist eigentlich ein verdammter Komiker.
[Kichert] Ja, eigentlich schon. Komik-Gangster-Rapper, übertrieben. Ich hab echt so einen Humor, der ist unterste Schublade. Im Moment finde ich Flüchtlingswitze sehr witzig. Wir machen jetzt auch immer so Flüchtlingslines: „Ich habe keine Berührungsängste, wie Flüchtlinge am Dom“, das ist eine jetzt auch vom Album. Sowas feier ich. oder so übertriebene Macho-Witze, so Küche/Frau, so Sachen. Ich kann darüber lachen, aber ich bin niemand, der Frauen abwertent behandeln würde, dafür hat mich meine Mutter zu gut erzogen. Ich behandel Frauen immer sehr respektvoll—außer natürlich in der Öffentlichkeit [lacht]. Ich weiß nicht. Ich finde das einfach witzig, was nicht heißt, dass ich so bin.

Man muss da heute höllisch aufpassen. Ich wurde kürzlich gemaßregelt, nicht mehr „Spast“ sagen zu dürfen.
Ich finde das alles überbewertet. Ich kannte das Wort „Spast“ viel länger als Beleidigung als die wahre Bedeutung davon. Man misst einem bloßen Wort da viel zu viel Macht zu, als es eigentlich hat. Eigentlich sind die die Intoleranten, die da Worte tabuisieren wollen oder die überbewerten. Bei der BPJM hab ich denen auch genau die Erklärung gegeben und die haben das dann akzeptiert. Aber die meisten, denen wir das so erklären würden, dass sie selber die Intoleranten sind, würden uns wahrscheinlich für verrückt halten.

Man sagt ja auch, dass das durch die sozialen Medien gefördert wird. Also die Verrohung der Sprache. Was hältst du von sozialen Medien? Grindest du? Twitter hast du ja nicht, weil echte Gangster haben kein Twitter.
Genau, Regel Nummer drei. Facebook find ich gut, Instagram find ich gut. Ich hab jetzt sogar Snapchat, aber damit kann ich mich irgendwie noch nicht so richtig anfreunden.

Wir könnten ein Faceswap machen!
Ich weiß nicht, wie das geht.

Aber ich! Lass faceswappen!
Ach du scheiße. Behalt deine Nase lieber so, wie sie ist. Weißt du, was wir das nächste Mal machen, äh ... wie heißt du nochmal?

[Beleidigt und entsetzt] Du weißt nicht mehr, wie ich heiße??? Wir haben hier ein Date und du weißt jetzt schon meinen Namen nicht mehr?
Tut mir Leid, so ganz ich das Machogehabe wohl doch nicht gespielt.

So, Farid du bist einfach krass raus jetzt.
Bitte, bitte, bitte verrate mir deinen Namen!

Nina, man!
Nina Vagina!

Wow.
Ich bin Rapper! Ich muss rhymen!

So, wir sind am Flughafen angekommen. Das wird jetzt ein total dramatischer Abschied.
Ja, komm mein Date! Bringst du mich zu meinem Gate?

Natürlich! Du hättest auch Niner sagen können—Slangwort für eine Neun Millimeter, das hätte mir besser gefallen und wäre auch Rapper-mäßig.
Das weiß ich. So bin ich nunmal. Mal lieb und dann wieder so. Two Face—ich bin ja auch Zwilling vom Sternzeichen.

Glaubst du an sowas?
Nein. Das einzige, was ich vom Zwilling habe, ist das Geschlechtsteil, das hab ich irgendwie für Zwei abbekommen.

Also zwei nebeneinader? Das sieht dann aber komisch aus.
Nein, nicht zwei nebeneinander. Die Größe von zwei. Gab schon Anzeigen wegen Körperverletzung deswegen.

Wenn wir jetzt schon bei diesen Themen angekommen sind: Der Albumtitel Blut hat mich immer ein bisschen an Menstruation denken lassen. Dem ist es aber vermutlich nicht gewidmet.
Ja Mädels, falls ihr eure öh, öh Periode während meiner Promophase eintritt, wisst ihr was los ist.

Wenn es datemäßig nichts wird, werden wir ja vielleicht wenigstens Ovulationsfreundinnen.
Das wäre schön.

[Fotografin schaltet sich ein: „Es ist ja auch oft so, dass, wenn eine Frau schwanger wird, oft ihre Freundin dann auch kurz darauf schwanger wird“]

Vom selben Mann?

[Alle lachen]

In deinem Fall vermutlich schon. Ey, wie wir hier so langlaufen nebeneinander ... das sieht aus wie diese Paparazzi-Bilder.
Ja genau, „Dieser Rapper zeigte sein Sixpack am Flughafen!“

Hast du gerade dein T-Shirt hochgezogen?!
Nein niemals! Würde ich niemals machen!

Blut erscheint am 27.05 bei Banger Musik und kann bei Amazon, iTunes oder hier irgendwo bestellt werden.

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