Die Fragezeichenfreundschaft zwischen Drake und Skepta—Was passiert nach ‚VIEWS‘ und vor ‚Konnichiwa‘?

„Vielleicht geht es bei Drake und Skepta gar nicht so sehr um Business, sondern darum, ein großes Ausrufezeichen hinter etwas zu setzen, was es im Rapkosmos viel zu selten gibt.“

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Apr. 29 2016, 11:48am

Heute ist VIEWS, das neue und lang erwartete Album von Raps Lieblingsfrauenversteher Drake erschienen. Dem Typen, der es wie kaum ein anderer in der Geschichte des Raps geschafft hat, hochklassige Ansagen über seinen exzessiven Lifestyle auf Beats zu packen und gleichzeitig tränenreich im selben Atemzug darzustellen, wie schwierig es ist, die wahre Liebe zu finden. Prunk und Panik sind natürlich auch wieder Themen auf Drakes neuer Platte. Und die Freundschaft zu seinem neuen Busenkumpel Skepta.

Dieser, seines Zeichens Glanzlicht und Aushängeschild der wiedererstarkten britischen Grime-Szene, veröffentlicht in ein paar Tagen (am 6. Mai) sein neues Album Konnichiwa, welches, ebenso wie VIEWS, bereits jetzt schon einen Topplatz in den Jahresbestenlisten beansprucht. Sieben Tage werden also zwischen den Alben des OVO-Chefs und des BBK-Bosses liegen—und für beide MCs wird dies eine Zeit der Freude werden. Schließlich macht man das so unter Kumpels. Man freut sich für den anderen.

Angefangen hat die Rumkumpelei vor gut zwei Jahren, als Drizzy auf Lil Waynes Mixtapetrack Used To ein paar Zeilen des Londoners borgte und somit gleichzeitig ein riesiges Shoutout in das UK sendete. Als der Track später noch auf If You're Reading This It's Too Late landete und Drake Skepta in den Credits seinen Dank aussprach, war die Transformation aus Fantum und Danksagung als Brückenschlag zum Beginn einer Freundschaft perfekt. Drake, als großer Fan der britischen Hauptstadt und ausgezeichneter Connaisseur frischen Sprechgesangs, hatte Skepta natürlich schon länger auf dem Schirm. Was nicht verwundert, da dieser sein Debüt bereits drei Jahre vor Drakes Thank Me Later in die Welt hinaus ließ—wenn auch mit unterschiedlichem Erfolgslevel.

Skepta entgegnete die Liebe aus Toronto mit einem Vocalsample auf seinem heute übergroßen Hit „Shutdown“, was Aubrey nur noch mehr anstachelte, ordentlich Liebe über Instagram zu teilen. Das dürfte den Social Media scheuen Londoner stark beeindruckt und auch geschmeichelt haben (ob er die jeweiligen Posts auch geliked hat, ist nicht überliefert). Auf dem Wireless-Festival im Juli letzten Jahres kam es dann zum ersten gemeinsamen Auftritt, danach lief man noch ein bisschen in weiß gekleidetem Rapper-Charme in London durch die Gegend und remixte gemeinsam den Song „Ojuelegba“. Was man eben als Kumpels so tut.

Was dann zwar irgendwo logisch erscheint, aber dennoch unerwartet kam, war die Bekanntgabe Drakes, nun bei Skeptas Label Boy Better Know unter Vertrag zu stehen. Freundschaft und Business? Kann funktionieren, muss aber auch nicht. Weiß man aber natürlich vorher nicht. Und wenn Skepta dem Drizzy beim Coolsein in UK helfen und Skepta eine, wie bereits in unserer Dokumentation zu sehen, sehr erfolgreiche Reise in die USA unternehmen kann, ist durch diesen vermeintlichen Businessdeal schon mal allen Parteien geholfen. Drake hat es dann mit seiner Liebe und Loyalität direkt wieder übertrieben und sich das Labellogo per Tinte unter die Haut bringen lassen, aber das sei dem Lebemann gegönnt.

Was das Joint Venture der beiden Labels auf Business-Seite am Ende genau bedeutet, darüber wird sich aktuell noch im Detail ausgeschwiegen. OVO Sound ist als Imprint unter dem Dach von Warner Music, Boy Better Know hingegen strictly independent. Drake sei einfach ein riesiger Grime-Fan, wie Skepta zuletzt im Interview mit Zane Lowe bestätigte, und glaube, dass die gemeinsame Verbundenheit auch daher rühre, dass weder Toronto noch London Weltstädte des Raps seien und man daher immer besonders hart hätte struggeln müssen. Um die neuerliche Freundschaft nun also auch auf Businessseite Früchte tragen zu lassen, plane man, der gerade in England sehr gefeierten TV-Serie „Top Boy“ eine dritte Staffel verpassen zu wollen, was für Drake, den ehemaligen Serienschauspieler, natürlich auch irgendwie nahe liegt. „Making greatness with it, man“, ließ Skepta verlauten und erklärte weiter, dass beide MCs sehr eng zusammenarbeiten würden, um der Serie eine lange verlangte, neue Staffel zu präsentieren.

Das ist also der erste Schritt. Dass man allerdings auch mit weiteren gemeinsamen Songs rechnen kann, steht außer Frage. Zwar führt die VIEWS-Tracklist keinerlei Features auf, aber eine Woche später folgt ja noch Konnichiwa und, nun, nach Kanye'esquem Kunstgusto von sich dauernd ändernden Songs folgend, wird man wohl wirklich einfach abwarten müssen. Vielleicht geht es bei OVO-BBK aber auch gar nicht so sehr um Business, sondern nur viel mehr darum, ein großes und herzliches Ausrufezeichen hinter etwas zu setzen, was es im aktuellen Rapkosmos viel zu selten gibt: Eine richtig gute Freundschaft.

„Yeah I stay down with my day one niggas and we in the club screaming: no new friends, no new friends, no new friends, no, no new” (Drake auf „No New Friends”)

„I don't know why man's callin' me family all of a sudden / like hmm, my mum don't know your mum stop telling man you're my cousin / I got day ones and I got new ones / no fake ones, trust no one / it's Boy Better Know 'til I die” (Skepta auf „Man”)

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