„How Much Is The Fish?“—Wir haben kluge Antworten auf die großen Fragen der Popmusik

Ständig werden wir in Songs mit Fragen bombardiert. Wir haben jetzt recherchiert und wissen, ob der verdammte Holzmichl noch lebt.

|
Feb. 3 2016, 11:17am

Ständig werden wir in unserem Leben mit Fragen bombardiert. „Wann ist das Bad frei?", „Sieht das hier aus wie ein Fahrradweg?“ oder „Haste mal ein bisschen Kleingeld?“ sind allein schon drei, die wir hören, bevor wir überhaupt auf Arbeit angekommen und die Uhr zehnmal geschlagen hat. Wenn wir unsere Kopfhörer aufsetzen, um dieser Welt der Fragen zu entkommen, hört es jedoch nicht auf. In der Musik werden wir weiterhin gelöchert. „Who Let The Dogs Out?“, „How Much Is The Fish?“, „Will I be Pretty, Will I Be Rich?“ wollen diverse Musiker von uns wissen—und niemals gibt ihnen jemand eine Antwort auf ihre verzweifelten Fragen.

Wir ändern das. Das Autoren-Duo bestehend aus Marc Baumann von der Süddeutschen Zeitung und Hakan Tanriverdi, New Yorker Außenkorrespondent für süddeutsche.de haben sich ein Herz gefasst und Antworten auf die wichtigsten Fragen der Popmusik über Liebe, Religion oder einfach Absurditäten recherchiert, die sie in ihrem Buch „Should I Stay Or Should I Go“ zusammengetragen haben und wir euch hier in unseren neuen Rubrik „Noisey macht schlau“ in Auszügen präsentieren werden. In dieser Ausgabe: Antworten auf die absurdesten Fragen der Popmusik.

„What shall we do with the drunken Sailor?“ - Dubliners

Bringen Sie ihn zur „Seemannsmission“ in Hamburg-Altona, Große Elbstraße 132. Die haben ein Bett frei oder einen starken Kaffee, wenn es schnell gehen muss. Und falls der betrunkene Seemann sein Schiff verpasst hat, „dann fahren wir ihn notfalls bis nach Bremerhafen hinterher“, sagt Timo Hansen von der Mission. Betrunkene Seeleute sind aber selten geworden auf der Reeperbahn: Zur Kostenersparnis sind die Liegezeiten zum Be- und Entladen kurz, die Schiffe fahren mit immer kleineren, meist philippinischen Besatzungen.


„Lebt denn der alte Holzmichl noch?“ - Die Randfichten

Nein. In einem vorläufer des heute bekannten Liedes wird „der alte Hanauer“ anstelle des Holzmichls besungen, und der letzte Sammhalter der Hanauer Grafen ist im Jahr 1736 gestorben. Die älteste Holzmichl-Version findet sich in einem Liederbuch von 1877, weiß Johanna Ziemann vom Deutschen Volksliedarchiv—also müsste der Holzmichl heute mindestens 136 Jahre alt sein. Doch der zurzeit älteste Deutsche ist 109 Jahre alt und heißt weder Michl, noch ist er Holzfäller.


„How Much Is The Fish?“ - Scooter

Aldi Süd wirbt zwar im Sommer 2015 damit, dass der Preis für „Kap-Seehecht-Filets“ von 3,79 Euro auf 3,59 gesenkt wurde. Aber laut Welternährungsorganisation hat die ständig steigende Nachfrage dazu geführt, dass sich der Fischpreis auf dem Weltmarkt zwischen 2002 und 2014 fast verdoppelt hat. In Deutschland beträgt die Steigerungsrate in den letzten Jahren zwischen vier und fünf Prozent: Hering, Lachs und Garnele wurden deutlich teurer, Kabeljau dagegen merklich billiger.


„Gehen die Leute auf der Straße eigentlich absichtlich so langsam?“ -Tocotronic

Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass es ihnen schlicht nicht auffällt, sagt Dirk Helbing, Komplexitätsforscher an der ETH in Zürich. In Großstädten wie Hamburg (wo Dirk von Latzlow lebte, als das Lied aufgenommen wurde) fallen langsame Fußgänger aus dem Muster. „Menschen in Städten laufen schneller. Das hat damit zu tun, dass man größere Distanzen überwinden muss“, sagt Helbing. Zudem seien Touristen in den Fußgängerzonen in Gruppen unterwegs. Da stelle man sich dann auf das langsamste Mitglied ein. Dazu kommt, dass sie miteinander reden, also die Priorität nicht das schnelle Vorankommen ist. „Heutzutage müsste man die Fußwege im Grunde genommen neu bauen: eine Spur ausgelegt auf Leute, die aufeinander und ihre Umgebung achten—und eine für Menschen, die nur auf ihr Smartphone starren“, so Helbing. Klingt verrückt? In der chinesischen Stadt Chongqing gibt es bereits einen Gehstreifen für Handynutzer.


„Warum lügen die Sterne?“ - Michael Wendler

Sterne lügen nicht. Sie sagen aber auch nicht die Wahrheit. Sie sind einfach nur Sterne. Das hindert einen beträchtlichen Teil der Menschheit dennoch nicht daran, an Horoskope zu glauben. Dabei sind die ein schnell und leicht gemachter Schwindel—sagt zumindest eine Frau, die damit Geld verdient und darum anonym bleiben möchte: „Man schreibt einfach das, was die Leute hören wollen. Der Krebs gilt als sensibles, romantisches und hilfsbereites Sternzeichen. Daraus mach ich dann etwa folgende Voraussage: Trauen Sie sich! Wer in diesem Monat über seinen Schatten springt und Fremden hilft, könnte dabei unverhofft der Liebe begegnen.“ Dass Sternzeichen eher wenig über den Charakter eines Menschen aussagen, belegt zudem, dass Adolf Hitler, Papst Benedikt, Nena, Helmut Kohl und Herbert Grönemeyer allesamt Widder sind.


„Why Does It Hurt When I Pee?“ - Frank Zappa

Auf diese Frage folgt heutzutage vor dem Gang zum Arzt der Weg zu Dr. Google. Krankheitssymptome in Suchmaschinen einzugeben, hat allerdings meist die Folge, dass man befürchtet, binnen drei Tagen sterben zu müssen. Daher erstmal eine Entwarnung: Schmerzen beim Wasserlassen sind nicht grundsätzlich lebensbedrohlich. Und sollten doch rasch behandelt werden. Dahinter steckt meist eine Blasenentzündung, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Andere Erklärungen reichen von Geschlechtskrankheiten über den Tumor bis zur Reizblase. Als Erstes empfiehlt es sich, Getränke wie Cola, Bier oder Kaffee wegzulassen, ebenso scharfes Essen.

„Should I Stay Or Should I Go“ ist im Wilhelm Heyne Verlag erschienen und kann bei eurem lokalen Buchticker oder hier gekauft werden.