Die deprimierende Geschichte der Band Weezer

Wirklich alle—auch die Weezer-Fans—sehnen das Ende der Band herbei. Doch die wollen uns fröhlich weiter quälen.

|
25 September 2014, 9:00am


Foto: Emily Shur

Weezer waren nicht immer die Band, bei der man die Augen verdreht, genervt den Kopf schüttelt, herzlich loslacht oder sich übergibt. Die Band aus Los Angeles stieg 1994 mit einem unverschämt bravourösen Debüt in die Musikwelt ein. Ganz in der Tradition der Beatles begnügte man sich bei der Wahl des Albumtitels mit der Farbe des Covers. Jeder Song von Weezers blauem Album war ein Treffer: Von der stilsicheren Garage-Nummer „My Name ist Jonas“ über den Hit „Buddy Holly“ und den schlurfig-rotzenden „Sweater Song“, hin zum würdigen Abschluss-Achtminüter „Only In Dreams“. Hätten sich Weezer nach dieser Platte aufgelöst, ein Platz im Alternative-Rock-Olymp wäre ihnen mehr als sicher gewesen.

Rivers Cuomo und Co. lösten sich bekanntlich nicht auf, sondern wagten sich zwei Jahre später an das von den Kritikern immer sehnlichst erwartete schwierige zweite Album. Die Aufgabe meisterten sie tadellos, denn auf Pinkerton hoben Weezer ihren spezifischen, rotzigen Sound auf ein neues Level. Gerade die vielen Ecken und Kanten der Platte—schon im Opener „Tired Of Sex“ bestens rauszuhören—verliehen ihrem zweiten Album ein eigenständiges, unverkennbares und charakteristisches Profil. Im Jahr 2001, nach fünf Jahren Funkstille, gelang der Band (mittlerweile in geänderter Besetzung) sogar der dritte Streich, das grüne Album. Dank einer clever-effizienten, somit Langeweile verhindernden Gesamtspielzeit von nur 28 Minuten und zwei großen, dabei kontrastierenden Hits—das wüste „Hash Pipe“ vs. das tiefenentspannte „Island In The Sun“—erntete Weezers dritte Platte jede Menge Wohlwollen. Was damals niemand erahnen konnte: 2001 sollte das Todesjahr der Band Weezer, so wie man sie über sieben Jahre kennen- und lieben gelernt hatte, sein.

Von nun an ging es mit Weezer bergab, steil bergab! Den Anfang machte das unverschämt halbgare, weil voreilig veröffentlichte und somit auf ganzer Linie mangelhafte Maladroit von 2002. Der Titel der Platte sprach bereits Bände, denn Maladroit bedeutet: ungeschickt, unbeholfen. Rivers Cuomo stellte dies quasi als Prämisse der neuen Platte auf—ehrlich, aber auch dumm. So taumelten Weezer bereits ein Jahr nach ihrem geglückten Comeback heftiger als vier besoffene Russen. Wenigstens hatte uns der gute Rivers gewarnt. Um dem künstlerischen sowie kommerziellen Totalausfall dennoch vorzubeugen, griffen Weezer zu einer unsympathischen Notmaßnahme und packten „Island In The Sun“ als Bonustrack hinzu. Gepeinigt von schlechten Kritiken und mittelmäßigen Verkaufszahlen zogen sich Weezer anschließend zurück, um 2005 eine musikalische Katastrophe zu gebären, ihr fünftes Studioalbum Make Believe. Wieder eine codierte Botschaft im Titel: So tun als ob—es sollte ihnen perfekt glücken. Billigste, vor Einfallslosigkeit strotzende Akkordfolgen, Après Ski-Refrains. Im Sound Anklänge an Bon Jovi, Liquido, Tokio Hotel, aber auch an die Killers oder Fall Out Boy. Übelst prollige Party-Mucke für stereotypische, amerikanische Bros eben.

Nach weiteren drei Jahren Funkstille setzten Weezer dann neue Maßstäbe in der Vernichtung ihres eigenen Rufes, im Vergraulen ihrer Fanbase und in der Belustigung von Plattenkritikern. Statt in drei Jahren ein Album zu veröffentlichen, brachten sie nun jährlich eine Platte raus: Den Anfang mache das rote Album (2008), es folgten Raditude (2009) und Hurley (2010). Weezers kunstfeindliche, weil ökonomische Attitüde „Die Masse macht's“ zog nicht. Die Verkaufszahlen gingen rapide in den Keller, Weezer-Fans boten der Band 10 Millionen Dollar im Falle einer Auflösung. Belustigend und den Gesprächsstoff ankurbelnd wirkten nur noch die Plattencover: Rivers Cuomo mit Schnörres und Cowboyhut auf dem roten Album, der allem Anschein nach tollwütige und gerade deshalb so sportlich fliegende Hund auf Raditute und „Lost“-Figur Hurley, debil grinsend, auf dem gleichnamigen Album.

Seit Weezers Schrott-Alben-Trilogie sind nun vier Jahre vergangen und anstatt der erlösenden Nachricht „Weezer haben sich aufgelöst, Frontmann Rivers Cuomo wandert nach Hawaii aus“ wurde vor einiger Zeit—zu großer Verwunderung, Empörung oder Belustigung aller—ihr neuntes Studioalbum Everything Will Be Allright In The End angekündigt.

Wieder mal eine Botschaft im Titel, die man jedoch nach nur wenigen Songs bitterlich am Boden zerschlagen sieht. Denn Weezer klingen im Jahr 2014—20 Jahre nach ihrem Meisterwerk—teils wie eine schlecht gecastete Einheitsbrei-Rockband („Back To The Shack“), teils wie eine Charts-lastige Glam-Rockband mit Queen-Vergangenheit („Eulogy For A Rock Band“). Teils wie ihre eigene Coverband („Foolish Father“), teils wie eine von Teenies gefeierte 0815-Indiepopband („The British Are Coming“). Kurzum: Weezer klingen fies!

Fieser als ihr neues Album ist eigentlich nur die Tatsache, dass sich Weezer vermutlich niemals auflösen werden—und sich dabei gänzlich in ihre eigenen Karikaturen verwandeln werden. Denn genau das ist die deprimierende Geschichte der Band Weezer.

**

Folgt Noisey bei Twitter und Facebook.