7 Dinge, die du deiner Lieblingsband nicht mehr auf die Pinnwand schreiben musst

Es gibt einfach Dinge, die keine Band auf ihrer Facebook-Seite lesen will.

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Jan. 4 2016, 9:35am

Spätestens seit dem großen Durchbruch von Myspace anno 2000irgendwas und dessen Spitzenposition als Kommunikationstool für Bands und Musiker (Rest in Peace, Alter!), ist es für Fans im Allgemeinen einfach geworden, Kontakt zu ihrer Lieblingsband aufzunehmen. Kommentare posten, Nachrichten schicken, Tweets twittern und so—solange die Band nicht bereits im Überfame ersäuft, ist die Chance groß, dass der Künstler selbst auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt und sich die Einzeiler seiner Fanbase persönlich durchliest. Denn klick- und like-geil sind sie alle und wenn sie nicht gerade Madonna oder Justin Bieber heißen, besteht sogar die Möglichkeit, dass sie den geneigten Schreiber mit einer Antwort beehren. Gerade bei Bands unter der 100.000-Like-Grenze (die magische Zahl!) herrscht nicht selten ein Zustand der offenen Türen: Man spricht mit den Fans, man tauscht sich aus. Eigentlich total super, der Künstler zeigt sich somit näher am Menschen, behält die Füßchen auf dem Boden und das Publikum fühlt sich direkt mit dem Vogel verbunden, den sie sich zweimal im Jahr auf der Bühne anschauen. Wer sich den Hut der Zugänglichkeit als Musiker aber erst mal aufgesetzt hat, darf sich später nicht beschweren, wenn er sich täglich durch zeilenweise absurde Fan-Wünsche, harsche Kritik und Gästelistenbettelei wühlen muss. Der verbale Schlagabtausch mit dem gemeinen Publikum kann eine fantastische, spaßige Angelegenheit sein, der Künstler und Audienz auf einer gemeinsamen Ebene zusammenführt. Er kann aber auch degradierend, peinlich und völlig nutzlos für alle Beteiligten sein. Falls ihr auch zu denjenigen gehört, die ihren Top-10-Bands regelmäßig kryptische Botschaften in die Social-Media-Kanäle hauen und jetzt nicht genau wisst, in welche Kategorie eure Ergüsse fallen, helfe ich euch gerne aus. Wer auf die folgenden Allgemeinplätze verzichtet, kann so viel nicht falsch machen und landet mit ein bisschen Glück bald im virtuellen Like-Herzchen seiner Lieblings-Rapper!


Alle Fotos: Imago

1. „Kommt mal nach Lüneburg / Hildburghausen / Köln / Berlin / Kastrop-Lüppstedt-Nord / etc.“

Konzerte buchen ist easy—das weiß jeder! Man hängt sich eine große Deutschland-Karte in den Proberaum, verbindet seinen Bandkollegen die Augen und drückt jedem einen Dartpfeil in die Hand. PLOPP: Schwerin! PLOPP: Fulda! PLOPP: Landau in der Pfalz! Fertig ist das dreitägige Tourwochenende. Aber warum drei Tage touren, wenn man auch fünf oder sechs haben kann!? Problem: Nur drei Dartpfeile zur Hand. Lösung: Einfach irgendwas auf der Bandseite bei Facebook posten. Dort dauert es nämlich in der Regel nicht lang, bevor die ersten Fans ihre Kuhkäffer und Heimatdörfer in die Kommentarspalte schreien. „SPIELT DOCH MAL HIER BEI MIR UM DIE ECKE!!“ oder „ALLES ZU WEIT WEG AUF EURER TOUR—MACHT MAL WAS IN AACHEN U. UMGEBUNG!“ sind besonders weit verbreitete Standard-Floskeln. Ihr habt zwar erst letzte Woche in Aachen gespielt und „hier in der Ecke“ leben nur Rentner und Faschos, aber egal! Der Kunde ist König und der Fän hat immer recht! Einfach hinfahren, Instrumente auf dem Marktplatz aufbauen und party hard!

So schön es auch wäre, wenn man das Wirrwarr aus Telefonterror, Rechenschieber-Chaos, Mail-Gewusel und Vertragszettelei gegen ein paar Dartpfeile austauschen könnte—ganz so einfach ist Konzerte buchen eben leider doch nicht. Nicht ohne Grund gehört das Booking zu den ersten Aufgaben, die Künstler heutzutage bereitwillig von sich weisen und für ein paar Prozente ihrer Gage in erfahrenere Hände legen. Sicher würde jede Band am liebsten immer und überall spielen, solange wir allerdings weder das Klonen noch das Teleportieren erfunden haben, müssen wir uns wohl oder übel an ein paar Rahmenbedingungen halten. Das bloße Gröhlen von Ortsnamen in der Kommentarspalte ist dahingehend also wenig hilfreich. Wenn ihr eure Lieblingsband in euer Kaff holen wollt, quatscht die Clubs und Veranstalter vor Ort an, schreibt eine Mail an die Booking-Adresse oder schickt einfach direkt einen Koffer voll Geld und die Adresse eurer zerfeierten Punker-WG. Und schaut euch verdammt noch mal hin und wieder die Tourdaten der Band an—bei 80% aller Fälle lautet die korrekte Antwort auf „Spielt doch endlich mal hier bei uns!“ nämlich: „Schon wieder?“

Verwandte Kommentare: „An dem Tag habe ich Prüfung, könnt ihr nicht einen Tag später spielen?“, „VIER Termine und keiner davon im Süden—echt scheiße!!“, „Leipzig Süd ist voll scheiße, spielt doch mal in Leipzig Nord!“


2. „Macht mal wieder einen Song wie den einen damals!“

Jede Band, die schon ein bisschen länger unterwegs ist und schon mal kurz an irgendeiner Form von Erfolg schnuppern durfte, kennt das Problem des einen, kleinen Hits. Der eine Song, der besser funktioniert hat, als all die anderen und ausnahmsweise mal nicht nur von eingefleischten Hardcorefans sondern auch von deren Freunden und Freundesfreunden gefeiert wurde. Egal, ob es an den Millionen Klicks auf YouTube oder der Platzierung in einer hippen Sportversandwerbung lag, der Song ist und bleibt jetzt „der Hit“ und stigmatisiert eure Kapelle für den Rest der Zeit. Ihr wisst zwar nicht, was ihr ausgerechnet bei der Nummer anders gemacht habt als sonst und findet das Ding selbst nicht mal besonders gut, aber die Leute lieben es. Und lassen es euch gerne immer wieder wissen. So werdet ihr unter jedem neuen Video-Posting oder Song-Schnipsel in beständiger Regelmäßigkeit mit folgendem Kommentar abgestraft: „Ganz nett, aber macht mal wieder sowas wie Baby One More Time damals!“ Variation 1: „baby one more time war geiler back to the roots bitte!!“ Variation 2: „Ich wünsch mir mal wieder einen RICHTIGEN brecher so wie baby 1 more time :))“ Eine gute Antwort auf diese selten blöde Forderung gibt es tatsächlich nicht. Kommt bloß nicht auf die Idee, die angeschriebene Band sollte diesen Wunsch wirklich ernstnehmen. Das ist ein Kampf, den sie nur verlieren kann! Versucht sie zwanghaft, den Erfolg einer ollen Kamelle zu wiederholen, arbeitet sie nur verkrampft auf eine billige Kopie hin, was ihr später auch bloß wieder von euch vor den Kopf geworfen wird. („SCHWACHER VERSUCH AN BEBI ONE MORE TIME ANZUKNÜPFEN, MÄDELS!!“ - Christoph Mc Tsubasa - 42 Likes) Entspannt euch einfach und erinnert euch daran, dass es den Song schon gibt und ihr ihn gerne so oft hören könnt, wie ihr wollt. Zum Beispiel auf der Show in Aachen letzte Woche.

Verwandte Kommentare: „spielt ihr auch was vom alten album? baby 1 more tiem zum beispiel? die neuen sachen sind alle scheiße“, „Früher wart ihr noch Punk—ich sag nur BABY, BABY, ONE! MORE! TIME!“


3. „Geiles Konzert gestern! Schade, dass so wenig los war...“

Schön, dass ihr gestern auf dem Konzert einer kleinen Band wart, aus der noch mal richtig was werden könnte. Zeigt euren Support am besten schnell, indem ihr gut sichtbar für alle kommentiert, wie geil die Show war. Wenn ihr richtig auftrumpfen wollt, führt in einem Nebensatz an, dass ihr die einzigen zahlenden Gäste im Raum wart. Oder postet zehn Fotos, auf denen man deutlich sieht, dass vor der Bühne weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist! Das lässt die Kapelle menschlich und nahbar erscheinen und wird ihren Like-Counter in die Höhe schießen lassen. Vielleicht erbarmen sich nach diesem Anblick bei der nächsten Gelegenheit ein paar Seelen mehr zum Mitleidskauf des Abendkasse-Tickets.

Mal ehrlich: Richtig schlecht besuchte Konzerte sind gleichermaßen unangenehm für die Menschen vor und auf der Bühne. Wenn die Band nicht gerade super lässig mit dem Elefant im Raum umgehen kann und die gähnende Leere mit Augenzwinkern überspielt, möchte man den Laden aus Scham am liebsten frühzeitig verlassen. Es gibt also keinen Grund, dieses Debakel all den potentiellen Fäns da draußen auf die Nase zu binden. Das ist furchtbare, furchtbare Werbung, die wirklich keinem weiter hilft. Den Artist selbst müsst ihr über die desaströse Lage an der Ticketfront auch nicht aufklären, der war sich darüber bereits Stunden vor euch im Klaren und hat sich Stunden danach den Frust darüber mit einer alten Flasche Küstennebel weggespült. Jetzt bloß nicht noch mal Salz in die Wunde streuen! Außer, ihr wollt der Band geil eins rein würgen—dann immer drauf mit dem Kommentar!

Verwandte Kommentare: „Geil!! Waren gestern auf dem Umsonst und Draußen-Festival die einzigen in der kleinen Menge die euch kannten!“, „LOL ihr tatet mir voll leid so ganz einsam am merchandise stand <3 wünsch="" euch="" trotzdem="" viel="" erfolg="" in="" die="" zukunft="" seid="" top!“<="" p="">


4. „Um wie viel Uhr spielt ihr eigentlich? Ich bin 8 Jahre alt, brauche ich einen Muttizettel? Und gibt es im Laden eine GARDEROBE!?“

Ich verstehe das schon, ihr nehmt das mit dem Ausgehen ein bisschen ernster und wollt euren Ausflug in die Welt der Live-Beschallung penibel bis ins Detail planen. Dafür ist es wichtig, viele, viele Fragen zu stellen und einige organisatorische Probleme zu ergründen: Wann macht der Club auf? Wann spielt die Band? Was kostet eigentlich der Eintritt? Und selbst wenn ihr diese drei Punkte abgehakt habt, seid ihr ja noch nicht mal im Laden drin. Denn da geht der Ärger erst richtig los! Was kostet ein Gin Tonic!? Wohin mit meiner neuen Trainingsjacke!? WANN SPIELT DIE BAND!? Eine gute Idee ist es, all diese Fragen schon Wochen vorher willkürlich in die Kommentarspalte der Band zu meißeln. Vorausgesetzt, ihr seid an einer hilfreichen Antwort in keinster Weise interessiert.

Ihr müsst wissen: Künstlerschweine, insbesondere Musiker, sind meistens ziemlich verpeilte Typen. Zwischen Texte merken und Gitarre stimmen geht da kopfmäßig, besonders auf Tour, nicht viel. Deshalb bekommen sie vor jeder kleinen Tour-Rutsche von ihrem Booker ein sauber zusammengeklicktes PDF mit den nötigsten Informationen für die kommenden Konzerte. Nicht selten wird das Infoblättchen allerdings zum ersten Mal genauer studiert, wenn die Baggage bereits im Tourbus sitzt. Da steht dann drin, wann sie wo in welchem Club ankommen müssen, wann der Soundcheck stattfindet, wann das Essen serviert wird und wie viele Kohlen es am Abend auf die Kralle gibt. Manchmal steht im Kleingedruckten tatsächlich auch, wann der Laden aufmacht, was die Abendkasse kostet oder ob die Bar auch ovo lacto vegetabile Bio-Cocktails anbietet. Alles Informationen, die der gemeine Künstler kurz nach ihrem Eintritt in den Frontallappen des Hirns sofort wieder vergisst. Die Band weiß meistens also ohnehin schon nur das Nötigste über die Verhältnisse vor Ort, irgendwelche Fragen zur Abendgestaltung der Location selbst an sie zu adressieren, ist also ein Schrei ins Nichts. Wenn ihr auf Fehlinformationen von verkaterten Musikerlümmeln verzichten wollt, wendet euch an die einzige zuversichtliche Quelle: den Club.

Verwandte Kommentare: „Wisst ihr ob die Party heute bis 05:00 geht? Mein erster Zug kommst erst 05:25 hihi“, „stimmt es, dass studenten im erstsemester rabatt an der kasse kriegen?“


5. „Habt ihr noch Gästeliste? Bin gerade pleite...“

OK, dieser unglimpflich formulierte Kommentar kommt zum Glück nicht allzu häufig vor. Besonders bei Gruppen jenseits der vierstelligen Likes macht sich bei dieser Bettelei nun wirklich niemand mehr Hoffnungen auf Erfolg. Aber es tritt auf, hin und wieder! Lustigerweise gerade bei Bands, die die 8€ genau so gut in der Eintrittskasse gebrauchen könnten, wie der vermeintlich arme Student in der Hosentasche, der auf die blöde Idee kam, diese Frage in die Öffentlichkeit zu tippen.

Die Gästeliste ist für Freunde, Bekannte, Verwandtschaft, Tinderdates, Presseheinis, Gewinnspielabsahner und Robert Stadlober! Ich versteh schon, dass ihr pleite seid, die Band trotzdem gut findet und mal wieder live sehen möchtet. Ich habe selbst schon auf besonders herzerwärmende Mails mit Gästelistenplätzen geantwortet. Aber ein paar dir fremde Musiker auf der Facebook Pinnwand anzuschnorren, um den Eintritt zu prellen, ist in etwa so, als würdest du einem Malerbetrieb auf die Pinnwand posten: „Sorry Leudz bin grad pleite könnt ihr mal meine Küche streichen für lau??“

Verwandte Kommentare: „Hey Jungs, bin schon superlange dabei und ein Fan der ersten Stunde! Ich hab alle eure Alben auf meinem Handy und hör die Youtube-Playlist auf und ab. Leider habe ich mein letztes Geld in diesem Monat bereits für Madsen und die Beatsteaks ausgegeben. Könntet ihr einen armen Superfan nicht auf die Gästeliste setzen? Außerdem bin ich schwerkrank, btw… HUST, RÖCHEL, HUST!!“


6. „Hey Leute wenn ihr die Band hier mögt, checkt auch mal meine Band aus! Neues Video out now!“

Wer die Kommentarspalte anderer Künstler nutzt, um auf sein eigenes Hobby-Mucker-Projekt hinzuweisen, gehört mit Fackeln und Mistgabeln aus allen sozialen Netzwerken gejagt. Die Erfolgsquote bei dieser Art von Penetranz-Werbung dürfte ungefähr bei Null liegen. Du gehst bloß denen auf den Sack, die kommentieren wollen, wie leer es gestern war oder dass die Band mal wieder in Aachen spielen sollte. Die Bandmitglieder selber werden sich, falls sie gerade Langeweile schieben (was quasi immer der Fall ist, wenn sie nicht gerade auf der Bühne stehen) zwar kurz in deine ambitionierte Ravepunk-Nummer hineinklicken, dich aber sofort mit dem virtuellen Papierkorb abstrafen, nur weil du den dunklen Weg des Kommentarspaltenspams als Promotiontool genutzt hast. Wenn du es ernst meinst, schick den Typen eine Nachricht oder eine altmodische Email—in vielen Fällen finden es Musiker wirklich spannend, sich frische Projekte und Demos ihrer Anhänger anzuhören, kleistert ihnen nur nicht ihre eigenen, digitalen vier Wände damit zu.

Verwandte Kommentare: „sucht ihr noch support für bielefeld? meine band TESTING THE BORDERS OF PATIENCE AND DARKNESS würde saugut passen!“

7. „@Sarah Brünnscheidt @Martin Dinkelbier @Tony Montenegro @alle meine freunde“

Nennt mich altmodisch oder hinterher oder einfach nur bekloppt, aber ich verstehe das nicht. Wenn ihr eure Freunde auf ein Video, einen Song oder ein witziges Foto aufmerksam machen wollt, drückt doch einfach auf den riesigen, klebrigen Share-Button. Der ist für alle da und bietet allerhand personenbeschränkte Möglichkeiten zur Verbreitung diverser, lebensnotwendiger Bandpage-Beiträge. Die arme Kommentarfunktion hat euch nichts getan! Der Künstler selbst wühlt sich grundlos durch eine ganze Bank von ihm komplett fremden Namen, ihr werft eure Homies den gierigen Klickfingern einsamer Spammer und Hobby-Stalker zum Fraß und verwehrt der Band wertvolle Sharing-Zahlen, die noch beliebter unter Like-Süchtigen sind, als Kommentare oder Däumchen. Supportet die Sucht, benutzt die Share-Funktion! Ihr könnt das, ich glaube an euch!

Verwandte Kommentare: „@Maximilian Tropfen @Hart Wien Stein @Donald Duck @Ivonne Gehtdichnichtsan @Percy Jones“


Facebook ist Krieg, gerade für Musiker! Für die bedeutet die Plattform nämlich immernoch einiges, ist sie doch die erste und größte Anlaufstelle, wenn es um Kommunikation mit der Außenwelt geht. Sowohl Booking-Agenturen, Festival- und Club-Betreiber als auch Labels und Musikmagazine gucken schon länger genauer auf den Däumchen-Counter des Artists als auf Verkaufszahlen oder sonstigen, unmessbaren Quatsch. Die Kommentarfunktion ist neben all den nackten, kalten Zahlen und Graphen und Diagrammen im Facebook-Backstage, an denen Künstler skurilerweise ihren Fame messen, der letzte Zufluchtsort für Austausch, Blödeleien und so etwas ähnliches wie ein Gespräch. Lasst diese winzige Bastion der digitalen Freude nicht verkommen und postet mal was nettes, dann gibts auch ein Like vom Künstler. Und das macht bekanntlich reich und berühmt.