Marbert Rocel sind nach Popeye die ersten, die uns vom Seemann-Leben träumen lassen

Die romantische Vorstellung des Hemmingway'schen Einsiedlers auf dem Meer wirkt plötzlich doch ganz attraktiv auf uns.

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15 Dezember 2015, 3:00pm

Als süddeutsches Pflänzchen würde mich vermutlich jeder gestandene Hamburger zu Recht als „Landratte“ bezeichnen. Seit ich das erste Mal „Der weiße Hai“ sah, bin ich in kein Gewässer (auch Pools) mehr als hüfttief eingetaucht. Auf meiner Semmel wird immer Leberkas und niemals Fisch zu finden sein und in Wasserbetten werde ich seekrank. Das alles ist aber schnell vergessen und der Reiz des Gegensätzlichen verführerisch groß, wenn man das neue Video der Leipziger Formation Marbert Rocel zu „Always On My Mind“ ansieht.

Dort wirkt das Leben in einsamer Zufriedenheit auf dem eigenen Fischkutter plötzlich gar nicht so übel. Das Meer unter einem wie flüssiges Metall, über einem der graue sturmgepeitschte Himmel, über den die ebenso grauen Vögel uns den Weg Richtung Süden aufzeigen. Auch wenn uns der Gedanke von Einsamkeit in Zeiten von Tinder und Kuschel-Hotels eigentlich Schauer über den Rücken jagt, schaffen es die poppigen Synthie-Klänge und der sanfte Frauengesang, die romantische Vorstellung des Hemmingway'schen Einsiedlers auf dem Meer ganz attraktiv wirken zu lassen.

Grau ist eine fröhliche Farbe—zumindest, wenn man sich „Always On my Mind" so anschaut.