6 Gründe, warum EDM ein echtes Genre ist und nicht nur ein Marketing-Gag

EDM ist ein ziemlich abgefuckter Begriff, aber gewöhnt euch besser dran. Der Höhepunkt ist längst nicht erreicht.

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Jan. 8 2013, 12:15pm

Es war einmal, vor langer, langer Zeit (also vor etwa drei Jahren), da benutzten Fans von elektronischer Musik Genres, um ihre Musik einzuordnen. Sie benutzten Begriffe wie „Dark Ambient“, „Italo Disco“ oder „Gabber“. Eure Eltern nannten das alles einfach „Techno“. Aber jetzt, wo die Industrie hinter elektronischer Musik explodiert ist, wird alles unter einem Begriff gleichgemacht: EDM, schamlos verwendet von Brands, Presseleuten und so ziemlich jedem, der auf dem neuesten musikalischen Massentrend rumreiten möchte.

Wir Fans von elektronischer Musik allerdings stehen mit rollenden Augen da. Zu allererst, EDM ist der bekackteste Name für ein Genre seit Donk. Hättet ihr nicht zumindest etwas finden können, das ein bisschen mehr die Musik beschreibt als „Electronic Dance Music“? Und vielleicht etwas, was nicht ganz so nach einer Abkürzung für eine Krankheit klingt, wie HIV, ADS und BSE? Tja, inzwischen sind wir ziemlich mit diesem Begriff festgefahren und das ist ein Problem. EDM ist so groß und allumfassend geworden, dass das Genre die billigen Marketing-Taktiken längst hinter sich gelassen hat. Es ist inzwischen ein echtes Genre. Verdammt, es ist sogar ein Lebensstil, inklusive Verbreitung im Mainstream und all den Fallen, die damit einhergehen. Hier sind ein paar Gründe.

EURE ELTERN HASSEN ES

Seit der Erfindung der Musik ist das der verlässlichste Indikator: In den 20ern war Jazz „die Musik des Teufels“, in den 50ern gab es nichts Böseres als Rock‘n‘Roll und in den 80ern war Rap der Hauptgrund für eine Flut Crack-süchtiger, schwangerer Jugendlicher. Heute ist EDM das Omen des Hasses, ein Vorbote der Hölle. Live-Konzerte finden in großen Industriehallen statt, zugemüllt mit 17-Jährigen, die krampfhaft versuchen ihre leichte Überdosis zu überleben. Nichts, das eure Eltern zu sagen haben, sollte euch davon abhalten, um drei Uhr morgens in einem neonrosa Tütü zu Tiesto abzuraven. Abgesehen davon, dass eure Eltern früher oder später auch bemerken werden, was passiert, und in sechs Jahren werden sie euch fragen, ob Skrillex cool ist. Eltern machen das immer so. Was uns zum nächsten Punkt bringt ...

EDM SPRICHT PRE-TEENS AN

Diese Zielgruppe bringt das Geld. Kids, die gerade in ihre Teenie-Jahre kommen. Besser geht‘s nicht. Wenn du im letzten Sommer zu komischen Rave-Veranstaltungen gegangen bist, ist dir sofort aufgefallen, dass dort überall Kids auftauchten, besonders bei Festivals. Und ich meine Kids. 13- und 14-Jährige, die nur mit einer unterschriebenen Erlaubnis ihrer Eltern aufs Gelände kamen. Das abgefahrene war, dass diese Kids die Musik genau kannten und sie waren wie kleine Zwerg-Raver ausgestattet. Ich habe keine Ahnung, wo sich ihre Eltern aufgehalten haben, aber so etwas ist definitiv ein Zeichen, dass diese Musik schon längst nicht mehr nur die nerdigen Außenseiter zwischen 18 und 26 anspricht. Die nächste Generation ist infiziert und EDM ist noch lange nicht auf dem Höhepunkt angelangt. Als nächstes kommen EDM-Knick-Armbänder, EDM-Brotdosen und andere Merch-Scheiß, mit dem man Teenies ausnehmen kann.

EDM ZERSTÖRT DIE MUSIK-CHARTS

Gestern habe ich die Billboard-Charts gecheckt und Skrillex, David Guetta, Deadmau5, Swedish House Mafia und die verfickte UKF Dubstep 2012 Compilation war auf der Liste (zwar am Ende, aber trotzdem). In den iTunes-Charts sind auch noch Swedish House Mafia und Alex Clare vertreten. Die größten Namen der elektronischen Musik erobern den Mainstream, und die Mainstream-Massen werden verlangen, dass die neue Musik einen Stempel bekommt. Derzeit ist es Dance/Club Play, was noch nerdiger ist als EDM.

POPMUSIK UND EDM SIND SO ZIEMLICH DAS GLEICHE

Es wird immer einen Unterschied zwischen Pop und EDM geben, aber es ist ziemlich schwer zu leugnen, dass Popmusik sich immer mehr einem tanzbaren Sound annähert. Mainstreamkünstler wie Taylor Swift und Justin Bieber holen sich Produzenten, um mehr „wub-wubs“ in ihre Musik einzuarbeiten. Und einige EDM-Künstler (lies: David Guetta und Calvin Harris) sind komplett in die Pop-Gefilden eingedrungen um Hits für Rihanna, Will.i.am und Nicki Minaj zu produzieren.

PLUR

All die Partys und Live-Shows, die Drogenkultur, die Mode—EDM als Ganzes geht viel weiter als nur eine Musikrichtung. Es ist eine „Erfahrung“. Es gibt nichts Vergleichbares, nichts Besseres als von fünf anderen Ravie-Babys Backstage bei deiner ersten Armin Van Buuren-Show zu Tränen gerührt zu werden, oder Kandi mit irgendwelchen Dudes zu teilen, während du darauf wartest, dass Rusko die Decks übernimmt. Es geht um Liebe, Mann: Peace. Love. Unity. Respect.

EDM KANN SICH VERWANDELN, WENN ES MUSS

Mit einer Grundlage von zehn oder mehr Sub-Genres wird uns EDM wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Auch wenn morgen die Dubstep-Blase letztendlich platzt und die Welt zu einem Konsens findet, dass kreischende, wuppende Musik voller vorhersehbarer Drops dumm ist. EDM hat immer noch Trance, alle Genres von House, Drum & Bass, Garage, Techno, Minimal Techno, Disco und mehr. Plus, neue Genres werden andauernd erfunden. Ich wette, bis zum Frühling haben wir ein komplett neues Genre, dass Bluegrassgesang mit kosmischen Disco-Beats kombiniert oder so ein Scheiß.

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