Ein Besuch in Rob Zombies Spukhaus ... auf LSD!

Die goldene Regel für jeden Trip lautet, dich an einem sicheren, familiären Ort aufzuhalten, damit du auf deinem Flug nicht die Selbstkontrolle verlierst. Ich wählte ein Spukhaus.

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Nov. 3 2014, 5:30pm

Ich habe in meinem Leben noch nie zuvor ein Spukhaus besucht, als ich aber hörte, dass Rob Zombie mit seinem Great American Nightmare nach Scottsdale kommt, nahm ich das als willkommenen Anlass, es mal auszuprobieren.

Nachdem ich mir einige der Beschreibungen durchgelesen hatte („ein halluzinogener Trip ... dafür gemacht, um deine Hirnwindungen zu strapazieren“), entschied ich mich dazu, die Attraktion so in Angriff zu nehmen, wie es ganz offensichtlich gedacht war ... auf LSD!

Nachdem ich mir ein LSD-getränktes Gummibärchen auf die Zunge gelegt hatte, das angeblich 128 Mikrogramm der Droge enthielt (aber wer weiß das schon?), machte ich mich auf den Weg. Der folgende Erlebnisbericht enthält natürlich einige Spoiler, falls du also vorhaben solltest, dem Teil selber einen Besuch abzustatten, bist du hiermit vorgewarnt.

Als wir dann beim WestWorld ankamen—einem gigantischen, klobigen Mehrzweckzelt, in dem normalerweise öde Veranstaltungen wie Oldtimer-Auktionen stattfinden—hatte ich schon zwei Stunden lang die Auswirkungen des LSD gespürt. Heute beherbergte das Teil das groteske neue Projekt des Horror-Rockers-schrägstrich-B-Movie-Regisseurs. Es hatte etwas Dystopisches und Bedrohliches und ich, obwohl sich meine Beine stetig darauf zubewegten, war mir innerlich unsicher, ob ich wirklich für das bereit war, was dort im Inneren auf mich wartete.

Die goldene Regel für absolut jeden psychedelischen Trip ist das richtige Setting. Idealerweise solltest du die pinken Elefanten in einer gemütlichen, familiären Umgebung sehen, die dafür sorgt, dass du in deinem Rausch nicht die totale Selbstkontrolle verlierst. In anderen Worten: Eine Attraktion, die einzig und allein zu dem Zweck konzipiert ist, dir ordentlich Angst einzujagen, ist wahrscheinlich der letzte Ort, an dem du sein willst, wenn deine Sinne anfangen, dir Streiche zu spielen. Ich sehe mich zwar als erfahrenen (bei weitem aber nicht professionellen) Psychonauten, trotzdem war ich etwas besorgt darüber, dass ich dieses Mal den Weg aus dem Kaninchenbau vielleicht doch nicht mehr herausfinden würde.

In der Schlange zur Kasse hörte ich ein unheilvolles, ansteigendes Trommeln (kombiniert mit dem Klang von Nebelhörnern—warum auch immer), während über die PA immer wieder ein gedrungenes „Geh zum Merch-Stand“ zu hören war. Mein Geisteszustand ähnelte in diesem Moment aber mehr dem einer Mücke und so starrte ich gebannt auf die ganzen Käfer, die von den Stadionlichtern angezogen wurden—wahrscheinlich weil ich eine ganze Menge Farben sah, von denen ich mir sicher bin, das sie eigentlich nicht da waren.

Außerhalb des Zeltes befand sich eine ganze Wagenburg aus Verkaufsständen und gigantischen animatronischen Monsterfiguren, neben denen andere Besucher Selfies machten. Über die Lautsprecher plärrten die Nine Inch Nails und egal, wo man hinschaute, überall war Werbung. Die Stimmung war in etwa so furchteinflößend wie auf einem Firmen-BBQ.

Weil wir mit VIP-Pässen ausgestattet waren, wurden wir vor allen anderen reingelassen. Als wir dann eintraten, legte uns ein Mädchen Armbänder um und sagte „Die Schauspieler können euch nicht anfassen. Fasst nicht die Schauspieler an.“ Ich atmete einmal tief durch und ging durch die Tür.

Das erste Haus bzw. Segment bzw. was auch immer trug den Namen „Lords of Salem in Total Black Out“, was wahrscheinlich eine Anspielung auf einen von Rob Zombies Filmen ist.

Der Anfang bestand größtenteils aus dreckigen Gängen im viktorianischen Stil. Zwischendurch sprangen immer wieder gesichtslose Typen in weißen Küchenkitteln aus den Schatten auf uns zu, aber—wahrscheinlich weil ich auf Acid war und weil ich wusste, dass sie mich nicht berühren dürfen—stand ich einfach nur da und grinste unkontrolliert vor mich hin, bis sie dann auf ihr nächstes Opfer zustolperten. Ich hatte eigentlich erwartet, hier total durchzudrehen, aber bis jetzt blieb ich unglaublich entspannt. Dann musste ich in kompletter Dunkelheit um eine Ecke gehen.

Ich hatte das Gefühl, im Kreis zu laufen. Stolpernd tastete ich mich mit einer Hand an der Wand entlang, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. War diese komplette Dunkelheit wirklich Teil der Attraktion oder war ich versehentlich aus der Kulisse gelaufen? Ich fühlte mich verloren. Ständig stupste ich in Fremde Menschen vor mir, nur um mich dann für die Berührung zu entschuldigen. Ich hatte mehr Angst vor unbeabsichtigtem Körperkontakt als vor der Dunkelheit selber. Ein Taschenlampe flackerte auf, ein gruseliges Gesicht erschien und verschwand dann wieder. Ein paar Menschen schrien.

Plötzlich tauchte ein Gesicht auf, das ich von den Werbetafeln kannte. „Du bist’s!“ sagte ich und kicherte dann. Dann war es wieder hell und wir standen in der nächsten Schlange.

Während wir auf den nächsten Abschnitt warteten, „Captain Spaulding’s Clown School in 3-D“, beobachtete ich die abgefahrenen Poster, die vor den Jahrmarktsbühnen hingen und Sachen wie „Das Baby mit Elefantenhaut“ und „Schrumpfköpfe“ anpriesen. ‚Hey, ich habe einen Schrumpfkopf’, dachte ich. In dem Moment machte das durchaus Sinn.

Während ich die Poster betrachtete, begannen sie zu atmen und mich anzugrinsen. Uns wurden 3-D-Brillen gegeben, was alles noch ein bisschen lebendiger erscheinen lies. Ich machte mit meinem Handy an paar Bilder, bevor dann eine kleinwüchsige Person in einem Rollstuhl angefahren kam und mich anfauchte, es wegzupacken. Ich fragte mich, wie wohl eigentlich ihr Job ist und wie wohl die Jobs der ganzen anderen Schauspieler sind und warum Menschen überhaupt Angst vor Clowns haben. Es ist doch einfach nur Make-Up. Alles fühlte sich mega-fake an—wie der Mozzarella auf billigen Tiefkühlpizzen.

Während wir durch das hypnotische Labyrinth aus Schwarzlicht und Neonfarbe trotteten, machte ein fetter Clown in abgeranzten Klamotten alle Frauen an, die an ihm vorbeiliefen. „Hey, Baby“, sagte er. „Das ist sexistisch“, antwortete eine Besucherin. Wir gingen um die Kurve in ein „Klassenzimmer“ mit Tischen, die man an die Decke geklebt hatte. Ein weiblicher Clown in einem Tütü aus Satin war beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum. Ich sagte ihr, dass sie strahlt, und sie fragte mich, ob ich in ihrer Klasse nicht weiterkommen will. Wie das denn? „Tja, wie willst du denn?“ erwiderte sie, während sie dabei eine Augenbraue hochzog.

Oh, ein Porno-Skript. Ich reagierte nicht darauf, also drängten sie und ein anderer Clown mich in eine Ecke und ärgerten mich. Ihre Gesichter verzerrten sich in eine unheimliche Fischaugenoptik, aber aus irgendeinem Grund (rat mal) konnte ich nicht aufhören, zu lachen. Die Clowns schienen es zu merken—vielleicht sind sie einfach daran gewöhnt, mit druffen Besuchern zu tun zu haben. Gelangweilt zogen sie weiter.

Im Großen und Ganzen war die Clown-Abteilung in meinem zugedröhnten Zustand ziemlich ungruselig. Jedes Mal, wenn Teile der Wand zurückklappten, damit Clowns daraus hervorspringen und „Buh!“ machen konnten, musste ich nur noch mehr lachen. Einige der Schauspieler trugen dunkle Morphsuits, die mit Zuckerwatte oder Ballons beklebt waren, damit sie unerwartet aus der Kulisse hervorspringen konnten. Ich „ooh“-te und „aah“-te, weil es, ehrlich gesagt, visuell extrem stimulierend war—etwas, das ich zu dem Zeitpunkt wirklich zu schätzen wusste.

Als ich dann in der nächsten Schlange stand, war ich schon zu high, um überhaupt daran zu denken, Fotos zu machen (sorry dafür!). Ich befand mich auf irgendeinem Grundstück mit Polizeiautos, die eine heruntergekommene Hütte umzingelten—das Szenario erinnerte entfernt an The Devil’s Rejects. Die „Cops“, die immer wieder elektrische Viehtreiber in der Luft zündeten, bereiteten mir mehr Unbehagen als alles andere in dieser Nacht. Dann, auf irgendein Stichwort, führten sie eine extrem laute und extrem künstlich wirkende Schießerei mit den unsichtbaren Mördern in der Hütte auf. Als alles vorbei war, merkte ich, dass ich der einzige war, der Beifall klatschte—wie ein Idiot. Ich hörte sofort damit auf.

Bevor wir dann in das letzte Haus geleitet wurden, tauchte ein Mädchen in einem Skelettkostüm und mit leerem Blick hinter einem Vorhang auf, um einen anderen Mitarbeiter nach ihren Pausenzeiten oder irgendwas in der Art zu fragen.

Die letzte Sektion war gleichzeitig auch die letzte Chance, beim Publikum eine irgendwie geartete Reaktion hervorzubringen, und dementsprechend fand sich dort jede Phobie, die zuvor noch nicht thematisiert worden war: widerliche Klamotten, Insekten, Sirenen, was auch immer.

Ich hatte Probleme, mich auf die Details zu konzentrieren, aber jeder Raum war wie ein frischer Verbrechensschauplatz hergerichtet. Alles, von den Vorhängen bis hin zu den Teppichen, war voll mit Blut und überall lagen Mannequins so aufbereitet, dass sie wie vergewaltigt und ausgeweidet aussahen. Ein Klo, das mit Gummi-Innereien gefüllt war, leuchtete wie ein heller Vollmond. Ich beugte mich darüber, um es in meiner drogeninduzierten Umnachtung besser betrachten zu können, und bekam etwas Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt.

Irgendwann erreichten wir eine Weggabelung. Ein Hillbilly, der auf mich aufmerksam geworden war, beschuldigte mich, dass ich versucht hätte, mich zu verstecken (das hatte ich aber nicht) und schubste mich dann getrennt von meinen Freunden in einen Raum. Die Tür schloss sich und ich war allein mit einem Redneck in einem blutverschmierten Unterhemd, der wild mit einer Flinte umherfuchtelte. „Hier kommst du nicht so einfach raus“, sagte er und versperrte noch die andere Tür.

Situationen wie diese hier gaben mir das Gefühl, als wäre ich auf einem Filmset gelandet und wäre nun an der Reihe, meinen Teil des Dialogs aufzusagen. Ich hatte eine Rolle zugeteilt bekommen, wusste aber nicht, wie diese aussehen sollte—also sagte ich einfach nichts. Sollte ich versuchen abzuhauen? Kämpfen? Bin ich Held oder Opfer? Nach einigen kurzen Augenblicken der Stille sagte der Redneck, „OK, du kannst abhauen.“ Er öffnete daraufhin die Tür, die er erst vor zehn Sekunden versperrt hatte. Meine Methode schien also ganz gut zu funktionieren.

Während ich durch irgendwelche Tunnel oder Flure lief, sank das Geräuschlevel plötzlich rapide ab—das ist immer der Zeitpunkt in Gruselfilmen, an dem eine unheimliche Gestalt auftaucht. Natürlich passierte das auch hier, aber ich befand mich zu sehr in einer anderen Welt, um wirklich darauf achten zu können. Ich war vollauf damit beschäftigt zu unterscheiden, was akustische Halluzinationen waren und was nicht. Kamen die Schreie um mich herum von echten Menschen oder nur vom Band?

Das eine Mal, dass ich tatsächlich zusammenzuckte und ein „Ahh!“ von mir gab, war, als ich durch Nebelmaschinendunst und Strobogeflacker geleitet wurde. Plötzlich tauchte ein Hillbilly-Gesicht direkt über mir auf und ich machte „Ahh!“.

Abgesehen davon gab es nichts, bei dem ich mir vor Angst in die Hose machte. Ich wusste das tadellose Setdesign wirklich zu schätzen, aber während ich so durch die Szenerien mit den festgebundenen Geisteskranken oder dem aufgeschlitzten Selbstmordopfer in einer Badewanne (bevor es dich dann unerwartet anspringt) ging, drehte sich in meinem Kopf alles nur um den Gedanken, ‚Das soll Unterhaltung sein?’. Je länger ich über darüber grübelte, desto deprimierter wurde ich.

Wieder draußen dachte ich über das nach, was ich eben erlebt hatte. Das LSD schien die Attraktion hier sehr ernst zu nehmen. Ich dachte darüber nach, wie sehr sie doch repräsentativ für die amerikanische Kulturlandschaft ist. Dadurch, dass ich Eintritt bezahlt hatte, fühlte ich mich in gewisser Weise als Komplize bei der Ausschlachtung psychologischen Missbrauchs und Mörder-/Vergewaltigungsfantasien, die Teil dieser Installation sind. Ich hatte schon genug von dem Zeug in den echten Nachrichten gesehen—warum hatte ich eigentlich die Befürchtung gehabt, dass mich diese Attraktion für mein Leben ängstigen würde? Wenn überhaupt irgendwas, dann war das LSD das einzige, was die Sache interessant machte.

Bei den Merchandise-Ständen und dem Biergarten liefen kostümierte Schauspieler herum, während Leute sich drängten, um ein Bild mit ihnen machen zu können. Einer Frau—sie war gekleidet wie eine, ich schätze, Stripperin, die verbrannt und dann ertrunken war—tropfte irgendein komischer, blutiger Schleim aus ihrem Mund. Ein Typ in Polohemd und kurzer Hose ließ bei dem Versuch, einen Selfie mit ihr zu machen, sein Handy fallen. Ich musste deswegen so sehr lachen, dass mir der Bauch wehtat—es illustrierte aber einfach zu gut, was am modernen Amerika so widerwärtig ist: Ganz normale Trottel bekommen die Gelegenheit, über die tatsächliche Grausamkeit der Welt da draußen zu lachen, von denen wir hier alle zu Genüge isoliert sind.

Ein paar Tage später, als sich mein persönliches Gleichgewicht wieder hergestellt hatte, warf ich meine These wieder über den Haufen. The Great American Nightmare war keine Metapher für ein fehlgeleitetes Amerika—ich bin einfach nur unglaublich high gewesen.

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