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Die Schweizer Rapszene blüht gerade wie nie zuvor

Eines der stärksten Jahre des Schweizer Raps endet mit frühzeitigen Weihnachtsgeschenken.

Noisey Staff

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Alle Fotos: Pressefotos

Die Rapszene der Schweiz befindet sich seit einigen Jahren in einer Blütephase und entwickelt sich prächtig. Etablierte Acts schaffen den Einzug in den Mainstream, junge Talente beleben die Szene und das Produktionslevel kann inzwischen teilweise mit dem internationalen Standard verglichen werden. 2016 war ein besonders kreatives Jahr für Rapmusik auf Schweizerdeutsch. Obwohl sich das Jahr dem Ende zuneigt, denken die MCs des Landes an alles andere als an Winterschlaf und sorgen zur Zeit mit unzähligen Veröffentlichungen für ertragreiche Wochen.

Der Berner Dawill veröffentlichte erst kürzlich sein Gratis-Album Infinite Awereness, das man sich hier gratis runterladen kann. Der 22-Jährige gilt als eines der ganz grossen Talente und überzeugt vor allem dadurch, dass er auf ein eigenes Vokabular zurückgreift, Geschichten aus noch nie gehörten Blickwinkeln erzählt und darum einen Gegenpol zur Mehrheitsmeinung darstellt.

Dawill reiht sich mit seinem Debütalbum in die Tradition des politisch-bewussten Mundart-Raps aus der Bundeshauptstadt ein. Ein grosses Aushängeschild davon ist Dezmond Dez, der seit über zehn Jahren immer wieder relevante Veröffentlichungen vorweisen kann und darum einen soliden Fixpunkt in der hiesigen Rap-Landschaft darstellt. Am 4. Dezember erwartet seine Hörerschaft nun ein weiteres Release: Auf dem Mixtape Macondo präsentiert er zehn brandneue Songs. Das Tape wird gratis verfügbar sein. Der Song „Metropolis" macht definitiv Bock auf die restlichen Songs.

Auf Macondo hat Dez einmal mehr befreundete MCs gefeatured. So sind neben dem obligatorischen Song mit Tommy Vercetti, Features mit Nativ und Manillio zu finden. Genau dieser Manillio hat mit seinem Album Kryptonit ein äußerst erfolgreiches Jahr vorzuweisen, befindet sich gerade auf Clubtour in der ganzen Schweiz und hat soeben eine weitere Videoauskopplung aus dem aktuellen Album gedroppt.

Die Luzerner Combo GeilerAsDu ist nach drei Jahren zurück und hat am vergangenen Freitag ein bemerkenswert starkes Album abgeliefert. Turbo Mate & Kalaschnikow ist ganz bestimmt eines der besten Rap-Alben des Jahres und schafft den Spagat zwischen zugänglichem Klangbild, sperrigen Haltungen und den daraus resultierenden Texten. Die beiden MCs Luzi und Mike ergänzen sich noch perfekter als auf dem Vorgängeralbum.

Mit Gimma meldet sich diese Woche auch ein Vertreter der älteren Generation zurück. Und wie es vom selbsternannten „Chef vor Schwiiz" zu erwarten war, tut er das nicht einfach nur plump mit einem Album. Das würde seinem Chefposten selbstverständlich nicht gerechnet werden. Gimma veröffentlicht nämlich dieser Tage nicht nur das offizielle Album Megaschwiizer, das richtig gut geworden ist, sondern beschenkt seine Fanbase gleich noch mit dem aufmüpfigen, kleinen Bruder Ultraschwiizer. Zusätzlich zu den zwei Scheiben gibt es noch ein Buch: Gimma wird bald 40 und genau so heißt auch Gian-Marco Schmids neuestes literarisches Werk.

Auch unbekanntere Acts releasten gerade sehr spannendes Material, das es definitiv Wert ist, angehört zu werden—zumindest um herauszufinden, ob es dem eigenen Geschmack entspricht.

Der Stadtzürcher Rapper Onkel Ari beispielsweise hat ein ziemlich interessantes Tape ins Netz gestellt. Das Gwünnertape nimmt den Hörer mit auf eine smoothe Stadtrundfahrt durch Onkel Ari's Zürich. Er rappt dabei unschweizerisch locker über die Beats und hebt sich nur schon dadurch von vielen MCs des Landes ab, weil er unverkrampft klingt. Das Tape macht definitiv Bock auf weitere Releases des Rappers und seiner Crew Drü0Vier, die sich spätestens 2016 mit dem Song „Gwünner" auch auf nationaler Ebene ins Blickfeld der Rapfans katapultiert hat.

Der Solothurner Pronto trifft mit seinem Song „Clean" den umstrittenen Zeitgeist aktueller Rap-Musik und wird wohl genau deswegen auf einige Kritiker und Hater stossen. Pronto ist ein weiterer junger Rapper, der wie aus dem Nichts aufpoppt und den Lifestyle seiner amerikanischen Vorbilder perfekt in die Schweiz übersetzt. Die Ästhetik des Sounds, aber auch des Videos, macht definitiv Bock auf mehr.

Auch die Basler Szene macht sich wieder mal eindrücklich bemerkbar: Bone & Smoky sind uns mit ihrem Song „Jedi Gass het ihri Gschicht" aufgefallen. Der Song ist eine Liebeserklärung an die Gassen und Straßen der Stadt Basel.

Da geht also wirklich was in den letzten Monaten des Jahres 2016. Mit Spannung kann nun das nächste Jahr erwartet werden, in dem wieder verschiedene starke Releases aus der ganzen Schweiz anstehen.

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