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Warum es 1.000 Euro wert ist, Rammstein live zu sehen

Die Konzerte sind längst ausverkauft, aber es gibt ja noch Reseller. Das tut zwar weh, aber für Rammstein kann man auch mal bluten.

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Nov. 9 2018, 1:35pm

Foto: imago | xim.gs

"Extrablatt: Rammstein kommen auf Tour!", schallt es seit Anfang November durch die Gassen. Die Männer um Till Lindemann spielen 2019 gleich neun Mal in Deutschland! Und ihre Fans reagieren: Rammstein-Songs in den Insta-Storys, hart gerollte Rs am Kaffeeautomat des Versicherungsbüros und liebevolles Streicheln des Heckscheiben-Aufklebers auf dem VW Golf.

Am 8. November startete der Vorverkauf auf Eventim, die Server brachen zusammen, nach vier Stunden waren alle Shows restlos ausverkauft. Mehr als 800.000 Tickets gingen für die komplette Europatour in kürzester Zeit weg. Was für Eventim ein Rekord bedeutet, ist enttäuschten Fans ohne Tickets kein bisschen Trost, dürfen sie doch nicht Teil der euphorischen Meute sein.

Aber: Es gibt noch Tickets. Allerdings nur auf Resale-Seiten wie viagogo und nur für stattliche Preise. Bock auf einen Sitzplatz in Hannover? Für 1.102 Euro seid ihr dabei. Oder ihr könnt einen Abstecher nach Österreich machen, wo beim Wiener Konzert selbst die Stehplätze so viel kosten und ein Sitzplatz sogar bis zu 1.258 Euro.

Über 1.000 Euro für ein Rammstein-Konzert bezahlen, so bescheuert ist doch niemand, oder? ODER?

Niemand besser als Rammstein?

Es gibt immer jemanden, der zahlt. Bescheuert ist das aber noch lange nicht. Vielmehr wagen wir mal zu behaupten, dass es die 1.000 Euro absolut wert sind, diese Band live zu sehen.

Schließlich gibt es viele Gründe, warum Rammstein immer wieder Venues mit Zehntausenden Zuschauern füllen. Obwohl das letzte Album, Liebe ist für alle da, 2009 erschien. Obwohl sich ihre Liveshow seit Jahren kaum verändert hat. Obwohl mittlerweile doch jeder diese Band schon einmal live gesehen haben müsste.

Geht es um härtere Gitarrenmusik, gibt es nur noch wenige Bands, die weltweit generationsübergreifend Stadien heiser machen. Foo Fighters, Metallica, vielleicht noch System of a Down (wenn sie sich überhaupt zusammenraufen können). Altehrwürdige Bands wie AC/DC, Iron Maiden, Guns N' Roses oder Kiss? Bei allem Respekt vor ihrem Legendenstatus, das ist Eltern- und Muckermusik.

Selbst wenn wir die Urgesteine mit in den Kreis der Rock-Titanen lassen: Keine dieser Bands kann live auch nur annähernd das bieten, was Rammstein routiniert abfeuern. Die hinterlassen nicht nur heisere Fankehlen, sondern Aschestürme.

Was ihr für eure 1.000 Euro bekommt

So viel Pyro, dass eure letzten zehn Silvester wie eine nasse Wunderkerze wirken.

Die Momente, in denen die Gitarristen ihre speziell angefertigten Mikroständer lässig mit dem Fuß hochskippen, um mitzusingen – und sie dann wieder umfegen.

Die verbrannte Gitarre von Richard Z. Kruspe.

richard z kruspe gitarre
Foto: Wikipedia | Nat4ty | CC BY-SA 3.0

Die mystische Kapuze von Bassist Oliver Riedel – und seine beeindruckende Regungslosigkeit.

Das Messermikrofon von Sänger Till Lindemann.

Lindemanns Feuer-Bogen, mit dem er Flammen verschießt.

Lindemanns Mundbeleuchtung, die ihn noch wahnsinniger als sonst aussehen lässt.

Keyboarder Flake, der im Takt der alles niederwalzenden Riffs auf seinem Laufband schlendert.

Flake, der in einem riesigen Kochtopf steckt und Lindemann, der ihm immer wieder mit einem Flammenwerfer einheizt.

Flake, der von Till in eine Wanne geworfen und danach mit einen Topf voller Funken überschüttet wird.

… Im Grunde schaut man sich zwei Stunden lang an, wie ein dürrer Keyboarder von einem Sänger in Horrorfilm-Verkleidung geknechtet wird. Wenn das mal nix ist!

Der finale Kniefall der Band, wenn sie sich demütig von ihrem Publikum verabschieden und der vermeintliche Übermensch Lindemann mit weicher Stimme "Danke, Dankeschön" ins Mikro murmelt.

Fuck, wir haben schon bei jedem der einzelnen Punkte ein bisschen Gänsehaut, dabei gibt es ja noch so viel mehr! Wenn ihr wirklich bereit seid, 1.000 Euro für ein Ticket hinzublättern, habt ihr echt einen an der Waffel. Aber wir verstehen euch. Immerhin wird bis dahin vielleicht schon das neue Album fertig zu sein und ihr könnt neben neuen Songs auch noch komplett neue Highlights sehen.

Tour Dates + Zusatztermine (alles ausverkauft)

27. Mai, Veltins-Arena, Gelsenkirchen, DE
28. Mai, Veltins-Arena, Gelsenkirchen, DE
05. Juni, Stade de Suisse, Bern, CH
08. Juni, Olympiastadion, München, DE
09. Juni, Olympiastadion, München, DE
12. Juni, Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden, DE
13. Juni, Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden, DE
16. Juni, Ostseestadion, Rostock, DE
22. Juni, Olympiastadion, Berlin, DE
02. Juli, HDI Arena, Hannover, DE
13. Juli, Commerzbank-Arena, Frankfurt/Main, DE
22. August, Ernst-Happel-Stadion, Wien, AT
23. August, Ernst-Happel-Stadion, Wien, AT

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