Zugezogen Maskulins neues Video zu "Der müde Tod" ist die schaurigschönste Hommage ans Dorf

Testo und Grim104 nehmen uns mit auf eine melancholische Zeitreise ins Herz einer verlorenen Heimat.

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Jan. 11 2018, 10:16am

Mit Tristesse kennen sich die beiden Jungs von Zugezogen Maskulin wahrlich aus. Was bei ihrem ersten Album Alles brennt noch die tragische Huldigung der Platte auf "Plattenbau O.S.T" war, wird jetzt bildstark vom neuen Video zu "Der müde Tod" in trister Dorfkulisse abgelöst. Damals war es vor allem Testos Heimat Stralsund, die beschrieben wurde. Nun geht es um Grims Herkunftsstätte, dem Friesland. Dort, wo eingeritzte Hakenkreuze im Holz der Bushaltestelle verwittern, wie es in der Beschreibung zum neuen Album Alle gegen alle treffend heißt.

Der Himmel im Video ist grau, weil dunkle Wolken alles Licht über der kargen Landschaft verschluckt haben. Kleine Text-Einblendungen untermalen die Bilder von verlassenen Straßenzügen, einsamen Parkbänken und dem weiten Meer.

Und jeder, der selbst auf dem Dorf aufgewachsen ist, fühlt folgende Zeilen wohl sehr: "Mein treuer Begleiter, beim letzten Besuch hätte ich dich um ein Haar nicht wieder erkannt. Streifst ziellos durchs Schilf, schaust den Kranichen zu. Wo du wandelst, vertrocknet das Gras." So geht es einem wohl oft, wenn man aus der Wahlheimat (im Fall der Jungs Berlin) ins öde Heimatkaff zurückkommt.

Eine nie enden wollende Hassliebe, die Zugezogen Maskulin am Ende des von Martin Swarovski gedrehten Videos philosophisch auf einer Parkbank bei Nacht bequatschen. Denn, wie heißt es im Refrain so schön: "… ein Mensch, der muss sterben - ein Tod, der muss töten. Man kann ja nicht nicht aus seiner Haut." Oder um es platt zu sagen: Man bekommt den Mensch aus dem Dorf, aber nicht das Dorf aus dem Menschen.

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