Noiseyhttps://noisey.vice.com/alpsRSS feed for https://noisey.vice.comdeThu, 22 Nov 2018 11:00:59 +0000<![CDATA[Das Fass ist full! Manuellsens Nachbarschaftsstreit ist das beste Interview 2018 ]]>https://noisey.vice.com/alps/article/9k4km3/manuellsen-beef-nachbarn-interview-hiphopde-beste-seit-cafe-fullThu, 22 Nov 2018 11:00:59 +0000Wer Manuellsen auf Instagram folgt, dem dürfte bereits aufgefallen sein, dass das Verhältnis zwischen ihm und seinen Nachbarn etwas unentspannt ist. Meistens geht es in seinen Rants um sein Auto, das – so Manuellsens Verdacht – von seinen Nachbarn regelmäßig beschmutzt wird, um den Rapper zu ärgern.

In seinem neuen Interview mit hiphop.de erfahren wir endlich die ganze Geschichte, warum und wie sich die Nachbarschaft Manuellsens Zorn eingehandelt hat. Das liegt laut ihm daran, dass die ihn partout nicht in ihrer Straße haben wollen und alles daran setzen, ihm den letzten Nerv zu rauben.

Was dabei herauskommt, ist vermutlich die beste Interview-Episode des Jahres. Das liegt einerseits an Manuellsens erzählerischem Talent und andererseits an seinem cholerischen Gemüt. Zwei Grundzutaten, die unterhaltsame Deutschrap-Interviews ausmachen. Fragt Fler.

Wie so häufig wird auch beim neuesten Beef schnell klar: Manuellsens Wut ist an sich total berechtigt. Ohne seinen Nachbarn direkt Rassismus und Sozial-Chauvinismus unterstellen zu wollen, wirkt seine Einschätzung, "ein Dorn im Auge" der schicken, neuen und vor allem sehr einheitlich deutschen Nachbarschaft zu sein, legit.

Aber selbst wenn dem nicht so wäre: Wer schon mal penetrante Nachbarn hatte, die sich über "schwere Schritte" beklagen und irrationale Linientreue zu ihrem höchsten Gut erklärt haben, der weiß, dass es sehr viel Selbstbeherrschung bedarf, um nicht auszuflippen. Wenn man dann auch noch mit einem Temperament wie dem von Manuellsen gesegnet ist, muss man schon fast sagen: Hut ab, wie ruhig er bisher geblieben ist. Für seine Verhältnisse.

Denn natürlich wirft Manu mit Schimpfwörtern wie "Hurentochter" und Drohungen wie "Ich werde jeden Tag mit 50 Motorrädern die Straße rauf und runter fahren, ich werde euer Ende bringen" um sich. Und natürlich fühlen sich die Leute dann in ihrer Meinung über ihn bestätigt. Und natürlich hat am Ende keiner was von Krieg, auch wenn man "Bock auf sowas" hat und der andere so tut "als ob sein Vater die Straße gebaut hat." Wer das Haus des Nachbarn anzündet, kann dabei auch sehr leicht das eigene abbrennen.

Aber wie Manuellsen selbst sagt, will er und wir alle doch nur eines: "Ich hab 'ne schöne Wohnung gefunden, ich will hier doch nur leben." Wir alle kämpfen für einen Platz an der Sonne und arbeiten hart dafür.

Hier also ein Appell an die schicke Nachbarschaft in Mühlheim mit den denkmalgeschützten Häusern und an Manuellsen: Leben und leben lassen.

Und an alle anderen: Schaut euch dieses Interview an!

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9k4km3Noisey StaffNina DamschbeefInterviewDeutschrapnachbarnManuellsenSehr wichtige Internetvideosnachbarschaft
<![CDATA[Schlägerei bei Pusha T Konzert: Wir haben für euch die absurdesten Momente rausgesucht]]>https://noisey.vice.com/alps/article/9k4k3a/pusha-t-konzert-drake-schlagerei-toronto-absurde-momente-videoWed, 21 Nov 2018 16:52:46 +0000Beim Konzert von Rapper Pusha T in Toronto gab es am 20. November eine Schlägerei auf der Bühne. Pusha-T blieb davon verschont, weil er schon von der Bildfläche verschwand, als die ersten Becher flogen. Danach türmten sich schlagende Menschenleiber genau da, wo er gerade noch performt hatte. Drei Leute mussten ins Krankenhaus, ernsthaft verletzt wurde glücklicherweise wohl niemand.

Natürlich gab es sofort wilde Spekulationen rund um den Beef mit Drake und ob der bzw. seine Fans hinter der Attacke stecken könnten. Was den Gewaltausbruch jedoch ein bisschen komisch macht, sind die abstrusen Details, die das ganze Geschehen teilweise wie ein unbeholfenes Gekabbel in der Hüpfburg bei der Baumarkt-Neueröffnung aussehen lassen.

Da in den zwei Minuten so viel gleichzeitig passiert und man leicht was übersehen könnte, haben wir für euch die absurdesten Momente rausgesucht.

Pusha-T erschreckt sich und flieht betont cool vor dem Regen

Der Typ in Pink sorgt für ein weiteres Highlight: Er schlägt nochmal kräftig auf den Hin-Und-Her-Gezerrten von eben, wird dann von diesem umgerissen, woraufhin der endlich flüchten kann. Empört hebt Pinky seine Arme, wie ein Fußballer, der gerade jemanden gefoult hat und vor dem Schiri seine Unschuld beteuern will.

Nachdem sich alles wieder beruhigt hatte, kam Pusha T dann schließlich doch zurück auf die Bühne und setzte sein Konzert fort – ganz zur Freude der etwas schockierten Fans. Aufgebracht behauptete er, dass Leute dafür bezahlt wurden, um das Event zu stören. Wir hoffen natürlich, dass das Ganze nichts mit dem Beef zwischen den zwei Rapgrößen zu tun hatte.

Schlägereien sind sowieso das Letzte, egal aus welchen Gründen. Erst recht auf Konzerten.

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<![CDATA[Wie Hoe__Mies es in kürzester Zeit geschafft haben, das wichtigste DJ-Team der deutschen HipHop-Szene zu werden]]>https://noisey.vice.com/alps/article/j5z5my/hoe-mies-dj-hiphop-feminismus-awareness-party-festivalsWed, 21 Nov 2018 16:23:21 +0000Ich würde behaupten, so ziemlich jede Form von Belästigung schon mal beim Feiern erlebt zu haben. Das völlig überraschende Begrabschen. Die Pirschjagden von creepy Typen, die einen in jede noch so verlassene Ecke des Clubs verfolgen. Die weder deeskalierendes Lächeln noch verbales oder physisches Wehren aufzuhalten vermag. Die Aggression – sowohl verbal als auch physisch –, die manchmal darauf folgte, wenn man das Interesse nicht erwiderte. Oder das eine Mal, als der Mann, der meine Freundin Wochen zuvor missbraucht hatte, mich schlagen wollte und von seinen Kumpels festgehalten werden musste, weil "wir Scheiße über ihn erzählten". Wie ich damals diejenige war, die die Party verlassen musste und nicht er.

Eigentlich war es meistens ich, die gehen, ja regelrecht flüchten musste, um diesen Situationen zu entgehen. An einen anderen Platz im Club, auf die Toilette oder eben auch des öfteren komplett nach Hause. Bei einer Party von Hoe__Mies wäre das wahrscheinlich anders abgelaufen.

Hoe__Mies, das sind die beiden Freundinnen, DJs und Veranstalterinnen Lucia Luciano und Gizem Adiyaman, die in der Berliner HipHop-Szene gerade eine kleine, neonleuchtende Revolution anzetteln.

Hoe_Mies Lucia und Gizem

Für Hoe__Mies dürfte aber selbst ein vermeintlicher "Quoten-Bonus" kein potenzieller Hater-Vorwurf mehr sein. Denn Fakt ist, dass die Reaktionen auf ihre Parties, ihre Festival-Auftritte und auch DJ-Battles für sich selbst sprechen. Jede Party hat Einlassstop, die Fangemeinde wächst täglich weiter, auf dem splash! hatten sie die wildeste Partycrowd von allen. Und sogar einen Pokal konnten Lucia und Gizem bereits für Hoe__Mies einsacken.

Partys ohne albernes Rumgemänner sind nicht nur für die Frauen* cool

Im Oktober gewannen sie mit ihrer "Revolution No 5"-Bühne den Red Bull Culture Clash gegen weitaus etabliertere, erfolgreichere und prominentere Teams wie Die Achse, Jugglerz und die Betty Ford Boys.

Während die anderen mit Acts wie Haftbefehl, Miami Yacine, Nimo und vielen weiteren aufwarteten, gewannen Hoe__Mies mit einem Team mehrheitlich bestehend aus Menschen aus dem LGBTQ-Bereich, People of Color und Black People. Dass dies sie zum eindeutigen Underdog auf einer deutschen HipHop-Party erklärte, dürfte klar sein.

Hoe__Mies schafften es, auf einem durchweg heterosexuell, männlich geprägten Event eines problematischen Konzerns einen queerfeministischen Showdown zu veranstalten. "Letzten Endes war es eine politische Performance", resümiert Gizem. Gesprochen wurde dennoch nur über eins: die Schlägerei zwischen den Jugglerz und den Betty Ford Boys.

"Der Skandal steht natürlich immer im Vordergrund", das versteht Lucia, auch wenn sie und Gizem mehr öffentliche Anerkennung für ihren Sieg geschätzt hätten. "Aber zwei männliche Crews, die sich anfangen zu boxen – da haben sich die meisten eh an den Kopf gefasst."

Stichwort toxische Maskulinität: Es sind übrigens nicht nur Frauen, die Hoe__Mies' Partys dafür schätzen, von stereotypem Rumgemänner verschont zu bleiben. "Wir kriegen auch voll viele Propz von Männern. Ja, auch von hetero Männern", erzählt Gizem, als ich sie frage, wie es denn mit den "Das ist Diskriminierung gegen Männer!1!!"-Rufen aussieht, die meistens nicht fern sind, wenn Frauen ihren Platz einfordern. "Die mögen den Vibe auf unseren Parties genauso."

Das könnten auch andere in der Branche für sich nutzen: "Ich dachte mir beispielsweise nach dem splash! mal wieder: Seid doch mal schlauer, und ladet euch selbst weibliche Acts ein!", meint Gizem. "Dann habt ihr auch ein größeres Publikum, das durchaus kaufkräftig ist und sich wohl fühlt."

Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die die Industrie, aber auch jeder sonst von Lucia, Gizem und ihrem ganzen Team lernen kann: Frauen einzubeziehen, ihnen den Platz zu geben, den sie verdient haben, Respekt zu geben und Realness zu fördern, ist nicht nur moralisch cool, sondern lohnt sich auch. Auch 2018 gilt im HipHop also noch: Each one teach one.

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<![CDATA[Kein Promi-Bonus für 6ix9ine – Untersuchungshaft in hartem Gefängnis]]>https://noisey.vice.com/alps/article/4393wg/tekashi-6ix9ine-gefaengnis-brooklyn-brutal-haft-gangWed, 21 Nov 2018 10:44:54 +0000Nachdem Rapper 6ix9ine am Sonntag wegen organisierter Kriminalität in sechs Punkten verhaftet wurde, äußerte sich nun sein Anwalt Lance Lazzaro zu den Vorwürfen gegen seinen Klienten, dem eine lebenslängliche Haftstrafe drohen könnte. Das würde für den 22-Jährigen mindestens 25 Jahre – Medien wie Forbes berichten sogar von 32 Jahren – Haft bedeuten.

In einem Interview mit dem HipHop-Magazin XXL erklärte Lazzaro nun jedoch, er sei sich sicher, dass 6ix9ine unschuldig aus dem Verfahren hervorgehen werde. "Ich glaube, dass die Staatsanwaltschaft seine Anklage zu hoch bemessen hat. Ich bin zuversichtlich, dass die Anklage gegen Daniel Hernandez Tekashi 6ix9ine fallen gelassen wird, wenn die Fakten ans Licht kommen."

So behauptet Lazarro beispielsweise, dass der Rapper zum Zeitpunkt einer Schießerei am 16. Juli, bei der ein Unschuldiger verletzt worden war, nicht einmal in New York war.

6ix9ine bekommt keinen Promi-Bonus

Zurzeit sitzt 6ix9ines in Untersuchungshaft. Laut Aussagen seines Anwalts gegenüber dem Boulevard-Magazins TMZ wird er dabei nicht geschont.

So erfahre der Rapper aufgrund seines Prominentenstatus angeblich keine Sonderbehandlung und befinde sich im normalen Strafvollzug mit den anderen Häftlingen des Metropolitan Detention Center in Brooklyn. Ein Gefängnis, das für seine Brutalität und "gefährlichen, gewaltbereiten und fluchtgefährdeten" Insassen bekannt sein soll, wie TMZ das U.S. Justice Department zitiert.

Für 6ix9ine, der seine Sympathien zur New Yorker Gang Nine Trey Gangsta Bloods nie verbarg, dürfte ein Knastaufenthalt unter "normalen" Gangstern besonders kritisch sein. Besonders nach seinem Interview mit der Rap-Radioshow "Breakfast Club", in dem er seinen inneren Kreis beschuldigte, sich gegen ihn gewendet zu haben. Laut TMZ äußerte Staatsanwalt Michael Longyear Bedenken, 6ix9ine könne ein besonderes Ziel für Angriffe sein und eventuell sogar erschossen werden. Sein Anwalt äußert hingegen keine Bedenken.

Ob 6ix9ine weiterhin seine Untersuchungshaft im normalen Strafvollzug verbringen muss, wird bei der heutigen Kautionsverhandlung am Mittwoch entschieden werden.

Europa-Tour im Januar unwahrscheinlich

Währenddessen gibt es noch keine offiziellen Updates bezüglich seiner Europa-Tour im Januar. Zwar wurden einige der Facebook-Veranstaltungen abgesagt, andere sind jedoch nach wie vor aktiv. Es scheint zum jetzigen Zeitpunkt jedoch recht unwahrscheinlich, den Rapper in naher Zukunft auf irgendeiner Bühne sehen zu können. Wir werden euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten.

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<![CDATA[Lil Peep war die Zukunft des Emo: Was ist mit Emo ein Jahr nach seinem Tod?]]>https://noisey.vice.com/alps/article/7xy83g/lil-peep-emo-rap-gothboiclique-wicca-phase-springs-eternal-nothing-nowhere-soundcloud-szeneWed, 21 Nov 2018 09:57:28 +0000"Heute ist Gus' Geburtstag, singt also alle mit!" – Es ist der 1. November, ein Donnerstagabend, in einem kleinen Club in Berlin tritt der Rapper Wicca Phase Springs Eternal auf. Rund 50 Leute stehen vor der Bühne, sie alle scheinen auf diesen Song gewartet zu haben. Wicca mag zwar der Gründer des Rap-Kollektivs Gothboiclique sein, aber eigentlich kennen ihn viele hier nur wegen eines anderen GBC-Mitglieds: Gustav Elijah Åhr aka Lil Peep.

Vor einem Jahr starb der 21-Jährige Rapper an einer versehentlichen Überdosis. Er, der mal vom Musikmagazin Pitchfork die "Zukunft des Emo" genannt wurde und noch ganz am Anfang einer zweifellos großen Karriere stand.

Schaut man sich an diesem Abend im Publikum um, merkt man noch immer, wie plötzlich er seinen Fans entrissen wurde. Bei Peeps Feature-Part von "Absolute in Doubt" dreht der DJ nochmal lauter, ein Fan in der ersten Reihe hält begeistert ein Peep-Shirt hoch. Wicca lässt die Crowd leidenschaftlich mitsingen, während Peeps unsterbliche Stimme durch den Raum dröhnt.

Lil Peep und die Gothboiclique

"Lil Peep ist leider erst durch seinen Tod zum größten Star geworden, er hätte es aber auch so geschafft", erzählt mir Wicca Phase wenige Stunden vor seinem Auftritt. Wicca heißt bürgerlich Adam McIlwee und sang bis zu seinem Ausstieg 2013 in der Emo-Band Tigers Jaw.

2013 lädt er seinen ersten Rap-Track als Wicca Phase Springs Eternal auf SoundCloud hoch. Statt in einer Band singt er jetzt mit seiner markanten Stimme auf düstere Trap-Beats. Textlich bleibt es gefühlsduselig und düster, wie man es aus dem Punk-Subgenre gewohnt ist.

Schnell kommt er online mit Musikern in Kontakt, die ebenfalls diesen neuen Rap feiern. Sie gründen die Gothboiclique als Kollektiv, um sich gegenseitig mit Feature-Parts und Beats zu versorgen. 2016 kommt Lil Peep als letztes Mitglied von neun dazu.

Peep ist ein begnadeter Songwriter, gutaussehend und offen menschlich – Wicca nennt schnell Gründe, warum Lil Peep in so kurzer Zeit so viele Leute mitgerissen hat. Er selbst stehe auch für immer in Peeps Schuld. Einerseits, weil er so ein guter Freund gewesen sei, aber auch, weil er so viele Hörer auf die Szene, auf Gothboiclique und somit auch auf ihn aufmerksam gemacht hat.

Dass der Pitchfork-Artikel dann 2017 Lil Peep als die "Zukunft des Emo" erklärte, fand Wicca komisch. Lil Peep sei nicht die Zukunft gewesen, sondern "das, was Emo zu diesem Zeitpunkt war". Der Sound hatte sich zwar weiterentwickelt, aber der Spirit des Emo sei gleich geblieben. Melodramatisch, über-emotional und verletzlich – so, wie Emo eben schon seit Jahrzehnten ist.

Emo ist nicht mehr an einen Sound gebunden

"Ein Problem des früheren Emo war, dass da nur Typen über Frauen und Rachefantasien gesungen haben. Heute ist das viel progressiver", meint nothing,nowhere., ein anderer SoundCloud-Künstler, der einen Abend vor Wicca in Berlin spielt. Beide waren sie schon gemeinsam auf Tour und sind befreundet.

Joe Mulherin, wie nothing,nowhere. bürgerlich heißt, fing 2015 kurz vor Peep damit an, seine Songs auf SoundCloud hochzuladen. Die Einflüsse waren ähnlich – Pop-Punk, Emo-Punk und Post-Hardcore –, aber seine Interpretation nochmal komplett anders. Statt den trap-lastigen Beats der Gothboiclique ist Mulherins Sound mit der hohen Gesangsstimme und den vielen Gitarrenriffs wesentlich näher am ursprünglichen Emo-Sound dran. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme, wie Emo klingen kann.

"Mit den neuen Generationen wird auch Emo wieder anders klingen", vermutet Mulherin. Für ihn bedeutet Emo, ehrlich, offen und verletzlich zu sein und die toxische Männlichkeit loszuwerden. Er hofft, dass egal, wie sich der Sound und Style auch verändern werden, die Künstler in ihren Songs ehrlich und verletzlich bleiben.

An Künstlern, die diesen Spirit weitertragen können, mangelt es nicht.

Der Hype um SoundCloud ist vorbei

"Als wir auf SoundCloud mit diesem Emo-Rap-Hybrid-Ding anfingen, war es neu, unverbraucht und wir waren nur sehr wenige. 2018 scheint es, als gäbe es Hunderttausende Künstler, die diesen Sound bedienen", erzählt Mulherin.

Lange bevor irgendein Medium auf das aufmerksam wurde, was da auf SoundCloud Plays aus der ganzen Welt sammelte, entstand damals eine Art Underground-Szene. Ohne Referenzen und Genre-Schranken machten viele junge Rapper im pursten Punk-Gedanken das, worauf sie Bock hatten. In Kollektiven wie Gothboiclique, SchemaPosse um Ghostemane oder TeamSESH um Bones – der einzige Rapper, den sogar Wicca als stilistischen Vorreiter nennt – halfen sie sich gegenseitig mit Beats und Feature-Parts aus.

Besonders in den letzten zwei Jahren war SoundCloud eine Brutstätte für eine Generation von Künstlern, die nicht auf Bühnen, sondern im Internet groß geworden sind. Als Rapper wie Post Malone, Lil Xan, XXXTentacion, Trippie Redd oder Juice WRLD dann vom cloudigen Zuhause auszogen, wurden sie fast sofort von Fanmassen empfangen. Und ihr altes Heim? Für Wicca Phase Springs Eternal nur noch eine Ruine.


Noisey-Video: "No Smoking in The Booth: Ein Film über Gras, Grime und psychische Gesundheit"


"Ich habe mich bei SoundCloud bestimmt seit einem Jahr nicht mehr eingeloggt", gesteht Urvater Wicca. Ein Satz, der viel über sein Verhältnis zu dem Musikdienst aussagt.

Das liege für Wicca daran, dass dort die Qualität nicht mehr stimme. Früher sei man auf neue Rapper gestoßen, weil die Künstler, denen man ohnehin schon folgte, die Songs neuer Talente gerepostet hatten. Können setzte sich durch. Als sich Newcomer diese Reposts dann aber einfach "für 50 Dollar" einkauften, sei es damit vorbei gewesen.

Eigentlich verbietet SoundCloud bezahlte Reposts. Accounts, die dagegen verstoßen, droht die Löschung. Aber wie soll der Dienst schon kontrollieren, was seine Nutzer untereinander ausmachen.

"Emo Rap" als Schimpfwort

In Deutschland wurde Caspers Musik schon 2009 Emo Rap genannt. Kein anderer Rapper wollte mit dem androgynen Emo-Style der Nuller verbunden werden, Casper vermarktete die vermeintliche Schwäche einfach als Aushängeschild. Jahre später wird der aktuelle Sound der internationalen Rap-Generation als Emo Rap bezeichnet und am meisten nervt das Künstler wie nothing,nowhere. selbst.

Nur weil er von Emo-Bands seiner Jugend beeinflusst werde, mache er keinen Emo Rap. Seine Musik sei genrelos. Mulherin wisse aber, dass es "in der Natur des Menschen liegt, Dingen ein Label geben zu müssen". Wenn man es unbedingt in eine Schublade stecken müsse, dann eben in die für experimentelle Musik.

In Zeiten, in denen Acts wie Wicca Phase mit Hardcore-Bands wie Turnstile und Metalcore-Bands wie Code Orange spielen oder nothing,nowhere. mit Pop-Punkern wie Good Charlotte und Emo-Punks wie Real Friends touren, scheinen Genres und militante Szenezugehörigkeit wirklich so zeitgemäß wie Baggie-Pants und Tribal-Tattoos zu sein.

Wicca wehrt sich schon allein gegen das Label Emo. Es verhindere, dass Künstler, die darunter fallen, ernst genommen werden. "Ich kenne nicht viele Emo-Artists, die als großartige Songwriter oder Musiker gesehen werden", erklärt er, "es ist ein Stigma". Als ob sich immer alles um Kajal und Teen-Ängste drehen würde. Als ob nicht Themen wie Depressionen, Liebeskummer, Drogensucht oder Verlust für fast jeden von Bedeutung wären.

Wie er und seine Crew Gothboiclique sich von diesem Label lösen können, wisse er aber auch nicht. Nachdenken würde er darüber aber jeden Tag.

Das erste posthume Emo-Rap-Album

Kurz vor dem ersten Jahrestag seines Todes erschien posthum Lil Peeps Album Come Over When You're Sober, Pt. 2. Auf dem Laptop seines Producers Smokasac hatten noch genügend Vocals rumgelegen, sodass er sie "nur" noch auf passende Beats bauen musste. Und schon war Lil Peep musikalisch wieder am Leben und stieg auf Platz vier der US-Billboard-Charts ein.

Lil Peep hatte über seine Musik mal gesagt, dass sie da sei, "um Menschen wissen zu lassen, dass sie nicht allein" seien. Während des Konzerts von Wicca Phase Springs Eternal fühlt sich wohl niemand einsam. Überall lächelnde Zuschauer, die an diesem Abend rumspringen, alle Songs von Wicca jubelnd beklatschen und aufschreien, wann immer das berühmte Producer-Tag "Gothboiclique" ertönt, das auch Peeps Songs veredelte.

Und er hat nicht nur Fans, sondern auch Musiker zusammengebracht. Wicca erzählt mir, wie sich damals seine Follower verdoppelt hatten, nur weil Lil Peep ein Bild mit ihm gepostet hatte. Es geht Wicca dabei nicht um die Zahlen, sondern darum, dass Peep so viele Menschen davon begeistern konnte, sich auch andere Musiker anzuhören. Auf seine Art hat Peep also etwas Bemerkenswertes geschafft, das sich nicht in Chart-Platzierungen oder SoundCloud-Plays messen lässt. Dank ihm haben sich so viele Leute für einen Abend zusammengefunden und feiern gemeinsam die Musik, die er so berühmt gemacht hat.

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<![CDATA[Disstrack gegen österreichische Regierung sorgt in rechter Szene für Aufregung]]>https://noisey.vice.com/alps/article/3k9d99/disstrack-gegen-osterreichische-regierung-sorgt-in-rechter-szene-fur-aufregungTue, 20 Nov 2018 16:25:21 +0000Der neue Disstrack der beiden Rapper Kroko Jack und Kid Pex sorgt für Unbehagen – zumindest in der rechten Szene. Am 15. November erschien das Video zu "So viel Polizei" (Noisey berichtete). Die Reaktionen aus der rechten Szene ließen nicht lange auf sich warten.

Die rechte Zeitung Wochenblick konterte in Richtung der beiden Rapper und bezeichnete den Song als "Hass-Lied" mit "infantilem Video". Im Artikel, der auf Facebook bis Dienstagvormittag über 1.150 Mal geteilt wurde, beschimpft der Autor den öffentlich-rechtlichen Radiosender FM4 außerdem als "die mit Zwangsgebühren finanzierte Stimme der hasszerfressenen linksextremen 'Kultur'".

Unter den zahlreichen Facebook-Kommentaren zu dem Artikel hat sich auch Ursula Stenzel geäußert. Stenzel ist die nicht amtsführende Stadträtin der FPÖ in Wien. Sie findet das Video "grauenhaft" und fordert einen "Aufschrei". Der Leiter der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner, kommentiert auf YouTube das Aussehen der beiden Rapper.

Disstrack-Regierung-Droogieboyz
Foto: Kid Pex

Ob Stenzel oder Sellner: Wer sich mit hetzerischen Aktionen und Aussagen schmückt, darf sich nicht wundern, wenn ab und an berechtigte Kritik kommt und diese etwas härter ausfällt. Deshalb: Hier ist ein Taschentuch, get over it.

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<![CDATA[Die widerlichsten Reaktionen zum Republik-Artikel über LGBTQ-Musiker*innen]]>https://noisey.vice.com/alps/article/xwjy4q/republik-kommentare-lgbtq-queer-feindlichkeitTue, 20 Nov 2018 14:30:38 +00002018 geizt nicht mit empathielosen Personen, die uns zurück ins 20. Jahrhundert schleudern. Dies zeigte jetzt wieder ein übler Shitstorm der Stärke 9, der übers Wochenende auf Facebook gewütet hat. Grund dafür war ein Artikel des Schweizer Magazins Republik über Queerness in der Popmusik.

Im Artikel, der am 17. November veröffentlicht wurde, geht es um die neue Platte von Planningtorock, Powerhouse. Es wird beschrieben, wie sich Planningtorock in der LGBTQ-Community und auch der modernen Popmusik emanzipierte und ihre eigene Identität fand. Das ausdrucksstarke Album wurde Anfang November releast und krönt Planningtorock laut Republik zur neuen Avantgarde des Gender-Queer-Pops.

Im Artikel wird gelobt, wie nebst Planningtorock auch weitere Künstlerinnen und Künstler wie John Grant, Blood Orange, Sophie, Tash Sultana, Christine and The Queens und Anna Calvi in ihrer Musik versuchen, die Intoleranz und Ignoranz zu bekämpfen, die Konservative der Community entgegenschleudern. Eigentlich nichts Neues, schon Künstlerinnen und Künstler wie David Bowie und Lady Gaga und Clubs wie das Berliner Berghain setzten sich dafür ein.


VICE-Video – Vorbilder und Diskriminierung: LGBT-Aktivismus in Baden


Im Artikel wird im Grunde genau das kritisiert, was später in den Kommentaren auf Facebook passiert: Mit einer ordentlichen Portion Hass gegen die Community und das Magazin führen konservative Nutzerinnen und Nutzer eine verdammt niveaulose und queerfeindliche Diskussion unter dem Artikel der Republik.

Die meisten Kommentare wurden gelöscht. "Ihre Meinung gehört Ihnen. Dieser Kanal gehört uns. Und wir dulden hier keine Gossensprache. Schönes Wochenende!", ermahnte das Magazin die Kommentierenden, als diese wie tollwütige Wildschweine auf die Republik und die Queer-Community losgingen.

Gleichzeitig versucht die Republik, mit den Leuten im respektvollen Dialog zu bleiben. Viele Kommentare blieben stehen und sind einfach nur zum Kotzen. Wir haben sie nach Brechreiz-Faktor sortiert.

Die "Die sind doch eh alle infiziert!"-Kommentare

Republik

Ganz genau! Statt einfach mit den Schultern zu zucken und den Tab zu schliessen, wenn man das Gelesene nicht mag, lieber gleich die Löschung der Seite fordern! Und die von Facebook gleich mit! Und des Internets sowieso! Wer braucht sowas?

Diese Kommentare waren leider "zu wenig obszön", um von der Seite verbannt zu werden. Facebook eignet sich ja gewissermassen auch als Diskussionsplattform – nur schade, dass diese überwiegend erwachsenen Leute den Unterschied zwischen Diskutieren und schamlosen Beleidigen nicht zu kennen scheinen.

Was lernen wir daraus? Facebook ist immer noch kein Ort für Diskussionen, bei denen man sich nicht im Minutentakt das Handy gegen die Stirn schlägt.

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<![CDATA[Boss-Move: Berner Rapper stopft sich vorm Bundeshaus Handvoll Weed in den Mund]]>https://noisey.vice.com/alps/article/qvqk9x/video-murphy-gjako-mir-si-baern-weed-mund-bundeshausTue, 20 Nov 2018 14:17:18 +0000Es ist der Punk-Move von dem jeder kleine Anarchist in uns träumt: Sich vor der Polizei einen Joint anstecken – einmal die Grenzen austesten. Nun, wir müssen euch leider enttäuschen. Das ist ab sofort alles Kinderkram! Der Berner Rapper Murphy hat die Grenzen der Weed-Provokation direkt vor dem Bundeshaus gesprengt.

Für das Musikvideo zum Track "Mir si Bärn" mit Gjako hat Newcomer Murphy eine riesige Tüte Weed ausgepackt. Und mit Tüte ist nicht ein Joint gemeint – sondern ein prall gefüllter Fünf-Liter-Sack, mit dem Murphy unbehelligt vor dem Bundeshaus rumwedelt. Nicht mal von einem durchfahrenden Polizeiauto lässt er sich beeindrucken.

Murphy packt sogar noch einen drauf. Auf der Bundesterrasse hat Murphy sein Weed fein säuberlich auf der Kupfer-Miniatur-Version des Bundeshauses verteilt, um sich dann eine Handvoll Blüten in den Mund zu stopfen. Sein Homie Gjako kann sich einen Lachanfall nicht verkneifen und muss kurz aus dem Bild treten. Wir hätten wohl nicht anders reagiert, weil das eindeutig Comedy-Gold ist und darum ein echter Boss-Move.

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<![CDATA[Tourlöcher, Trauer, Rausch: Danger Dan hat mit uns über Depressionen gesprochen]]>https://noisey.vice.com/alps/article/8xpqmb/danger-dan-antilopen-gang-depressionen-kunst-und-kopfkrieg-interviewTue, 20 Nov 2018 13:28:53 +0000Es gibt sehr gute Deutschrapalben. Aschenbecher von Danger Dan und NMZS ist so eines. 2012 erschienen, mixten die beiden Düsseldorfer darauf Nerd- und Rockstartum und husteten sich beim gegenseitigen Unterbieten von Lebensfreude die Seele aus dem Leib. Danger Dan macht Musik mit der Antilopen Gang und solo, vorrangig live, mit politischer Haltung, Gesang und Skills am Piano. Kurz vor unserem Treffen erscheint das Soloalbum Reflexionen aus dem beschönigten Leben . Wir sitzen in Berlin / Kreuzberg am Wasser des Landwehrkanals. Das Geschnatter der Schwäne und der Touristen auf den Sightseeing-Dampfern gleitet eine gute Stunde lang an uns vorbei. Wieviel ist das Mitglied der “Schwarze Lunge Bruderschaft” bereit, aus seinem beschönigten Leben preiszugeben? Ja, und über den Suizid des vierten Antilopen-Gang-Mitgliedes Jakob Wich (NMZS) wollte ich auch sprechen. Aber das machte mir beinahe ein schlechtes Gewissen…

Laurens Dillmann schrieb für das JUICE-Magazin und das splash! Mag und beschäftigt sich mit Körperpsychotherapie, Naturheilkunde und Ernährung. Er ist Autor eines Romans (Oskar, 2014) und eines Gedichtbandes (Hummerscheren und Wackelpudding, 2013). Für Noisey spricht er mit Künstlern über Depressionen, Krieg im eigenen Kopf, Meditation und wie man diese Krisen überwindet. Für den dritten Teil seiner Interview-Serie "Kunst und Kopfkrieg" hat sich Laurens mit Danger Dan getroffen.

Laurens: Wie ist es, als Hinterbliebener über jemanden zu sprechen, der sich entschieden hat, sein Leben zu beenden?
Danger Dan: Also ehrlich gesagt gibt es kaum gute Gespräche über Jakobs Tod. Da gibt es die Sensationsgeilen. Das ist ungefähr so, wie wenn Journalisten, denen ich erzählt habe, dass ich Therapie mache, mich dann fragen: "Was war denn ein krasser Moment in deiner Therapie?" Da denke ich direkt: Du Arschloch, du willst dein Clickbait, ich will meine Platte verkaufen. Einigen wir uns darauf.

Aber auf Jakob sprechen mich ja auch Fans nach Konzerten an, im völlig falschen Moment. Leute, die ich nicht kenne. Ich komme von der Bühne, voll auf Adrenalin. Alle sind besoffen, laute Musik im Hintergrund. Dann will jemand über etwas reden, was ich nach fünf Jahren nicht mehr en détail besprechen möchte. Die erwarten dann eine Trauerstimmung. Aber vielleicht will ich einfach nur noch einen saufen und gut ist.

"Da denke ich direkt: Du Arschloch, du willst dein Clickbait, ich will meine Platte verkaufen."

Es muss auch nicht immer ein gutes Gespräch sein. Mein Anliegen mit dieser Kolumne ist, überhaupt zu sprechen. Über tiefe Täler. Und manchmal glaube ich, jeder Mensch wäre in Therapie gut aufgehoben. Kannst du das nachvollziehen?
Mir fällt auch auf, dass ich niemandem in meinem Umfeld kenne, der nicht therapeutische Erfahrung gesammelt hat oder mal welche sammeln sollte.

Vielen fehlt ein Ort, wo wir hingehen können, wenn es uns schlecht geht. Die Wartelisten für Therapeuten sind meiner Erfahrung nach lang, in den Großstädten zumindest.
Ich stimme dir zu, die Menschen brauchen Begegnungen. Das muss aber gar kein Deep Talk sein. Es kann sich auch leicht anfühlen. Begegnung mit Menschen. Mit sich selbst. Aber mit anderen klappt das meist besser.

Und was macht deine Therapie aus? Fühlst du dich dort verstanden?
Die ist schon cool, meine Therapeutin. Ich finde sie super. Sie ist niemand, mit dem ich über Grundsatzthematiken diskutieren müsste. Sie ist sensibilisiert für das, was mir auch wichtig ist. Sexismus, Rassismus spielen da keine Rolle. Das wäre eher meine Angst gewesen. Dass ich zu jemandem hingehe, der 1.0-Abitur hat, Psychologie studiert und eine super teure Ausbildung macht, die die reichen Eltern bezahlen. Ich dachte, vielleicht treffe ich jemanden aus einer Lebenswelt, die sich mit meiner so gar nicht überschneidet.

Ich war mal bei einer verrückten Katzenfrau, die sind ihr immer während des Erstgesprächs auf den Schoß gesprungen. Eine andere Therapeutin hat die Kästchen auf ihrem Block ausgezeichnet.
Eine verrückte Katzenfrau kann doch auch super sein. Meine Ex-Freundin hat tiergestützte Therapie gemacht. Die ist mit einem Hund in den Knast gegangen. Für voll viele Dudes, die dort eingesperrt und in einer lebensfeindlichen Umgebung voller pöbelnder Männer sind, ist das voll geil, wenn die einfach mal mit 'nem Hund spielen können. Und ey, Man, das Geilste, wenn's dir richtig dreckig geht: Babykatzenvideos!


VICE-Video – "Die großen Katzen des Persischen Golfs":


Ich mache schon mein ganzes Leben Therapie. Anfangs unfreiwillig, irgendwann selbstgewählt. Zurzeit entwickelt es sich dahin, dass ich mein eigener Therapeut werden möchte. Ich will selbst wissen, was gut für mich ist.
Ich habe mal Kreativtherapie mit dem Schwerpunkt Musik studiert, allerdings nur kurz. In fast allen europäischen Ländern außer Deutschland und Italien kannst du therapeutische Grundausbildungen machen. In Deutschland musst du erst einen anderen Beruf lernen. Medizin oder Psychologie. Mit Psychologie kannst du auch ganz gut in 'ner Personalabteilung oder in der Verkehrspsychologie arbeiten. Aber du bist noch kein Therapeut, dafür brauchst du erst die Ausbildung. Ich habe das in den Niederlanden gemacht, da führt die Ausbildung direkt zum Berufsabschluss. Ich hatte weder Abitur, noch konnte ich Niederländisch. Da gab's so eine Begabtenprüfung mit Kolloquium. Ich glaube, die haben schon gecheckt, dass mein 11. Klasse-Halbjahreszeugnis kein Abitur ist, aber die fanden mich ganz korrekt und haben mir eine Chance gegeben.

Aber ich war gar nicht in der Lage, konstant irgendwo hinzugehen. Fünf Tage die Woche à acht Stunden, plus Lernen. Da hatte ich nicht die Muße. Nach sechs Monaten kam das Angebot, mit einer Band auf Frankreichtour zu gehen. Ich dachte, das ist eine gute Pause, aber ich bin immer auf Tour geblieben. Ganz gute Ausrede. Hätte ich mich gegen die Tour und für das Studium entschieden, wäre ich vielleicht daran gescheitert. Diese Konstanz hätte ich gar nicht aufbringen können.


"Die ersten drei Monate mit mir sind Romantik pur / Danach gehe ich erstmal vier Wochen auf Frankreichtour", rappt Danger Dan auf dem Album Aschenbecher. Ich bin mir nicht sicher, was den raucherlungenschwarzen Humor der beiden Antilopen damals für mich so besonders gemacht hat. Ich mochte den Geschmack von Nikotin nie. Vielleicht hat mich der Aschenbecher angezogen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, das Leben zum Kotzen zu finden. Ich kenne das Gefühl, sich am Chaos zu berauschen und die eigene Verwahrlosung zu feiern. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass man selbst aus den tiefsten Löchern wieder hervorkrabbeln kann.

War das die Aschenbecher-Phase?
Ja. Aber die ging ja eh sehr lange.

Wie lange?
Das ist immer die Frage. Wann fängt sie an, wann hört sie auf. Oder ist man noch drin? Diese Aschenbecher-Metapher … Wenn man das Glück hat und die ganz alten Antilopen-Alben auf CD hat, kann man im Booklet gucken, wo wir das aufgenommen haben. Es gibt meistens zwei Studios. Einmal: "Der geheime Raum", das ist das Studio von Panik Panzer, und "Der Aschenbecher", das ist das Studio von mir. Der Aschenbecher hieß Aschenbecher, weil ich darin alles vollgeraucht und vollgeascht habe. Rückwirkend steht die Metapher für mehr. Für eine Art Loch oder Lebenseinstellung. Für etwas Gutes und Schlechtes gleichzeitig. Der Aschenbecher ist nicht nur verabscheuungswürdig. Das ist wie der Punker, der über den Businessmann lacht, wenn er vorbeiläuft und umgekehrt. Beide gucken sich mit einer gewissen Überheblichkeit an und beide haben auf eine Weise recht. Der Aschenbecher lässt auch zwei Perspektiven zu.

Was genau ist das Gute am Aschenbecher-Lifestyle?
Der ist frei von jeder Verwertungslogik. Da geht es nicht um Selbstoptimierung und allen erzählen, wie geil man ist. Dann chillt man halt und raucht 'ne Kippe (stößt Rauch aus dem Mund).

"Du kommst überhaupt keinem Musiker auf die Schliche, nur weil du seine Musik anhörst."

Nach dem, was mit NMZS passiert ist: Denkst du im Nachhinein, ihr hättet anders an die Albumentstehung herangehen sollen? Den Pessimismus nicht so zelebrieren?
Ich finde es ein bisschen ärgerlich, welche Tiefe in dieses Album hineingelesen wird, die gar nicht da war. Im Moment des Schreibens haben wir überwiegend gelacht. Wir fanden das Überspitzte lustig. Im Grunde ist es ein Gegenentwurf zum ständigen "Ich bin besser als du"-Rap. Ich hab' alles. Ich bin mega stark. Ich hab' ganz viel Geld. Ich hab' ein Auto. Das Album war die Umkehrung, die genauso überspitzt war. Aussagen wie: Ich bin voll schwach. Ich hab' kein Auto. Ich hab' kein Geld. Nichtmal einen Führerschein. All das, mit einer gewissen Überheblichkeit.

Natürlich hat das auch etwas sehr Nihilistisches. “Ich komme aus dem Nichts und ich gehe in das Nichts und dazwischen ist ein Aschenbecher.” Das hat etwas brachial Verneinendes. Aber erst nach Jakobs Tod haben Leute angefangen, das Album nochmal ganz anders zu hören und völlig andere Interpretationen zu ziehen. Es ging in vielen späteren Plattenbesprechungen nur noch darum, dem toten NMSZ beziehungsweise dem Thema Selbstmord ganz nahe zu sein. Das hat auch etwas Voyeuristisches. Das eigentliche Album, wie es geschrieben und gemeint war, gab es nur in der Zeit vor seinem Tod.

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Ich wünsche mir einfach Alternativen, eine Erweiterung unserer schulmedizinischen Betrachtungsweise des Körpers und unserer Gesundheit.
Aber das ist ja nichts Spirituelles. Du musst da nicht mit Begriffen wie Geist arbeiten. Was ja spirituell meint – geistlich. Da gibt es auch einfach logische Erklärungen, wie und warum das funktioniert. Ich maße mir auch nicht an, dass ich alles naturwissenschaftlich belegt und erklärt haben möchte. Aber man braucht einfach nicht diesen esoterischen Überbau, um so etwas wie Meditation zu betreiben. Du kommst ja auch in ähnliche Zustände, wenn du joggst. Irgendwann nicht mehr nachdenkst, nur noch laufen, laufen, laufen. Für ein paar Minuten bist du frei. Von allem. Weil du nur noch läufst. Und mit SM-Praktiken kannst du auch ähnliche Effekte erzielen. Meditieren hilft bestimmt. Aber vielleicht hilft manchen Leuten auch dreimal die Woche eine gute SM-Session und sich mal ein bisschen auspeitschen lassen. Das befreit die bestimmt auch voll. Es geht ja eigentlich nur darum, das Hirn mal auszumachen.

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Notrufnummern für Menschen mit Depressionen und anderen psychischen Notfallsituationen bieten Hilfe für Personen, die Unterstützung brauchen – oder sich Sorgen um einen nahestehenden Menschen machen. Die Nummer der Telefonseelsorge in Deutschland ist: 0800 111 0 111. Hier gibt es auch einen Chat. In dieser Liste sind bundesweite Anlaufstellen für Menschen mit Depressionen aufgeführt.

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<![CDATA[6ix9ine droht eine lebenslange Haftstrafe wegen organisierter Kriminalität]]>https://noisey.vice.com/alps/article/439x8j/tekashi-6ix9ine-verhaftet-lebenslang-strafe-organisierte-kriminalitat-gangTue, 20 Nov 2018 10:32:13 +0000Nachdem der Rapper Tekashi 6ix9ine am Abend des 18. November in New York City verhaftet wurde, veröffentlichte das US-Justizministerium nun ein Statement. Demzufolge soll der 22-Jährige in sechs Punkten angeklagt werden, darunter zwei Feuerwaffendelikte und vier Fälle von "Racketeering", was keine eindeutige deutsche Übersetzung hat. Meist bezieht sich der Begriff aber allgemein auf verschiedene Formen der organisierten Kriminalität. Sein Ex-Manager Shottie, sowie einige seiner Mitarbeiter sind ebenfalls angeklagt.

Allein für zwei seiner Anklagepunkte beträgt das Strafmaß lebenslang. 6ix9ine, der sich im Moment auf Bewährung wegen "Nutzung eines Kindes in einer sexuellen Darbietung" und "ordnungswidrigen Verhaltens" befindet, könnte im Falle einer Verurteilung also eine Mindesthaftstrafe von 25 Jahren drohen.

Laut Staatsanwaltschaft sind die Anklagen das Ergebnis einer fünfjährigen bundesstaatlichen Untersuchung, die das ATF mit Unterstützung der Homeland Security Investigations und der New York City Police Department durchgeführt hatte.

Eine Kaution von einer Million Dollar, die auch einschloss, dass Daniel Hernandez, wie 6ix9ine mit bürgerlichem Namen heißt, seinen Pass abgeben muss, wurde vom Richter abgelehnt, wie der Rolling Stone berichtet. Seiner Einschätzung nach stelle der Rapper auch unter den Kautionsbedingungen eine Gefahr für die Gesellschaft dar.

6ix9ine befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Ein Termin für die Gerichtsverhandlung ist noch nicht bekannt.

Nachdem der Rapper Mitte November sein komplettes Team entlassen und seine US-Tour abgesagt hatte, ist noch nicht klar, was dies nun für seine Europa-Tour im Januar bedeutet.

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