Diesen 10 Schweizer Acts wird 2018 gehören

Noisey hat zusammen mit 50 der wichtigsten Musikpersönlichkeiten des Landes die Artists gesucht, die dieses Jahr jeder kennen muss.

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Jan. 9 2018, 11:00pm

Die Punk-Rapper S.O.S landen mit zwei Alben gleichzeitig in den Charts, Jeans for Jesus und Dachs machen Mundartpop great again und Crimers Mittelscheitel begeistert vom Grosi bis zum Hipster-Meitli alle: 2017 war ein verdammt spannendes Jahr für Schweizer Musik, 2018 soll noch besser werden. Deshalb präsentiert Noisey mit Lift Up zehn Schweizer Künstler aus diversen Genres, die das Potenzial haben, 2018 zu ihrem Jahr zu machen. Noisey hat dafür 50 Musikjournalisten, Konzert- und Festival-Booker und Radio-Hosts aus dem ganzen Land gebeten, jeweils drei Künstler zu nominieren, auf die sie sich im Jahr 2018 freuen, von denen sie denken, dass sie den grossen Durchbruch schaffen werden oder die einen wichtigen Release anstehen haben. Die Künstler mit den meisten Nennungen – also die Acts, die bereits von den Insidern gehypt werden – präsentiert Noisey hier mit Lift Up:

Der Basler Produzent Audio Dope verspricht mit seinem Namen nicht zu wenig: Sein Sound zwischen Lo-Fi-HipHop und Future-Bass ist eine Droge für die Ohren. Nicht umsonst releaste er seine zwei neusten Werke "Floating" und "All Right" auf dem weltbekannten Label Majestic Casual und landete damit auf diversen offiziellen Spotify-Playlists – nach nur zwei Monaten zählt "Floating" 500.000 Plays alleine auf dem Streamingportal. Dass gerade ein richtiger Hype um Audio Dope entsteht, kommt nicht von ungefähr: 2016 gewann er am m4music die Demotape-Clinic in der Kategorie "Electronic", baute seine Auftritte zu Liveshows mit Band aus und mauserte sich mit immer besseren Produktionen zum Geheimtipp in der Beats-Szene. 2018 folgt nun das selbstbetitelte Debütalbum, das weit über die Landesgrenzen hinaus Hörer finden dürfte, denn Audio Dope reiht sich mit spannenden Beats-Reisen hervorragend in die Trendwelle zwischen Lo-Fi-HipHop und Future-Bass ein.

Next Release: Album Audio Dope, 2. Februar 2018
Next Shows: 8. Februar im Exil, Zürich / 24. März in Basel (tba)
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Die Genfer Sängerin Danitsa war die wohl unterbewerteste Schweizer Musiküberraschung 2017. Da releast eine 22-Jährige mit Ego ein abwechslungsreiches, unglaublich starkes Debütalbum und fast die gesamte Deutschschweiz verpennt es. 2018 sollte sich das ändern. Wenn jemand nämlich nicht nur den Röstigraben, sondern auch direkt die Landesgrenzen musikalisch sprengen kann, dann Danitsa. Die in Paris geborene Sängerin und der Genfer Produzent Felix Landis haben mit Danitsas Debüt eine Blaupause für modernen und welttauglichen, urbanen Sound kreiert – zwischen jamaikanischen Einflüssen, Trap-Rap-Attitüde und sexy RnB-Vibes. Gleichzeitig geht Danitsa textlich in die Tiefe und behandelt auf ihren Tracks Emanzipation, Selbstzweifel und Gesellschaftskritik. Mit dieser Zauberformel geht es 2018 auf Tour durch die Schweiz und Frankreich.

Last Release: Album Ego, 24. November 2017
Next Shows: 1. Februar im Antigel, Genf / 16. Februar im L'amalgame, Yverdon
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Das Power-Girls-Duo Ikan Hyu ist eigentlich noch ein unbeschriebenes Blatt. Auf Soundcloud finden sich drei Demos von ihnen, auf YouTube ein paar Live-Aufnahmen. Aber was Anisa Djojoatmodjo und Hannah Bissegger – die sich aus dem ZHdK-Musik-Masterstudium kennen – bislang abgeliefert haben, überzeugt auf voller Linie, besonders live. So muss sich Bluesrock im 21. Jahrhundert anhören: kreativ, genresprengend, mit elektronischer Musik fusioniert, dreckig und poppig zugleich. Was Ikan Hyu da zu zweit auf diversen Instrumenten zusammenschustern, ist verrückt und deshalb so genial. Da geht die Rockhymne in einen Soul-Rap-Part über, die Gitarre wird zum Synthesizer umfunktioniert. Auch eine Post-Rock-Ballade haben Ikan Hyu im Repertoire. Was dem Duo 2018 zum grossen Durchbruch verhelfen könnte, ist eine Kraft in ihren Stücken und ein spürbarer Drang, mit ihrer Musik mehr zu machen als bloss Musik.

Next Release: tba, laut Label soll 2018 sicher Musik kommen
Next Shows: 13. Januar im Provitreff, Zürich / 6. Februar am One of a Million-Festival, Baden / 3. März am Radar Festival, Zürich
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Foto: Mahalia Aura Haberthür

Die Berner Neon-Pop-Queen platzte 2017 auf einmal in die Schweizer Musiklandschaft. Und mit ihrer Single "The Rebel" legt Jessiquoi die Messlatte für ihr 2018 erscheinendes Debütalbum ziemlich hoch. Die DIY-Rebellin macht zwar Pop, aber nicht um der Industrie zu gefallen. Stattdessen produziert sie Musik, auf die sie Bock hat – irgendwo zwischen M.I.A., Die Antwoord und Peaches. So prangte Jessiquoi im vergangenen Jahr auf zahllosen Club- und Konzertplakaten. Im Sommer 2017 stand sie unter anderem auf dem Line-up des Gurten Festival, des Zurich Openair und des Les Digitales. Wer Jessiquoi schon live gesehen hat, weiss, dass sie mehr bietet als 08/15-Bühnenprogramm. Die Bernerin kreiert eine einzigartige audiovisuelle Performance mit eigens produzierten Live-Electronica. Auf der Bühne ist nichts normal – neonfarbene Outfits, exzentrisches Tanzen und Jessiquois selbstgebauter Soundwagen ergeben ein freakiges Fest für die Sinne. Die Inspiration zu ihrem Stil findet Jessiquoi in einem gewissen Körpergefühl, einem Rhythmus, den sie spürt, sagt sie. Obwohl noch nicht klar ist, wann ihr Debütalbum rauskommt und wie es heissen wird, dürfte sich die Neon-Pop-Queen damit endgültig die Krone aufsetzen.

Next Release: Debütalbum 2018
Next Shows: 10. März am Winterfestival, Wolhusen
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Vom No-Name zum Fame: So geht es auch 2017 in der Schweiz – Landro macht es vor. Seine erste Single "Holunderblüetesirup" entwickelte sich dank catchy Refrain und tropischen Vibes zu einem kleinen Sommerhit: Der Track hat mehr als 300.000 Plays auf YouTube und Spotify, bei SRF 3 befindet er sich immer noch in der Rotation. Und das, obwohl die Stimme und die Eigenproduktion(!) des Bieler Pop-Rappers damals bei Weitem noch nicht ausgereift waren. Doch der 21-Jährige hat den Rückenwind genutzt, um an seiner Musik und seinem Können zu feilen. Jetzt ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Landro den nächsten Hit landet. Vor allem, weil er sich auf einem interessanten Mittelweg zwischen Mundartrap und -Pop bewegt: Im Gegensatz zu seinem Lokalkollegen Nemo zum Beispiel orientiert sich Landro nicht am Schweizer Pop-Rap-Zirkus – aber auch nicht an der HipHop-Szene. Landro fährt einfach seine eigene Schiene, wie er auch auf "Next Level Full Speed" rappt: "Mir doch scheissegal, mache eifach was ich wott." 2018 wird zeigen, ob der Plan aufgeht.

Next Release: Debütalbum 2018
Next Shows: tba
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Wenn sich zwei der begnadetsten Techno-Produzenten Berns zusammentun, muss dabei Grosses rauskommen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, als Biru von den Round Table Knights und Melvyn Buss von Mercury Ende 2016 ihren ersten Song veröffentlichten – und das unter dem wenig bescheidenen Namen Monumental Men. Mittlerweile ist noch Roman Bühlmann, Sänger der Folk-Band Patrick Bishop, dazugestossen. Und was Monumental Men Ende 2017 veröffentlichten, überstieg wohl selbst die höchsten Erwartungen: Mit "Enemy" und "Navigate~" zeigt das Trio, dass es grösser ist als Techno. Monumental Men erschaffen modernen, vielschichtigen, elektronischen Pop mit epischen Klangbildern, irgendwo zwischen Woodkid und Moderat. Am 9. Februar erscheint die EP Monumental Men – potentiell einer der wichtigsten Schweizer Releases des Jahres 2018. Ausserdem arbeitet das Trio gerade mit einem Team von Videokünstlern, Bühnendesignern, Lichttechnikern und Grafikern an einem aussergewöhnlichen Live-Konzept.

Next Release: EP Monumental Men, 9. Februar 2018
Next Shows: 09. März im Dachstock, Bern / 22.–24. März am m4music, Zürich / 28. März in der Kantine am Berghain, Berlin (DE)
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Du feilst so lange dran, bis du an der Spitze bist. Das scheint sich die Badener Band One Sentence. Supervisor auf die Fahne geschrieben zu haben: Ihr Debütalbum This Heavy Sea aus dem Jahr 2013 zeigte spannende Post-Indie-Ansätze, wirkte zum Teil aber noch fast wie ein Demo. 2016 kam mit Temporär Musik 1-13 der nächste Wurf und plötzlich war One Sentence. Supervisor in aller Munde: Das Vierergespann ist im Songschreiben gewachsen, hat einen spannenden Sound zwischen Kraut, Indie-Rock und Psy-Pop gefunden und wird als hervorragende Liveband geschätzt. One Sentence. Supervisor spielten 2017 am Great Escape in Brighton, am Reeperbahn Festival und an der Bad Bonn Kilbi, ausserdem tourten sie als Support von Archive durch Grossbritannien. Mit "Algorithm" ist ihnen sogar ein kleiner Hit gelungen. Ende 2017 veröffentlichen sie mit dem Oud-Spieler (arabische Laute) Bahur Ghazi den Song "Onomatopoeia". Und wieder klingen One Sentence. Supervisor durchdachter, besser produziert, hitverdächtiger. Wenn das so weitergeht, werden die Badener noch richtig gross.

Next Release: tba, laut Frontmann Donat Kaufmann wird 2018 sicher Musik kommen
Next Shows: 18.-19. Januar am Eurosponic Noorderslag, Groigen (NL)
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Wenn seit einem halben Jahr kein wichtiges Mundartrap-Album mehr ohne ein Featuring von dir erscheint, hast du definitiv etwas richtig gemacht. Dass Pronto 2018 der Shootingstar der Schweizer HipHop-Szene ist, hätte noch vor einem Jahr niemand erwartet. Damals stand der Name des Solothurners gerade mal über zwei amateurhaften Musikvideos. Heute dagegen zählt "Clean" über eine Million Klicks auf YouTube und gehört zu den wichtigsten Mundartrap-Releases der 2010er-Jahre. Mit seiner ersten EP Solo Di Nero hat Pronto nun den nächsten Schritt gemacht, um sich ein Denkmal zu setzen: Die zu grossen Teilen selbst produzierten Afro- und Trap-Beats auf den fünf Tracks könnten easy aus Amerika oder Deutschland stammen und wer nicht genau hinhört, könnte Pronto ohne Problem einem dieser Länder zuordnen – nur das Schweizerdeutsch verrät, dass da gerade ein Solothurner rappt. Mit mächtig Rückenwind aus der Szene, einem Majorlabel (Universal Music), das voll auf ihn setzt, und etwas Glück könnte Pronto 2018 nicht nur das nächste grosse Ding im Mundartrap sein, sondern weltweit.

Last Release: EP Solo Di Nero, 1. Dezember 2017
Next Shows: 10. März am Lyrics Festival
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Es ist eine schöne Vorstellung, dass Pyrit in einem Raumschiff auf der Erde gelandet ist, sich die Musik der vorherrschenden Spezies angehört hat und sie jetzt neu interpretiert. Und sie scheint gar nicht mal so abwegig. Das Debütalbum Ufo des in Paris lebenden Zürchers ist eine musikalische Entdeckungsreise mit Gitarre und Synthesizer: Thomas Kuratli, so Pyrit bürgerlich, schafft mystische Sound-Landschaften, die er mit einer unendlichen Melancholie paart. Womöglich ein verzweifelter, einsamer Schrei nach der Heimat? Dass Pyrit sehr malerische Musik produziert, überrascht wenig: Zuletzt schrieb und produzierte er den Soundtrack für den Schweizer Film Blue My Mind. 2018 will sich Thomas Kuratli aber wieder auf sein Soloprojekt konzentrieren – an dieser Stelle freuen wir uns, zu kommunizieren, dass Pyrit sein zweites Album Control am 6. April veröffentlichen wird.

Next Release: Album Control, 6. April 2018
Next Shows: tba
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Manuel Gagneuxs Projekt begann als Witz auf der Forum-Plattform 4chan und ist keine zwei Jahre später das wohl spannendste Metal-Projekt der Schweiz – wenn nicht sogar der Welt. Zeal & Ardor, so würde es sich anhören, wenn Afroamerikaner mit Black Metal gegen die Sklaverei protestiert hätten. Diese Mischung aus Delta Blues und Metal imponiert dermassen, dass Zeal & Ardor mit seinem ersten Release Devil is Fine wie ein Leuchtfeuer durch Medien, Metal-Podcasts, Festivals und Konzertsäle in aller Welt ging. In Metal-Kreisen ist die Basler Band also längst kein Geheimtipp mehr – doch durch die Genre-Fusion könnte Zeal & Ardor auch ausserhalb der Szene Fuss fassen. Besonders live ist die Band überragend: Jeder Song ist ein energiegeladener Ritt mit Höhen und Tiefen, das Zusammenspiel von Manuels Black-Metal-Gesang und den bluesigen Stimmen seiner Background-Sänger reissen durchgehend mit. Und die neuen Songs, die Zeal & Ardor schon live spielt und 2018 veröffentlicht werden sollen, setzen noch einen drauf.

Next Release: Album 2018
Next Shows: 17.–18. Januar am Eurosponic Noorderslag, Groigen (NL), 23. März am m4music, Zürich
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