Foto: Nathan Dumlao via Unsplash

Die zehn allerbesten Happy-Hardcore-Remixe der Welt

Von "Wonderwall" bis Björk und Madonna: Diese Songs wurden mit einer übertriebenen Bassline veredelt und klingen jetzt viel besser.

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30 September 2016, 10:41am

Foto: Nathan Dumlao via Unsplash

Du suchst eine tolle Idee, wie du eine Stunde/einen Nachmittag/einen Tag/eine Woche/einen Monat/ein Jahr/ein Leben verbringen kannst? Bitte sehr: Tipp einfach irgendeinen Song, der dir in den Sinn kommt, bei YouTube ein und füge das Wort "Hardcore" hinzu. Du wirst ziemlich sicher ein inoffizielles Bootleg des besagten Songs finden. Ein Bootleg, bei dem der Remixer es für eine gute Idee hielt, den Song mit einer extrem übertriebenen Rhythmus-Spur, die absolut keinen Bezug zum Song hat, zu veredeln. Wie wäre es mit "Happy Birthday" oder "Greensleeves" oder Mozarts "Türkischem Marsc

Genau das macht die Freude und das Vergnügen an dieser Art von Musik aus – sie zeigt dem Geschmack einen riesigen Mittelfinger. Sie ist feige und aufgeblasen, roh und angriffslustig, übel und unangenehm. Es ist Musik für provinzielle Jahrmärkte und Parkhäuser; Musik, die den Soundtrack für adoleszente Eskapaden und Mutproben bildet. Es ist Musik als vollkommene Freiheit.

Un das ist der Grund, warum wir eine Liste mit unseren zehn liebsten Hardcore-Remixen aller Zeiten zusammengestellt haben. Wenn du in der Stimmung für Musik bist, die im Prinzip so klingt wie ein Schwarm besoffener Bienen, die immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand fliegen, dann bist du hier richtig!

1. Ultrabeat - Pretty Green Eyes (Hixxy Remix)

Fangen wir mit einem unbestrittenen Klassiker an. Über die nicht zu leugnende Erhabenheit von Ultrabeats „Pretty Green Eyes" haben wir bereits berichtet; es ist der Song, der im Prinzip 96% des Outputs unserer Kollegen in UK inspiriert, da er mit seiner trashigen Sentimentalität den traurigen Zustand des britischen Nachtlebens perfekt zusammenfasst. Hixxys Remix dieses Song ist dabei so funktional wie nur möglich. Aber warum sollte man mit einem Klassiker auch noch großartig etwas anstellen? Über gegrillten Fisch schüttest du ja nicht auch noch Barbecue-Soße, oder?

2. Madonna - Like a Prayer (Remix)

Eine Hardcore-Version dieses Madonna-Klassikers kann natürlich nur großartig werden. Nimm eine der auf merkwürdigste Weise bewegenden Pop-Platten, die je gemacht wurden, hau eine extrem verzerrte Bassdrum rein, die klingt, als würde ein Tischtennisball aus Beton zwischen mit Gummi überzogenen tektonischen Platten hin und her geschmettert, dreh das Tempo so hoch, dass du komische Helium-Stimmen bekommst und zack – du hast einen Song, der den perfekten Soundtrack dazu bietet, bei der Taufe der Tochter eines Freundes Speed auf einer Hüpfburg zu nehmen.

3. ABBA - The Winner Takes it All (Hardstyle Hardhouse Hardcore Techno Trance Gabber Rave Version)

Magst du deine Remixe ROH?

Magst du deine Remixe HART?

Magst du es, wenn deine Remixe NUR EIN FRAGMENT DES SONGS BEINHALTEN, DEN SIE BEHAUPTEN ZU REMIXEN, UND ABGESEHEN DAVON EIN STINKNORMALER ABER WIRKLICH ÄRGER-ARGER HARDCORE-TRACK SIND?

4. Bryan Adams - Everything I Do (Remix)

Als übermäßig ernster Teenager hast du das Original gehasst. Du hast versucht, das andere Geschlecht dadurch zu beeindrucken, dass du den eigenen Sinn für Ernsthaftigkeit überbetonst. Du mochtest Oscar Wilde und Math-Rock. Du hast Privatfernsehen und blöde Balladen, die deiner Mutter gefallen, gehasst. Aber mittlerweile, mit Mitte Zwanzig, arrangierst du dich mit Enttäuschung, Reue und Versagen und kannst Bryan mit etwas genießen, das beinahe wie ein Lächeln aussieht, wenn du dich wirklich anstrengst. Meine Fresse, ich bin alt. Bryan Adams war seit über einem Jahrzehnt kein Referenzpunkt mehr für irgendjemanden. Hilfe. Scheiße, jetzt ist es so weit.

5. Phil Collins - Another Day In Paradise (Hardcore Terror Mix)

Ist Phil Collins nicht eine der seltsamsten und unsympathischsten Figuren der Popkultur? Er strahlt eine gewisse Gruseligkeit aus, eine Art unerschütterlicher Aura der Boshaftigkeit, die den Gedanken, Zeit mit ihm zu verbringen, in etwa so attraktiv macht wie das Angebot, einen Zahn nach dem anderen gezogen zu bekommen. Ohne Narkose. Während im Hintergrund ein Best Of von Phil Collins läuft. Aber irgendwie ist dieser treffend betitelte Remix auf seine eigene hinterhältige Art großartig. Collins 80er-Kommerzradio-Melodie wurde mit irgendeiner angestaubten alten Gabber-Platte in einen Mixer geworfen und das Ergebnis klingt, als wäre Phil in einen industriellen Fleischwolf geraten. Besser klang er noch nie.

6. Red Hot Chili Peppers - Under The Bridge (DJ Finchy Hardcore Remix)

Wenn du so darüber nachdenkst, ist Unwissenheit wirklich ein Segen, oder? Wenn ich nie zum Arzt gehe, kann ich auch nicht krank werden; wenn ich Briefe vom Stromanbieter ignoriere, muss ich die Rechnung nie bezahlen; wenn ich nie zur Arbeit gehe, kann mir auch keiner auf die Nerven gehen, dass ich nie bei der Arbeit bin. Das ist auch der Grund, warum ich nichts, absolut nichts, über die mysteriöse Person wissen will, die hinter diesem perfekt funktionierenden Hardcore-Remix eines Songs steckt, den ich sonst wirklich abstoßend finde. DJ Finchy, ich will nicht wissen, woher du kommst oder wovon du nachts träumst oder welches Mitglied der No Angels du als Kind gut fandest. Nichts davon ist von Belang. Was interessiert, ist, dass du mindestens 15 Minuten damit verbracht hast, diesen Remix zusammenzustellen und weitere fünf damit, ihn bei YouTube hochzuladen. Denn du weißt, dass Kunst das Selbst übersteigt, oder nicht, DJ Finchy? Ja. Ja, du weißt es.

7. Björk - Joga (State of Emergency Mix)

Happy Hardcore ist im Prinzip das klangliche Äquivalent dazu, ohne Luft zu holen 16 Doppelte Cheeseburger hintereinander zu essen, dann genauso viele Flaschen Limos runterzustürzen, dann eine Schachtel JPS zu rauchen und anschließend mit einer kaputten 808-Drummachine in eins dieser Fahrgeschäfte zu steigen, in denen du kopfüber herumgeschleudert wirst. So fühlt sich das hier an, außer dass noch jemand Björk mit reingeschleust hat, die eine furchtbare Zeit hat, und ihr auf einmal wie auf einem schlechten LSD-Trip seid und beide versucht, nicht alles vollzukotzen und ... OK, zu spät! Du hast Björk vollgekotzt. Toll.

8. Coolio - Gangsters Paradise (2Pac Happy Hardcore Remix)

Auch wenn es schön ist, so zu tun, als wäre Musik eine Art höhere Kunstform – ein Weg, das Unaussprechliche auszudrücken, eine Salbe für die entzündete Wunde, die das Leben selbst ist – ignorierst du damit eine wichtige Sache: Die Tatsache, dass nichts davon zutrifft. Musik ist für die meisten anderen nur etwas, das dort existiert, wo die Person sich gerade befindet – ob es nun im Büro, im Supermarkt oder im Auto ist. Trotzdem gibt es Ausnahmen; Songs, die jeden noch so emotionslosen Musikhörer dazu bringen, dass er seine Hände in die Luft wirft, und seinen Körper in Zuckungen völliger und gedankenloser Begeisterung versetzen. Das hier ist einer davon. Den Remix meine ich. Das Original ist einfach schlimm.

9. Oasis - Wonderwall (Happy Hooligans Remix)

So klingt es, wenn du Alkopops mit Bier säufst. So klingt es, wenn du deinem Kumpel hinter einem Kiosk in die Kapuze kotzt, nachdem du Alkopos und Bier gesoffen hast. So klingt es, wenn dein Kumpel sich anschließend umdreht und dir eins in die Fresse haut, weil du ihm gerade Alkopops und Bier in die Kapuze gekotzt hast. So klingt es, wenn ihr beide euch Minuten nachdem er dir in die Fresse gehauen hat, weil du ihm hinter einem Kiosk Alkopops und Bier in seine Kapuze gekotzt hast, wieder vertragt. So klingt es, wenn du als alter Mann an diese jugendlichen Späße zurückdenkst, stundenlang schluchzt und dir wünschst, dass das Leben immer noch so einfach wäre, für die Chance betend, noch einmal samstagabends hinter einem Kiosk Alkopops und Bier trinken zu können.

10. Scooter Vs Status Quo - Jump that Rock

OK, in Ordnung, das ist nicht wirklich ein Remix, aber jeder, der es für keine großartige Idee hält, die Großväter des bombastischen Zwei-Akkorde-Kneipenrocks mit dem erfolgreichsten Arena-Hardcore-Act überhaupt zu vermischen, muss sich wirklich lange und intensiv selbst hinterfragen. Es ist „Whatever You Want" über einem Scooter-Track, also in etwa das klangliche Äquivalent dazu, 15 Backkartoffeln mit einem Glas Bratensoße runterzuspülen. Und manchmal willst du dich doch einfach gerne mit dicker Pampe vollstopfen, oder? Das Leben besteht nicht nur aus William-Basinski-Platten und lecker Süppchen. Und das ist auch gut so.

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