Foto: imago | Stefan M Prager

Als Marilyn Manson mal Sidos Aussehen runtergemacht hat

Der God of Fuck ist 50 geworden. Das feiern wir mit Kopftritten, Kotzerei, Hass aufs Christentum und weiteren Sternstunden seiner Karriere.

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07 Januar 2019, 3:26pm

Foto: imago | Stefan M Prager

"Großartige Kunst entsteht oft aus Schmerz", sagte Marilyn Manson einmal in einem Interview. Auf dem Weg vom kleinen Brian Hugh Warner zum selbsternannten God of Fuck hat Manson sicher Blut, Schweiß und Tränen verloren. Und gelegentlich auch seinen Mageninhalt. Aber das Leiden hat sich gelohnt.

Mit Hymnen wie "The Beautiful People" und "Antichrist Superstar" hievte sich Manson 1996 auf den Olymp des Industrial Rock. Für sein schockierendes Auftreten liebten ihn die Fans – und alle anderen hassten ihn. Diverse US-Medien machten ihn 1999 sogar für den Amoklauf an der Columbine-Highschool verantwortlich.

Trotzdem ist Marilyn Manson mit seiner gleichnamigen Band über die Jahrzehnte erfolgreich geblieben. Am 5. Jänner feierte Manson ein halbes Jahrhundert Exzess, Rebellion und Satanismus. Nicht mit einer ordentlichen Sex- und Alkoholorgie, sondern entspannt in "kleiner" Freundesrunde, wie das Video von einem Party-Gast beweist. Auch der Lord der creepy Kontaktlinsen schaltet eben mit 50 einen Gang zurück.

Marilyn Manson hat bislang zwar keinen Fledermäusen den Kopf abgebissen, seine Karriere war in den letzten 25 Jahren trotzdem geprägt von Provokationen, Skandalen und Rausch. Hier sind einige Highlights:

Manson erklärt in einer Talkshow Moshpits, Stagediving & Crowd Surfing

Der Clip gehört zu den glänzenden Perlen der Prä-Internet-Ära. Manson war 1995, zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Band, zu Gast in einer US-Talkshow. Das Thema: Moshpits, Stagediving und Crowd Surfing. Und weil Manson damals für die konventionelle Prüderie-Gesellschaft das Mensch gewordene Böse darstellte, war die Ausgangslage klar: Manson stand stellvertretend für die verkorkste Jugend, die auf Konzerten "randaliert" – und alle anderen (vorwiegend alte, Weiße Männer) im Publikum fanden das naturgemäß schrecklich. Manson hörte sich eine Stunde lang das staubtrockene Gelaber des Talkshow-Hosts an, sprach reflektiert und gelassen über die Psychologie der "Düsterkultur" und zerpflückte genüsslich die christliche Doppelmoral. Ein magischer Manson-Moment.

Manson kickt auf der Bühne seinen Gitarristen John5

Diese legendäre Szene fand bei Marilyn Mansons Auftritt 2003 bei Rock am Ring statt. Manson, mit Micky-Maus-Ohren und schwarz bemaltem Gesicht, stampft in seinen Springerstiefeln auf Gitarrist John5 zu und trifft ihn mit dem Knie an der Schläfe. Nach dem ersten Schrecken rastet John5 aus und schleudert seine Gitarre zu Boden, um Manson mit geballten Fäusten zu drohen. Ob nun fake oder ernst, John5 verließ wenig später die Band, um bei Rob Zombie zu spielen.

Manson disst Sido

Marilyn Manson war Anfang 2011 in Wien, um bei der ORF-Casting-Sendung Helden von Morgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu coachen. Während der Show saß Manson in einem abgetrennten Bereich der Bühne und kommentierte die Auftritte. Als Sido, der damals zur Jury gehörte, einem Kandidaten offenbar sexuellen Rat gab, schaltete sich Manson ein: "Gib keinen Sex-Rat, wenn du selbst bei niemandem landen kannst." Das saß. Sido reagierte ziemlich kindisch, versuchte Manson zu beleidigen ("Geh mal ein paar Fledermausköpfe essen, du Idiot") und fuchtelte nur wild mit den Händen herum, um dann zu erklären: "Ich versteh auch nicht so viel Englisch." Na, um Mansons Diss zu verstehen hat's ja zum Glück gereicht.


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Manson vergleicht das Christentum mit Faschismus

1997 war die Welt noch in Ordnung. MTV spielte Musik, das Internet steckte noch in surrenden 56k-Modems, und Marilyn Manson versorgte Klatschblätter regelmäßig mit Stoff. Wie auch bei den MTV Music Awards in New York, als sich der "Antichrist Superstar" als Präsident der USA inszenierte und zu seinen "fellow Americans" sprach, um im nächsten Satz das gesamte Christentum mit dem Faschismus zu vergleichen. Leider ist nicht überliefert, wie viele stockkonservativ-christliche Familien sich diese Preisverleihung ansahen und bei Mansons Darbietung vor Schreck die Rosenkränze fallen ließen.

Manson kollabiert und kotzt auf der Bühne

Marilyn Manson ist nicht dafür bekannt, zimperlich mit seinem Körper umzugehen. Schließlich ziehen sich Drogen-Exzesse durch sein Leben wie Lines aus purem Schnee, wenn man seiner Autobiografie Long Hard Road Out Of Hell glaubt. Ein gutes Beispiel dafür lieferte er 2013 bei einem Konzert im kanadischen Saskatoon, als er während der letzten Nummer auf die Knie ging und den Bühnenboden mit seinem Mageninhalt einweichte. Als wäre das nicht befremdlich genug, kam ihm eine lange Minute niemand zu Hilfe – erst als Gitarrist Paul Wiley mit dem rauschenden Riff von "Beautiful People" schon alles und jeden zersägte, halfen ihm drei Roadies von der Bühne. Auch Rockstars haben mal einen schlechten Tag.

Manson versaut sich selbst den Ton und stolpert über ein Kabel

2016 supportete Marilyn Manson die Metal-Band Slipknot auf deren Tour. Dass er sich dort nicht immer von seiner besten Seite zeigte, beweist dieser Clip, auf dem Manson während seines Auftritts zum Mischpult torkelt, dort neben dem verwunderten Techniker herumspielt und schließlich über ein Kabel stolpert, um der ganzen Malaise mit einem lauten Knall den Saft abzudrehen.

Manson hat sich zwei Rippen entfernen lassen?

Da wäre noch die Geschichte mit den beiden Rippen, die sich Manson angeblich entfernen ließ, um sich selbst einen zu blasen. Ist natürlich nie passiert. Wie sich das Gerücht trotzdem bis heute halten konnte, weiß wahrscheinlich nicht mal Marilyn Manson selbst.

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