Das sagen Kärntner Veranstalter zur Techno-Kultur im Land

Spoiler: Techno-Fans in Kärnten zu finden, ist nicht das Problem – die Behörden sind die größte Hürde.

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19 Juli 2018, 2:41pm

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit T-Mobile Austria entstanden.

In Kärnten wird viel für den Tourismus und wenig für die Jugend getan. Das ist kein Geheimnis. Betrachtet man das grün-blaue Seenparadies von oben, versteht man auch, warum das Bundesland so große Massen an gut betuchten Urlaubenden in seine Seevillen zieht. Dass Kärntens Naturkulisse allerdings ausschließlich Fans der "Starnacht am Wörthersee" oder der "Fête Blanche" vorbehalten sein soll, wollen Vertreter und Vertreterinnen bestimmter Szenen abseits des Mainstream nicht einsehen. Wir sind also nach Kärnten gefahren und haben uns auf die Suche nach jenen Menschen gemacht, die daran arbeiten, eine Subkultur entstehen zu lassen. Und genau diese Menschen wollen wir im Zuge von "Crowd & Rüben" presented by T-Mobile Electronic Beats hochleben lassen und zeigen, dass Techno auch abseits der Hauptstädte und nicht nur in Wien funktionieren kann. Wir haben Veranstalter und DJ Kristof Grandits kennengelernt und mit DJ Robert Stahl über die Lage in Kärnten gesprochen.

Es gab die Community schon, bevor es dort Veranstaltungen gab. Das bewies Kristof 2015 mit dem Start seiner Open-Air-Reihe Techno am See, die schon Interessierte hatte, bevor das erste Event überhaupt stattfand oder Location-Genehmigungen eingeholt waren. "Auf Facebook hatten wir schon tausende Zusagen für das Event. Das hat mir gezeigt, dass Bedarf herrscht und das war auch das Hauptargument in meinen Gesprächen mit den Behörden. Ein weiterer wichtiger Punkt, warum es schlussendlich geklappt hatte, war, dass wir immer ein anrainerfreundliches Konzept angestrebt hatten und die Veranstaltungsgesetze für Open Airs eingehalten haben. Heißt, von 14:00 bis 23:00 Uhr feiern und dann ist Schluss. Das war für niemanden ein Problem, weil wer will schon im Sommer bei 30 Grad im Club stehen."

"Techno-Fans in Kärnten zu finden, war also nie das Problem gewesen – die Behörden sind die größte Hürde."

Darauf folgten viele weitere Techno-Events am Kärntner Goldeck ("Techno am Berg") oder im Stadtpark Spittal ("Techno im Park"), die immer mehr Anklang bei lokalen Techno-Heads fanden.

Aber trotz des genannten anrainerfreundlichen Konzepts sind Veranstalter wie Kristof immer wieder mit Gegenwind vonseiten der Kärntner Touristiker und manchmal auch mit verärgerten Anrainern konfrontiert. In Klagenfurt zum Beispiel gab es 2016 im Zuge einer Techno-Veranstaltung eine Unterschriftenaktion "gegen Techno". In Döbriach am Millstätter See wurde, nachdem "Techno am See" dort schon einmal erfolgreich über die Bühne gegangen war, ein zweites Event von Touristiker verhindert. Und das, obwohl der Bürgermeister des Ortes die Veranstaltung begrüßt hätte, wie in einem Kleine Zeitung-Artikel nachzulesen ist. Die Veranstaltung hätte nicht zur Region gepasst. Und so musste Kristof sich auf die Suche auf andere Locations ausweichen. Techno-Fans in Kärnten zu finden, war also nie das Problem gewesen – die Behörden sind die größte Hürde.

Robert Stahl kennt das Problem. Er ist seit 20 Jahren DJ und trägt noch immer maßgeblich zur Etablierung von Elektronischer Musik in Kärnten bei. "Hierzulande sind die Partys meist um 4:00 Uhr zu Ende, Open Airs im elektronischen Bereich meist schon um 22:00 oder 23:00 Uhr. Dahingehend werden Volksfeste oft bis 1:00 oder 2:00 Uhr früh beschallt und es scheint niemanden zu stören. Aber es tut sich hier auf jeden Fall etwas. Zwar nicht wie Ende der 90er Jahre, dafür im kleinen Rahmen und mit guter Qualität."

Es tut sich also was in Kärnten. Neben dem Stereo in Klagenfurt, sind "Abstract Factory" und "Love Friday, Love Techno" als monatliche Veranstaltungen im Loco-Soundclub in Villach eine wichtige Anlaufstelle für Techno-Fans. In Klagenfurt wird außerdem noch House im CIK gespielt und es wird hauptsächlich nationalen DJs aus den Bundesländern eine Bühne geboten. "Ein paar Mal im Jahr finden auch größere Events mit internationalen Acts oder in den Sommermonaten Events wie das World-Body-Painting-Festival oder Techno am See statt," sagt uns Robert im Gespräch.

Weiter findet er, dass das Angebot an Top-Acts (Beyer, Cox, und Co.) in Kärnten zwar nicht so groß sei wie in Wien, Linz oder Graz. Aber soundtechnisch gäbe es nicht viel Unterschied, man müsse nur wissen, wo man hin muss, um "das Besondere" zu erleben. Wie zum Beispiel am 28. Juli. Denn da passiert wohl, was in Kärnten und auch sonst wo niemand vermutet hätte: Das schwedisch-amerikansche Techhouse Duo Pleasurekraft spielt ein zweistündiges Live-Set auf dem Pyramidenkogel mitten in der 2000 Einwohner-Gemeinde Keutschach am Wörthersee. Local Support ist neben Austrian Apparel, Crazy Sonic, E-Royal und Mighty Mottl auch Robert Stahl.

Die Kärntner Techno-Fans scheinen sich also vor allem über die "Facebook-Bubble" gefunden und vereint zu haben. Vor Techno am See gab es vereinzelte Versuche der sehr kleinen Szene. “Es waren Veranstaltungen mit 50 bis 70 Leuten, die Locations waren nicht mal halb ausgelastet,“ sagt Kristof. Danach kam der Open-Air-Hype in den Hauptstädten auf. Durch das Internet hat sich dieser Hype auch in Kärnten niedergelassen und auf’s Land verlagert.

Und das gehört gefeiert.

Am 28. Juli 2018 wird am Pyramidenkogel auf 908 Metern Höhe das zweite Highlight der dreiteiligen Eventreihe “Crowd & Rüben“ presented by T-Mobile Electronic Beats gesetzt – und das mit einzigartigem Blick über die beeindruckende Seenlandschaft Kärntens. Headliner des Abends ist das DJ-Duo Pleasurekraft (SE/ US). Supported werden diese unter anderem vom Wiener Elektro-Urgestein Crazy Sonic, den Jungs von Austrian Apparel und Deep-House und Techno Virtuose E. Royal. Auf lokaler Ebene wird die Partymeute musikalisch von Mottl und Robert Stahl bedient.

Hier geht’s zum Facebook Event und hier zur Anmeldung.

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