Gerard: „Mein Team und ich nehmen das jetzt alles viel ernster"

Gerard wird als Newcomer gefeiert, dabei bringt er schon sein drittes Album raus. Wir haben den Wiener Rapper getroffen.

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09 Januar 2013, 1:00pm


Foto: Tobias Hoffmann

Gerard kommt aus Wien und wird unter anderem vom Radiosender 1Live als einer der Newcomer für 2013 gehandelt. Doch schaut man sich die Diskografie, des jungen Österreichers an, ist das Wort Newcomer fast fehl am Platz. Es ist nicht wie so oft das heiß erwartete Debütalbum, auf das sich die Hoffnungen konzentrieren, sondern es ist das dritte Album eines Künstlers, der sich ständig weiterentwickelt hat und sich ständig weiterentwickeln will. Doch vielleicht ist genau jetzt, genau 2013 die richtige Zeit für Gerard, um ein größeres Publikum zu erreichen. Dass er ein guter Rapper ist, hat er längst bewiesen, dass er gute Songs schreiben kann und das perfekte Team um sich herum hat, sollte spätestens seit „Lissabon” klar sein. Es fehlt eigentlich nur noch eins, ein Releasedatum für sein Album Blausicht. Bei unserem letzten Treffen wurde ganz lose das zweite Quartal 2013 angepeilt, hoffen wir, dass er uns nicht noch länger warten lässt.

Damit ihr bei der nächsten Kneipendiskussion über die Newcomer 2013 mitreden könnt, haben wir Gerard getroffen und uns ein bisschen über seine musikalischen Anfänge unterhalten, warum er mit 18 Wels gegen Wien eingetauscht hat und einige weitere Dinge.


Noisey: Sag den Leuten doch mal wo du aufgewachsen bist und wann du mit dem rappen angefangen hast.
Geboren bin ich in Wels in Oberösterreich und mit 18 bin ich direkt nach Wien gezogen. In Wels habe ich so mit circa 14, 15 angefangen, Texte zu schreiben und Sachen aufzunehmen.

Wie bist du zu Rap gekommen?
Ich glaube, ich bin einer der wenigen, die wirklich mit Deutsch-Rap angefangen haben. Einer in der Klasse hatte das Eins Zwo Album Gefährliches Halbwissen, dann kam Deluxe Soundsystem und ich war „geflasht”, wie man damals in Hamburg gesagt hat.

Hast du von Haus aus auch eine klassische Musikausbildung, musstest du ein Instrument lernen?
Ich hab acht oder neun Jahre lang Klavier gelernt und kann jetzt überhaupt nichts mehr. Schlagzeug habe ich auch drei oder vier Jahre gelernt, aber das wollte ich auch lernen.

Wie hast du deine ersten Sachen aufgenommen?
Das war mit dem Magic Musikmaker acht oder so und irgendein Mikrofon. Damals war es mein größter Traum, einfach mal einen Song in guter Qualität zu haben. Meine damaligen Aufnahmen haben immer gerauscht und da war natürlich auch mit Abmischen nichts mehr zu retten. Ich habe die Songs dann trotzdem hochgeladen, das war noch vor Myspace. Ich glaube die Plattform nannte sich MyOwnMusic.de. Das war gut für mich, denn die anderen User konnten dir Feedback geben. Das war damals alles noch in Wels.

Du bist mit 18 nach Wien gezogen. Musstest du der Kleinstadt entfliehen oder stand der Entschluss schon länger fest?
Wels hat so um die 60.000 Einwohner, ist also recht klein. Wenn du da mit 16 anfängst, auszugehen und du hast nur zwei Lokalitäten und du siehst immer nur dieselben Menschen, war für mich schnell klar, dass das auf Dauer zu klein für mich ist.

Hat sich mit dem Umzug nach Wien automatisch die Qualität der Songs verbessert oder kam das sogar noch davor?
Das war vorher schon, ich habe über ICQ diverse Produzenten angeschrieben unter anderem auch DJ Stickle, bei dem wir jetzt für das aktuelle Album auch im Studio waren. Über das Internet habe ich mich dann mit Leuten aus Linz oder Wien connectet und diese Leute auch besucht. Als ich dann nach Wien gezogen bin, gab es natürlich schon Leute, die man kannte und mit denen man dann noch mehr zusammengearbeitet hat.

Obwohl du momentan in Deutschland als Newcomer gefeiert wirst, hast du ja schon ein paar Sachen veröffentlicht. Gib den Leuten doch mal bitte einen kurzen Überblick über deine Diskografie.
Mit 16 habe ich eine Vinyl-Maxi gemacht von der sicher noch 450 von 500 Stück im Keller meiner Eltern stehen. 2007 gab es dann mein erstes Album Rising Sun, da war ich circa 18 und 2009 Blur und 2013 hoffentlich Blausicht.

Damals haben dich Leute wie Eins Zwo und Dynamite Deluxe beeinflusst, wer ist es heute?
Ich höre viel instrumental Musik, über die rede ich ja immer. (Anm. d. Red.: Hudson Mohawke, Dorian Concept, etc.)

Aber deine Musik beinhaltet ja auch Vocals, da muss es doch auch was mit Vocals geben, was du dir anhörst.
The Streets finde ich natürlich richtig geil. Sonst eher so die Sachen, die jeder feiert, Kanye West, Jay-Z, Drake, Kendrick Lamar und seine Gang, The Roots.

Also doch auch noch „klassischen” HipHop?
Klar voll, auch diese ganzen Stones Throw-Sachen. Es gibt auch Tracks von Lil' Wayne, die ich geil finde. Aber es gibt echt wenige Künstler von denen ich mir ein ganzes Album anhören kann.

Du hast erzählt, dass immer Leute zu dir kommen und dir ihren Respekt aussprechen und dir sagen, dass es jetzt klappen könnte. Kannst du dir erklären, warum genau jetzt, weil du bist, wenn man deine Veröffentlichungen betrachtet, ja längst kein Newcomer mehr.
Die Jahre davor war es einfach mehr ein Hobby. Bis vor kurzem habe ich noch Jura studiert, was natürlich auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Die Leute, mit denen ich jetzt zusammenarbeite und ich nehmen das alles jetzt viel ernster und stecken da viel mehr Aufwand rein. Nur als Beispiel, zum letzten Album gab es nicht mal ein Video. Vielleicht wäre es mit mehr Aufwand da auch schon größer geworden. Aber der Plan war ja immer natürliches Wachstum.

Wir geben uns auch wirklich Mühe und die Musik steht immer im Vordergrund. Wir tun alles dafür das es richtig geil wird. Durch die Youtube-Videos können die Leute es ja auch sehen, wir sind einfach nur drei, vier Jungs, die alles selbst machen, sei es Logos gestalten oder Videos schneiden, da steckt nicht irgendeine Maschinerie dahinter, die irgendwas hochzüchtet. Wir sind einfach nur ein paar Freunde, die es schaffen wollen.

Was wird denn bis zum Album jetzt noch passieren?
Wir machen einfach so weiter wie bisher. Es wird weitere Videos geben, die den Leuten einen Einblick in unsere Arbeit vermitteln. Das wollen wir durchziehen bis das Album kommt und wenn das Album dann draußen ist, ist Schluss damit und das Album soll nur noch für sich selbst stehen.

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Sascha auf Twitter: @DeutscheWorte

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