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Interviews

„Vom Hudeln kommen die Kinder"–dasWERK im Interview

DasWerk hat uns ein paar Fragen zu Türpolitik, Plänen und Veränderungen beantwortet.

Fredi Ferkova

Fredi Ferkova

Fotos mit freundlicher Genehmigung | via Facebook.

Benji und Sitzz—die zwei Köpfe des Werks—meiden Medien meistens. Dieses mal nicht, denn 2015 ist in Wien viel passiert. Also habe ich ihnen ein paar Fragen gestellt und um einen Zwischenstand für das Kulturzentrum in Spittelau gebeten. Ihre Antworten? Genau wie sie und dasWERK es sind—locker, offen und sympathisch. Warum sie nicht gerne mit anderen Clubs verglichen werden, welche Änderungen stattfinden werden und ob sich die Türpolitik verändert, sind nur ein paar der Dinge, die sie preisgegeben haben.

Noisey: Hat sich im letzten Jahr bei euch etwas geändert?
dasWERK: dasWERK ist in ständiger Veränderung. Unsere Philosophie ist die: Wenn etwas fertig und abgeschlossen ist, dann wird es Zeit für etwas Neues. Verändert hat sich also einiges. Diejenigen, die regelmäßig zu Besuch kommen und mit offenen Augen durch die Location wandern, bekommen sicher so einiges mit. Die meisten Veränderungen spielen sich jedoch hinter den Kulissen ab.

2015 haben einige Clubs ihre Schließungen bekannt gegeben. Wie war das Jahr für das Werk?
Wichtig ist uns zuallererst, dass wir kein Club im herkömmlichen Sinn sind. Wir haben ein Kunst- & Kulturzentrum mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen über das Jahr. Insofern kann man dasWERK nur bedingt mit anderen Clubs vergleichen. 2015 war ein ereignisreiches Jahr. Wir haben uns in eine gute Richtung entwickelt und denken, so manches richtig gemacht zu haben. Wir sind glücklich mit unseren Veranstaltern und können einen guten Mix an den verschiedensten Veranstaltungen anbieten. Besonders die Konzertabende unter der Woche sind uns wichtig und bieten eine angenehme Abwechslung zum Partywahnsinn am Wochenende.

Glaubt ihr, dass ihr Vorteile oder eher Nachteile aus den Schließungen haben werdet?
Für Wien ist es schade—wir trauern jeder guten Location nach—schon alleine aus persönlichem Interesse. Aber wie oben schon erwähnt, ist der direkte Vergleich nicht wirklich passend. Was oft vergessen wird ist, dass es zwar einige Schließungen gegeben hat, es aber auch wieder Neueröffnungen geben wird. Die Jungen rücken nach und werden auch ihre Plätze finden.

Welche Veranstaltungen können wir 2016 bei euch erwarten? Wird es Highlights geben?
Ja, Highlights sind sicher für jeden etwas anderes. Wir freuen uns schon wieder sehr auf das Kunst am Kanal-Festival (12. und 13. August)—das ist unser Highlight!

Was wird sich ändern? Was bleibt?
Alles! Nichts!

Ihr habt ja vor einer Zeit ausgebaut. Plant ihr noch Veränderungen im Lokal selbst?
Ja, es sind Veränderungen in Planung. Wir haben noch viel ungenutzten Raum zu Verfügung. Allerdings werden wir uns damit noch Zeit lassen. Wie sagt man in Wien so schön: „Vom Hudeln kommen die Kinder.“

Seid ihr zufrieden mit eurem Publikum?
Ja, zum größten Teil sehr! Natürlich passiert es immer wieder, dass sich auch finstere Gestalten herumtreiben. Aber so geht es jedem, der im nächtlichen Gastgewerbe tätig ist.

Was würdet ihr euch von der Wiener Fortgeh-Bevölkerung wünschen?
Mehr Mut zum Experimentieren und mehr Interesse an den Acts. Eine gewisse Beliebigkeit hat sich in den letzten Jahren schon eingeschlichen. Es wird mehr darauf geachtet, wo alle anderen hingehen und weniger darauf, wo interessante Acts spielen. Aber wir denken, man darf das auch nicht zu ernst nehmen.

Was würdet ihr euch von Veranstaltern wünschen?
Du meinst generell? Weniger! Haha! Stell dir vor, es ist Party und keiner geht hin...es ist schon so, dass sehr viele Leute denken, eine eigene Veranstaltung machen zu müssen – aus welchen Gründen auch immer. Wir bekommen viele Anfragen von den verschiedensten Leuten. Ob jung oder alt, ist ganz egal. Wir wünschen uns von den Veranstaltern, dass sie mit Herzblut dabei sind und die Sache ernst nehmen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass sie nicht vorrangig aus finanziellem Interesse veranstalten, sondern weil es ihnen Spaß macht. Sonst passen wir einfach nicht zusammen. Und das spüren die Gäste dann auch bei der Veranstaltung.

Seid ihr zufrieden mit euren Veranstaltungen?
Wir sind sehr zufrieden! Mittlerweile können wir die Veranstaltungen ganz gut einschätzen und ahnen meist, was auf uns zu kommt. Klar, jeder Abend ist unterschiedlich, aber wir wissen, dass wir uns auf unsere VeranstalterInnen verlassen können. Am wichtigsten ist uns dabei die gegenseitige Sympathie, das Vertrauen und die Qualität.

Letzten Sommer gab es bei euch Partys, bei denen man grillen konnte. Auch Tages-Flohmärkte sind mir in Erinnerung geblieben. Wird es so ein Side-Programm weiterhin geben?
Ja, mit Sicherheit. Unsere Lage direkt am Donaukanal ist ja prädestiniert dafür. Die meisten Geschichten werden allerdings wieder spontan entschieden. Außer natürlich große Sachen, wie Flohmärkte etc. Ob jemand draußen grillen möchte, ist ja schnell entschieden. Leider muss man auch sagen, dass es einem hier in Wien nicht allzu leicht gemacht wird. Man kann hier schnell im Paragraphenjungle erloren gehen. Ohne Genehmigung läuft nämlich wenig. Und diese sind oft schwer zu bekommen.

Wie seht ihr die Entwicklung Wiens im Bereich des Fortgehens generell? Muss etwas passieren, damit es für alle Seiten besser wird?
Es passiert sehr viel in Wien. Fast schon zuviel—wobei es natürlich wichtig ist, dass viel passiert. Die Qualität der Veranstaltungen ist doch eher hoch gehalten. Und es scheint, als ob das Publikum manchmal etwas überfordert ist, mit den vielen verschiedenen Angeboten in der Stadt.
Was wir uns wünschen, ist die Streichung der leidigen Vergnügungssteuer. Diese ist, nach dem Wegfall der Einnahmen aus dem kleinen Glücksspiel, eine Bagatellsteuer geworden. Das würde für die Lokalbetreiber und Veranstalter vieles leichter machen. Und das kommt wiederum den Gästen zugute.
Was wir uns für die Party-Szene wünschen, ist eine behördliche Erleichterung bei Outdoor Veranstaltungen im Sommer, wie es in manchen deutschen Städten schon praktiziert wird.

Angeblich hat sich eure Türpolitik in den letzten Monaten verschärft. Habt ihr ein Statement dazu?
Naja, ein Statement wäre übertrieben. Aber wie sicher einige (schmerzlich) bemerkt haben, hatten wir zunehmend ein Problem mit so manchen Leuten in der Nacht. Seit gut sechs Wochen haben wir nun begonnen eine neue Türpolitik zu etablieren. Die negativen Vorfälle sind seitdem eklatant zurückgegangen. Die Menschen, die kommen, um mit uns eine gute Zeit zu verbringen, werden auch in Zukunft ohne Probleme reinkommen. Es wird nicht je nach Laune aussortiert, sondern mit Gefühl entschieden. Jeder und jede soll sich bei uns sicher fühlen und eine gute Zeit verbringen können. Generell ist der Job des Türstehers schon ein wenig undankbar. Wenn man sich auf sein Gefühl verlassen muss, steht man mit seiner Argumentation schnell mit dem Rücken zur Wand. Und wenn man sich erst gar nicht auf Diskussionen einlässt, wird man als arrogant beschimpft. Die Leute verstehen halt oft nicht, wieso sie jetzt nicht rein dürfen.

Das Werk ist für seine Toleranz bekannt. Was toleriert ihr in eurem Club nicht?
Wir tolerieren keine rechten Gesinnungen!

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